Wolffia

Zwergwasserlinse, Aronstabgewächs, Araceae

Gattung:

Wolffia umfasst etwa 11 Arten (Kew 2023) und ist fast kosmopolitisch verbreitet.
Wolffia-Arten sind eine potenziell proteinreiche Nahrungsquelle für den Menschen. W. microscopica besteht zu über 20 % aus Protein nach Trockengewicht und hat einen hohen Gehalt an essenziellen Aminosäuren. Die Arten können als Gemüse genutzt werden (Appenroth & al. 2017).

 

Wolffia columbiana

Kolumbianische Zwergwasserlinse,
Wolffia columbiana,
Aronstabgewächs, Araceae

 

Steckbrief:

Winzige, im Durchmesser 0,5–1,5 mm breite Pflanze. Linsen manchmal ganzrandig oval, manchmal eingeschnürt. Oberseite in der Seitenansicht gewölbt, von oben betrachtet liegt ein relativ breiter Saum unter Wasser. Unterseite ohne Wurzeln. Oberseite hellgrün, etwas transparent mit 1–15 Spaltöffnungen, unter der Lupe schlecht erkennbar, nicht heller als die Umgebung.
Verwechslungsmöglichkeit: Leicht mit der heimischen Echten Zwergwasserlinse, Wolffia arrhiza, verwechselbar. Bei dieser sind die Linsen fast immer bei ungefähr ⅓ der Länge leicht eingeschnürt (scheinbar zweiteilig), in der Seitenansicht abgeflacht. Sie hat 10–100 Spaltöffnungen, unter der Lupe als helle Punkte erkennbar.
 

Name:

Benannt zu Ehren des deutschen Arztes, Botanikers und Entomologen Johann Friedrich Wolff (1778−1806). Wolff praktizierte als Arzt in Schweinfurt, promovierte über Wasserlinsen und schrieb über diese Pflanzengruppe u.a. 'Commentatio de Lemna' (Burkhardt 2018). Auch Wolffiella aus derselben Familie und die ehemaligen Gattungen Wolffiopsis und Pseudowolffia, die beide jetzt Wolffiella angehören, sind nach ihm benannt.
 

Heimat:

In großen Teilen Nord-, Mittel- und Südamerikas.
 

Nutzung:

Keine (aber mögliche menschliche Nahrungspflanze, siehe oben bei Gattung).
 

Ausbreitung:

Die in Amerika heimische Wolffia columbiana wurde in Europa erstmals 2013 in den Niederlanden und in Deutschland nachgewiesen (Schmitz & al. 2014). Bislang wurde die Art übersehen bzw. mit W. arrhiza verwechselt. Bei der Kleinheit, die ganzen Pflanzen sind nicht größer als ein Stecknadelkopf, und Merkmalsarmut der Wolffia-Arten nicht verwunderlich. Darauf folgten weitere Funde aus Deutschland und anderen europäischen Ländern. Mittlerweile ist die Art auch aus Italien (Ardenghi & al. 2017) und Belgien (Hendrickx & Verloove 2019) bekannt. In den Niederlanden scheint sie mittlerweile weit verbreitet (FLORON 2021). Auch aus Deutschland liegen mittlerweile weitere Meldungen vor (Garve & al 2017, Klotz 2017, Schmitz & al. 2017, Frank & al. 2020). Aus den Niederlanden wird auch Wolffia australiana angegeben (FLORON 2021). In Deutschland wurde jüngst auch W. globosa nachgewiesen (Beigel 2020), in Sachsen-Anhalt syntop mit W. columbiana (Frank & al. 2020). Die Art war adventiv bislang in Europa nur aus Bulgarien bekannt (Kirjakov & Velichkova 2013). Mit weiteren Funden und Arten ist zu rechnen.
Die winzigen Pflanzen können sich durch Wasserpflanzengärtnereien ausbreiten, aber auch leicht epizoochor durch Wasservögel. Jüngst konnte bei W. columbiana auch die Ausbreitung durch Endozoochorie belegt werden, wobei in diesem Fall die ganzen Pflanzen teilweise unbeschadet den Verdauungstrakt von Wasservögeln passieren (Silva & al. 2018).
Mittlerweile ist die Art häufiger als die sehr seltene heimische Verwandte Wolffia arrhiza.

 
DEUTSCHLAND:
Tiefgestade bei Karlsruhe in Baden-Württemberg (Hassler 2021), 2015 und 2016 in einem Weiher bei der Dorfkirche Sarching nahe Regensburg in Bayern (Klotz 2017), Großkrotzenburg, Hanau-Klein-Steinheim und 2020 bei Mainhausen in Hessen (Gregor 2022), 2018 Elbe bei Gorleben, 2017 Gartower See, Römstedt bei Bad Bevensen und Restorfer See bei Lüchow in Niedersachsen (Feder & Langbehn 2018, Garve & al. 2017), Urdenbacher Kämpe bei Düsseldorf, Würselen, 2023 in einem etwa 200 m² großen Teich auf Privatgelände nördlich der Innenstadt Ahlen nahezu die gesamte Oberfläche bedeckend und 2023 in Mülheim an der Ruhr-Saarn in Nordrhein-Westfalen (Müller & al. 2021, BBV 2024), bei Bingen am Rhein, Sporkenheim, Ingelheim und Neuwied in Rheinland-Pfalz (Rätzel & al. 2021, Schmitz & al. 2017) und in einem Altarm der Elbe bei Wahrenberg in Sachsen-Anhalt (Frank & al. 2020).
ÖSTERREICH:
Beim Magdalenenhof am Südfuß des Bisamberges und in Stammersdorf in Wien (Gilli 2016, Lefnaer 2017). Beim „Krötenteich“ knapp östlich des Magdalenenhofs handelt es sich um ein künstliches, ehedem als Löschwasserteich genutztes, ca. 800 m² großes Kleingewässer, das heute z.T. seltenen Amphibien- und Süßwassermolluskenarten als Lebensraum dient (Fischer & al. 2019). Dort ist Wolffia columbiana möglicherweise mit kultivierten Wasserpflanzen eingeschleppt worden. Neben einer (dort sicher angesalbten) Nymphaea sp. (vegetativ) fanden sich vor Ort auch Typha latifolia, Iris pseudacorus und Carex acutiformis mit unklarem floristischem Status. Eine (unabsichtliche) Ausbringung durch das Entleeren eines Aquariums kann nicht ausgeschlossen werden (Gilli & al. 2021). Beim zweiten Fundort, der „Laimergrube“ am südwestlichen Ortsrand von Stammersdorf, handelt es sich um eine ehemalige Schottergrube, die zu einer Pflanzenkläranlage bzw. zu einem Retentionsbecken für Oberflächenwässer umgewandelt wurde. Die längliche Anlage besteht aus mehreren Abschnitten, wobei sich Wolffia columbiana nur im untersten Bereich (ca. 130 × 10 m) fand. Dort bildete die Art zusammen mit Lemna minor einen flächendeckenden Bestand. Die beiden Fundorte sind ca. 2,7 km Luftlinie voneinander entfernt. In beiden Gewässern war Wolffia columbiana zum Teil in Blüte – die Art blüht im Vergleich zu W. arrhiza regelmäßig (Schmitz & Kelm 2017). An beiden Fundorten halten sich die Wolffia-Bestände mittlerweile fünf Jahre (Gilli & al. 2021). Der Erstnachweis für Österreich erfolgte 2016.
SCHWEIZ: ---
ANDERE LÄNDER:
Subspontan u.a. auch in Belgien (Verloove 2021), Italien (Galasso & al. 2024) und lokal eingebürgert in den Niederlanden (FLORON 2021).

 
Weitere Art:

Wolffia globosa

Aus Südost-Asien stammt die Kugelige Zwergwasserlinse, Wolffia globosa. Sie gilt als die kleinste Blütenpflanze der Welt (Lock 2013) und wird in der thailändischen Küche als „Pham“ geschätzt. Sie wurde im August 2018 in der Kläranlage von Dürrnbuch, Gemeinde Emskirchen in Mittelfranken in Bayern gefunden (Beigel 2020). Bis September 2019 konnte die Art, noch sieben Mal in ähnlichen Tei­chen im gleichen Landkreis gefunden werden, sie hat also einen Winter trotz Minusgraden überstanden (Beigel 2020). Weiters in Bayern 2019 Gründleinsbach bei Eckenberg, 2019 Saugraben bei Mausdorf, 2018 Neidbächlein bei Neidhardswinden, 2019 Hammerbach bei Pirkach, 2018 Erlach bei Bräuersdorf, 2019 Steinach bei Langensteinach und 2020 in einem Klärteich bei Heidenheim (Meierott & al. 2024). Weiters an der Elbe bei Wahrenberg in Sachsen-Anhalt (Frank & al. 2020, Müller & al. 2021) und 2021 im Elbvorland bei Schnackenburg in Niedersachsen (Kelm 2022). In Europa wurde die Art zum ersten Mal in einem kleinen Teich nahe der Stadt Hisar, Bezirk Plovdiv in Bulgarien, entdeckt.
Die Merkmale von W. globosa sind laut Landolt (1994): Sprossglieder ellipsoid, mit der größten Breite deutlich unter der Wasseroberfläche (von oben ringsum ein durchscheinender Saum sichtbar), (0,4) 0,5 bis 0,8 (0,9) mm lang, (0,3) 0,4 bis 0,6 mm breit, 1 1/3 bis 1 2/3 mal so lang wie breit, 3/4 bis 1 1/3 mal so tief wie breit, mit 8 bis 25 (35) Spaltöff­nungen, blassgrün auf der Oberfläche. Zellen unter der Epidermis nur etwas kleiner als die Zellen auf der Unterseite des Sprossglieder, das untergetauchte Stück des Sprossgliedes zeigt gerade nach unten. Narbe ohne Pigmentzellen.

 

Quellen:

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