Weigela

Weigelie, Geißblattgewächs, Caprifoliaceae

Gattung:

Weigela umfasst etwa 10 ostasiatischen Arten (Kew 2023).
Gärtnerisch werden neben Weigela florida vor allem die ebenfalls ostasiatischen Weigela coraeensis, W. hortensis und W. floribunda, vor allem aber deren Hybriden kultiviert. Gerade bei den verwilderten Pflanzen ist eine genaue Bestimmung nur schwer möglich, weshalb diese Formen hier als W. florida hort. zusammengefasst werden.

 

Weigela florida

Liebliche Weigelie,
Weigela florida hort. 
Geißblattgewächs, Caprifoliaceae

 

Steckbrief: 

Bis 3 Meter hoher Strauch mit kahlen oder zweistreifig behaarten Trieben. Blattspreiten 4–10 cm lang, elliptisch bis länglich-eiförmig, zugespitzt, fein gesägt. Blüten zu 1–3, rosa bis purpurrot, 3–4 cm lang, unterhalb der Mitte plötzlich verengt, außen ± behaart. Früchte schmal zylindrisch, bis 2,5 cm lang, kahl. Blütezeit Mai bis Juni, oft mit Nachblüte im Spätsommer.
 

Name:

Benannt zu Ehren des deutsch-schwedischen Botanikers, Mediziners und Chemikers Christian Ehrenfried von Weigel (1748–1831), der u.a. eine Flora von Pommern verfasste. Weigel war Professor für Medizin, Chemie und Pharmazie, Leibarzt des schwedischen Königshauses und übersetzte die Affinitätslehre des schwedischen Chemieprofessors Torbern Olof Bergman unter dem Titel 'Die Wahlverwandtschaften'. Goethe war von Bergmans chemischer Symbolik fasziniert und schrieb mit gleichem Titel seinen berühmten Roman mit autobiographischen Zügen (Burkhardt 2018).
 

Nutzung: 

Ziergehölz, seit etwa 1869 in gärtnerischer Kultur (Bärtels & Schmidt 2014). In zahlreichen Sorten wie `Bristol Ruby´ (etwa 1946), `Eva Rathke´ (etwa 1891) oder `Styriaca´ (1908). Von den etwa 200 bekannten Sorten befinden sich in Mitteleuropa etwa 20 im Pflanzenhandel (Bruns 2009).
 

 

Ausbreitung:

1831 entdeckte Alexander von Bunge die ostasiatische Pflanze kultiviert in Pekinger Gärten. Nach Europa kamen lebende Pflanzen 1844 durch Robert Fortune (Krausch 2003). Nach der Öffnung Japans für den Westen erreichten in den 1850er- und 1860er-Jahren mehrere weitere Weigela-Arten und Kulturformen Europa. Van Houtte, Billard und Lemoine begannen Ende des 19. Jahrhunderts mit der Züchtung großblumiger und verschiedenfarbiger Sorten. Um 1891 brachte Rathke in Praust bei Danzig die immer noch beliebte Sorte `Eva Rathke´. Weitere Züchtungen entstanden in jüngerer Zeit in Boskoop in den Niederlanden (Bruns 2009). In Buckow in Brandenburg gibt es seit 1997 einen Weigelien-Sichtungsgarten. Gegenwärtig gehört die Weigelie mit ihren dutzenden Kultursorten zu den beliebtesten Ziersträuchern. Sie tritt im Gebiet vereinzelt subspontan auf.
 
DEUTSCHLAND:
Mehrfach in Bayern (Lippert & Meierott 2014, Meierott & al. 2024), Bruchhausen in Nordrhein-Westfalen (Adolphi 2013, als W. floribunda) und Coschütz, Gostritz, Briesnitz und Sporbitz in Sachsen (Hardtke & al. 2013). Der Erstnachweis für Bayern erfolgte 1996 zwischen Riegling und Tauschschlag (Meierott & al. 2024). Die Gattung wird in der deutschen Florenliste (Hand & Thieme 2024) nicht angegeben.
ÖSTERREICH: 
Niederösterreich (FKÖ 2021), Unterweißenbach im oberösterreichischen Mühlviertel (Fischer & al. 2008), Hallein im Salzburger Tennengau und mehrfach in der Stadt Salzburg (Stöhr & al. 2007), Graz in der Steiermark (Schrammel & al. 2019, Glaser & al. 2025), Ufermauer der Isel in Lienz, Frauenbach in Lavant und Debantbach bei Lienz in Osttirol (Stöhr 2020) und Schnirchgasse, Schafberg und Schreiberweg und 2022 in der Pfeilgasse in Wien (Adler & Mrkvicka 2003, Carnifex 2022). Der Erstnachweis für Österreich erfolgte 1960 (Glaser & al. 2025). Beim Fund vom Eisenberg im Pinkatal im Burgenland von 1992 (Bregant 1992) geht aus dem Herbarbeleg nicht hervor, ob kultiviert oder subspontan. Ebenso wenig bei der „Liste der Gefäßpflanzen des Burgenlandes“ (Traxler 1989), wo die Weigelie unter den „Adventiv-, Nutz-, verwilderten Zierpflanzen und Bastarden“ aufgelistet steht. In Südtirol bei Meran und Lana (Naturmuseum Südtirol 2018).
SCHWEIZ: ---
ANDERE LÄNDER:
Subspontan u.a. auch in Belgien (Verloove 2021) und Norwegen (Gederaas & al. 2012).

 

Quellen

Adler W. & Mrkvicka Ch. (2003): Die Flora von Wien - gestern und heute – Verlag des Naturhistorischen Museums Wien, 831 S.

Adolphi K. (2013):  Flora des Kreises Mettmann, 2. Nachtrag. www.biostation-d-me.de/.../Adolphy_Flora_Kr_ME_2.Nachtrag_Juni_2013_.pdf

Bärtels A. & Schmidt P. A. (2014): Enzyklopädie der Gartengehölze – Ulmer-Verlag Stuttgart, 883 S.

Bregant E. (1992): Virtual Herbaria JACQ – Weigela florida – JACQ - Virtuelle Herbarien

Bruns J. (2009): Bruns Pflanzen – Sortimentskatalog Gehölze 2009/2010 – Ulmer Verlag, 1123 S.

Burkhardt L. (2018): Verzeichnis eponymischer Pflanzennamen Teil 1 - https://www.bgbm.org/sites/default/files/
verzeichnis_eponymischer_pflanzennamen
_2018_teil_1.pdf

Carnifex L. (2022): Bordstein-Botanik in der Pfeilgasse - http://forum.flora-austria.at/viewtopic.php?f=10&t=3667

FKÖ (2021): Arbeits-Verbreitungskarten zum Atlas der Flora Österreichs - Projektdatenbank zur Floristischen Kartierung Österreichs.

Gederaas L., Loennechen Moen T., Skjelseth S. & Larsen L.-K. (2012): Alien species in Norway, with the Norwegian Black List - http://www.scales-project.net/NPDOCS/
AlienSpeciesNorway_2012_scr_9C0ee.pdf

Glaser M., C. Gilli, N. Griebl, M. Hohla, G. Pflugbeil, O. Stöhr, P. Pilsl, L. Ehrendorfer-Schratt, H. Niklfeld & F. Essl (2025): Checklist of Austrian neophytes (2nd edition) – Preslia 97: 413−539.


Hand R. & Thieme M. (2024): Florenliste von Deutschland (Gefäßpflanzen), begründet von Karl Peter Buttler. https://www.kp-buttler.de/florenliste/index.htm
 



Hardtke H.-J., Klenke F. & Müller F. (2013): Flora des Elbhügellandes und angrenzender Gebiete – Sandstein-Verlag Dresden. 718 S.

Kew (2023): Kew science – Plants of the World Online - Plants of the World Online | Kew Science

Krausch H.-D. (2003): Kaiserkron und Päonien rot - Von der Entdeckung und Einführung unserer Gartenblumen – Dölling und Galitz-Verlag. 536 S.

Lippert W. & Meierott L. (2014) – Kommentierte Artenliste der Farn- und Blütenpflanzen Bayerns – Bayerische Botanische Gesellschaft, München, 407 S.

Meierott L., Fleischmann A., Klotz J., Ruff M. & W. Lippert (2024): Flora von Bayern – Haupt Verlag, Bern, 4 Bände.

Naturmuseum Südtirol (2018): http://www.florafauna.it/index.jsp?project=florafauna&view=BOT&locale=de

Schrammel E.M., Drescher A. & Ch. Berg (2019):  Neophyten in der urbanen Gehölzvegetation von Graz - Festschrift für Prof. Dr. Dietmar Brandes. Braunschweiger Geobotanische Arbeiten 13: 323-354.

Stöhr O. (2020): Weigela florida am Frauenbach in Lavant (Osttirol) - http://forum.flora-austria.at/viewtopic.php?f=10&t=2256#p11409

Stöhr O., Pilsl P., Essl F., Hohla M. & Schröck C. (2007): Beiträge zur Flora von Österreich, II – Linzer biol. Beitr. 39/1: 155–292.

Traxler G. (1989): Liste der Gefäßpflanzen des Burgenlandes - 2. Auflage – Veröffentlichungen der Internationalen Clusius-Forschungsgesellschaft Güssing – 7: 1 - 32.

Verloove F. (2021): Manual of the Alien Plants of Belgium –  http://alienplantsbelgium.be