Vinca

Immergrün, Hundsgiftgewächs, Apocynaceae

Gattung:

Vinca umfasst etwa 7 Arten (Kew 2023), die in Europa, Westasien, Makaronesien und Nordafrika beheimatet sind mit Verbreitungsschwerpunkt im Mittelmeerraum. 
 

Vinca major 

Großes Immergrün,
Vinca major 
Hundsgiftgewächs, Apocynaceae

 

Steckbrief: 

5–30 cm hoher, kriechender und an den Knoten wurzelnder Halbstrauch mit herz-eiförmigen bis breit-lanzettlichen Blattspreiten, diese 2,5–6 cm lang, bewimpert. Blattstiel 0,8–1,2 cm lang. Blütenkrone 3,5–5 cm im Ø, lebhaft blauviolett, Kronzipfel kaum zugespitzt. Kelchblätter bewimpert. Blütezeit April bis Mai.
Verwechslungsmöglichkeit: Das Mittlere Immergrün, Vinca difformis, hat hell-violettblaue bis weiße Blüten und zugespitzte Kronzipfel.
 
 

Nutzung: 

Zierpflanze. In mehreren Sorten wie `Loveliness´ (1991) oder `Variegata´ (Bärtels & Schmidt 2014). Die Art friert in strengen Wintern oft zurück (Bruns 2009).
 
Zu den Vinca-Giften gehören mindestens 86 Alkaloide, die aus Pflanzen der Gattung Vinca extrahiert werden. Das Chemotherapeutikum Vincristin wird aus der nah verwandten Gattung Catharanthus gewonnen und zur Behandlung von mehreren Krebsarten eingesetzt (Ravina 2011).
 

Ausbreitung: 

Die Art kam Mitte des 16. Jahrhunderts als Zierpflanze nach Mitteleuropa (Wohlgemuth & al. 2020) und wurde hier zuerst von Conrad Gessner in seiner „Horti Germaniae“ genannt. Schon früh sind erste Verwilderungen bekannt, so vom Rheinland und bei Saßnitz auf Rügen (Krausch 2003). Die kriechenden Zweige wurzeln an den Knoten und sorgen so für die vegetative Vermehrung. Gegenwärtig im Gebiet ziemlich häufig verwildert bis lokal eingebürgert.
DEUTSCHLAND: 
In fast allen Bundesländern (Hand & Thieme 2024, Floraweb 2013), lokal mit Tendenz zum Einbürgern (Zündorf & al. 2006), so etwa Mannheim in Baden-Württemberg (Junghans 2014), Neudrossenfeld, Hoyerberg bei Lindau, Kellmünz, Dorschhausen, Untergermaringen und Niederaudorf in Bayern (Breitfeld & al. 2017, Dörr & Lippert 2004, Smettan 2016), Berlin (Hand & Thieme 2024), Potsdam und Marquardt in Brandenburg (Buhr & al. 2016), Hamburg (Poppendieck & al. 2010), nahe der Saalburg und Frankfurt am Main in Hessen (Gregor & al. 2012, Buttler 2009), Bellin bei Ueckermünde in Mecklenburg-Vorpommern (Fukarek & Henker 2005), Osnabrück, Gartow und Löningen in Niedersachsen (Weber 1995, Brandes 2016), Dortmund-Eving, Warstein im Kreis Soest, Wickede, Lippstadt, Heiligenhaus und Hagen-Berchum in Nordrhein-Westfalen (BBV 2014, BBV 2017, BBV 2022, BBV 2023), Rheinland-Pfalz (Hassler 2020), Groß-Düben bei Weißwasser, Leipzig, Schöneck, Muldenberg und Klingenthal in Sachsen (Otto & al. 2010, Gutte 2006, Breitfeld 2021), bei Salzwedel in Sachsen-Anhalt (Brennenstuhl 2008, Brennenstuhl 2022), Saarland (Hand & Thieme 2024), örtlich etabliert in Schleswig-Holstein (Hassler 2020) und bei Eckartsberga, Großheringen, Brühlgrund bei Bad Sulza und am Schmiedhäuser Wald bei Apolda in Thüringen (Peterlein 2024). Der Erstnachweis für Bayern erfolgte 1895 bei München (Meierott & al. 2024).
ÖSTERREICH:
Nicht selten kultiviert und häufig verwildert bis örtlich eingebürgert, so in Müllendorf und Bruck a.d. Leitha im Burgenland (Essl 2008), Unterburg, Lauchenholz, Friedlach und Berg im Drautal in Kärnten (Kniely & al. 2006, Melzer 1979, Stöhr 2016), Enzersfeld, Maiersdorf, Schwarzau am Steinfeld, Traiskirchen und Straßhof in Niederösterreich (Essl 2006, Essl & Stöhr 2006, Sauberer & Till 2015), Vichtenstein, St. Roman, Kicking, Gmunden und Traunkirchen in Oberösterreich (Grims 2008, Hohla & al. 2002), Hallwang, Parsch, Maxglan und zwischen Hallein und Kuchl in Salzburg (Pilsl & al. 2002), 2016 in einem Laubmischwald am Reinerkogel in Graz-Geidorf und Mellachberg in der Steiermark (Wendelin 2016, Maurer 1998), Nord- und Osttirol (Pagitz & al. 2023) und Schwarzenbergplatz, Kadoltsberg, Grinzinger Friedhof und Neuwaldegg in Wien (Adler & Mrkvicka 2003). Der Erstnachweis für Österreich erfolgte 1948 (Glaser & al. 2025). In Südtirol im Etschtal von Meran bis Salurn (Naturmuseum Südtirol 2018).
SCHWEIZ:
Vielfach verwildert und mancherorts eingebürgert, so besonders im Seengebiet um den Genfer See, Neuenburger See, Bieler See und im Kanton Zürich (Infoflora 2024). Auch sonst vielerorts, so im Oberbaselbiet im Kanton Basel-Landschaft in Wintersingen und Nusshof (Lüthi 2018). In Zürich-Stadt u.a. 1989 an der Eggpromenade und zwischen Kirchweg und Limmatuferweg (Landolt 2001). Im Kanton Zürich vor 1931 aus 7 Quadranten angegeben, nach 2000 auf 21 Flächen über den Kanton verteilt (Wohlgemuth & al. 2020). Auch in Liechtenstein, so in Schaan (Waldburger & al. 2003).

 
ANDERE LÄNDER:
Subspontan u.a. in Belgien seit dem 19. Jahrhundert (Verloove 2021), in den Niederlanden (FLORON 2021) und der Slowakei (Medvecká & al. 2012).

 
Weitere Art:

Vinca difformis

Das Mittlere Immergrün, Vinca difformis, ist im westlichen Mittelmeergebiet in zwei Unterarten beheimatet, wobei die subsp. sardoa auf Sardinien beschränkt ist. 
Selten wird es als Zierpflanzen kultiviert, so auf der Insel Helgoland in Schleswig-Holstein, wo sie auch subspontan auftritt (Adolphi 2008)
Möglicherweise betrifft dies aber nur Verwilderungen in Vorgärten (Theisinger & Hebbel 2022) und hat hier dann keine Berechtigung.
 

Quellen

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