Vallisneria

Wasserschraube, Froschbissgewächs, Hydrocharitaceae

Gattung:

Vallisneria umfasst etwa 14 Arten (Kew 2023) und ist vor allem in den Tropen und Subtropen beheimatetet.
 

Vallisneria spiralis 

Echte Wasserschraube,
Vallisneria spiralis 
Froschbissgewächs, Hydrocharitaceae

 

Steckbrief: 

Ausdauernde Wasserpflanzen mit 5–20 grundständigen, in bewurzelten Büscheln angeordneten Blättern. Blätter bandförmig, 5–200 (600) cm lang, (0,2)0,5–2,5(7,0) cm breit, an der Spitze fein gesägt, durchscheinend grün und manchmal rotbraun längsgestreift, 3–9-nervig. Blüten getrenntgeschlechtig, zweihäusig. Weiblichen Blüten 2–3 mm im Ø, 1,5–2,5 cm lang, einzeln in einer dünnen, häutigen, langgestielten Spatha. Männliche Blüten weiß, im Ø 1 mm, zu über 100 in dichten Knäueln in einer häutigen, 6–9 mm langen, 16–70 mm lang gestielten Spatha. Die Fruchtstiele spiralig eingerollt, bis über 60 cm lang. Blütezeit Juli bis Oktober.
Verwechslungsmöglichkeit: Bei der ebenfalls vielfach in der Aquaristik eingesetzten Amerikanischen Wasserschraube, Vallisneria americana, ist die Spatha der männlichen Blüten 10–23 mm lang und 2–20 mm lang gestielt. Vallisneria australis hat 2−3,5 cm breite Blätter, die grünrot bis braunviolett gefärbt sind.
 
 

Name:

Benannt zu Ehren des italienischen Arztes und Naturforschers Antonio Vallisneri (1661−1730). Vallisneri praktizierte als Arzt in Reggio, war dann Professor der Medizin in Padua, befasste sich u.a. auch mit der Biologie im Allgemeinen, der Tiermedizin und der Geologie und entdeckte so den organischen Ursprung der Fossilien. Er wandte sich von der aristotelischen Präformationslehre ab (Burkhardt 2018).
Der Artbeiname bezieht sich auf den Blütenstängel, der die weibliche Blüte trägt. Während des Blühens schwimmt diese an der Wasseroberfläche, nach dem Verblühen dreht sich der Stängel spiralig ein und zieht dadurch die Blüte herab. Dies ist auch bei allen anderen Vallisneria-Arten der Fall.

 

Nutzung: 

Aquaristik, Botanische Gärten. Vallisneria spiralis zählt zu den klassischen, seit den Anfangszeiten der Aquaristik bekannten Aquarienpflanzen. 
 

Ausbreitung:

Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet der Art ist unbekannt. Möglich erscheinen das südliche Asien und das südliche Afrika. Andere Angaben nennen die Tropen und Subtropen beider Hemisphären einschließlich Amerikas und Südeuropas (Hussner 2006). Vallisneria spiralis gelangte aus dem Mittelmeergebiet über Frankreich nordwärts in Richtung Benelux, Deutschland und Südengland (Casper & Krausch 1980, Preston & Croft 1997). Der erste Nachweis in Frankreich stammt aus dem Jahr 1787 aus der Dauphine. Corillion (1955) sowie Oostroom & Reichgelt (1962) stellten eine Ausbreitung in nordöstlicher Richtung fest. So gibt es seit 1940 erste Fundmeldungen aus Belgien (Castagne 1956) und später auch aus Luxemburg und den Niederlanden (Oostroom & Reichgelt 1962, Ant 1970).
Für das Gebiet wird die Art Anfang des 19. Jahrhunderts für den Botanischen Garten Bonn erwähnt (Meyen 1827). Erste subspontane mitteleuropäische Vorkommen werden um das Jahr 1900 aus Nordrhein-Westfalen genannt. Gegenwärtig im Gebiet vereinzelt auftretend, lokal auch eingebürgert wie im südlichen Tessin. In Island wächst sie in natürlich erwärmten Gewässern und zählt damit zu einer der ersten neophytischen Süßwasserpflanzen, die die Arktis erreichten (Wasowicz & al. 2014).
Die Art hat ein hohes vegetatives Reproduktionsvermögen (Hutorowicz & Hutorowicz 2008). Die Fernausbreitung geschieht durch absichtliche und unabsichtliche Freisetzung (Hussner & al. 2010). Die Pflanze bildet zahlreiche Ausläufer, was ihr dabei hilft, sich an neuen Stellen schnell auszubreiten. Im Gebiet sind bisher fast nur männliche Pflanzen gefunden worden, so dass eine generative Vermehrung nur ausnahmsweise möglich ist. Männliche und weibliche Pflanzen nennt Andres um 1927 von der Mosel bei der Trierer Römerbrücke (Hand & al. 2016).
DEUTSCHLAND:
Erstmals um das Jahr 1900 bei der Ottilienquelle bei Paderborn und an der Rothe in Nordrhein-Westfalen (Runge 1972, Hussner 2006) und 1927 von Heinrich Andres von der Mosel in Rheinland-Pfalz genannt (Hand & al. 2016). Weiters 1967 bei Ketsch und 1996 bei Karlsruhe in Baden-Württembergs (Sebald & al. 1998, Müller & al. 2021), 1983 bis 1989 im Aischgrund und 1997 bei Donauwörth in Bayern (Lippert & Meierott 2018, Adler & al. 2017, Meierott & al. 2024), Berlin (Hand & Thieme 2024), 2016 in dichten submersen Rasen im Heiligen See in Potsdam in Brandenburg (Hein & Raab-Straube 2018), Hessen (Nesemann 2021), Niedersachsen (Hand & Thieme 2024), an der Lippe und an der Erft bei Grevenbroich-Wevelinghoven in Nordrhein-Westfalen (Müller & al. 2021, BBV 2015), in der Mosel und in nahegelegenen Stillgewässern in Rheinland-Pfalz (Bettinger & Wolff 2002), im Saarland (Hussner 2010) und im Gremminger See in Sachsen-Anhalt (Weyer & al. 2013, Hand & Thieme 2024).
ÖSTERREICH:
Im Warmbad Villach in Kärnten (Fischer & al. 2008) und in der Wiener Lobau im Großenzersdorfer Arm (Adler & Mrkvicka 2003). Der Erstnachweis für Österreich erfolgte 1968 (Glaser & al. 2025). In Südtirol in Unterrain bei Bozen (Wilhalm & al. 2014).
SCHWEIZ:
Im südlichen Tessin eingebürgert (Infoflora 2024) und im Bieler See im Kanton Bern (Infoflora 2024). Infoflora (2024) sieht die Art im südlichen Tessin als indigen an.

 
ANDERE LÄNDER:
Subspontan u.a. auch in Belgien (Verloove 2021), den Niederlanden (FLORON 2021) und seit etwa 1920 in Tschechien (Pyšek & al. 2012). In Neuseeland als „unwanted organism“ eingestuft (Eelgrass 2008).

 
Weitere Art:

Vallisneria australis

Die in Australien und Neuseeland beheimatete Große Wasserschraube, Vallisneria australis, wird als Aquarienpflanze genutzt und konnte neuerdings mehrfach in Gewässern der nördlichen Oberrheinebene in Südhessen (Nesemann 2021) gefunden werden. Bisher sind aus Deutschland nur weibliche Pflanzen bekannt.
 

Quellen

Adler B., Adler J. & Kunzmann G. (2017): Flora von Nordschwaben – Arbeitsgemeinschaft Flora Nordschwaben e. V. – Deiningen, 813 S.

Adler W. & Mrkvicka Ch. (2003): Die Flora von Wien - gestern und heute – Verlag des Naturhistorischen Mus. Wien, 831 S.

Ant H. (1970): Zur Ausbreitung der Sumpfschraube, Vallisneria spiralis Hydrocharitaceae, im Norden ihres Areals - Decheniana 122: 195-197.

BBV - Bochumer Botanischer Verein (2015): Exkursion: Grevenbroich-Wevelinghoven, Pflanzen an der Erft zwischen Klosterstraße und Obermühle. – Jahrb. Bochumer Bot. Ver. 7: 77–80.

Bettinger & Wolff (2002): Vegetation des Saarlandes und seiner Randgebiete, Teil 1. Ministerium für Umwelt des Saarlandes, 1. Auflage, 377 S.

Burkhardt L. (2018): Verzeichnis eponymischer Pflanzennamen Teil 1 - https://www.bgbm.org/sites/default/files/
verzeichnis_eponymischer_pflanzennamen
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Casper S. J. & Krausch H.-D. (1980): Süßwasserflora von Mitteleuropa. Pteridophyta und Antophyta. 1. Teil. Fischer-Verlag Stuttgart. 403 S.

Castagne E. (1956): Le Vallisneria spiralis L. en Belgique - Bulletin de la Societe Royale de Botanique de Belgique 88: 33.

Corillion R. (1955): Nouveaux progres du Vallisneria spiralis L. dans le Nord-Ouest de la France. - Bull, de la Societe Scient. de Bretagne 3: 62-64.

Eelgrass (2008): MAF Biosercurity New Zealand.

Fischer M., Oswald K. & Adler W. (2008): Exkursionsflora für Österreich, Liechtenstein und Südtirol; 3., verb. Aufl. der „Exkursionsflora von Österreich“ (1994). – Linz: OÖ Landesmuseum; 1392 S.

FLORON (2021): Floron Verspreidingsatlas Vaatplanten – www.verspreidingsatlas.nl

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Hand R. & Thieme M. (2024): Florenliste von Deutschland (Gefäßpflanzen), begründet von Karl Peter Buttler. https://www.kp-buttler.de/florenliste/index.htm

Hein P. & Raab-Straube E. (2018): Virtual Herbaria JACQ – Vallisneria spiralis– https://herbarium.univie.ac.at

Hussner, A. (2010): Vallisneria spiralis L. (Wasserschraube, Hydrocharitaceae).http://www.aquatischeneophyten.de/
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Hussner A. (2006): Die aquatischen Neophyten in Nordrhein-Westfalen – Decheniana 159: 39–50.Hussner, A., Van De Weyer, K., Gross, E.M. & Hilt, S. (2010): Comments on increasing number and abundance of non-indigenous aquatic macrophyte species in Germany. Weed Res. 50: 519-526.

Hutorowicz, A. & Hutorowicz, J. (2008): Seasonal development of Vallisneria spiralis L. in a heated lake. Ecol. Quest. 9: 79-86.

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Oostroom S.J. van & Reichgelt Th. J. (1962): Een Nederlandse vondst van Vallisneria spiralis L - Gorteria 1(6): 61-62.  

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Wilhalm T., Hilpold A., Hölzl N. Pizzulli A. & Winkler J. (2014): Ergänzungen und Korrekturen zum Katalog der Gefäßpflanzen Südtirols (6) – Gredleriana Vol.14: 183–192.