Valeriana

Baldrian, Geißblattgewächs, Caprifoliaceae

Gattung:

Valeriana ist, bei konservativer Sichtweise, eine Gattung mit etwa 200 Arten, die hauptsächlich in Eurasien und Südamerika beheimatet sind. Einige Taxonomen sehen die Gattung weiter und inkludieren in Valeriana die Gattungen Centranthus, Fedia, Plectritis, Pseudobetckea und Valerianella p.p., sodass dann die Gattung etwa 426 Arten umfasst (Kew 2023).
 

Valeriana phu

Phu-Baldrian,
Valeriana phu,
Geißblattgewächs, Caprifoliaceae

 

Steckbrief:

Bis 130 cm hohe Staude mit lang gestielten, ungefiederten Blättern mit schmal-eiförmiger, 6−8 cm langen und 2−5 cm breiten Spreiten. Stängelblätter stängelumfassend, fiederschnittig, mit 1−3 Fiederpaaren und langer Endfieder. Blütenstand kugeldoldig, Krone weiß bis hellrosa, Kronröhre ca. 4 mm lang. Blütezeit Juni bis Juli.
 

Name:

Der botanische Gattungsname wird oft mit dem lateinischen „valere“ (= gesund sein) in Verbindung gebracht, dürfte aber die Latinisierung des deutschen Namens in Anlehnung an „valere“ sein (Düll & Kutzelnigg 2022).
Von den Alten (auch in den mittelalterlichen Büchern) wurde die Pflanze «Phu» genannt. Man unterschied Phu magnum, das Theriakskraut, Phu vulgare, den gemeinen Baldrian, auch Katzenwurz genannt, und Phu minus, den kleinen Baldrian. Er begegnet uns bei Dioskurides, Plinius und in der Physica der Äbtissin Hildegard von Bingen.
 

Heimat:

Vermutlich Nordanatolien.
 

Nutzung:

Historische Heilpflanze, in einer gelbblättrigen Sorte `Aurea´ auch als Gartenzierpflanze. Die Art war bereits im 16. Jahrhundert als Heilpflanze in den Gärten. Es ist fraglich, ob sie heute im Gebiet überhaupt noch in Kultur ist (Jelitto & al. 1990).
 

Ausbreitung:

Nur sehr alte Fundmeldungen. Möglicherweise beruhen alle subspontanen Meldungen aus dem Gebiet auf Verwechslungen (Hegi 2008).
DEUTSCHLAND:
Ehemals adventiv angegeben für Konstanz und Stühlingen in Baden-Württemberg (Roth von Schreckenstein & al. 1804, Hand & Thieme 2024), Hessen (Hand & Thieme 2024), ehemals für Hameln in Niedersachsen (Peter 1901), Niederrhein in Nordrhein-Westfalen (Hegi 2008), ehemals Weesenstein in Sachsen (Wobst 1881, Hassler & Muer 2022) und Thüringen (Zündorf & al. 2006).
ÖSTERREICH:
Angegeben für Oberösterreich (siehe unten) und Lienz in Osttirol (Dalla Torre & Sarnthein 1912). Sailer (1844) berichtet von Verwilderungen dieser Art in Oberösterreich. Sailers Angabe ist allerdings mangels Ortsnennung keiner Großregion zuordenbar. Eine erste, offenkundig irrige Angabe von Sailer (1841) als „wildwachsend auf der Poppenalpe“ war schon von Brittinger (1842) bezweifelt worden (Hohla & al. 2009). In der aktuellen österreichischen Neophytenliste (Glaser & al. 2025) wird die Art als sehr fraglich für Österreich gehandhabt. Die Art ist wohl besser zu streichen für die Flora Österreichs.
SCHWEIZ:
Ganz allgemein für die Schweiz angegeben (Hegi 2008).
ANDERE LÄNDER:
Subspontan u.a. auch in Belgien (Verloove 2021) und in der Slowakei (Medvecká & al. 2012).

 
Weitere Arten:

Valeriana alliariifolia

Der Lauchhederich-Baldrian, Valeriana alliariifolia, ist im weiten Kaukasus-Gebiet beheimatet. 
Er spielt in der heimischen Gartengestaltung kaum eine Rolle, findet sich nur öfters in Botanischen Gärten kultiviert. 
Subspontan konnte er in einem einzigen Stock im Siebentischwald bei Augsburg in Bayern gefunden werden. Die ursprünglich als V. pyrenaica angesprochene Pflanze wurde 1985 ausgegraben und in den Botanischen Garten Augsburg verpflanzt (Meierott & al. 2024).
 

 

Valeriana pyrenaica

In den Pyrenäen und im Kantabrischen Gebirge ist der Pyrenäen-Baldrian, Valeriana pyrenaica, beheimatet. Er wird sehr selten als Schattenstaude kultiviert. Im Gebiet 1977 entflohen aus dem Alpengarten bei der Lindauer Hütte im Montafon in Vorarlberg (Amann 2016) und weiters subspontan im Kanton Bern, Arosa und Prättigau in Graubünden, Nidwalden, St. Gallen und Ollon in der Waadt (Infoflora 2024). Der Fund für Bayern wird in der deutschen Florenliste (Hand & Thieme 2024) als falsch geführt. Es handelte sich hierbei um eine Verwechslung mit V. alliariifolia (Meierott & al. 2024). Subspontan um 1950 in Belgien (Verloove 2021).
 

Quellen

Amann G. (2016): Aktualisierte Rote Liste der Farn- und Blütenpflanzen Vorarlbergs – Bucher-Verlag, 256 S.

BIB (2018): Botanischer Informationsknoten Bayern - http://daten.bayernflora.de

Brittinger C. (1842): Literaturberichte zur Flora 1842. Die Flora Oberösterreichs, beschrieben von Franz Seraph Sailer — Flora 25: 12-31.

Dalla Torre, V. K. & Sarnthein L. (1912): Flora der gefürsteten Grafschaft Tirol, des Landes Vorarlberg und des Fürstenthumes Liechtenstein. Bd. VI, 3. Teil. Innsbruck: Wagner´sche Univ.-Buchhandlung.

Düll R. & H. Kutzelnigg (2022): Die Wild- und Nutzpflanzen Deutschlands. 9. erw. Aufl. – Wiebelsheim. 948 S.

Hand R. & Thieme M. (2024): Florenliste von Deutschland (Gefäßpflanzen), begründet von Karl Peter Buttler. https://www.kp-buttler.de/florenliste/index.htm

Hassler M. & T. Muer (2022): Flora Germanica. Bildatlas der deutschen Flora. Mit Artbeschreibungen von Thomas Meyer. Unter Mitarbeit zahlreicher Spezialisten und Revisoren. - Band 1 und Band 2, zus. 1712 S., Ubstadt-Weiher.

Hegi G. (2008): Illustrierte Flora von Mitteleuropa, Band 6 (Teil 2A). 2.Aufl. – Weißdorn-Verlag Jena.

Hohla M., Stöhr O., Brandstätter G., Danner J., Diewald W., Essl F., Fiederer H., Grims F., Höglinger F., Kleesadl G., Kraml A.G., Lenglachner F., Lugmair A., Nadler K., Niklfeld H., Schmalzer A., Schratt-Ehrendorfer L., Schröck C., Strauch M. & Wittmann H. (2009): Katalog und Rote Liste der Gefäßpflanzen Oberösterreichs. – Stapfia 91: 1–324.

Infoflora (2024): Das nationale Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora – https://www.infoflora.ch/de/

 



Jelitto L., Schacht W. & Feßler A. (1990): Die Freiland-Schmuckstauden – Ulmer Verlag Stuttgart, 4. Aufl. 683 S.

Kew (2023): Kew science – Plants of the World Online - Plants of the World Online | Kew Science

Lippert W. & Meierott L. (2018): Kommentierte Artenliste der Farn- und Blütenpflanzen Bayerns – Vorarbeiten zu einer neuen Flora von Bayern. 251 S.

Medvecká J., Kliment J., Májeková J., Halada Ľ., Zaliberová M., Gojdičová E., Feráková V. & Jarolímek J. (2012): Inventory of the alien flora of Slovakia. – Preslia 84: 257–309.

Meierott L., Fleischmann A., Klotz J., Ruff M. & W. Lippert (2024): Flora von Bayern – Haupt Verlag, Bern, 4 Bände.

Peter A. (1901): Flora von Südhannover nebst angrenzenden Gebieten, 2. Teil. Göttingen, 323 Seiten.

Roth von Schreckenstein, J. M. von Engelberg & J. N. Renn (1804): Flora der Gegend um den Ursprung der Donau und des Neckars, dann vom Einfluß der Schussen in den Bodensee bis zum Einfluß der Kinzig in den Rhein. 4 Bände, Donaueschingen.

Sailer J.F. (1841): Die Flora Oberöstreichs. — Linz

Sailer J.F. (1844): Flora der Linzergegend und des oberen und unteren Mühlviertels in Oberösterreich. — Linz.

Verloove F. (2021): Manual of the Alien Plants of Belgium –  http://alienplantsbelgium.be

Wobst A. (1881): VIII. Flora von Dresden und seiner Umgebung, von Christian Friedrich Schulze – Sitzungsberichte und Abhandlungen der Naturwissenschaftlichen Gesellschaft Isis in Dresden: 62-77.

Zündorf H.J., Günther K.F., Korsch H. & Westhus W. (2006): Flora von Thüringen. Weissdorn-Verlag, Jena: 764 S.