Urtica

Brennnessel, Brennnesselgewächs, Urticaceae

Gattung:

Urtica umfasst etwa 69 Arten (Kew 2023) und ist fast weltweit verbreitet. Brennnesseln wurden bei uns schon in der Steinzeit als Faserpflanzen genutzt. Die auf Neuseeland vorkommende Urtica ferox ist besonders giftig und kann bereits nach intensiver Berührung für den Menschen lebensbedrohlich werden. Sie soll ebenso wie die „Teufelsnessel“ auf Timor, Urtica urentissima, nach Berührung ein siebentägiges Nesselfieber verursachen (Düll & Kutzelnigg 2022).
 

Urtica pilulifera 

Pillen-Brennnessel,
Urtica pilulifera  
Brennnesselgewächs, Urticaceae

 

Steckbrief:

30−80 cm hohe Ein- bis Zweijährige mit Brennhaaren. Blätter gestielt, Spreite zugespitzt-eiförmig, grob gesägt. Blütenstände eingeschlechtig, auf gleicher Höhe in den Blattachseln männliche rispige und weibliche kugelige Blütenstände. Weibliche Blütenhüllen aufgeblasen und dicht mit Borstenhaarten besetzt. Blütezeit Mai bis August.
 

Nutzung: 

Früher der öligen Früchte wegen als Volksarzneipflanze kultiviert worden (Conert & al. 1981), vor allem als Stärkungs- und Kräftigungsmittel.
 

Ausbreitung: 

Mediterran-südwestasiatische Art, ehemals aus den Kulturen verwildert, weshalb vor allem alte Fundaufzeichnungen vorhanden sind. Gegenwärtig selten aus dem Süden eingeschleppt.
DEUTSCHLAND: 
Vorübergehend, u.a. 1881 und 1897 in Ilvesheim in Baden-Württemberg (Zimmermann 1910, Hand & Thieme 2024), 1998 auf einer Ruderalstelle an der Straße zwischen Mauern und Unteralting, ehemals Griesbach im Vilstal und 1909 auf Schutt an der Mergentheimer Straße bei Würzburg in Bayern (Vollmann 1914, Meierott & al. 2024, Meierott & al. 2024), Berlin (Seitz & al. 2002), Hamburg (Hand & Thieme 2024), ehemals Frankfurt am Main in Hessen (Gregor & al. 2012), Rostock in Mecklenburg-Vorpommern (Fukarek & Henker 2005), mehrfach in Dortmund in Nordrhein-Westfalen (Conert & al. 1981, Hand & Thieme 2024), ehemals Rheinufer und Luitpoldhafen in Ludwigshafen in Rheinland-Pfalz (Schäfer 1965, Mazomeit 1995), Dresden, Brockwitz und Pillnitz in Sachsen (Hardtke & al. 2013), Sachsen-Anhalt (Hegi 1981, Hand & Thieme 2024), und bei Heringen, Windehausen, Gehofen, Roßleben, Erfurt, Schnepfenthal, Jena und Rudolstadt in Thüringen (Barthel & Pusch 1999, Zündorf & al. 2006). Die Art wird in den „Farn- und Blütenpflanzen Baden-Württembergs“ (Sebald & al. 1990) nicht geführt.
ÖSTERREICH:
U.a. im unteren Trauntal und bei Linz in Oberösterreich (Brittinger 1862, Essl & Rabitsch 2002), ehemals Graz in der Steiermark (Hamburger 1948, Glaser & al. 2025) und in Nordtirol (Pagitz & al. 2023). Der Erstnachweis für Österreich erfolgte 1838 (Glaser & al. 2025). Brittinger (1862) schreibt über die Art: „Ein Gartenflüchtling, um Linz verwildert, bildet jetzt in allen Aeckern an der eisernen Hand, auf dem ehemaligen Angererfelde ein unvertilgbares Unkraut, welches sich auch schon hier und da weiter weg unter der Saat sehen lässt und seiner unbekannten Natur zu Folge viele Leute vexirt. Diese Pflanze wird wie die Oenothera bald ein fest stabiles Unkraut werden“. Demgegenüber schreibt Ritzberger (1911), dass die Art im Gebiet nicht mehr aufgefunden wurde.
SCHWEIZ: ---
ANDERE LÄNDER:
Subspontan u.a. auch in Belgien (Verloove 2021), den Niederlanden (FLORON 2021), in Großbritannien (Clement & Foster 1994), seit 1872 in Tschechien (Pyšek & al. 2012) und seit 2003 in der Slowakei (Medvecká & al. 2012).
 

 
Weitere Arten:

Urtica cannabina

Die asiatische Hanf-Brennnessel, Urtica cannabina, wurde früher als Faserpflanze kultiviert. 
Die Stängelfasern dienten zur Herstellung von groben Garnen, Netzen und Stricken (Mansfeld 1986)
Im Gebiet ganz vereinzelt verschleppt auftretend, so ehemals in Berlin (Seitz & al. 2012) und 1995 in Braunschweig und 1996 in Gifhorn in Niedersachsen (Borowsky 1999, Hassler & Muer 2022).
 

Urtica membranacea

Die Geschwänzte Brennnessel, Urtica membranacea, ist im weiten Mittelmeergebiet beheimatet und wird für das Gebiet sehr selten angegeben. 
So 1900 für den Mannheimer Hafen in Baden-Württemberg (Zimmermann 1910, Hassler & Muer 2022), 2006 in einem Pflanzkübel im Nymphenburger Park München in Bayern (Meierott & al. 2024), Hessen (Hemm 2008), 2022 in der Altstadt von Münster in Nordrhein-Westfalen (BBV 2023), in Rheinland-Pfalz (Mazomeit 2022) und 2020 in Salzburg (Glaser & al. 2025). Subspontan u.a. auch in Belgien (Verloove 2021) und den Niederlanden (FLORON 2021). Die Art wird in den „Farn- und Blütenpflanzen Baden-Württembergs“ (Sebald & al. 1990) nicht geführt.
 

Quellen

BBV–Bochumer Botanischer Verein (2023): Beiträge zur Flora Nordrhein-Westfalens aus dem Jahr 2022 - Jahrb. Bochumer Bot. Ver. 14: 167-231.

Borowsky O. (1999): Subspontane Vorkommen und Ausbreitung seltener Gefäßpflanzen im Stadtgebiet Gifhorn – Floristische Notizen aus der Lüneburger Heide 7: 4-10.

Brittinger C. (1862): Flora von Ober-Österreich oder systematische Übersicht aller in diesem Kronlande wildwachsenden oder im Freien gebauten Samenpflanzen. – Abhandlungen der Zoologisch-Botanischen Gesellschaft XII, Wien.

Clement E. J. & Foster M. C. (1994): Alien plants oft he British Isles – London: Botanical Society of the British Isles. 591 p.

Conert H., Hamann U. Schultze-Motel W. & Wagenitz G. (1981) in: G. Hegi – Illustrierte Flora von Mitteleuropa Band III, Teil 1, 3.Auflage – Paul Parey-Verlag, 504 S.

Düll R. & H. Kutzelnigg (2022): Die Wild- und Nutzpflanzen Deutschlands. 9. erw. Aufl. – Wiebelsheim. 948 S.

Essl F. & Rabitsch W. (2002): Neobiota in Österreich. – Wien, Umweltbundesamt; 432 S.

Feder J. (2008): Was macht die Zimmerpflanze Bubiköpfchen in Bremer Scherrasen? – Bremer Botanische Briefe 1: 11.

FloraWeb (2013): Daten und Informationen zu Wildpflanzen und zur Vegetation Deutschlands—http://www.floraweb.de/.

FLORON (2021): Floron Verspreidingsatlas Vaatplanten – www.verspreidingsatlas.nlFukarek F. & Henker H. (2005): Flora von Mecklenburg-Vorpommern – Farn- und Blütenpflanzen. Herausgegeben von Heinz Henker und Christian Berg, Weißdorn-Verlag Jena, 428 S.

Glaser M., C. Gilli, N. Griebl, M. Hohla, G. Pflugbeil, O. Stöhr, P. Pilsl, L. Ehrendorfer-Schratt, H. Niklfeld & F. Essl (2025): Checklist of Austrian neophytes (2nd edition) – Preslia 97: 413−539.


Gregor T., Hodvina S., Barth U., Bönsel D., Feuring C. & Übeler M. (2012):  Weiterführung der hessischen Florenliste - Botanik und Naturschutz in Hessen 24, 71–105.

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Hand R. & Thieme M. (2024): Florenliste von Deutschland (Gefäßpflanzen), begründet von Karl Peter Buttler. https://www.kp-buttler.de/florenliste/index.htm

Hardtke H.-J., Klenke F. & Müller F. (2013): Flora des Elbhügellandes und angrenzender Gebiete – Sandstein-Verlag Dresden. 718 S.

Hassler M. & Muer T. (2022): Flora Germanica – Bildatlas der Farn- und Gefäßpflanzen Deutschlands. 2 Bände.

Hegi G. (1981): Illustrierte Flora von Mitteleuropa, Band 3 (Teil 1). 3.Aufl. – Paul Parey, Berlin und Hamburg. 504 S.

 



Hemm K. (2008): Rote Liste der Farn- und Samenpflanzen Hessens – Hessisches Ministerium für Umwelt, ländlichen Raum und Verbraucherschutz. 186 S.

Kew (2023): Kew science – Plants of the World Online - Plants of the World Online | Kew Science

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Medvecká J., Kliment J., Májeková J., Halada Ľ., Zaliberová M., Gojdičová E., Feráková V. & Jarolímek J. (2012): Inventory of the alien flora of Slovakia. – Preslia 84: 257–309.

Meierott L., Fleischmann A., Klotz J., Ruff M. & W. Lippert (2024): Flora von Bayern – Haupt Verlag, Bern, 4 Bände.

Pagitz K., O. Stöhr, M. Thalinger, I. Aster, M. Baldauf, C. Lechner-Pagitz, H. Niklfeld, L. Schratt-Ehrendorfer & P. Schönswetter (2023): Rote Liste und Checkliste der Farn- und Blütenpflanzen Nord- und Osttirols – Natur in Tirol, Band 16.

Pyšek P., Danihelka J., Sádlo J., Chrtek J. jr., Chytrý M., Jarošík V., Kaplan Z., Krahulec F., Moravcová L., Pergl J., Štajerová K. & Tichý L. (2012): Catalogue of alien plants of the Czech Re­public (2nd edition): checklist update, taxonomic diversity and invasion patterns. – Preslia 84: 155–255.

Ritzberger E. (1911): Prodromus einer Flora von Oberösterreich (unvollendet) — Jahresber. Ver. Naturk. Österreich ob der Enns.

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Sebald O., Seybold S. & G. Philippi (1990): Die Farn- und Blütenpflanzen Baden-Württembergs, Bd. 2: Hypericaceae bis Primulaceae. Verlag E. Ulmer, Stuttgart.

Seitz B., Ristow M., Prasse R., Machatzi B., Klemm G., Böcker R. & Sukopp H. (2012): Der Berliner Florenatlas – Verhandlungen des Bot. Vereins von Berlin und Brandenburg, Beiheft 7.

Verloove F. (2021): Manual of the Alien Plants of Belgium –  http://alienplantsbelgium.be

Vollmann F. (1914): Flora von Bayern – Ulmer-Verlag, Stuttgart, 840 S.

Zimmermann F. (1910): Die Adventiv- und Ruderalflora von Mannheim, Ludwigshafen und der Pfalz nebst den selteneren einheimischen Blütenpflanzen und den Gefäßkryptogamen – Pollichia 26: 11−171.  

Zündorf H. J., Günther K. F., Korsch H. & Westhus W. (2006): Flora von Thüringen – Weißdorn-Verlag Jena, 764 S.