Ulmus

Ulme, Ulmengewächs, Ulmaceae

Gattung:

Ulmus umfasst etwa 37 Arten (Kew 2023) in Eurasien, Nord- und Mittelamerika und Nordafrika mit Mannigfaltigkeitszentrum in Asien. Bis zur Ausbreitung der Ulmenkrankheit, die 1919 erstmals in Holland auftrat, sich ab 1923 über ganz Europa und ab 1930 in Nordamerika ausbreitete, wurden Ulmen häufig als Park-, Hof-, Allee- und Stadtstraßenbäume gepflanzt. Gegen Ende der 1960er Jahre wurde, durch den Import von Furnierstämmen, ein aggressiverer Stamm des Pilzes aus Amerika zurückimportiert, der auch die mittlerweile als resistent geltenden Pflanzen befiel. Der Anbau kam zeitweise zum Erliegen (Bärtels & Schmidt 2014). Der Name „Holländische Ulmenkrankheit“ leitet sich von der Erstbeschreibung der Krankheit durch die beiden niederländischen Botanikerinnen Bea Schwarz (1898−1969) und Christina Johanna Buisman (1900−1936) ab, die maßgeblich an der Entdeckung des Krankheitserregers und an der Auffindung resistenter Stämme beteiligt waren. 
Seit etwa 1990 erlebt die Ulme eine Renaissance durch die erfolgreiche Entwicklung von Sorten mit hoher Resistenz gegen den Erreger der Ulmenkrankheit in Europa und Nordamerika. Die Zahl der benannten Sorten stieg auf über 300, wenngleich viele der älteren Klone, möglicherweise über 120, durch die Pilzerkrankung verloren gingen (Heybroek & al. 2009).

 

Ulmus pumila 

Sibirische Ulme,
Ulmus pumila 
Ulmengewächs, Ulmaceae

 

Steckbrief: 

Bis 20 m hoher, sommergrüner Baum mit unregelmäßiger Krone und rissiger Borke. Blattspreiten 2–6 cm lang, derb, elliptisch bis eiförmig-lanzettlich, spitz bis zugespitzt, Blattrand einfach gesägt, oberseits kahl, unterseits schwach behaart, Basis fast gleichmäßig. Blattnerven vertieft. Blüten sehr kurz gestielt, Staubbeutel violett. Fruchtflügel tief eingeschnitten. Blütezeit März bis April.
Verwechslungsmöglichkeit: Die heimische Feld-Ulme, Ulmus minor, hat deutlich asymmetrische Blattspreiten und doppelt gesägte Blattränder. Die Frucht ist verkehrt-eiförmig bis verkehrt-herzförmig (bei U. pumila rund), der Same liegt oberhalb der Mitte der Frucht (bei U. pumila unterhalb der Mitte der Frucht), die Blattunterseite ist mit rötlichen Drüsen besetzt (bei U. pumila mit grünen Drü
sen).
 
 

Nutzung: 

Hecken- und Ziergehölz, selten auch forstlich kultiviert. Vor allem in Nordamerika wird die Art zur Prärieaufforstung und für Windschutzgürtel genutzt. Ulmus pumila wird aufgrund ihrer Widerstandsfähigkeit gegenüber der Ulmenkrankheit gerne zur Sortenentwicklung herangezogen. `Rebona´ ist eine 1994 entstandene Hybride aus U. japonica × U. pumila, die resistent gegenüber Ulmenkrankheit und der Verticillium ahliae-Welke ist, ähnlich `San Zanobi´, die 2003 hybridogen mit Beteiligung von U. pumila entstand und gegenüber der Ulmenkrankheit resistent ist (Bärtels & Schmidt 2014).
 

Ausbreitung: 

Ostasiatische Art, in Europa 1770 erstmals kultiviert (Bärtels & Schmidt 2014), gegenwärtig im Gebiet selten und unbeständig verwildert auftretend. In Südtirol besonders an Bahnböschungen und Ruderalstellen lokal eingebürgert (Wilhalm & al. 2004).
DEUTSCHLAND:
Vereinzelt, so in Bayern 2015 in Fürth zwischen der Gebhardtstraße und dem vielgleisigen Strang der Bahnstrecke Nürnberg-Fürth auf Höhe der Einmündung Luisenstraße, 2014 auf der Deponie Puchheim bei München und 2017 in einer Kiesgrube bei Hart an der Alz (Höcker 2009, Lippert & Meierott 2018, Dickoré & Springer 2014, Dickoré & Dickoré 2019, Meierott & al. 2024), in Berlin mehrfach (Seitz & al. 2012) und in Brandenburg (Hand & Thieme 2024).
ÖSTERREICH:
Selten, so 2022 am Straßenrand der Burgenland-Schnellstraße S31 bei Sigleß im Nordburgenland (Hohla 2023), bei Traiskirchen und in Prellenkirchen in Niederösterreich (Sauberer & Till 2015, Nadler & Haug 2021) und Lothringerstraße, Wienerberg und Draschegründe in Wien (Mrkvicka 1998, Essl & Rabitsch 2002, Adler & Mrkvicka 2003). Der Erstnachweis für Österreich erfolgte 1998 (Glaser & al. 2025). Eine Angabe für die Steiermark wird in Glaser & al. (2025) als irrig geführt. In Südtirol lokal eingebürgert, so bei Brixen, Bozen, Vilpian, Meran, Auer, Spondinig und Neumarkt (Wilhalm & al. 2004).
SCHWEIZ: ---

 
WEITERE LÄNDER:
In Spanien ist die Art weit verbreitet und bildet hier häufig Hybriden mit der einheimischen Feld-Ulme, Ulmus minor, was aus Naturschutzgründen bedenklich ist. In Ungarn wird die Art häufig gepflanzt und findet sich verwildert an vielen Orten, besonders in Mittel- und Ostungarn (Hohla 2023). In Nordamerika ist Ulmus pumila in weiten Teilen von Zentralmexiko bis nach Kanada zu einer lokal invasiven Art geworden. Sie hybridisiert hier mit der dort einheimischen Ulmus rubra, was aus Naturschutzgründen ebenfalls bedenklich ist. Auch in der südamerikanischen Pampa breitet sich die Art aus (Hiersch & al. 2013).
 

 
Weitere Art:

Ulmus rubra

Die Rot-Ulme, Ulmus rubra, ist im zentralen und östlichen Nordamerika beheimatet. Sie kam 1830 nach Europa (Bärtels & Schmidt 2014), hat hier gegenwärtig aber weder als Zier- noch als Forstbaum Bedeutung. Allerdings wird die Pflanze als Nahrungsergänzungsmittel genutzt. Die Art ist etwas weniger anfällig für die Ulmenkrankheit im Vergleich zu den anderen amerikanischen Ulmen, aber sehr anfällig für den Ulmenblattkäfer Xanthogaleruca luteola (Sunshine Nursery 2023). Für das Gebiet wird sie für Braunschweig in Niedersachsen (Brandes & Schlender 1999) angegeben. Die Art wird in der deutschen Florenliste (Hand & Thieme 2024) nicht geführt.
 

Quellen

Adler W. & Mrkvicka Ch. (2003): Die Flora von Wien - gestern und heute – Verlag des Naturhistorischen Mus. Wien, 831 S.

Bärtels A. & Schmidt P. A. (2014): Enzyklopädie der Gartengehölze – Ulmer-Verlag Stuttgart, 883 S.

Brandes D. & Schlender H. (1999): Zum Einfluss der Gartenkultur auf die Flora der Waldränder – Braunschweiger naturkundliche Schriften 5(4): 769-779.

Dickoré W. B. & Dickoré (2019): Neufunde und Bestätigungen von Gefäßpflanzen, überwiegend aus dem südbayerischen Moränengürtel – Berichte der Bayerischen Botanischen Gesellschaft 89: 265-285.

Dickoré W. B. & Springer S. (2014): Neue Adventivflora auf historischem Grund der ehemaligen Deponie Puchheim bei München – Berichte der Bayerischen Botanischen Gesellschaft 84: 101-108.

Essl F. & Rabitsch W. (2002): Neobiota in Österreich. – Wien, Umweltbundesamt; 432 S.

Fischer M., Oswald K. & Adler W. (2008): Exkursionsflora für Österreich, Liechtenstein und Südtirol; 3., verb. Aufl. der „Exkursionsflora von Österreich“ (1994). – Linz: OÖ Landesmuseum; 1392 S.

Gilli C., L. Schratt-Ehrendorfer, U. Raabe, T. Barta, S. Weiss, G. Király, J. Weinzettl, K. Tkalcisics, R. Albert, S. Dunkl, P. Englmaier, K. Grafl, M. Hofbauer, G. Karrer, G. Kniely, H. Niklfeld, H. Schau u. E. Wukovatz (2022): Checkliste und Rote Liste der Farn- und Blütenpflanzen des Burgenlandes – Land Burgenland 21: 1−80.

Glaser M., C. Gilli, N. Griebl, M. Hohla, G. Pflugbeil, O. Stöhr, P. Pilsl, L. Ehrendorfer-Schratt, H. Niklfeld & F. Essl (2025): Checklist of Austrian neophytes (2nd edition) – Preslia 97: 413−539.


Hand R. & Thieme M. (2024): Florenliste von Deutschland (Gefäßpflanzen), begründet von Karl Peter Buttler. https://www.kp-buttler.de/florenliste/index.htm

Heybroek H. M., L. Goudzwaard & H. Kaljee (2009): Iep von Grottenolm, karakterboom van de Lage Landen (die Ulme, ein Baum mit Charakter der Niederlande) - KNNV, Uitgeverij.



Hiersch, H., Hensen, I., Zalapa, J. Guries, R. & Brunet, J. (2013): Is hybridization a necessary condition for the evolution of invasiveness in non-native Siberian elm? - Abstracts. Third International Elm Conference 2013

Höcker R. (2009): Ulmus pumila L. ― neu im Großraum Nürnberg/Fürth - RegnitzFlora - Mitteilungen des Vereins zur Erforschung der Flora des Regnitzgebietes  Band 3, S. 44–49.

Hohla M. (2023): Artemisia tournefortiana (Asteraceae) – neu für Österreich sowie weitere Beiträge zur Kenntnis der Autobahn- bzw. Straßenrandflora des Burgenlands, Oberösterreichs und der Steiermark – Neilreichia 13-14: 227-241.

Kew (2023): Kew science – Plants of the World Online - Plants of the World Online | Kew Science

Lippert W. & Meierott L. (2018): Kommentierte Artenliste der Farn- und Blütenpflanzen Bayerns – Vorarbeiten zu einer neuen Flora von Bayern. 251 S.

Mrkvicka A. (1998): Ulmus pumila, die „Turkestan-Ulme“ - eine wenig beachtete Art der Forstflora im pannonischen Österreich - Fl. Austr. Novit. 5: 34-38.

Nadler K. & Haug G. (2021):  Dorf-Flora Prellenkirchen (Niederösterreich) nebst Ergänzungen zur Scherrasenflora 2019 – Stapfia 112: 147-206.  

Sauberer N. & Till W. (2015): Die Flora der Stadtgemeinde Traiskirchen in Niederösterreich: eine kommentierte Artenliste der Farn- und Blütenpflanzen. Biodiversität und Naturschutz in Ostösterreich – BCBEA 1/1: 3–63.

Seitz B., Ristow M., Prasse R., Machatzi B., Klemm G., Böcker R. & Sukopp H. (2012): Der Berliner Florenatlas – Verhandlungen des Bot. Vereins von Berlin und Brandenburg, Beiheft 7.

Sunshine Nursery & Arboretum (2023): Elm Leaf Beetle Survey (archive.org)

Walter J., Essl F., Niklfeld H. & Fischer M. A. (2002): Gefäßpflanzen. – In: Essl F. & Rabitsch W.: Neobiota in Österreich: 46–173. – Wien: Umweltbundesamt.

Wilhalm T., Zemmer F., Beck R., Stockner W. & Tratter W. (2004): Für die Flora Südtirols neue Gefäßpflanzen (3): Ergebnisse der floristischen Kartierung, vornehmlich aus den Jahren 2002–2004 – Gredleriana 4: 381–412.