Trachycarpus

Hanfpalme, Palmengewächs, Arecaceae

Gattung:

Trachycarpus umfasst etwa 10 südostasiatische Arten (Kew 2023).
 

Trachycarpus fortunei 

Chinesische Hanfpalme,
Trachycarpus fortunei  (inkl. T. wagnerianus)
Palmengewächs, Arecaceae

 

Steckbrief: 

Immergrüner, bis 10 m hoher, zweihäusiger Baum mit einem Stamm, der dicht mit braunen Fasern bedeckt ist. Diese fallen mit zunehmendem Alter ab. Blätter gefächert, Blattstiel 50−100 cm lang, unbewehrt, Blattspreite bis 80 cm im Ø. Männliche Blüten auffallend gelb, in dichten Blütenständen. Weibliche Blütenstände hellgrün, aus ihnen entwickeln sich blaue, nierenförmige, 7−12 mm breite, glatte Früchte. Blütezeit März bis Juni.
Verwechslungsmöglichkeit: Junge Pflanzen sehen der Zwergpalme, Chamaerops humilis, ähnlich, die jedoch einen dornig gezähnten Blattstiel hat.
 

Name:

Benannt zu Ehren des schottischen Gärtners Robert Fortune (1813−1880), der die Hanfpalme von seinen Forschungsreisen mit nach Europa brachte.
 

Nutzung: 

Zierpflanze in warmen Lagen. In Ostasien zur Fasergewinnung kultiviert, die Blattscheidenfasern werden zur Herstellung von Tauwerk, Matten, Bürsten oder Stricke und als Matratzenfüllung verwendet (Mansfeld 1986). Auch das dauerhafte, gegen Nässe widerstandsfähige Holz wird geschätzt (Bärtels & Schmidt 2014).
 
Bis vor wenigen Jahrzehnten konnte man Hanfpalmen in Europa nur in Süd- und Westeuropa antreffen, seit mehreren Jahren gibt es erfolgreiche Anpflanzungen auch in wintermilden Regionen Mitteleuropas. Die Art erträgt Temperaturen bis etwa -12°C (Bärtels & Schmidt 2014).
 
Jungbäume verursachen eine Beschattung des Bodens, so dass einheimische Jungpflanzen im Wachstum gehemmt werden. Für Vögel und Wildbienen ist die Hanfpalme als Nahrungsgrundlage wertlos (umweltnetz-schweiz 2023). Durch ihre trockenen Bastfasern brennt die Pflanze gut und ist so eine Gefahr für Waldbrände (Müller 2022).
 

Ausbreitung:

Beheimatet vom Himalaya bis Nord-Thailand. Die Art wird in Asien seit Tausenden von Jahren kultiviert, was die Eingrenzung des ursprünglichen Verbreitungsgebietes erschwert.
Noch bevor Robert Fortune um 1843 die Pflanze aus China nach England brachte (Infoflora 2020), erreichten 1830 Hanfpalmen-Samen durch den deutschen Arzt und Naturforscher Philipp Franz von Siebold (1796−1866) Europa. Da sie relativ kälteunempfindlich und anspruchslos ist, wurde sie rasch zu einer beliebten Zierpflanze in Gärten und Parkanlagen. 
Die Beeren werden von Vögeln gefressen und verbreitet. Die Samen keimen rasch, sodass geeignete Standorte bald besiedelt werden (Weber 2013). Die Art tritt im Gebiet in wärmebegünstigten Lagen verwildert auf.
 
DEUTSCHLAND: 
Vereinzelt und unbeständig in Baden-Württemberg (Hand & Thieme 2024) und 2009 in der Nähe des Palmengartens in Frankfurt am Main in Hessen (Gregor & al. 2012). Im Botanischen Garten in Bochum-Querenburg in Nordrhein-Westfalen aus Früchten eines etwa 50 m entfernten Baumes entstanden, vermutlich durch Vögel verschleppt (BBV 2012). Außerdem bei Mainz in Rheinland-Pfalz (RND 2019).
ÖSTERREICH:
In Bad Deutsch-Altenburg in Niederösterreich (Essl 2019), Luftenberg an der Donau in Oberösterreich (Essl 2019) und mehrfach in Wien, so in der Klosterneuburger Straße (Essl 2019). Der Erstnachweis für Österreich erfolgte 1995 (Glaser & al. 2025). Mehrfach auch in Südtirol, so bei Bozen, Meran und Mellaun (Wilhalm & al. 2004).
SCHWEIZ:
Das erste subspontane Vorkommen wurde um 1920 bei Gandria am Luganersee im Tessin dokumentiert. 1950 begannen sich die Verwilderungsmeldungen zu häufen. Seit den 1980er-Jahren hat sich die Hanfpalme in den Wäldern des Süd-Tessins etabliert und breitet sich dort weiter aus (Bellosi & al. 2011). Die Art hat aufgrund ihrer Häufigkeit bereits den Lokalnamen „Tessiner Palme“ erhalten. Neben dem Tessin ist die Art u.a. auch aus den Kantonen Aargau, Genf und Zürich bekannt (Infoflora 2024). Im Kanton Zürich aus 15 Quadranten notiert, vor allem um den Zürichsee und Greifensee. Vor dem Jahr 2000 waren hier keine Verwilderungen gemeldet (Wohlgemuth & al. 2020). Die Art steht in der Schweiz auf der „Schwarzen Liste invasiver Arten“, kann hier aber nach wie vor als Zierpflanze verkauft werden, allerdings werden Eigentümer dazu angehalten, die Blütenstände rechtzeitig abzuschneiden, um eine Vermehrung zu verhindern, auch sollten abgeschnittene Pflanzenteile professionell kompostiert werden (kein Gartenkompost) (Infoflora 2020, Tonellotto & al. 2022).

 
ANDERE LÄNDER:
Subspontan u.a. auch in Belgien (Verloove 2021), den Niederlanden (FLORON 2021) und im Elsass (Essl 2019). Lokal invasiv in Japan.

 

Quellen

Bärtels A. & Schmidt P. A. (2014): Enzyklopädie der Gartengehölze – Ulmer-Verlag Stuttgart, 883 S.

Bellosi B., Selldorf P. & Schoenenberger N. (2011) Exploring the Flora on Inert Landfill Sites in Southern Ticino (Switzerland). Bauhinia 23: 1−15.

BBV-Bochumer Botanischer Verein (2012): Bemerkenswerte Pflanzenvorkommen in Bochum (Nordrhein-Westfalen) und Umgebung im Jahr 2012- Jahrb. Bochumer Bot. Ver. 4: 135-155.

Essl F. (2019): First records of casual occurrences of Chinese windmill palm Trachycarpus fortunei (Hook.) H. Wendl. in Austria - https://www.reabic.net/
journals/bir/2019/Accepted/
BIR_2019_Essl_correctedproof.pdf

FLORON (2021): Floron Verspreidingsatlas Vaatplanten – www.verspreidingsatlas.nl

Galasso G., F. Conti, L. Peruzzi, A. Alessandrini, N. M. G. Ardenghi, G. Bacchetta, E. Banfi, G. Barberis, L. Bernardo, D. Bouvet, M. Bovio, M. Castello, L. Cecchi, E. Del Guacchio, G. Domina, S. Fascetti, L. Gallo, R. Guarino, L. Gubellini A. Guiggi, N. Hofmann, M. Iberite , P. Jiménez-Mejíase, D. Longo, D. Marchetti, F. Martini, R. R. Masin, P. Medagli, C. M. Musarella , S. Peccenini, L. Podda, F. Prosser, F. Roma-Marzio, L. Rosati, A. Santangelo, A. Scoppola, A. Selvaggi, F. Selvi, A. Soldano, A. Stinca, R. P. Wagensommer, T. Wilhalm & F. Bartolucci (2024): A second update to the checklist of the vascular flora alien to Italy – Plant Biosystems 158: 297−340.

Glaser M., C. Gilli, N. Griebl, M. Hohla, G. Pflugbeil, O. Stöhr, P. Pilsl, L. Ehrendorfer-Schratt, H. Niklfeld & F. Essl (2025): Checklist of Austrian neophytes (2nd edition) – Preslia 97: 413−539.


Gregor T., Hodvina S., Barth U., Bönsel D., Feuring C. & Übeler M. (2012):  Weiterführung der hessischen Florenliste -  Botanik und Naturschutz in Hessen 24, 71–105.

Hand R. & Thieme M. (2024): Florenliste von Deutschland (Gefäßpflanzen), begründet von Karl Peter Buttler. https://www.kp-buttler.de/florenliste/index.htm



Infoflora (2020): Trachycarpus fortunei (Hook.) H. Wendl. (Arecaceae) Factsheet. URL:https://www.infoflora.ch/assets/content/documents/neophytes/inva_trac_for_d.pdf

Infoflora (2024): Das nationale Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora – https://www.infoflora.ch/de/

Kew (2023): Kew science – Plants of the World Online - Plants of the World Online | Kew Science

Mansfeld R. (1986): Verzeichnis landwirtschaftlicher und gärtnerischer Kulturpflanzen - Band 3, 569 Seiten, Springer-Verlag.

Müller M. (2022): Die Tessinerpalme ist brandgefährlich - Ausbreitung der Tessinerpalme bereitet Experten Sorgen - Blick

RND (2019): RedaktionsNetzwerkDeutschland - Der Klimawandel lässt in Österreich Palmen wachsen Der Klimawandel lässt in Österreich Palmen wachsen (rnd.de)

Tonellotto M., V. Fehr, M. Conedera, M. Hunziker & G. B. Pezzatti (2022): Iconic but Invasive: The Public Perception of the Chinese Windmill Palm (Trachycarpus fortunei) in Switzerland - PMC (nih.gov)

Umweltnetz-schweiz (2023): Invasive Neophyten bedrohen Schweizer Wälder - Invasive Neophyten bedrohen Schweizer Wälder (umweltnetz-schweiz.ch)

Verloove F. (2021): Manual of the Alien Plants of Belgium –  http://alienplantsbelgium.be

Weber E. (2013): Invasive Pflanzen der Schweiz – erkennen und bekämpfen – Haupt-Verlag, Bern. 224 S.

Wilhalm T., Zemmer F., Beck R., Stockner W. & Tratter W. (2004): Für die Flora Südtirols neue Gefäßpflanzen (3): Ergebnisse der floristischen Kartierung, vornehmlich aus den Jahren 2002–2004 – Gredleriana 4: 381–412.

Wohlgemuth T., Del Fabbro C., Keel A., Kessler M. & M. Nobis (2020): Flora des Kantons Zürich. Zürcherische Botanische Gesellschaft. Haupt-Verlag, Bern.