Torilis

Klettenkerbel, Doldenblütler, Apiaceae

Gattung:

Torilis umfasst etwa 15 Arten (Kew 2023) in Eurasien und Afrika mit Mannigfaltigkeitszentrum in Südwest-Asien.
 

Torilis leptophylla

Feinblättriger Klettenkerbel,
Torilis leptophylla,
Doldenblütler, Apiaceae

 

Steckbrief:

Bis 40 cm große aufrechte, verzweigte Einjährige mit 2−3-fach gefiederten, behaarten Blättern und zur Blütezeit 1−2 cm lang gestielten Dolden, diese zur Fruchtzeit auf bis zu 5 cm verlängert. Doldenstrahlen meist 2−4, verschieden lang, zur Fruchtzeit verdickt. Hüllblätter 0−1, Hüllchenblätter 3−5, weißrandig. Blüten weiß, klein. Frucht mit widerhakigen Stacheln, diese meist länger als die Breite der Frucht und in deutlichen Reihen auf den Nebenrippen angeordnet. Blütezeit März bis Mai.
 

Heimat:

Weites Mittelmeergebiet, östlich bis Arabien, Pakistan und Kasachstan.
 

Nutzung:

Keine.
 

Ausbreitung:

U.a. mit Südfrüchten eingeschleppt (Weber 1995). Zimmermann (1925) schreibt: „von Zeit zu Zeit bei den Getreidelagerhäusern von Mannheim und Ludwigshafen mit fremdem Getreide zur Aussaat kommend. Dementsprechend können sie als eingebürgert angesehen werden, da sie sich spontan fortpflanzen und ihren ursprünglichen Standort erweitert haben.”
Nur alte Fundangaben.
DEUTSCHLAND:
Adventiv und vorübergehend, so 1906 und 1907 angegeben für den Mannheimer Hafen in Baden-Württemberg (Zimmermann 1925, Hegi 1975, Hand & Thieme 2024), ehemals in Feldern bei Aschaffenburg in Bayern [der Beleg von 1904 von den Wutzelhofener Weihern bei Regensburg gehört zu Caucalis platycarpos] (Vollmann 1914, Lippert & Meierott 2018, Meierott & al. 2024), 1894 bei Rüdersdorf in Brandenburg (Hegi 1975, Hand & Thieme 2024), Kassel in Hessen (Peter 1901, Hassler & Muer 2022), im Hafen Osnabrück in Niedersachsen (Koch 1936, Weber 1995), 1927 im Hafen Düsseldorf in Nordrhein-Westfalen (Bonte 1930, Hassler & Muer 2022), 1913 angegeben für Ludwigshafen in Rheinland-Pfalz (Zimmermann 1925, Hegi 1975, Hand & Thieme 2024) und ehemals bei Strehlen in Sachsen (Wobst 1881). Die Fundangaben aus Hessen, Niedersachsen und Thüringen sind nach Hand & Thieme (2021) falsch, eine aus Schleswig-Holstein fraglich. Die Art ist in den „Farn- und Blütenpflanzen Baden-Württembergs“ (Sebald & al. 1992) nicht angegeben
ÖSTERREICH:
Eine alte Fundangabe aus Oberösterreich (Schwab 1906-1909 sub Caucalis leptophylla) dürfte sich auf Caucalis daucoides beziehen (Hohla & al. 2009).
SCHWEIZ:
Ehemals bei Couvet im Kanton Neuenburg, im Kanton Obwalden, bei Solothurn und bei Sitten im Wallis (Hegi 1975, Infoflora 2024). In Infoflora (2024) unter Status allerdings: „Kommt in der Region nicht vor, wurde jedenfalls bis 2009 nie erwähnt“, in der Verbreitungskarte finden sich aber alte Angaben.
ANDERE LÄNDER:
Subspontan u.a. auch in Belgien (Verloove 2021), England (Hegi 1975) und den Niederlanden (FLORON 2021).
 

 
Weitere Arten:

Torilis africana

In großen Teilen Afrikas, Südwest-Asiens und Südeuropas ist der Afrikanische Klettenkerbel, Torilis africana, beheimatet. Ehemals eingeschleppt wird er für Ulm in Baden-Württemberg (Fiedler 1944, Hand & Thieme 2024) angegeben. Die Art wird in den „Farn- und Blütenpflanzen Baden-Württembergs“ (Sebald & al. 1992) nicht geführt. Subspontan auch in Belgien (Verloove 2021).
 

Torilis tenella

Der Zarte Klettenkerbel, Torilis tenella, ist vom östlichen Mittelmeergebiet bis in den Iran beheimatet. 
Subspontan wird er aus dem Gebiet 1953 von Atzenbach in Baden-Württemberg (Baumgartner 1975) angegeben. Die Art wird in der deutschen Florenliste (Hand & Thieme 2024) nicht geführt.
 

Torilis ucranica

In Osteuropa und Westasien ist der Ukrainische Klettenkerbel, Torilis ucranica (Syn.: T. microcarpa, T. anthriscus subsp. ucranica) beheimatet. Im Gebiet adventiv und unbeständig, vor allem mit osteuropäischem Getreide eingeschleppt (Hegi 1975) angegeben, so 1894 für den Mannheimer Hafen in Baden-Württemberg (Hegi 1975, Hand & Thieme 2024), 1892 Berlin-Köpenick (Ascherson 1891, Hegi 1975, Hand & Thieme 2024), 1894 bei Rüdersdorf in Brandenburg (Behrendsen 1896, Hegi 1975, Hand & Thieme 2024), 1885 bis 1887 Hamburg-Diebsteich (Prahl 1891, Hegi 1975, Hand & Thieme 2024), 1962 im Überseehafen Rostock in Mecklenburg-Vorpommern (Fukarek & Henker 2005, Hand & Thieme 2024), 1929 und 1931 im Hafen Düsseldorf in Nordrhein-Westfalen (Bonte 1937), 1903 im Hafen von Ludwigshafen in Rheinland-Pfalz (Vollmann 1914, Hand & Thieme 2024), Erfurt in Thüringen (Reinecke 1914, Hegi 1975, Hand & Thieme 2024) und 1921 in Branzoll bei Bozen in Südtirol (Hegi 1975).
 

Quellen

Ascherson P. (1891): Bericht der Commission für die Flora von Deutschland 1890, Märkisch-Posener Gebiet – Berichte der Deutschen Botanischen Gesellschaft 9: 1110-1115.

Baumgartner W. (1975): Die Baumwolladventivflora von Atzenbach (Baden BRD) und Issenheim (Elsass Frankreich) – Bauhinia 5/3: 119-129.

Behrendsen W. (1896): Zur Kenntnis der Berliner Adventivflora – Verhandlungen des Botanischen Vereins für die Provinz Bradenburg 38: 76-100.

Bonte L. (1937): Beiträge zur Adventivflora des rheinisch-westfälischen Industriegebietes 1930-1934 – Decheniana 94: 107-142.

Fiedler O. (1944): Die Fremdpflanzen an der Mitteldeutschen Großmarkthalle zu Leipzig und ihre Einschleppung durch Südfruchttransporte 1937-1942 – Hercynia 3 (7/8): 608-660.

FLORON (2021): Floron Verspreidingsatlas Vaatplanten – www.verspreidingsatlas.nl

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Hand R. & Thieme M. (2024): Florenliste von Deutschland (Gefäßpflanzen), begründet von Karl Peter Buttler. https://www.kp-buttler.de/florenliste/index.htm

Hegi G. (1975): Illustrierte Flora von Mitteleuropa, Band 5 (Teil 2). 3.Aufl. – Paul Parey, Berlin und Hamburg. 679−1584.

Hohla M., Stöhr O., Brandstätter G., Danner J., Diewald W., Essl F., Fiederer H., Grims F., Höglinger F., Kleesadl G., Kraml A.G., Lenglachner F., Lugmair A., Nadler K., Niklfeld H., Schmalzer A., Schratt-Ehrendorfer L., Schröck C., Strauch M. & Wittmann H. (2009): Katalog und Rote Liste der Gefäßpflanzen Oberösterreichs. – Stapfia 91: 1–324.



Kew (2023): Kew science – Plants of the World Online - Plants of the World Online | Kew Science

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Zimmermann F. (1925): Wechsel der Flora der Pfalz in den letzten 70 Jahren. - Mitt.Pollichia 4: 1-55, Dürkheim.