Thladiantha

Quetschgurke, Kürbisgewächs, Cucurbitaceae

Gattung:

Thladiantha umfasst etwa 26 Arten (Kew 2023), die in Süd-, Südost- und Ostasien beheimatet sind.
 

Thladiantha dubia  

Echte Quetschgurke,
Thladiantha dubia  
Kürbisgewächs, Cucurbitaceae

 

Steckbrief: 

Bis 4 m hochrankende oder weit kriechende, zweihäusige Ausdauernde mit kartoffelähnlichen Wurzelknollen als Überdauerungsorgan. Ranken einfach, wie die Blätter weichhaarig. Blattspreiten im Umriss breit-oval, am Grund herzförmig, vorne zugespitzt, gekerbt. Blüten einzeln in den Blattachseln. Kelch fünfteilig, mit lineal-lanzettlichen, zurückgekrümmten Lappen. Krone glockig, goldgelb, tief fünfteilig, mit zurückgerolltem Saum. Frucht (im Gebiet kaum fruchtend, siehe unten) länglich-eiförmig, bis 5 cm lang, behaart, fleischig, im Reifezustand dunkelrot. Blütezeit Mai bis August.
 

Nutzung:

Zierpflanze. Die Knollen und Früchte sind essbar, die Früchte schmecken fruchtig-süß, die Knollen bitter (Komischke 2021). Weibliche Pflanzen bilden Früchte auch ohne männliche Bestäuber, die Samen sind dann nur rudimentär ausgebildet (Komischke 2021).
 

Ausbreitung:

Beheimatet in Ostasien. 1831 entdeckte der deutsch-russische Botaniker Alexander von Bunge (1803–1890) auf einer Forschungsreise durch das nördliche China die Pflanze. Zuerst kam die Art in den Botanischen Garten Moskau, 1868 scheint sie auch im Inventar des Berliner Botanischen Gartens auf. Erste Verwilderungen sind 1884 aus Berlin und 1898 aus Schwerin bekannt (Krausch 2003). Gegenwärtig im Gebiet sehr zerstreut verschleppt auftretend.
Durch Gartenaushub und Erdtransporte gelangt die Quetschgurke auf meist anthropogen beeinflusste Standorte. Die relativ geringe Zahl an Verwilderungsmeldungen ist wohl darauf zurückzuführen, dass fast nur männliche Pflanzen beobachtet wurden, als Verbreitungseinrichtung also nur die Wurzelknollen und keine Samen zur Verfügung stehen. Die Art findet vor allem in Maisäckern zusagende Standorte (Leute & Sembach 1984).

 
DEUTSCHLAND:
Selten, so etwa in Baden-Württemberg (Hand & Thieme 2024), 1946 Bahnhof Veitshöchheim bei Würzburg in Bayern (Lippert & Meierott 2018, Meierott & al. 2024), Pfaueninsel in Berlin (Hegi 2008), 2011 im Wirtschaftshof des Botanischen Gartens Potsdam, in Stavenov und Rathenow in Brandenburg (Buhr & al. 2016, Fischer 2017), ehemals bei Schwerin in Mecklenburg-Vorpommern (Toepfer 1899, Fukarek & Henker 2005), 1999 im Kaiserwörthhafen in Ludwigshafen in Rheinland-Pfalz (Mazomeit 2005) und Staritz in Sachsen (Gutte & al. 2013).
ÖSTERREICH:
U.a. in Podersdorf und Hammerteich im Burgenland (Maurer 1998, Traxler 1972, Gilli & al. 2022), bei Seelach, Unternarrach, Möchling, St. Primus, Eberndorf, Gallizien, bei Weitzelsdorf im Rosental, Flattach im Mölltal, Lassendorf bei Magdalensberg und mehrfach im Klagenfurter Becken in Kärnten (Kniely & al. 2006, Melzer 1968, Leute & Sembach 1984, Leute 1986, Hartl & al. 1992), bei Seebenstein in der Buckligen Welt, Göllersdorf, Ravelsbach und Dürnstein in Niederösterreich (Janchen 1977, Melzer & Barta 2003), ehemals Gneis und 1890 St. Johann im Pongau in Salzburg (Fugger 1891, Hegi 2008), im Ufergebüsch der Feistritz bei Fürstenfeld und Graz-Gries in der Steiermark (Melzer 1968, Leonhartsberger 2013), Serfaus im Oberinntal, um Innsbruck und Landeck in Nordtirol (Wallnöfer 1993, Polatschek 1999, Pagitz & Lechner-Pagitz 2015) und Friedhof Aspern und Bahndamm an der Jägerstraße in Wien (Adler & Mrkvicka 2003). Der Erstnachweis für Österreich erfolgte 1890. In Südtirol mehrfach im Etschtal von Gargazon bis Auer (Naturmuseum Südtirol 2018).
SCHWEIZ: ---
ANDERE LÄNDER:
Subspontan u.a. auch in Norwegen (Gederaas & al. 2012), 2010 und 2020 in Belgien (Verloove 2021), seit 1939 in Tschechien (Pyšek & al. 2012) und seit 1898 in der Slowakei (Medvecká & al. 2012).

 
 
Weitere Art:

Thladiantha cordifolia

In Südost-Asien ist die Herzblättrige Quetschgurke, Thladiantha cordifolia (Syn.: T. calcarata), beheimatet. Eingeschleppt wird sie im Gebiet ehemals für Graz und Stainz in der Steiermark (Hamburger 1948, Walter & al. 2002) und für Wien (Forstner & Hübl 1971, Walter & al. 2002) angegeben. Die Erstangabe für Österreich erfolgte 1928 (Glaser & al. 2025 sub T. calcarata). Ob es sich bei den Funden tatsächlich um Th. cordifolia oder nicht doch eher um Th. dubia handelte, ist fraglich. Verwilderungen von Th. cordifolia in Europa sind sonst keine bekannt.
 

Quellen

Adler W. & Mrkvicka Ch. (2003): Die Flora von Wien - gestern und heute – Verlag des Naturhistorischen Museums Wien.

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Fischer W. (2017): Flora der Prignitz – Verhandlungen des Botanischen Vereins von Brandenburg und Berlin, Beiheft 8 – Natur & Text, 484 S.

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Forstner W. & E. Hübl (1971): Ruderal-, Segetal-und Adventivflora von Wien – Verlag Notring, Wien.

Fugger E. (1891): Beiträge zur Flora des Herzogthumes Salzburg 259-312 – Mittheilungen der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde 31.

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Gederaas L., Loennechen Moen T., Skjelseth S. & Larsen L.-K. (2012): Alien species in Norway, with the Norwegian Black List - http://www.scales-project.net/NPDOCS/
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Gilli C., L. Schratt-Ehrendorfer, U. Raabe, T. Barta, S. Weiss, G. Király, J. Weinzettl, K. Tkalcisics, R. Albert, S. Dunkl, P. Englmaier, K. Grafl, M. Hofbauer, G. Karrer, G. Kniely, H. Niklfeld, H. Schau u. E. Wukovatz (2022): Checkliste und Rote Liste der Farn- und Blütenpflanzen des Burgenlandes – Land Burgenland 21: 1−80.

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