Tamarix

Tamariske, Tamariskengewächs, Tamaricaceae

Gattung:

Tamarix umfasst etwa 73 Arten (Kew 2023) in Eurasien und Afrika. Die Hauptvorkommen liegen in salzhaltigen Gebieten von Wüsten und Halbwüsten. In Pakistan sind etwa 26 Arten beheimatet.
 
 

Tamarix parviflora 

Kleinblütige Tamariske,
Tamarix parviflora  
Tamariskengewächs, Tamaricaceae

 

Steckbrief: 

Bis 5 m hoher, breitbuschiger, locker aufgebauter Strauch oder Kleinbaum mit bogenförmig überneigenden Zweigen. Blätter 2–3,5 mm lang, schmal pfriemenförmig, hellgrün, Spitze trockenhäutig. Blüten rosa, vierzählig, in 2–4 cm langen, schmalen Trauben, seitlich an den vorjährigen Zweigen. Blütezeit April bis Mai.
Verwechslungsmöglichkeit: Die Französische Tamariske, Tamarix gallica, hat fünfzählige Blüten und eine Blütezeit im Sommer von Juni bis September.
 

Nutzung: 

Ziergehölz. Die Art ist trockenresistent, hitzeverträglich, stadtklimafest, salztolerant, windfest und verträgt Überflutungen (Bruns 2009).
 

Ausbreitung: 

Mediterrane Art, in Europa seit spätestens 1853 in Gartenkultur (Bärtels & Schmidt 2014). Sehr selten im Gebiet subspontan.
DEUTSCHLAND:
2001 auf einer Straßenböschung bei Rottenstein und 2003 auf einer Schüttung im Industriegebiet Kemmern in Bayern (Meierott & al. 2024) und 2024 auf der Osthalde Ahlen im Kreis Warendorf in Nordrhein-Westfalen (BBV 2025).
ÖSTERREICH: 
An der Bahn zwischen Zurndorf und Nickelsdorf im Burgenland (Metlesics 1957, Gilli & al. 2022), in einer ehemaligen Schottergrube in Petronell bei Bruck an der Leitha und in der Schwechatau bei Tribuswinkel in Niederösterreich (Stöhr & al. 2006, Sauberer 2019, Sauberer & al. 2020), 2015 bei Gigling bei Mehrnbach im oberösterreichischen Innviertel (Hohla & al. 2015) und in Wien am Rautenweg (Forstner & Hübl 1971, Glaser & al. 2025). Der Erstnachweis für Österreich erfolgte 1957.
SCHWEIZ:
Lido von Locarno im südlichen Tessin (Germann & Moretti 2009).  
ANDERE LÄNDER:
Subspontan u.a. auch in Belgien (Verloove 2021).

 
Weitere Arten:

Tamarix gallica

Vom Mittelmeerraum bis zum Senegal ist die Französische Tamariske, Tamarix gallica heimisch. Sie wird seit 1596 (sehr selten) gärtnerisch genutzt (Bärtels & Schmidt 2014) und tritt im Gebiet ganz vereinzelt unbeständig auf. 
So 1972 auf dem Müllplatz Rothenstein bei Grönenbach im südwestlichen Bayern (Dörr & Lippert 2004), in Berlin (Seitz & al. 2012), 1996 Auenhain und 2003 Leinestraße in Leipzig in Sachsen (Gutte 2006), Traiskirchen in Niederösterreich (Sauberer & Till 2015), Edt bei Lambach in Oberösterreich (Kleesadl 2015), Laaerberg in Wien (Loibl 1991, Adler & Mrkvicka 2003), ehemals in Solothurn (Thellung 1919) und im südlichen Tessin (Bellosi & al. 2011). Die Angabe für Bayern ist nach Hand & Thieme (2024) falsch, nach Meierott & al. (2024) fraglich. Die Angaben für Österreich sind laut der aktuellen Neophytenliste Österreich (Glaser & al. 2025) irrig. Auch die anderen Angaben sind zu hinterfragen, ob es sich tatsächlich um diese im Gartenbau bedeutungslose Art handelt. Subspontan angegeben auch für Belgien (Verloove 2021) und seit 1991 für die Slowakei (Medvecká & al. 2012).

 

Tamarix gracilis

Die Zierliche Tamariske, Tamarix gracilis, ist von der Südost-Ukraine und Anatolien bis zur Mongolei verbreitet. Sie spielt in der mitteleuropäischen Gartengestaltung keine Rolle, wird aber für Bayern (Hand & Thieme 2024) und Nordrhein-Westfalen (Hand & Thieme 2024) angegeben. Die Art ist in der „Flora von Bayern“ (Meierott & al. 2024) nicht angegeben.
 

Tamarix ramosissima

Von Südost-Europa bis Zentralasien ist die Heide-Tamariske, Tamarix ramosissima (Syn.: T. pentandra), beheimatet. Sie wird seit 1885 als „Sommer-Tamariske“ gärtnerisch genutzt (Bärtels & Schmidt 2014), auch in Sorten wie `Pink Cascade´ oder `Rosea´ (etwa 1895). Die Art ist trockenresistent, hitzeverträglich, stadtklimafest, salztolerant, windfest und verträgt Überflutungen (Bruns 2009). Subspontan konnte sie ehemals in Ruderalfluren in Wien-Mauer (Forstner & Hübl 1971, Glaser & al. 2025) unbeständig festgestellt werden.
 
Tamarisken-Arten, vor allem T. ramosissima, wurden in die USA eingeführt und dort in den 1930er Jahren großflächig durch das Civilian Conservation Corops als Windschutzstreifen in trockenen Gebieten angepflanzt. Dadurch haben sich Tamarisken im Südwesten der USA ausgebreitet und werden dort als invasive Arten seit der Jahrtausendwende bekämpft (Eurek Alert 2011), etwa durch Herbizideinsatz und den Tamarisken-Blattkäfer Diorhabda carinulata (Adams 2021).
 
Die Art zählt zu den 100 schlimmsten invasiven gebietsfremden Arten der Welt, inklusive Viren (IUCN 2013). Dort heißt es: „Tamarix ramosissima ist ein weit verbreiteter invasiver Strauch, der die Uferzonen des trockenen Klimas dominiert hat. Eine massive Invasion von T. ramosissmia im Westen der Vereinigten Staaten hat über eine Million Hektar eingenommen. T. ramosissima wird typischerweise in Verbindung mit anderen Tamarix-Arten und daraus resultierenden Hybriden gefunden und verdrängt einheimische Pflanzen, verändert den Lebensraum und die Nahrungsnetze für Tiere drastisch, erschöpft Wasserquellen, erhöht Erosion, Überschwemmungsschäden, Bodenversalzung und Feuerpotenzial“ (IUCN 2013).
 

Tamarix tetrandra

Die Viermännige Tamariske, Tamarix tetrandra, ist in Südost-Europa und Südwest-Asien, östlich bis Afghanistan reichend, beheimatet. Sie wird in der heimischen Gartengestaltung seit 1821 häufig als „Frühlings-Tamariske“ genutzt (Bärtels & Schmidt 2014) und findet sich sehr selten adventiv oder verwildert.
So 2015 bis 2021 in einem Straßengraben bei Krautostheim und in einer Mauer am Innkai und Ufermauer am Inn in Passau in Bayern (Hassler & Muer 2022, Meierott & al. 2024) und in Industriebrachen in Wien (Radler & Punz 1999 – die Angabe ist kritisch zu sehen, da allgemein gehalten und mit Fehlbestimmungen).
 

Quellen

Adams A. (2021): Treating Invasive Tamarisk as an Intern at San Andres National Wildlife Refuge - The Geographical Bulletin. 62 (2): 101–103.

Adler W. & Mrkvicka Ch. (2003): Die Flora von Wien - gestern und heute – Verlag des Naturhistorischen Mus. Wien, 831 S.

Bärtels A. & Schmidt P. A. (2014): Enzyklopädie der Gartengehölze – Ulmer-Verlag Stuttgart, 883 S.

BBV–Bochumer Botanischer Verein (2025): Beiträge zur Flora Nordrhein-Westfalens aus dem Jahr 2024 - Jahrb. Bochumer Bot. Ver. 16: 213-258.

Bellosi B., Selldorf P. & Schoenenberger N. (2011) Exploring the Flora on Inert Landfill Sites in Southern Ticino (Switzerland). Bauhinia 23: 1−15.

Bruns J. (2009): Bruns Pflanzen – Sortimentskatalog Gehölze 2009/2010 – Ulmer Verlag, 1123 S.

Dörr E. & Lippert W. (2004): Flora des Allgäus und seiner Umgebung Band 2 – IHW-Verlag Eching, 752 S.

Eurek Alert (2011): Scientists study control of invasive tree in western US - Scientists study control of invasive tree in | EurekAlert!

Forstner W. & Hübl E. (1971): Ruderal-, Segetal- und Adventivflora von Wien. – Wien: Notring.

Germann C. & Moretti M. (2009): Hypophyes pallidulus (Gravenhorst, 1807) - direct evidence in tamarisk in the Tessin (Switzerland) (Coleoptera, Curculionoidea, Nanophyidae). (Hypophyes pallidulus (Gravenhorst, 1807) - direkter Nachweis an Tamariske im Tessin (Coleoptera, Curculionoidea, Nanophyidae).) Entomo Helvetica, No.2:105-109. http://www.entomohelvetica.ch/

Gilli C., L. Schratt-Ehrendorfer, U. Raabe, T. Barta, S. Weiss, G. Király, J. Weinzettl, K. Tkalcisics, R. Albert, S. Dunkl, P. Englmaier, K. Grafl, M. Hofbauer, G. Karrer, G. Kniely, H. Niklfeld, H. Schau u. E. Wukovatz (2022): Checkliste und Rote Liste der Farn- und Blütenpflanzen des Burgenlandes – Land Burgenland 21: 1−80.

Glaser M., C. Gilli, N. Griebl, M. Hohla, G. Pflugbeil, O. Stöhr, P. Pilsl, L. Ehrendorfer-Schratt, H. Niklfeld & F. Essl (2025): Checklist of Austrian neophytes (2nd edition) – Preslia 97: 413−539.


Gutte P. (2006): Flora der Stadt Leipzig, einschließlich Markkleeberg – Weißdorn-Verlag, Jena, 278 S.

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