Syringa

Flieder, Ölbaumgewächs, Oleaceae

Gattung:

Syringa umfasst etwa 12 Arten (Kew 2023) in Asien und Südost-Europa.
 

Syringa vulgaris  

Echter Flieder,
Syringa vulgaris  
Ölbaumgewächs, Oleaceae
 

Steckbrief: 

Bis 5 m hoher, vielstämmiger Strauch oder Baum, durch Ausläufer dickichtartige Kolonien bildend. Blattspreiten 5–12 cm lang, eiförmig bis breit-eiförmig, zugespitzt, an der Basis gestutzt bis herzförmig, kahl. Blüten lila, stark duftend, in 10–20 cm langen, vielblumigen Rispen. Kronröhre etwa 1 cm lang. Fruchtkapsel 1–1,5 cm lang, länglich zugespitzt, braun. Blütezeit April bis Mai.
 

Nutzung:

Ziergehölz, in etwa 500 Sorten wie `Andenken an Ludwig Spaeth´ (1883), `Katherine Havemeyer´ (1922) oder `Mme. Lemoine´ (1890). Die Art ist hitzeverträglich, stadtklimafest, rauchhart, windfest, ausläufertreibend und hat ein hohes Ausschlagsvermögen (Bruns 2009).
 

Ausbreitung: 

Der flämische Gelehrte und Arzt Ghislein de Busbecq (1522−1592) brachte den in Südost-Europa beheimateten Flieder 1555 aus der Türkei nach Mitteleuropa. Busbecq war von 1554 bis 1562 als Gesandter des deutschen Kaisers in Konstantinopel tätig. Den ersten Flieder setzte Busbecq in seinen Garten in Wien, 1588 ist seine Kultur aus Nürnberg belegt (Krausch 2003). Bis zum 18. Jahrhundert fand sich der Flieder nur in vornehmen Gärten, erst in den letzten 250 Jahren erlangte er seine allgegenwärtige Verbreitung. Es entstanden hunderte Sorten, allein 180 in der Baumschule Lemoine im französischen Nancy (Bruns 2009).
 
Erste subspontane Vorkommen sind seit dem Jahr 1787 von Berlin bekannt (Seitz & al. 2012). Gegenwärtig im Gebiet weit verbreitet und regional eingebürgert.

 
Vermehrt sich in Mitteleuropa überwiegend vegetativ durch Ausläufer, es sind aber auch Keimlinge nachgewiesen (Kowarik 1992).
DEUTSCHLAND:
Gegenwärtig in Deutschland fast flächendeckend verbreitet, oft auch nur Kulturrelikt in Ortsnähe (BfN 2013, Hegi 1975). Der Erstnachweis für Bayern erfolgte vor 1839 bei Regensburg (Meierott & al. 2024).
ÖSTERREICH:
In allen Bundesländern (Glaser & al. 2025) und in Ausbreitung begriffen (Essl 2005), so u.a. mehrfach im Klagenfurter Becken in Kärnten (Hartl & al. 1992), Altenmarkt a.d. Ysper, Purgstall a.d. Erlauf, Granz bei Maria Taferl, Melk, Mühldorf, Spitz und zwischen Luberegg und Emmersdorf in Niederösterreich (Essl 2005), Enge Vornbach, Krämpelstein, Pyrawang, Vornwald und Oberhauserleithen in Oberösterreich (Grims 2008), Felswände des Rainberges und Kapuzinerberges in Salzburg (Wittmann & Pilsl 1997) und Telfs und Zirl in Nordtirol (Pagitz & Lechner-Pagitz 2005). Der Erstnachweis für Österreich erfolgte 1868 (Erdinger 1872, Glaser & al. 2025). Lokal invasiv und lokal aus Naturschutzsicht bedenklich, wie im Staatzer Steinbruch im niederösterreichischen Weinviertel.
SCHWEIZ:     
Häufig, so in den Kantonen Aargau, Basel-Landschaft, Basel-Stadt, Bern, Freiburg, Genf, Graubünden, Jura, Luzern, Neuenburg, Nidwalden, Schaffhausen, Solothurn, St. Gallen, Tessin, Thurgau, Uri, Waadt, Wallis und am Achermannweg in Zürich (Infoflora 2024, Landolt 2001). Im Kanton Zürich in einem Viertel der Quadranten subspontan festgestellt (Wohlgemuth & al. 2020). In Liechtenstein u.a. am Schlosshügel Gutenberg (Waldburger & al. 2003).

 
ANDERE LÄNDER:
Subspontan u.a. auch in Belgien (Verloove 2021), Norwegen (Gederaas & al. 2012), den Niederlanden (FLORON 2021), seit 1809 in Tschechien (Pyšek & al. 2012) und seit 1830 in der Slowakei (Medvecká & al. 2012).

 
Weitere Arten:

Syringa ×chinensis

Der Chinesische Flieder, Syringa ×chinensis, ist eine Kulturhybride aus dem Jahr 1777 aus dem Echten Flieder, Syringa vulgaris, und dem Persischen Flieder, S. ×persica, der wiederum eine Hybride ist. Von manchen Dendrologen wie Bärtels & Schmidt (2014) wird `Chinensis´ lediglich als Sorte von S. ×persica gesehen. Die Sippe wird als Zier- und Duftgehölz in wenigen Sorten wie `Alba´ oder `Saugeana´ in der Gartengestaltung genutzt und sehr selten subspontan angegeben, so 2014 in Adorf in Sachsen (Breitfeld 2021) und 1960 bei Schlosshof im Marchfeld und 2020 in Traiskirchen in Niederösterreich (Janchen 1977, Glaser & al. 2025, Sauberer & al. 2025). Die Art wird in der deutschen Florenliste (Hand & Thieme 2024) nicht geführt. Subspontan auch in Norwegen (Gederaas & al. 2012).
 

Syringa ×hyacinthiflora

Der Hyazinthenblütige Flieder, Syringa ×hyacinthiflora, ist eine Kulturhybride aus dem ostasiatischen Rundblättrigen Flieder, S. oblata, und dem südosteuropäischen Echten Flieder, S. vulgaris. Die ersten Sorten wurden ab 1876 bei Lemoine in Nancy, Frankreich, gezüchtet, andere ab 1940 bei Clarke, San José in Kalifornien (Bärtels & Schmidt 2014). Es entstanden Sorten wie `Rosenrot´, `Lavender Lady´ (1953), `Pocahontas´ (1935) oder `Schneeweißchen´. Im Gebiet sehr selten subspontan angegeben, so 2014 an einem Waldrand in Grünbach im westlichen Erzgebirge in Sachsen (Breitfeld 2021). Die Sippe wird in der deutschen Florenliste (Hand & Thieme 2024) als fraglich für Hessen geführt.
 

Syringa josikaea

In Osteuropa, nicht aber im heutigen Ungarn ist der Ungarische Flieder, Syringa josikaea, beheimatet. Er findet sich seit 1830 in gärtnerischer Kultur (Bärtels & Schmidt 2014)
Die Art wird in mehreren Sorten wie `Birgit´ oder `Holger´ als Zierstrauch genutzt und verwildert sehr selten daraus, so 2022 beim Hartelsgraben nahe Hieflau in der Steiermark (Bock 2022). Der Artbeiname verweist auf das Adelsgeschlecht „Josika de Branyicska“ aus Siebenbürgen im Verbreitungsgebiet der Art.
 

Syringa komarowii

In Zentralchina ist der Komarow-Flieder, Syringa komarowii, beheimatet. Er wird in seiner Nominatunterart seit 1908 selten als Zierpflanze kultiviert, in seiner Unterart reflexa, die bis 1995 als eigene Art galt und zu Deutsch Bogen-Flieder genannt wird, seit 1910 häufig als Zierpflanze genutzt (Bärtels & Schmidt 2014). Die Pflanze ist zu Ehren des russischen Botanikers und Geographs Wladimir Leontjewitsch Komarow (1869−1945) benannt, dessen Namen auch die Gattung Komarovia aus der Familie der Doldenblütler und die russische Stadt Komarowo trägt, die vorher Kellomäki hieß.
Unbeständig verwildert wird die Art für Kirchheim Teck in Baden-Württemberg (Böhling 2009, Hand & Thieme 2024), 2004 für Schwebheim in Bayern (Hassler & Muer 2022) und für Schleswig-Holstein (Hassler & Muer 2022) angegeben. In der „Flora von Bayern“ (Meierott & al. 2024 sub S. reflexa) als lediglich kultiviert für Bayern angegeben. Die Fundangabe für Schleswig-Holstein wird in der deutschen Florenliste (Hand & Thieme 2024) als fraglich geführt. Subspontan auch in Norwegen (Gederaas & al. 2012).

 

Syringa ×persica

Der Persische Flieder, Syringa ×persica, ist eine Kulturhybride aus dem Afghanischen Flieder, Syringa afghanica, und dem Geschlitztblättrigen Flieder, Syringa ×lacinata, der wiederum eine Hybride unbekannter Herkunft ist, möglicherweise aus dem westchinesischen S. protolaciniata und dem südosteuropäischen S. vulgaris entstanden. 
Der Persische Flieder wird als Zier- und Duftpflanze seit 1640 kultiviert (Bärtels & Schmidt 2014) und subspontan für Baden-Württemberg (Hand & Thieme 2024), 1994 Wustrau in Brandenburg (Fischer 1997), 2013 in Markneukirchen in Sachsen (Breitfeld 2021), 1885 bei der Burg Giebichenstein in Halle an der Saale in Sachsen-Anhalt (Höck 1903, Hand & Thieme 2024), ehemals bei Staatz in Niederösterreich (Janchen 1956-1960, Glaser & al. 2025) und ehemals auf der Südseite des Leopoldsberges in Wien (Adler & Mrkvicka 2003) angegeben. Der Erstnachweis für Österreich erfolgte 1859 (Glaser & al. 2025). Subspontan u.a. auch in Norwegen (Gederaas & al. 2012).
 

Quellen

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