Streptocarpus

Usambaraveilchen, Gesneriengewächs, Gesneriaceae

Gattung:

Streptocarpus (inkl. Saintpaulia, exkl. Damrongia) umfasst etwa 184 afrikanische Arten (Kew 2023) mit Verbreitungszentrum im tropischen Zentral- und Ostafrika. 2012 wurde die Gattung Saintpaulia innerhalb von Streptocarpus platziert. Molekularphylogenetische Studien im Jahr 2015 unterstützten dieses Vorgehen (Nishii & al. 2015). Die ehemalige Gattung Saintpaulia umfasste etwa 11 Arten im östlichen tropischen Afrika, genauer im nördlichen Tansania und südlichen Kenia. Mannigfaltikeitszentren sind die Usambara- und Uluguru-Berge.
 

Streptocarpus ionanthus

Usambaraveilchen,
Streptocarpus ionanthus
(Syn.: Saintpaulia ionantha)
Gesneriengewächs, Gesneriaceae

 

Steckbrief:

Bis 20 cm hohe, immergrüne Mehrjährige mit rosettig angeordneten, gestielten Blättern und eiförmigen, dunkelgrünen, deutlich genervten, 2−12 cm langen und 1,5−9 cm breiten Blattspreiten. Blütenstandsschaft mit 1−10 fünfzähligen, leicht zygomorphen, purpurvioletten bis rosa oder weißen Blüten. Die Blütezeit subspontaner Pflanzen im Gebiet ist nicht bekannt.
 

Name:

Der ehemalige Gattungsname Saintpaulia ehrt den deutschen Kolonialbeamten in Ostafrika Walter von Saint Paul-Illaire (1860–1940) und seinen Vater, den botanisch interessierten deutschen Marineoffizier Ulrich Maximilian von Saint Paul-Illaire (1833−1902). Walter von Saint Paul-Illaire war deutscher kaiserlicher Bezirkshauptmann in Deutsch-Ostafrika, entdeckte dort 1892 das 'Veilchen' in den Usambara-Bergen und sandte Pflanzenmaterial an seinen Vater, der es an den deutschen Gärtner und Botaniker Hermann Wendland (1825−1903) weitergab, welcher es wiederum zu deren Ehren beschrieb (Burkhardt 2018). Bereits 1884 sammelten die britischen Pflanzenliebhaber John Kirk und Reverend W.E. Taylor Usambaraveilchen und schickten diese in den Botanischen Garten nach Kew. Die Qualität der angekommenen Pflanzen war für eine Erstbeschreibung allerdings unzureichend.
 

Heimat:

In mehreren Unterarten im ostafrikanischen Tansania, vor allem in den Usambara-Bergen.
 

Nutzung:

Häufig als Zimmerpflanze in vielen Sorten von alphabetisch `Anna´ bis `Zoja´ kultiviert. Allein in den USA sind 2000 Sorten registriert.
 

Ausbreitung:

Obwohl als nicht frosthart beschrieben, wird die Art bei uns selten im Freiland kultiviert, so zum Beispiel auf Friedhöfen. Von solchen Kulturen stammt auch die hier beobachtete, sicherlich vorübergehende Verwilderung ab (Stöhr & al. 2007 sub Saintpaulia ionantha).
DEUTSCHLAND: ---
ÖSTERREICH:
Am Friedhof Mattsee im Flachgau Salzburgs unbeständig im Kies verwildert (Stöhr & al. 2007 sub Saintpaulia ionantha). Der Erstnachweis für Österreich erfolgte 2002 (Glaser & al. 2025 sub Saintpaulia ionantha).
SCHWEIZ: ---

 
 

Quellen

Burkhardt L. (2018): Verzeichnis eponymischer Pflanzennamen Teil 1 - https://www.bgbm.org/sites/default/files/verzeichnis
_eponymischer_pflanzennamen
_2018_teil_1.pdf

Glaser M., C. Gilli, N. Griebl, M. Hohla, G. Pflugbeil, O. Stöhr, P. Pilsl, L. Ehrendorfer-Schratt, H. Niklfeld & F. Essl (2025): Checklist of Austrian neophytes (2nd edition) – Preslia 97: 413−539.


Kew (2023): Kew science – Plants of the World Online - Plants of the World Online | Kew Science



Nishii K., Hughes M., Briggs M., Haston E., Christie F., DeVilliers M. J., Hanekom T., Roos W. G., Bellstedt D. U. & M. Möller (2015): Streptocarpus redefined to include all Afro-Malagasy Gesneriaceae: Molecular phylogenies prove congruent with geographical distribution and basic chromosome numbers and uncover remarkable morphological homoplasies – Taxon 64(6): 1243–1274.

Pflugbeil G. & Pilsl P. (2013): Vorarbeiten an einer Liste der Gefäßpflanzen des Bundeslandes Salzburg, Teil 1: Neophyten - Mitt. Haus der Natur 21: 25–83.

Stöhr O., Pilsl P., Essl F., Hohla M. & Schröck C. (2007): Beiträge zur Flora von Österreich, II – Linzer biol. Beitr. 39/1: 155–292.