Soleirolia

Bubikopf, Brennnesselgewächs, Urticaceae

Gattung:

Monotypisch.
 

Soleirolia soleirolii

Bubikopf,
Soleirolia soleirolii,
Brennnesselgewächs, Urticaceae

 

Steckbrief:

Bis 20 cm hohe, dichte Polster bildende, an den Knoten wurzelnde Mehrjährige mit wechselständigen, rundlichen, 2−6 mm langen Blättern mit oberseits geraden und sichelförmig gebogenen Haaren. Blüten einhäusig getrenntgeschlechtlich. Im unte­ren Bereich des Stängels weibliche Blüten, im oberen Bereich männliche. Diese mit 4 Kron- und Staubblättern, weibliche Blüten mit 4 verwachsenen Kronblättern. Blütezeit Mai bis Juni.
 
 

Name:

Benannt zu Ehren des französischen Militäringenieurs und Botanikers Henri-Auguistin Soleirol (1792−1860), der an einer Flora Korsikas arbeitete, Arten wie Ophrys corsica beschrieb und die Pflanze in Korsika sammelte. Bis 2019 glaubte man, dass sein älterer Bruder, der Militär Joseph François Soleirol (1781−1863), mit dem Namen geehrt wurde. Joseph François Soleirol erhielt mehrere hohe Auszeichnungen wie 'Ritter der Ehrenlegion', hatte vielseitige Interessen u.a. in der Botanik, Geologie, Numismatik und Musik, war beim Philharmonie-Orchester in Metz u.a. dessen Präsident, in der Gesellschaft für Naturgeschichte und Mitbegründer der Société Horticulture (Burkhardt 2018). Henri-Auguistin Soleirol sammelte 1820 Pflanzen bei Cervione auf Korsika, nach denen die Pflanze vom französischen Botaniker Esprit Requien beschrieben wurde. 2019 wiesen Patrick Bungener und Daniel Jeanmonod nach, dass von den zwei Soleirol-Brüdern nur der ältere, nämlich Henri-Augustin Soleirol das Pflanzenmaterial in Korsika gesammelt hatte und damit wahrscheinlich er und nicht sein bekannterer Bruder Joseph François Soleirol der Entdecker dieser Pflanzenart war (Bungener & Jeanmonod 2019).
Gattung und Art sind nach der gleichen Person benannt, was in der Botanik eine absolute Ausnahme ist. Wegen der unterschiedlichen Endungen von Gattungsnamen und Artbeinamen ist sie formal betrachtet kein Tautonym und deshalb nach den Regeln der botanischen Nomenklatur zulässig (Ehrhardt & al. 2008).

 

Heimat:

Sardinien, Korsika und Balearen. Mittlerweile im westmediterranen Gebiet weiter verbreitet, so auch am spanischen Festland und in Portugal.
 

Nutzung:

Zimmerpflanze, in wenigen Sorten wie `Argentea´ mit silbrigen und `Aurea´ mit gelblichen Blättern.
 

Ausbreitung:

Überdauert in begünstigten Lagen auch die heimischen Winter und verwildert vereinzelt. Wächst vor allem im schattigen Schurrasen im Schutz von Hauswänden, wo sonst kaum mehr Rasen wächst. Die Art vermehrt sich vegetativ, kommt aber auch im Gebiet zum Blühen, sodass auch eine generative Ausbreitung möglich erscheint (Jagel & Buch 2012).
DEUTSCHLAND:
In Karlsruhe und Stuttgart-Stammheim in Baden-Württemberg (Breunig 2010, Böcker & al. 2017), 1999 im Rasen in Frankenbrunn bei Bad Kissingen in Bayern (Meierott & al. 2024), Bremen (Feder 2008), 1998 Langen in Hessen (Buttler 1999, Hand & Thieme 2024), Oldenburg und Hannover in Niedersachsen (Feder 2022), in Nordrhein-Westfalen auch mit beginnender Einbürgerung, so in Bochum-Sundern, Bo-Langendreer, Bo-Grumme, Bo-Ehrenfeld, Witten, Wetter-Alt, Dortmund, Soest, Wuppertal, Köln-Lindenthal, Krefeld-Benrad, Münster, Bonn-Poppelsdorf, Aachen-Wallstraße, Aachen-Burtscheid, Herne, Duisburg-Laar, Düsseldorf-Kaiserswerth, Mülheim, 2023 am alten Stadtpark in Bochum, 2024 in Legden-Asbeck, 2024 in Duisburg-Meiderich, 2024 mehrfach in Essen-Frohnhausen und Essen-Fulerum und ebenfalls 2024 in Essen-Huttrop (BBV 2010, BBV 2011, BBV 2013, BBV 2014, BBV 2017, BBV 2021, Adolphi & Sumser 1991, Gorissen 2015, Schmitz 2017, Feder 2022, BBV 2022, BBV 2023, BBV 2024, BBV 2025), Freiberg und Leipzig-Connewitz in Sachsen (Golde & Olias 2016, Gutte 2007) und auf Helgoland in Schleswig-Holstein (Adolphi 2008, Theisinger & Hebbel 2022).
ÖSTERREICH:
Linz und Gmunden am Traunsee in Oberösterreich (Kleesadl 2017, Hohla 2014), 2022 in der Marx-Reichlich-Straße in der Stadt Salzburg (Pilsl 2024, Glaser & al. 2025, Pflugbeil in: Pachschwöll & al. 2025) und Augartenstraße in Wien (Forstner & Hübl 1971, Glaser & al. 2025). Der Erstnachweis für Österreich erfolgte 1963 (Glaser & al. 2025). Erstmals beschreibt Janchen (1966–1975), dass laut W. Forstner ein Polster des Bubikopfs den Winter 1963/64 auf einer Mauer im Wiener Augarten gut überstanden habe. Danach dauerte es 50 Jahre bis zum zwei­ten Nachweis einer Verwilderung in Österreich. Michael Hohla (2014) entdeckte am Fuße einer Stützmauer am oberösterreichischen Traunsee einen kleinen Bestand, der zumindest ei­nen Winter im Freien überdauerte.
SCHWEIZ:
In den Kantonen Basel, Waadt und Tessin (Infoflora 2024) und zwischen 1990 und 2009 Steinbockgasse, Trittligasse, Eibenstraße, Malsstraße, Freyastraße und Sperletweg in Zürich (Landolt 2001, Wohlgemuth & al. 2020).
ANDERE LÄNDER:
Subspontan u.a. auch in Belgien (Verloove 2021), den Niederlanden (FLORON 2021), in Frankreich (Jalas & Suominen 1976), Großbritannien (Jalas & Suominen 1976, Clement & Foster 1994), Irland (Jalas & Suominen 1976, Clement & Foster 1994) und auf den Kanaren (Jalas & Suominen 1976).

 

Quellen

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