Smyrnium

Gelbdolde, Doldenblütler, Apiaceae

Gattung:

Smyrnium umfasst etwa 5 Arten (Kew 2023) im weiten Mittelmeerraum und in Südwest-Asien (Mabberley 2008). Zwei Arten, Smyrnium olusatrum und S. perfoliatum, werden selten kultiviert.
 

 

Smyrnium perfoliatum 

Stängelumfassende Gelbdolde,
Smyrnium perfoliatum 
Doldenblütler, Apiaceae
 

Steckbrief: 

50−120 cm hohe Einjährige (bis Zweijährige) mit knolliger Hauptwurzel. Stängel mit 2−4 sternhaarigen Längsflügeln. Grundblätter ein- bis mehrfach dreizählig gefiedert. Stängelblätter mit tief herzförmigem Grund stängelumfassend, gelbgrün, am Rand gekerbt. Doldenstrahlen 6−12, Krone gelb. Frucht 3−3,5 mm lang, etwas breiter als lang, reif schwarzbraun, glänzend, undeutlich gerippt. Blütezeit Mai bis Juni.
 

 

Nutzung:

Ehemals als Gemüse- und Arzneipflanze, selten zu Zierzwecken. Die Art war eine bedeutende Arzneipflanze im alten Rom, was dadurch belegt ist, dass sie bei Plinius und Galen, aber besonders bei Dioskurides ausführlich beschrieben ist. Im sogenannten „Wiener Dioskurides“, einer Handschrift aus dem Jahr 512, ist S. perfoliatum abgebildet und beschrieben (Mölleken 2000, Kiehn 2015). Die Stängelumfassende Gelbdolde konnte sich in Mitteleuropa aber weder als Arznei- noch als Gemüsepflanze durchsetzen, wurde und wird aber vereinzelt als Zierpflanze und neuerdings als Wildgemüse gehandelt. Die Blätter und jungen Sprosse können roh in Salaten oder gekocht in Suppen genutzt werden (Mölleken 2000, Kiehn 2015, Fleischhacker & al. 2013).
 

Ausbreitung: 

Mediterrane Art, vor allem in Botanischen Gärten und Parkanlagen gezogen und lokal verwildert bis eingebürgert, so im Schlossgarten von Schwetzingen in Baden-Württemberg (Sebald & al. 1992) oder im Wiener Universitätsgarten. Auch im mehreren anderen Botanischen Gärten verwildert, so in Bochum, Bonn, Erlangen-Nürnberg, Halle, Kiel, Leipzig, Mainz, Würzburg, Cambridge, Chelsea oder Kew (Kiehn 2015).
DEUTSCHLAND:
Regional eingebürgert, so im Schlossgarten von Schwetzingen in Baden-Württemberg, wo die Art seit 150 Jahren bekannt ist sowie in Stuttgart-Hohenheim (Sebald & al. 1992, Böcker & al. 2017). In Bayern 1996 im Stadtwald von Schweinfurt beim Deutschhof vermutlich angesalbt, mittlerweile ± eingebürgert, ebenso um Würzburg und München, genauer 2011 bis 2021 nahe dem Hauptbahnhof Würzburg, 2008 Forstweg im Guttenberger Wald, 2010 bis 2013 um Höchberg, 2016 München-Moosschwaige, 2013 bei Eisingen, 2020 Wessobrunn und München-Scheidplatz (Meierott 2008, Lippert & Meierott 2014, Springer 2014, Meierott & al. 2024). Weiters in Hamburg (Hand & Thieme 2024), 2021 in Offenbach am Main, im Grüneburgpark Frankfurt, Palmengarten Frankfurt und Schlosspark Hanau in Hessen (Martiné 2022, Kiehn 2015), Sankt Augustin, Sechtem, 2024 in Mülheim an der Ruhr-Speldorf und 2024 Krefeld-Verberg in Nordrhein-Westfalen (Gorissen 2015, BBV 2025), Rheinland-Pfalz (Mazomeit 2021), mehrfach im Leipziger Gebiet, so Fockeberg, Beipert, Leinestraße, Dösen, Grünau, Klingerhain und Stötteritz in Sachsen (Gutte 2006, Hardtke & al. 2013), Sachsen-Anhalt (Hand & Thieme 2024), bei Lauenburg und Kiel-Friedrichsort in Schleswig-Holstein (Dolnik & al. 2004) und bei der Eckartsburg nahe Apolda, Burg Gleichen nahe Wandersleben, in Jena, Leinawald bei Nobitz und Marienthal bei Eisenach in Thüringen (Zündorf & al. 2006, Peterlein 2024). Der Erstnachweis für Bayern erfolgte 1996 bei Schweinfurth (Meierott & al. 2024).
ÖSTERREICH: 
Sehr vereinzelt, dort aber meist beständig. Friedrichshof bei Zurndorf im Burgenland (Schau 2016), an der Loiblstraße nahe der Tscheppaschlucht in Kärnten (Kiehn 2015), bei Mödling und im Marchfeld in Niederösterreich (Kiehn 2015), in lichten Edellaubwäldern bei Untergrundberg a.d. Steyr in Oberösterreich (Essl 2002), Salzburg (Glaser & al. 2025), am Grazer Schlossberg in der Steiermark (Hamburger 1948, Glaser & al. 2025) und Arsenal, Graf-Starhemberg-Gasse, Theresianum, Schwarzenbergpark, Belvedere, Botanischer Garten, Strebersdorf und Kalksburger Konvikt in Wien (Adler & Mrkvicka 2003, Baldinger 2018). Im Botanischen Garten der Universität Wien seit mindestens den 1840er-Jahren (Endlicher 1843), dort auch gegenwärtig in großen Beständen.
SCHWEIZ:
Sehr selten, so in Genf (Infoflora 2024), in den 1840er-Jahren im Heuried in Wiedikon im Kanton Zürich (Wohlgemuth & al. 2020) und als Gartenflüchtling aus dem Botanischen Garten in Zürich (Hegi 1975).

 
ANDERE LÄNDER:
Subspontan u.a. seit 1850 auch in Belgien (Verloove 2021), in den Niederlanden (FLORON 2021), in England (Kiehn 2015), am Thebener Kogel bei Pressburg in der Slowakei (Kiehn 2015, Medvecká & al. 2012) und seit 1886 in Tschechien (Pyšek & al. 2012).

 
Weitere Art:

Smyrnium olusatrum

Mediterraner Herkunft ist auch die Gespenst-Gelbdolde, Smyrnium olusatrum. Die schwarzen Früchte verbleiben bei dieser Art lange an den schon abgestorbenen, gebleichten Stängeln und verleihen der Pflanze dann ein eigenartiges Aussehen, woher der Name kommt. Andere deutsche Benennungen sind Pferdeeppich und in der Schweiz Schwarzkohl. 
Selten wird die Art als Gemüse- und Zierpflanze genutzt, in Deutschland ist die Kultur seit mindestens 1550 bekannt (Hegi 1975), bereits um das Jahr 800 wird sie im `Capitulare´ Karl des Großen erwähnt. In Italien ist die Pflanze als „Macerone“ bekannt. 
Sehr selten tritt sie im Gebiet verwildert oder verschleppt auf, so in Ulm in Baden-Württemberg (Fiedler 1936, Hand & Thieme 2024), 2015 auf einer Baumscheibe in der Overbergstraße in Bochum-Querenburg in Nordrhein-Westfalen (Jagel 2021) und sich etablierend auf Helgoland in Schleswig-Holstein (Garve & Kuhbier 2016, Hassler & Muer 2022, Theisinger & Hebbel 2022). Auf Helgoland wurden erste Exemplare 2008 aufgefunden, 2018 reichlich in Gebüsch der Hauptinsel, gegenwärtig auch in Gärten, Rasen und Pflasterfugen (Theisinger & Hebbel 2022). In der Schweiz 1898 bis 1904 beim Alten Botanischen Garten Zürich (Hegi 1975, Wohlgemuth & al. 2020). Subspontan u.a. auch in Belgien (Verloove 2021), den Niederlanden (FLORON 2021), 2016 im Nordwesten Frankreichs (Toussaint 2016) und an den Südküsten der Britischen Inseln weit verbreitet und bereits eingebürgert (Verloove 2021).
 

Quellen

Adler W. & Mrkvicka Ch. (2003): Die Flora von Wien - gestern und heute – Verlag des Naturhistorischen Mus. Wien, 831 S.

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BBV–Bochumer Botanischer Verein (2025): Beiträge zur Flora Nordrhein-Westfalens aus dem Jahr 2024 - Jahrb. Bochumer Bot. Ver. 16: 213-258.

Böcker R., Hofbauer R., Maass I., Smettan H. & Stern F. (2017): Flora Stuttgart; 732 S.

Dolnik Ch., Behmann H., Dengler J., Eggert H., Jansen W., Kempe W., Kieckbusch J., Kunzmann D., Lütt S., Putfarken D., Romahn K., Stolley G. & Timmermann-Trodiener I. (2004): Funde von seltenen, gefährdeten und wenig beachteten Gefäßpflanzen in Schleswig-Holstein – Kieler Notiz. Pflanzenkd. Schleswig-Holstein 32: 103–123.

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