Sicyos

Haargurke, Kürbisgewächs, Cucurbitaceae

Gattung:

Sicyos umfasst etwa 64 amerikanische Arten (Kew 2023), die besonders in Mittel- und Südamerika beheimatet sind mit Mannigfaltigkeitszentrum auf Hawaii (Mabberley 2008)
 

Sicyos angulatus  

Haargurke,
Sicyos angulatus  
Kürbisgewächs, Cucurbitaceae

 

Steckbrief: 

Bis 6 m lange, einjährige, krautige und einhäusige Kletterpflanze mit borstig behaartem Stängel und mehrteiligen Ranken. Blätter fünfeckig oder fünflappig mit herzförmigem Grund. Männliche Blüten etwa 10–12 mm groß, die weiblichen kleiner, grünlich und kopfig gehäuft. Früchte klein, stachelig, etwa 10–15 mm im Ø, mit immer nur einem Samen. Blütezeit Juli bis September.
 

Heimat:

Östliches Nordamerika vom südlichen Kanada bis Mexiko.
 

Nutzung:

Ehemals als Zier-Kletterpflanze und ebenfalls ehemals als Gurken-Unterlage (Infoflora 2022). Die Haargurke zeigt eine bessere Nematodenresistenz, ist aber anfällig auf Gurkenmosaikvirus und Wassermelonenmosaikvirus (Gu & al. 2006, Schmelzer & Wolf 1971).
 
 

Ausbreitung:

Beheimatet im östlichen Nordamerika, seit der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts im Gebiet in Kultur. 1779 war die Haargurke im Angebot der Hamburger Handelsgärtnerei Buek vertreten, im 19. Jahrhundert aufgrund ihres raschen Wuchses in den Gärten weithin verbreitet (Krausch 2003).
Die ersten Nachweise von Verwilderungen gehen auf Anfang des 19. Jahrhunderts zurück, wo die Art im heutigen Süd-Polen und der westlichen Ukraine nachgewiesen wurde. Herbich (1861) bemerkt in einer kurzen Abhandlung über das Vorkommen der Haargurke in den historischen Regionen Galiziens und der Bukowina, dass die Art schon um 1809 an Zäunen „ungemein häufig“ in vielen Ortschaften der Bukowina gefunden wurde. Der Bericht zeigt, dass Sicyos angulatus ein Gartenflüchtling ist und ursprünglich durch die Verwendung in Gärten zur Bekleidung von Lauben in die Region gekommen ist. Unbeabsichtigt eingeschleppt wurde die Art auch über Vogelfutter und durch verunreinigtes Saatgut sowie Getreide- und Sojabohnenlieferungen (Larché 2004). Gegenwärtig vor allem in ruderalen Gebüschsäumen und in Mais- und Sojaäckern auftretend (Uva & al. 1997).
Die einjährige Pflanze besitzt ein rasches Wachstum, nämlich bis zu 2 Meter in 3 Wochen (Infoflora 2024). Die Früchte werden durch Säugetiere und Vögel verschleppt, die Samen zudem durch Wasser verbreitet. Eine Pflanze kann bis zu 78.000 Samen erzeugen (Infoflora 2024). Die Art benötigt für die Keimung und das Wachstum viel Wärme und Feuchtigkeit. Das Keimtemperaturoptimum liegt bei 20–30 °C (Smeda & Weller 2001). Die potenziellen Verbreitungsgebiete beschränken sich daher insbesondere auf die warmen und humiden Tieflagen des Gebiets, dort aber lokal eingebürgert, wie an der Thaya in Niederösterreich.
DEUTSCHLAND:
Bereits 1835 an wenigen Stellen verwildert, so etwa bei Magdeburg in Sachsen-Anhalt (Hegi 2008). Auch in den meisten anderen Bundesländern vorübergehend festgestellt, so in Baden-Württemberg, Bayern, Berlin, Brandenburg, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz, Sachsen, Schleswig-Holstein und Thüringen (Hand & Thieme 2024, Kuschel 1998, Hegi 2008, Meierott & al. 2024). Gegenwärtig kaum mehr in Kultur und daher selten und unbeständig (FloraWeb 2013).
ÖSTERREICH:
In Kärnten bei Klagenfurt, Waidmannsdorf, Völkermarkt, Obervellach und Arnoldstein als Gartenflüchtling seit Ende des 19. Jahrhunderts (Fritsch 1895). Eine Einbürgerung hat hier vermutlich in und um Spittal an der Drau, St. Veit an der Glan, Moosburg und Klagenfurt stattgefunden (Follak 2010). 1859 wurde die Art in Niederösterreich in Weikersdorf bei Baden an Zäunen und in Mautern an Gebüschen beobachtet (Neilreich 1859). Gegenwärtig an der Thaya lokal eingebürgert. Sie besiedelt hier nahe Bernhardsthal die trockengefallenen Teile des Bachbettes und überzieht großflächig das angrenzende Augebüsch (Melzer & Barta 1999, Fischer & al. 2008). In Oberösterreich seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts bekannt, so etwa bei Aistersheim (Keck 1860, Vierhapper 1888). Im Bundesland Salzburg vermutlich erstmals von Sauter (1879) erwähnt. In Nordtirol bei Amras (Polatschek 1999), in Vorarlberg in Mehrerau bei Bregenz (Polatschek 1999), ehemals auch in der Steiermark in Graz und bei Fürstenfeld und in Wien (Follak 2010). Der Erstnachweis für Österreich erfolgte 1859 (Glaser & al. 2025). Die Art wird zwar in Walter & al. (2002) und Fischer & al. (2008) für das Burgenland angegeben, konkrete Funddaten fehlen aber (Gilli & al. 2022). Beim Nordtiroler Fund handelte es sich um kultivierte Pflanzen (Pagitz & al. 2023). In Südtirol u.a. bei Gargazon (Wilhalm & al. 2002) und bereits 1859 im Brixner Hofgarten (Heimerl 1911).
SCHWEIZ:
1981 im Rheinhafen Basel-Kleinhüningen (Baumgartner 1985), 2010 verwildert im Tessin angefunden (Weber 2013), gegenwärtig vereinzelt, so in Pura und Stabio im Tessin (Möhl & al. 2014). Steht in der Schweiz auf der „Schwarzen Liste der invasiven Neophyten“.
ANDERE LÄNDER:
Subspontan seit 1882 auch in Belgien (Verloove 2021), in Norwegen (Gederaas & al. 2012, Follak 2010), den Niederlanden (FLORON 2021), in Frankreich (Larché 2004), Spanien (Follak 2010), Italien (Follak 2010), Slowenien (Follak 2010), Kroatien (Follak 2010), der Ukraine (Follak 2010), in Montenegro (Follak 2010), Bulgarien (Follak 2010), Rumänien (Follak 2010), seit 1880 in Tschechien (Follak 2010, Pyšek & al. 2012), seit 1908 in der Slowakei (Medvecká & al. 2012, Follak 2010), in Russland (Follak 2010), Ungarn (Follak 2010), Moldawien (Follak 2010) und Großbritannien (Follak 2010). In Südeuropa lokal invasiv (Hassler & Muer 2021), auch in Japan lokal invasiv (CABI 2022).
 

 

Quellen

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