Seseli

Sesel, Doldenblütler, Apiaceae

Gattung:

Seseli umfasst, inkl. Libanotis, etwa 143 Arten (Kew 2023) und ist in Eurasien und Nord- und Ostafrika beheimatet. Das Mannigfaltigkeitsgebiet reicht von Anatolien bis Kasachstan und Kirgisistan.
 

Seseli gummiferum

Gummi-Sesel,
Seseli gummiferum,
Doldenblütler, Apiaceae

 

Steckbrief:

Bis 100 cm hohe, immergrüne, an eine Kunstblume erinnernde Zwei- bis Mehrjährige mit kräftigem, tief geripptem, blassgrünem bis hellpurpurnem Stängel und blaugrünen, gefiederten Blättern. Blattabschnitte lanzettlich, 3−10 mm lang, 1−3 mm breit. Blütenstände doppeldoldig mit 10−30 Strahlen je Dolde. Hüllblätter am Grund verwachsen. Kronblätter cremeweiß. Blütezeit Juni bis August.
 

Heimat:

Krim, Westanatolien und Ostkreta (ssp. aegaeum).
 

Nutzung:

In der Gartengestaltung als Zierstaude genutzt, im Pflanzenhandel meist als „Grauer oder Griechischer Bergfenchel“ bezeichnet.
 

Ausbreitung:

DEUTSCHLAND:
1904 subspontan auf Schutt bei Speyer in Rheinland-Pfalz (Zimmermann 1912, Hegi 1975, Hand & Thieme 2024) angegeben.
ÖSTERREICH: ---
SCHWEIZ: ---

 
Weitere Arten:

Seseli campestre

Der in Osteuropa und Südwest-Asien beheimatete Östliche Sesel, Seseli campestre, ist in einer aufgelassenen Sandgrube im Marchfeld bei Raasdorf unweit von Straßhof in Niederösterreich (Melzer & Barta 2000, Melzer & Barta 1997) und am stillgelegten Verschiebebahnhof Breitenlee in Wien ein lokaler Neubürger (Fischer & al. 2008)
Am Breitenleer Standort 1969 in mehreren Exemplaren gefunden (Forstner & Hübl 1971), 1996 waren es mehr als 1000 Pflanzen in der ruderalisierten Schottersteppe und auch schon am Straßenrand in großer Zahl (Melzer & Barta 2007)
Die Art verbreitet sich über Diasporen, wobei sie ihre Samen nicht selten als Steppenroller ausstreut. 

Seseli gouani

Auf der westlichen Balkanhalbinsel und im nordöstlichen Italien ist der Gouan-Sesel, Seseli gouani, beheimatet. Er ist benannt zu Ehren des französischen Botanikers und Arztes Antoine Gouan (1733−1821), einem Freund von Linne (Hegi 1975). Gouan entdeckte u.a. die Zweihäusigkeit des Ginkgos und widersprach damit dem britischen Botaniker James Edward Smith, der 1796 den Ginkgo als eine monözische Art einstufte. 
Verschleppt wird der Gouan-Sesel im Gebiet 1890 für den Mannheimer Hafen in Baden-Württemberg (Hegi 1975) angegeben. Die Art wird in der deutschen Florenliste (Hand & Thieme 2024) nicht geführt, ebenso nicht in den „Farn- und Blütenpflanzen Baden-Württembergs“ (Sebald & al. 1992).  
 

Seseli gracile

In Rumänien, Serbien und Kroatien ist der Zierliche Sesel, Seseli gracile, beheimatet. Er wird aufgrund seines feinen Laubes sehr selten als Zierstaude kultiviert und für 1886 und 1887 im Mannheimer Hafen in Baden-Württemberg (Höck 1910, Hegi 1975, Hand & Thieme 2024) eingeschleppt angegeben. Die Art wird in den „Farn- und Blütenpflanzen Baden-Württembergs“ (Sebald & al. 1992) nicht geführt.
 
 

Quellen

Forstner W. & E. Hübl (1971): Ruderal-, Segetal-und Adventivflora von Wien – Verlag Notring, Wien.

Hand R. & Thieme M. (2024): Florenliste von Deutschland (Gefäßpflanzen), begründet von Karl Peter Buttler. https://www.kp-buttler.de/florenliste/index.htm

Hegi G. (1975): Illustrierte Flora von Mitteleuropa, Band 5 (Teil 2). 3.Aufl. – Paul Parey, Berlin und Hamburg. 679−1584.

Höck F. (1910): Ankömmlinge in der Pflanzenwelt Mitteleuropas während des letzten halben Jahrhunderts, XXVI - Beihefte zum Botanischen Zentralblatt 26: 391-433.

Kew (2023): Kew science – Plants of the World Online - Plants of the World Online | Kew Science



Melzer H. & Barta T. (1997): Anthoxanthum aristatum BoiSSiER, das Grannen Ruchgras, neu für das Burgenland und andere Neuigkeiten zur Flora dieses Bundeslandes, von Wien und Niederösterreich – Linzer biol. Beitr. 29/2: 899–919.

Melzer H. & Barta T. (2000): Crambe hispanica, der Spanische Meerkohl, ein Neufund für Österreich, und weitere floristische Neuigkeiten aus Wien, Niederösterreich und dem Burgenland. – Linzer biol. Beitr. 32_1: 341–362.

Sebald O., Seybold S. & G. Philippi (1992): Die Farn- und Blütenpflanzen Baden-Württembergs, Bd. 4: Haloragaceae bis Apiaceae. Verlag E. Ulmer, Stuttgart.

Zimmermann F. (1912): II. Nachtrag zur Adventiv und Ruderalflora von Ludwigshafen, der Pfalz und Hessen. Berichte der Bayerischen Botanischen Gesellschaft zur Erforschung der Flora – 14: 68−84.