Selaginella

Moosfarn, Moosfarngewächs, Selaginellaceae

Gattung:

Selaginella umfasst etwa 730 Arten (Kew 2023) und ist fast weltweit verbreitet mit der größten Formenfülle in den Tropen. In Mitteleuropa sind nur zwei Arten heimisch. Sie ist die einzige Gattung innerhalb der Familie. Die Gattung ist stammesgeschichtlich sehr alt und höchst inhomogen. Erwartungsgemäß wurde die Gattung im Zuge von molekulargenetischen Untersuchungen aufgeteilt (Zhou & Zhang 2023). Allerdings versuchen die Autoren, eine Rekombination zahlreicher Namen zu vermeiden, indem sie einen neuen Lectotypus für Selaginella s.str. festlegen. Ob dies allgemein akzeptiert wird, bleibt abzuwarten (Hassler 2024). Hier wird (vorerst) das traditionelle System beibehalten.
 
 

Selaginella apoda

Stängelloser Moosfarn,
Selaginella apoda,
Moosfarngewächs, Selaginellaceae

 

Steckbrief:

Lockere Polster bildende, moosähnliche Mehrjährige mit eiförmig-lanzettlichen, bespitzten Blättern, die in vier Reihen angeordnet sind. Blätter der äußeren Reihen größer, 1,5–2,3 mm lang, 0,8–1,4 mm breit, abstehend, Basis leicht herzförmig. Blätter der inneren Reihen kleiner, anliegend, 1,0–1,6 mm lang, 0,5–0,7 mm breit. Sporophylle (Fruchtstände) meist achselständig, meistens am unteren Drittel des Stängels. Stängel kriechend, wenig verzweigt, kahl.
 

Heimat:

Östliches Nordamerika, nördliches Mittelamerika, Kuba.
 

Nutzung:

Zimmer-Zierpflanze, für Terrarien, häufig als „Glücks- oder Silvestermoos“ genutzt.
 

Ausbreitung:

DEUTSCHLAND:
In Berlin im Naturschutzgebiet Pfaueninsel lokal über lange Zeit etabliert (Meyer 1970), scheint dort aber wieder erloschen zu sein (Hassler & Muer 2022, Seitz & al. 2012). In Mecklenburg-Vorpommern lokal am Weg der Etablierung (Hand & Thieme 2024).
ÖSTERREICH: ---
SCHWEIZ: ---

 
Weitere Arten:

Selaginella denticulata

Der Gezähnte Moosfarn, Selaginella denticulata (Syn.: Lycopodioides denticulata) ist im Mittelmeergebiet beheimatet. 
Er wird im Gebiet subspontan für Bad Hindelang in Bayern (Hassler & Muer 2022) angegeben. Die Art wird in der deutschen Florenliste (Hand & Thieme 2024) als fraglich für Bayern und in der „Flora von Bayern“ (Meierott & al. 2024) nicht geführt.
 

Selaginella douglasii

In den nordwestlichen USA ist der Douglas-Moosfarn, Selaginella douglasii (Syn.: Valdespinoa douglasii) beheimatet. Benannt ist er zu Ehren des schottischen Gärtners und Pflanzensammlers David Douglas (1799−1834). Douglas botanisierte in den USA und in Kanada für die Horticultural Society in London und starb bei diesen Forschungsreisen in einer Fallenstellergrube auf Hawaii (Burkhardt 2018). Die Art wird sehr selten als Zierpflanze genutzt und subspontan für Jena in Thüringen (Zündorf & al. 2006) angegeben.
 

Selaginella kraussiana

Im tropischen und südlichen Afrika ist der Krauss-Moosfarn, Selaginella kraussiana (= Gymnocynum kraussianum), beheimatet. Benannt ist er zu Ehren des deutschen Botanikers und Weichtierforschers Christian Ferdinand Friedrich von Krauss (1812−1890). Krauss war Direktor des Königlichen Naturalienkabinetts in Stuttgart und erkundete von 1837 bis 1840 die Flora von Kapland und Natal. Die Sippe ist weltweit eine der wenigen Arten innerhalb der Selaginellaceae, von der mehrere Ploidiestufen bekannt sind. Sie wird als Terrarienpflanze und Schatten-Zierstaude kultiviert, auch in einer gelblichen Sorte `Aurea´. Subspontan konnte sie in Berlin (Hassler & Muer 2022), 2008 und 2009 im Grugapark in Essen, dort auch noch 2024 vorhanden und in Bonn in Nordrhein-Westfalen (Sarazin & al. 2013, Hassler & Muer 2022, BBV 2025) gefunden werden. Die Art wird in der deutschen Florenliste (Hand & Thieme 2024) als fraglich für BE und NRW geführt. Subspontan u.a. auch in Portugal (Jalas & Suominen 1972), Spanien (Jalas & Suominen 1972), Frankreich (Jalas & Suominen 1972), Großbritannien (Jalas & Suominen 1972, Clement & Foster 1994), Irland (Jalas & Suominen 1972) und Italien (Jalas & Suominen 1972, Galasso & al. 2024).
 

Selaginella martensii

Martens-Moosfarn, Selaginella martensii, ist in Mittelamerika beheimatet. Benannt ist er zu Ehren des belgischen Botanikers Martin Martens (1797–1863), der vor allem über die Farne Mexikos schrieb. Die Art wird als Zimmerpflanze und für Terrarien in Sorten wie `Jori´ und `Frosty´ kultiviert und im Gebiet 1910 subspontan für eine Gärtnerei in Ludwigshafen in Rheinland-Pfalz (Zimmermann 1910) angegeben. S. martensii wird in der deutschen Florenliste (Hand & Thieme 2024) nicht geführt.
 
 

Quellen

BBV–Bochumer Botanischer Verein (2025): Beiträge zur Flora Nordrhein-Westfalens aus dem Jahr 2024 - Jahrb. Bochumer Bot. Ver. 16: 213-258.

Burkhardt L. (2018): Verzeichnis eponymischer Pflanzennamen Teil 1 - https://www.bgbm.org/sites/default/files/
verzeichnis_eponymischer_pflanzennamen
_2018_teil_1.pdf

Galasso G., F. Conti, L. Peruzzi, A. Alessandrini, N. M. G. Ardenghi, G. Bacchetta, E. Banfi, G. Barberis, L. Bernardo, D. Bouvet, M. Bovio, M. Castello, L. Cecchi, E. Del Guacchio, G. Domina, S. Fascetti, L. Gallo, R. Guarino, L. Gubellini A. Guiggi, N. Hofmann, M. Iberite , P. Jiménez-Mejíase, D. Longo, D. Marchetti, F. Martini, R. R. Masin, P. Medagli, C. M. Musarella , S. Peccenini, L. Podda, F. Prosser, F. Roma-Marzio, L. Rosati, A. Santangelo, A. Scoppola, A. Selvaggi, F. Selvi, A. Soldano, A. Stinca, R. P. Wagensommer, T. Wilhalm & F. Bartolucci (2024): A second update to the checklist of the vascular flora alien to Italy – Plant Biosystems 158: 297-340.

Hand R. & Thieme M. (2024): Florenliste von Deutschland (Gefäßpflanzen), begründet von Karl Peter Buttler. https://www.kp-buttler.de/florenliste/index.htm,

Hassler M. (2024): Nachträge und Korrekturen zu Flora Germanica Band 1 und 2 Online-Version [Ver. 83], Stand 5.3.2024 - 1713 NACHTRAG.indd (flora-germanica.de) 



Hassler M. & T. Muer (2022): Flora Germanica. Bildatlas der deutschen Flora. Mit Artbeschreibungen von Thomas Meyer. Unter Mitarbeit zahlreicher Spezialisten und Revisoren. - Band 1 und Band 2, zus. 1712 S., Ubstadt-Weiher.

Jalas J. & Suominen J. (1972): Atlas Florae Europaeae 1 – Pteridophyta (Psilotaceae to Azollaceae). Akateeminen Kirjakauppa Helsinki. 121 S.

Kew (2023): Kew science – Plants of the World Online - Plants of the World Online | Kew Science

Meierott L., Fleischmann A., Klotz J., Ruff M. & W. Lippert (2024): Flora von Bayern – Haupt Verlag, Bern, 4 Bände.

Meyer D.E. (1970): 100 Jahre Selaginella apoda im Naturschutzgebiet Pfaueninsel – Berliner Naturschutzblätter 14: 16-18.

Sarazin A., Keil P., Gausmann P. & Fuchs R. (2013): Bemerkenswerte neophytische Sippen in der Pteridophyten-Flora Nord-West-Deutschlands – Ber. Inst. Landschafts- Pflanzenökologie Univ. Hohenheim, Beiheft 22: 43–62.

Zhou X.-M. & Zhang L.-B. (2023): Phylogeny, character evolution, and classification of Selaginellaceae (Lycophytes). – Plant Diversity 45(6): 630–684.

Zündorf H.J., Günther K.F., Korsch H. & Westhus W. (2006): Flora von Thüringen. Weissdorn-Verlag, Jena: 764 S.