Scandix

Venuskamm, Doldenblütler, Apiaceae

Gattung:

Scandix umfasst, inkl. Scandicium, etwa 12 Arten (Kew 2023) in Eurasien und Nordafrika.
 

Scandix australis

Südlicher Venuskamm,
Scandix australis,
Doldenblütler, Apiaceae

 

Steckbrief:

Bis 25 cm hohe, verzweigte, fast kahle, nach Anis riechende Einjährige mit 2−3-fach gefiederten Blättern und linealischen Endabschnitten. Doldenstrahlen 2–5, ± gleich lang, gerade. Hülle fehlend. Hüllchenblätter 3−6, meist ungeteilt, am Rand trockenhäutig. Krone weiß, äußere Kronblätter kaum länger als die inneren. Frucht mit Schnabel 15−40 mm lang. Schnabel dorsal wenig zusammengedrückt, undeutlich vom samentragenden Abschnitt abgesetzt. Blütezeit Mai bis Juni.
 

Heimat:

Mittelmeergebiet, östlich bis zum Iran reichend.
 

Nutzung:

Keine.
 

Ausbreitung:

DEUTSCHLAND:
Angegeben ehemals in Zwingenberg, am Haarlaß Heidelberg und in der Mühlau bei Mannheim in Baden-Württemberg (Zimmermann 1925, Lutz 1910, Hegi 1975, Hand & Thieme 2024), Hamburg (Hand & Thieme 2024), 1930 im Hafen Düsseldorf in Nordrhein-Westfalen (Bonte 1937, Hassler & Muer 2022) und 1905 im Hafen von Ludwigshafen in Rheinland-Pfalz (Vollmann 1914, Hand & Thieme 2024).
ÖSTERREICH: ---
SCHWEIZ:
1885 bei Orbe in der Waadt mit Getreide eingeschleppt (Hegi 1975).
ANDERE LÄNDER:
Subspontan auch in Belgien (Verloove 2021).

 
Weitere Arten:

Scandix balansae

Der Balansa-Venuskamm, Scandix balansae (Syn.: S. brachycarpa) ist in Anatolien beheimatet. Er ist zu Ehren des französischen Botanikers und Forschungsreisenden Gaspard Joseph Benedict Balansa (1825−1891) benannt. Balansa reiste ab 1847 und dann lebenslang u.a. in Nordafrika, Vorderasien, Neukaledonien, Paraguay, Java und Indochina. Er sammelte Pflanzen für das Muséum national d'Histoire naturelle in Paris und schrieb u.a. zu Gräsern aus Neukaledonien und Indochina und zu Moosen von Paraguay (Burkhardt 2018). Die Art wird 1897, 1907, 1909 und 1917 für den Mannheimer Hafen in Baden-Württemberg (Zimmermann 1921, Hand & Thieme 2024), 1911 für den Hafen von Ludwigshafen in Rheinland-Pfalz (Hegi 1975, Hand & Thieme 2024) und 1901 für Huttwill im Kanton Bern in einem Acker (Hegi 1975) angegeben. Inwieweit es sich hier um Namensverwirrungen mit Scandix pecten-veneris subsp. brachycarpa handelt, ist unklar. Scandix brachycarpa ist ein Synonym zu S. balansae und so könnte es sich bei den oben genannten Fundmeldungen um S. pecten-veneris subsp. brachycarpa handeln. In der aktuellen Bayernflora (Meierott & al. 2024) wird für Würzburg explizit S. pecten-veneris subsp. brachycarpa angegeben.
Subspontan wird die Art u.a. auch aus Belgien (Verloove 2021) und den Niederlanden (FLORON 2021) angegeben.

 
 

Scandix iberica

In Südwest-Asien ist der Iberische Venuskamm, Scandix iberica, beheimatet. 
Er wird, vor allem mit Getreide eingeschleppt, 1906 für den Mannheimer Hafen in Baden-Württemberg (Höck 1910, Hegi 1975, Hand & Thieme 2024), 1955 für den Güterbahnhof Memmingen in Bayern (Dörr & Lippert 2004, Meierott & al. 2024), ehemals für Berlin-Grunewald (Scholz & Sukopp 1960, Hand & Thieme 2024), 1887 bei Rüdersdorf in Brandenburg (Behrendsen 1889, Hegi 1975, Hand & Thieme 2024), 1906 bei Mutterstadt und um 1906 am Bahnhof Börrstadt in Rheinland-Pfalz (Hegi 1975, Hand & Thieme 2024) und 1910 bei der Maggi-Mühle in Zürich (Hegi 1975) angegeben. Die Art wird in den „Farn- und Blütenpflanzen Baden-Württembergs“ (Sebald & al. 1992) nicht geführt, ebenso nicht in der „Flora von Zürich“ (Wohlgemuth & al. 2020). Subspontan auch in Belgien (Verloove 2021) und den Niederlanden (FLORON 2021).
 
 

Scandix stellata

Vom Mittelmeergebiet bis Zentralasien ist der Stern-Venuskamm, Scandix stellata (Syn.: Scandicium stellatum), beheimatet. 
Er wird angegeben für Baden-Württemberg (Hassler & Muer 2022) und 1908 für die Maggi-Mühle in Zürich (Hegi 1975)
Die Art ist in den „Farn- und Blütenpflanzen Baden-Württembergs“ (Sebald & al. 1992) nicht angegeben. Für die Maggi-Mühle in Zürich werden in Hegi (1975) zwei seltene, adventive Scandix-Arten angegeben, was unwahrscheinlich erscheint. Die Art wird in der „Flora von Zürich“ (Wohlgemuth & al. 2020) nicht genannt.
 

Quellen

Behrendsen W. (1889): Ein Vorkommen von Adventivflora zu Rüdersdorf bei Berlin – Verhandlungen des Botanischen Vereins für die Provinz Bradenburg 30: 282-285.

Bonte L. (1937): Beiträge zur Adventivflora des rheinisch-westfälischen Industriegebietes 1930-1934 – Decheniana 94: 107-142.

Burkhardt L. (2018): Verzeichnis eponymischer Pflanzennamen Teil 1 - https://www.bgbm.org/sites/default/files/
verzeichnis_eponymischer_pflanzennamen
_2018_teil_1.pdf

Dörr E. & Lippert W. (2004): Flora des Allgäus und seiner Umgebung Band 2 – IHW-Verlag Eching, 752 S.

FLORON (2021): Floron Verspreidingsatlas Vaatplanten – www.verspreidingsatlas.nl

Hand R. & Thieme M. (2024): Florenliste von Deutschland (Gefäßpflanzen), begründet von Karl Peter Buttler. https://www.kp-buttler.de/florenliste/index.htm

Hegi G. (1975): Illustrierte Flora von Mitteleuropa, Band 5 (Teil 2). 3.Aufl. – Paul Parey, Berlin und Hamburg. 679−1584.

Höck F. (1910): Ankömmlinge in der Pflanzenwelt Mitteleuropas während des letzten halben Jahrhunderts, XXVI - Beihefte zum Botanischen Zentralblatt 26: 391-433.

 



Kew (2023): Kew science – Plants of the World Online - Plants of the World Online | Kew Science

Lutz F. (1910): Zur Mannheimer Adventivflora seit ihrem ersten Auftreten bis jetzt – Mitt. d. Badischen Landesvereins f. Naturkunde 247/248: 365–376.

Meierott L., Fleischmann A., Klotz J., Ruff M. & W. Lippert (2024): Flora von Bayern – Haupt Verlag, Bern, 4 Bände.

Scholz H. & H. Sukopp (1960): Zweites Verzeichnis von Neufunden höherer Pflanzen aus der Mark Brandenburg und angrenzenden Gebieten – Verhandlungen des Botanischen Vereins der Provinz Brandenburg 98/100: 23-49.

Sebald O., Seybold S. & G. Philippi (1992): Die Farn- und Blütenpflanzen Baden-Württembergs, Bd. 4: Haloragaceae bis Apiaceae. Verlag E. Ulmer, Stuttgart.


Verloove F. (2021): Manual of the Alien Plants of Belgium –  http://alienplantsbelgium.be

Vollmann F. (1914): Flora von Bayern – Ulmer-Verlag, Stuttgart, 840 S.

Wohlgemuth T., Del Fabbro C., Keel A., Kessler M. & M. Nobis (2020): Flora des Kantons Zürich. Zürcherische Botanische Gesellschaft. Haupt-Verlag, Bern.

Zimmermann F. (1921): Neues aus der Flora von Mannheim – Mitteilungen des Badischen Landesvereins für Naturkunde und Naturschutz e.V. Freiburg im Breisgau 1: 13-135. 

Zimmermann F. (1925): Wechsel der Flora der Pfalz in den letzten 70 Jahren. - Mitt.Pollichia 4: 1-55, Dürkheim.