Salvinia

Schwimmfarn, Schwimmfarngewächs, Salviniaceae


Gattung:

Salvinia umfasst etwa 12 Arten (Kew 2023) in Eurasien, Afrika und Amerika. Wassertropfen bleiben bei den Arten dieser Gattung als Perlen auf dem Haar-Luftpolster liegen, da die Haare an ihrer Basis wasserabweisend bleiben, an ihrer äußersten Spitze aber hydrophil sind. Auf diese Weise werden die Spaltöffnungen von einer den Gasaustausch behindernden Benetzung mit Wasser geschützt. Beim Untertauchen reißen die Haare Luftblasen mit, die das Blatt sofort wieder an die Wasseroberfläche ziehen. Diese dauerhafte Stabilisierung einer Luftschicht auf einer Oberfläche unter Wasser wird Salvinia-Effekt genannt und wird inzwischen auch technisch genutzt. Entdeckt haben ihn der deutsche Botaniker Wilhelm Barthlott von der Uni Bonn, der Physiker Thomas Schimmel und der Strömungswissenschaftler Alfred Leder von der Uni Rostock.

Salvinia molesta

Anverwandter Schwimmfarn,
Salvinia molesta
(Syn.: S. adnata)
Schwimmfarngewächs, Salviniaceae

 

Steckbrief:

An der Wasseroberfläche treibende Wasserpflanzenart mit kurzen Sprossen, die Blattquirle aus je je 3 Blättern tragen, zwei Schwimmblätter und ein stark zerschlitztes, wurzelähnliches Unterwasserblatt. Schweimmblätter fast rund, vorne ausgerandet zweilappig, ca. 25(–30) mm lang und 20(–25) mm breit. Blattorberseite mit 1–2 mm langen Papillen. Die 4 mehrzelligen Haare an den Spitzen der Papillen sind distal zu Krönchenhaaren vereinigt.
Verwechslungsmöglichkeit: Der ähnliche, heimische Salvinia natans hat Blätter, die deutlich länger als breit sind und ca. 15 × 10 mm messen. Blattoberseite mit 0,2–0,8 mm langen Papillen, die 4 mehrzelligen Haare an den Spitzen der Papillen sind an den Enden nicht verwachsen.
 

Name:

1729 vom italienischen Botaniker Pier Antonio Micheli zu Ehren des italienischen Philologen Antonio Maria Salvini (1633−1729) aufgestellt, der für sein Werk „Nova plantarum genera“ die Kosten für die Kupfertafel der Pflanze übernommen hatte – vermutlich eines der ersten Beispiele für das Sponsoring eines wissenschaftlichen Namens. Der französische Botaniker Séguier hat 1754 den Namen aufgegriffen und gültig publiziert.
 

Heimat:

Die Art stammt wahrscheinlich aus dem östlichen Südamerika. Sie ist gegenwärtig in mehr als 55 tropischen und subtropischen Ländern nachgewiesent. Erste neophytische Nachweise erfolgten 1939 in Sri Lanka (Oliver 1983). Vorkommen aus Südamerika fehlten zunächst völlig, so dass eine Entstehung erst in Kultur vermutet wurde. Später konnte die Art bei Nachsuchen im Süden Brasiliens, in den Bundesstaaten Sao Paulo, Paraná, Santa Catarina und Rio Grande do Sul, festgestellt werden.
Salvinia molesta bildet mit den Arten Salvinia auriculata, Salvinia herzogii und Salvinia biloba den Salvinia auriculata-Artenkomplex. Die Arten dieser Gruppe kommen, oft nebeneinander, im tropischen Südamerika vor. Die Art ist polyploid mit fünf Chromosomensätzen aus zwei verschiedenen Arten und vermehrt sich ausschließlich vegetativ, da keine reifen Sporen gebildet werden. Es gilt daher als sicher, dass sie auf eine Hybridisierung zweier Arten, vermutlich Salvinia biloba und S. herzogii, zurückgeht, die möglicherweise erst in Kultur erfolgte.
 

Nutzung:

Aquaristik. Oft fälschlicherweise als Salvinia auriculata eingeführt und im Handel als S. auriculata oder S. natans angeboten (Nehring & Skowronek 2020). Mit der Pflanze laufen Versuche, sie bei Ölverschmutzungen von Gewässern einzusetzen, da die Pflanzen innerhalb von etwa 30 Sekunden mit Öl gesättigt sind (Coxworth 2016). Auch zu Reinigung von Abwässern ist die Art geeignet. Das Ergebnis einer Studie zeigt, dass Salvinia 30,77 % der gesamten suspendierten Feststoffe und 48,95 % der Fäkal-Bakterien aus dem Wasser entfernen kann.
 

Ausbreitung:

Es wird angenommen, dass die Verschleppung vor allem auf Transporte, etwa für den Aquarienhandel, mit anschließender absichtlicher oder unabsichtlicher Freisetzung, zurückgeht. Die Art wird, unter verschiedenen Namen, oft irrtümlich als Gewöhnlicher Schwimmfarn bezeichnet, in Aquarien eingesetzt. Sie breitet sich durch Verschleppung, meist durch den Menschen bedingt, in neue Gewässer aus. Hier bildet sie zunächst Exemplare mit langer, brüchiger Sprossachse, die der Ausbreitung dienen. Sie kann in warmen Regionen Matten bis zu einem Meter Dicke mit einer Biomasse von 250 bis 600 g/m² ausbilden. Wenn andere Arten in diese Matten einwurzeln, können sie undurchdringlich werden und den Bootsverkehr lahmlegen. Die Produktion wurde auf 45,6 bis 109,5 Tonnen Trockenmasse pro Hektar und Jahr abgeschätzt (Oliver 1983). Die geringe Kältetoleranz der Art macht eine Etablierung in Mitteleuropa unwahrscheinlich. Knospen können zwar -3 °C überstehen, aber nur bei rascher Erwärmung am schlammigen Gewässerrand wieder austreiben (ÖGG 2023).
In der Europäischen Union ist die Haltung, Zucht und der Handel seit 2019 untersagt (Nehring & Skowronek 2023), Beschränkungen galten schon vorher in den meisten Mitgliedsstaaten. Salvinia molesta ist weltweit verschleppt worden und kann die Nutzbarkeit und Biodiversität von Gewässern negativ beeinflussen. Sie ist deshalb aufgeführt in der Liste „100 of the World’s Worst Invasive Alien Species“ der Weltnaturschutzunion (IUCN 2013, Courchamp 2013). Dort heißt es: „Salvinia molesta ist ein schwimmender Wasserfarn, der in langsamem, nährstoffreichem, warmem Süßwasser gedeiht. Er wird von Aquarien- und Teichbesitzern kultiviert und manchmal durch Überschwemmungen oder durch absichtliche Ablagerung freigesetzt. S. molesta kann dichte Vegetationsmatten bilden, die den Wasserfluss reduzieren und den Licht- und Sauerstoffgehalt im Wasser senken. Diese stagnierende dunkle Umgebung wirkt sich negativ auf die Artenvielfalt und den Reichtum an Süßwasserarten aus, darunter Fische und untergetauchte Wasserpflanzen. Salvinia-Invasionen können Feuchtgebietsökosysteme verändern und den Verlust von Feuchtgebietslebensräumen verursachen. Salvinia-Invasionen stellen auch eine ernsthafte Bedrohung für sozioökonomische Aktivitäten dar, die von offenen, fließenden und/oder qualitativ hochwertigen Gewässern abhängig sind, einschließlich der Stromerzeugung aus Wasserkraft, der Fischerei und des Bootsverkehrs“ (IUCN 2013).
Die biologische Bekämpfung erfolgt vor allem mit Rüsselkäfern der Gattung Cyrtobagous. Die Einfuhr der Art Cyrtobagous salviniae nach Australien hat dort zu einem merklichen Rückgang des Schwimmfarns geführt (Calder & Sands 1985). 1980 wurde der Rüsselkäfer erstmals am Lake Moondarra in Queensland ausgesetzt. Bis Mitte 1981 waren die größten Schwimmfarn-Bestände stark geschädigt. Fortan wurde Cyrtobagous salviniae auch in anderen tropischen Ländern zur Bekämpfung von S. molesta eingesetzt.
DEUTSCHLAND:
Die Art wurde 2011 aus Tümpeln bei Johanneskirchen nahe München in Bayern (Dickoré & Springer 2011, Lippert & Meierott 2018) und aus Rheinland-Pfalz gemeldet (Hand & Thieme 2024). Nach Nehring & Skowronek (2020) auch ein älterer Nachweis aus Baden-Württemberg. Es ist bisher aber erst die Artengruppe S. auriculata agg. sicher (Hussner & al. 2010).
ÖSTERREICH:
Salvinia molesta wurde für Österreich erstmals unter dem Namen „Salvinia auriculata“ von Melzer (1962) publiziert. Die Art wurde 1958 „von Axel Hachtmann im mittleren Wundschuher Teich in der Steiermark zusammen mit Azolla filiculoides gesammelt“. Der Sammler vermerkte auf der Etikette, dass der Schwimmfarn dort „nur ausgesetzt!“ war, es sich also um eine Ansalbung handelte. Dennoch konnte sich die wärmeliebende Art subtropischer Herkunft dort zumindest ein Jahr halten und vermehren, denn Melzer (1962) schreibt weiters: „Im folgenden Jahr waren beide Arten besonders in der südöstlichen Ecke des Teiches in großen Mengen zu finden, sind aber seither wieder verschwunden.“ Eine weitere Angabe findet sich in den Nachträgen zur „Flora Wiens“ (Adler & Mrkvicka 2003). Dort wird „Salvinia cf. molesta“ für den 16. Wiener Gemeindebezirk genannt: „Ecke Johann-Staud-Straße/Savoyenstraße im Retentionsbecken bei der Degenruhe.“ Die Bestimmung kann nach kritischer Revision der entsprechenden Herbarbelege bestätigt werden (Stöhr & al. 2021). Auch das Wiener Vorkommen ist wieder erloschen (Vitek & al. 2021).
SCHWEIZ:
Im südlichsten Tessin (Infoflora 2024).
ANDERE LÄNDER:
Subspontan u.a. auch in den Niederlanden (FLORON 2021) und in Italien (Galasso & al. 2024),
 

 
Weitere Arten:

Salvinia auriculata

Der Rundblättrige Schwimmfarn, Salvinia auriculata (Syn. S. rotundifolia) aus der Salvinia auriculata-Gruppe ist in Mittel- und Südamerika weit verbreitet und wird im Gebiet für Berlin und Nordrhein-Westfalen unbeständig eingeschleppt angegeben (Hand & Thieme 2024).
 

Salvinia minima

Der Zwerg-Schwimmfarn, Salvinia minima, ist in Süd- und Mittelamerika weit verbreitet und wird im Gebiet 2022 erstmals für Nied-Wald in Frankfurt am Rhein in Hessen (Nierbauer 2023, Hassler 2024) angegeben.
 

Quellen

Adler W. & Mrkvicka Ch. (2003): Nachträge zur „Flora Wiens“ (I) – Neilreichia 2-3: 99–106.

Calder A. A. & D. P. A. Sands (1985): A new Brazilian Cyrtobagous Hustache (Coleoptera: Curculionidae) introduced into Australia to control salvinia. Journal of the Australian Entomological Society 24 (1): 57-64.

Courchamp F. (2013): Monster fern makes IUCN invader list. – Nature 498: 37. https://doi. org/10.1038/498037a

Coxworth B. (2016): "Oil spill clean-up material functions like a fern

Dickoré W. B. & Springer S. (2011): Neues zur Flora von München – Ber. Bayer. Bot. Ges. 81: 79–108.

FLORON (2021): Floron Verspreidingsatlas Vaatplanten – www.verspreidingsatlas.nl

Galasso G., F. Conti, L. Peruzzi, A. Alessandrini, N. M. G. Ardenghi, G. Bacchetta, E. Banfi, G. Barberis, L. Bernardo, D. Bouvet, M. Bovio, M. Castello, L. Cecchi, E. Del Guacchio, G. Domina, S. Fascetti, L. Gallo, R. Guarino, L. Gubellini A. Guiggi, N. Hofmann, M. Iberite , P. Jiménez-Mejíase, D. Longo, D. Marchetti, F. Martini, R. R. Masin, P. Medagli, C. M. Musarella , S. Peccenini, L. Podda, F. Prosser, F. Roma-Marzio, L. Rosati, A. Santangelo, A. Scoppola, A. Selvaggi, F. Selvi, A. Soldano, A. Stinca, R. P. Wagensommer, T. Wilhalm & F. Bartolucci (2024): A second update to the checklist of the vascular flora alien to Italy – Plant Biosystems 158: 297-340.

Hand R. & Thieme M. (2024): Florenliste von Deutschland (Gefäßpflanzen), begründet von Karl Peter Buttler. https://www.kp-buttler.de/florenliste/index.htm

Hassler M. (2024): Nachträge und Korrekturen zu Flora Germanica Band 1 und 2 Online-Version [Ver. 83], Stand 5.3.2024 - 1713 NACHTRAG.indd (flora-germanica.de) 

Hussner A., Weyer K. von de, Gross E. M. & S. Hilt (2010): Comments on increasing number and abundance of non-indigenous aquatic macrophyte species in Germany. Weed Research 50: 519–526.



Infoflora (2024): Das nationale Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora – https://www.infoflora.ch/de/

IUCN (2013): 100 of the World's Worst Invasive Alien Species - GISD (iucngisd.org)

Kew (2023): Kew science – Plants of the World Online - Plants of the World Online | Kew Science

Lippert W. & Meierott L. (2018): Kommentierte Artenliste der Farn- und Blütenpflanzen Bayerns – Vorarbeiten zu einer neuen Flora von Bayern. 251 S.

Melzer H. (1962): Neues zur Flora von Steiermark (VI). – Mitteilungen des naturwissenschaftlichen Vereins für Steiermark 92: 77–100.

Nehring S. & S. Skowronek. (2020): Die invasiven gebietsfremden Arten der Unionsliste der Verordnung (EU) Nr. 1143/2014 –Zweite Fortschreibung 2019. –BfN-Skripten 574: 190 S.; Bonn-Bad Godesberg.

Nehring S. & S. Skowronek. (2023): Die invasiven gebietsfremden Arten der Unionsliste der Verordnung (EU) Nr. 1143/2014 - Dritte Fortschreibung 2022 (bsz-bw.de) BfN-Schriften 654-2023

Nierbauer K.U. (2023): Salvinia minima. – In: Fundmeldungen. – Bot. Natursch. Hessen 35: 198.

Oliver D. (1983): A Review of the Biology of Giant Salvinia (Salvinia molesta Mitchell). Journal of Aquatic Plant Management 31: 227-231.

Stöhr O., A. Berger, J. Baldinger, M. Hohla, C. Langer, H. Meindl, K. Moosbrugger, G. Pflugbeil, P. Pilsl, N. Sauberer, R. Schwab, M. Thalinger, H. G. Zechmeister & C. Gilli (2021): Cyrtomium fortunei, Onoclea sensibilis und Osmunda regalis neu für Österreich sowie eine aktualisierte Übersicht neophytischer Gefäßkryptogamen Österreichs - Neilreichia 12: 105–144.

Verloove F. (2021): Manual of the Alien Plants of Belgium –  http://alienplantsbelgium.be

Vitek E., W. Adler & A. Mrkvicka (2021): Neues von der Flora Wiens – Neilreichia 12: 219-290.