Name:
1729 vom italienischen Botaniker Pier Antonio Micheli zu Ehren des italienischen Philologen Antonio Maria Salvini (1633−1729) aufgestellt, der für sein Werk „Nova plantarum genera“ die Kosten für die Kupfertafel der Pflanze übernommen hatte – vermutlich eines der ersten Beispiele für das Sponsoring eines wissenschaftlichen Namens. Der französische Botaniker Séguier hat 1754 den Namen aufgegriffen und gültig publiziert.
Heimat:
Die Art stammt wahrscheinlich aus dem östlichen Südamerika. Sie ist gegenwärtig in mehr als 55 tropischen und subtropischen Ländern nachgewiesent. Erste neophytische Nachweise erfolgten 1939 in Sri Lanka (Oliver 1983). Vorkommen aus Südamerika fehlten zunächst völlig, so dass eine Entstehung erst in Kultur vermutet wurde. Später konnte die Art bei Nachsuchen im Süden Brasiliens, in den Bundesstaaten Sao Paulo, Paraná, Santa Catarina und Rio Grande do Sul, festgestellt werden.
Salvinia molesta bildet mit den Arten Salvinia auriculata, Salvinia herzogii und Salvinia biloba den Salvinia auriculata-Artenkomplex. Die Arten dieser Gruppe kommen, oft nebeneinander, im tropischen Südamerika vor. Die Art ist polyploid mit fünf Chromosomensätzen aus zwei verschiedenen Arten und vermehrt sich ausschließlich vegetativ, da keine reifen Sporen gebildet werden. Es gilt daher als sicher, dass sie auf eine Hybridisierung zweier Arten, vermutlich Salvinia biloba und S. herzogii, zurückgeht, die möglicherweise erst in Kultur erfolgte.
Nutzung:
Aquaristik. Oft fälschlicherweise als Salvinia auriculata eingeführt und im Handel als S. auriculata oder S. natans angeboten (Nehring & Skowronek 2020). Mit der Pflanze laufen Versuche, sie bei Ölverschmutzungen von Gewässern einzusetzen, da die Pflanzen innerhalb von etwa 30 Sekunden mit Öl gesättigt sind (Coxworth 2016). Auch zu Reinigung von Abwässern ist die Art geeignet. Das Ergebnis einer Studie zeigt, dass Salvinia 30,77 % der gesamten suspendierten Feststoffe und 48,95 % der Fäkal-Bakterien aus dem Wasser entfernen kann.
Ausbreitung:
Es wird angenommen, dass die Verschleppung vor allem auf Transporte, etwa für den Aquarienhandel, mit anschließender absichtlicher oder unabsichtlicher Freisetzung, zurückgeht. Die Art wird, unter verschiedenen Namen, oft irrtümlich als Gewöhnlicher Schwimmfarn bezeichnet, in Aquarien eingesetzt. Sie breitet sich durch Verschleppung, meist durch den Menschen bedingt, in neue Gewässer aus. Hier bildet sie zunächst Exemplare mit langer, brüchiger Sprossachse, die der Ausbreitung dienen. Sie kann in warmen Regionen Matten bis zu einem Meter Dicke mit einer Biomasse von 250 bis 600 g/m² ausbilden. Wenn andere Arten in diese Matten einwurzeln, können sie undurchdringlich werden und den Bootsverkehr lahmlegen. Die Produktion wurde auf 45,6 bis 109,5 Tonnen Trockenmasse pro Hektar und Jahr abgeschätzt (Oliver 1983). Die geringe Kältetoleranz der Art macht eine Etablierung in Mitteleuropa unwahrscheinlich. Knospen können zwar -3 °C überstehen, aber nur bei rascher Erwärmung am schlammigen Gewässerrand wieder austreiben (ÖGG 2023).
In der Europäischen Union ist die Haltung, Zucht und der Handel seit 2019 untersagt (Nehring & Skowronek 2023), Beschränkungen galten schon vorher in den meisten Mitgliedsstaaten. Salvinia molesta ist weltweit verschleppt worden und kann die Nutzbarkeit und Biodiversität von Gewässern negativ beeinflussen. Sie ist deshalb aufgeführt in der Liste „100 of the World’s Worst Invasive Alien Species“ der Weltnaturschutzunion (IUCN 2013, Courchamp 2013). Dort heißt es: „Salvinia molesta ist ein schwimmender Wasserfarn, der in langsamem, nährstoffreichem, warmem Süßwasser gedeiht. Er wird von Aquarien- und Teichbesitzern kultiviert und manchmal durch Überschwemmungen oder durch absichtliche Ablagerung freigesetzt. S. molesta kann dichte Vegetationsmatten bilden, die den Wasserfluss reduzieren und den Licht- und Sauerstoffgehalt im Wasser senken. Diese stagnierende dunkle Umgebung wirkt sich negativ auf die Artenvielfalt und den Reichtum an Süßwasserarten aus, darunter Fische und untergetauchte Wasserpflanzen. Salvinia-Invasionen können Feuchtgebietsökosysteme verändern und den Verlust von Feuchtgebietslebensräumen verursachen. Salvinia-Invasionen stellen auch eine ernsthafte Bedrohung für sozioökonomische Aktivitäten dar, die von offenen, fließenden und/oder qualitativ hochwertigen Gewässern abhängig sind, einschließlich der Stromerzeugung aus Wasserkraft, der Fischerei und des Bootsverkehrs“ (IUCN 2013).
Die biologische Bekämpfung erfolgt vor allem mit Rüsselkäfern der Gattung Cyrtobagous. Die Einfuhr der Art Cyrtobagous salviniae nach Australien hat dort zu einem merklichen Rückgang des Schwimmfarns geführt (Calder & Sands 1985). 1980 wurde der Rüsselkäfer erstmals am Lake Moondarra in Queensland ausgesetzt. Bis Mitte 1981 waren die größten Schwimmfarn-Bestände stark geschädigt. Fortan wurde Cyrtobagous salviniae auch in anderen tropischen Ländern zur Bekämpfung von S. molesta eingesetzt.
DEUTSCHLAND:
Die Art wurde 2011 aus Tümpeln bei Johanneskirchen nahe München in Bayern (Dickoré & Springer 2011, Lippert & Meierott 2018) und aus Rheinland-Pfalz gemeldet (Hand & Thieme 2024). Nach Nehring & Skowronek (2020) auch ein älterer Nachweis aus Baden-Württemberg. Es ist bisher aber erst die Artengruppe S. auriculata agg. sicher (Hussner & al. 2010).
ÖSTERREICH:
Salvinia molesta wurde für Österreich erstmals unter dem Namen „Salvinia auriculata“ von Melzer (1962) publiziert. Die Art wurde 1958 „von Axel Hachtmann im mittleren Wundschuher Teich in der Steiermark zusammen mit Azolla filiculoides gesammelt“. Der Sammler vermerkte auf der Etikette, dass der Schwimmfarn dort „nur ausgesetzt!“ war, es sich also um eine Ansalbung handelte. Dennoch konnte sich die wärmeliebende Art subtropischer Herkunft dort zumindest ein Jahr halten und vermehren, denn Melzer (1962) schreibt weiters: „Im folgenden Jahr waren beide Arten besonders in der südöstlichen Ecke des Teiches in großen Mengen zu finden, sind aber seither wieder verschwunden.“ Eine weitere Angabe findet sich in den Nachträgen zur „Flora Wiens“ (Adler & Mrkvicka 2003). Dort wird „Salvinia cf. molesta“ für den 16. Wiener Gemeindebezirk genannt: „Ecke Johann-Staud-Straße/Savoyenstraße im Retentionsbecken bei der Degenruhe.“ Die Bestimmung kann nach kritischer Revision der entsprechenden Herbarbelege bestätigt werden (Stöhr & al. 2021). Auch das Wiener Vorkommen ist wieder erloschen (Vitek & al. 2021).
SCHWEIZ:
Im südlichsten Tessin (Infoflora 2024).
ANDERE LÄNDER:
Subspontan u.a. auch in den Niederlanden (FLORON 2021) und in Italien (Galasso & al. 2024),