Ruta

Weinraute, Rautengewächs, Rutaceae

Gattung:

Ruta umfasst etwa 10 Arten (Kew 2023) im weiten Mittelmeergebiet von Makaronesien bis zur Krim.
 

Ruta graveolens 

Echte Weinraute,
Ruta graveolens 
Rautengewächs, Rutaceae   
 

Steckbrief:

30–70 cm hoher, aromatisch duftender Halbstrauch. Blätter doppelt fiederschnittig, blaugrün, 6–12 cm lang, kahl, Abschnitte spatelförmig bis lanzettlich, ganzrandig oder sehr wenig gezähnt. Blüten gelb, in endständigen, lockeren Rispen, Kronblätter gezähnt, am Saum gewellt, kapuzenartig einwärts gekrümmt. Blütezeit Juni bis August.
 

Nutzung: 

Gewürz-, Zier- und Arzneipflanze. Auch in wenigen Sorten wie `Jackmans Blue´ mit lebhaft blaugrünen Blättern und kompaktem Wuchs und `Variegata´ mit cremeweiß panaschierten Blättern (Bärtels & Schmidt 2014). Die Verwendung als Gewürzpflanze ist wegen der Giftigkeit ± erloschen. Die Art enthält Furamocumarine, die im Licht zu Hautausschlägen führen können. Gemeinsam mit dem Riesen-Bärenklau gehört sie zu den Pflanzen, bei denen diese Reaktion besonders heftig ist und schon nach einfacher Berührung der Pflanze auftreten kann.
 

Ausbreitung:

Beheimatet im Mittelmeer- und Schwarzes Meer-Gebiet. In Mitteleuropa seit der Römerzeit kultiviert (Haase 1994). Im römischen Kastell Praetorium Agrippinae bei Valkenburg in Südholland wurden verkohlte Rauten-Samen gefunden (Pals & al. 1989). Die Landgüterverordnung Karls des Großen um das Jahr 800 empfahl in ihrem 70. Kapitel den Anbau der Raute. Bis ins 19. Jahrhundert war die Weinraute fester Bestandteil von Bauerngärten. Heute ist sie nur mehr selten in gärtnerischer Kultur, vor allem als Zierstaude.
Im Gebiet vereinzelt aus der Kultur verwildert, lokal auch eingebürgert, so im Schwäbischen Jura (Meierott 2008, Vollmann 1914), im Etsch-Eisackgebiet Südtirols (Fischer & al. 2008) und im Rhonetal des Wallis. Wie bei anderen historischen Heilpflanzen ist das natürliche Verbreitungsgebiet durch Verwilderungen aus Kräutergärten nicht klar abgegrenzt. Vielleicht ist die Art schon vor 1492 im Gebiet verwildert und daher ein Archäophyt (Sebald & al. 1992). In der deutschen Florenliste (Hand & Thieme 2024) wird sie als indigen für Baden-Württemberg geführt, als Archäophyt auch in Infoflora (2024) angegeben.

 
DEUTSCHLAND:  
Vereinzelt subspontan, so in Stuttgart, Wangen und Hohenheim in Baden-Württemberg (Böcker & al. 2017), im Schwäbischen Jura mehrfach, bei Hambach, 1988 beim Kapitelwald nahe Grafenrheinfeld, Kleinaitingen, 2007 in einem aufgelassenen Steinbruchgelände bei Königshofen, Schwebheim, Herlheim, Bamberg und Bad Oberdorf bei Hindelang in Bayern (Meierott 2008, Vollmann 1914, Meierott & al. 2024), Berlin (Seitz & al. 2012), Witzenhausen und Gelnhausen in Hessen (Gregor & al. 2012), Köln in Nordrhein-Westfalen (Sumser & al. 2015), 1990 im Neubaugebiet Ludwigshafen-Dhauner Straße in Rheinland-Pfalz (Mazomeit 1995, Hand & Thieme 2024), Saarland (Hand & Thieme 2024), Cainsdorf, Wildenfels, Wechselburg, Treuen, Leipzig, Dresden, Oberau und Blasewitz in Sachsen (Gutte & al. 2013, Gutte 2006, Hardtke & al. 2013), Harzvorland und Unstrut-Gebiet in Sachsen-Anhalt (Hassler & Muer 2022), Schleswig-Holstein (Hand & Thieme 2024) und Jena-Zwätzen, Golmsdorf, Wittersroda, Reinstädt, Kirchremda und Oberpreilipp in Thüringen (Zündorf & al. 2006).
ÖSTERREICH:
Sehr vereinzelt, so 2021 Güssinger Burgberg im Südburgenland (Gilli & al. 2022, Gilli & Raabe in: Pachschwöll & al. 2025), Federaun in Kärnten (Essl & Rabitsch 2002), Schwallenbach, im Förthofgraben bei Stein und auf dem Mitterberg bei Baden in Niederösterreich (Janchen 1977, Glaser & al. 2025), St. Martin im Innkreis und Raab in Oberösterreich (Hohla 2002), Sankt Michael im Salzburger Lungau und Leopold-Pfest-Straße in der Stadt Salzburg (Schröck & al. 2004, Pilsl & al. 2008), Graz-St.Gotthard und Schillingsdorf in der Steiermark (Hamburger 1948, Drescher 2012), als Kulturrelikt bei Lienz in Osttirol (Stöhr 2017), Feldkirch, Thüringen und Felsenau in Vorarlberg (Murr 1923–1926, Glaser & al. 2025) und Baumgartner Friedhof, Brünner Straße und Stadlau in Wien (Adler & Mrkvicka 2003). Der Erstnachweis für Österreich erfolgte 1921 (Glaser & al. 2025). Eine ehemalige Angabe für Nordtirol ist irrig (Pagitz & al. 2023). Im Südtiroler Etsch-Eisackgebiet lokal eingebürgert (Fischer & al. 2008).
SCHWEIZ:
Vor allem um den Genfer See, Neuenburger See, im Rhonetal des Wallis und um Genf, sonst vereinzelt wie u.a. bei Basel, Biel im Kanton Bern, Chur in Graubünden und in der Ceresstraße, bei der Bahnabzweigung nach Wiedikon und bei Dübendorf in Zürich (Welten & Sutter 1982, Moser & al. 2005, Landolt 2001, Infoflora 2024).
ANDERE LÄNDER:
Subspontan u.a. auch in Belgien (Verloove 2021), Norwegen (Gederaas & al. 2012), den Niederlanden (FLORON 2021), in Tschechien (Pyšek & al. 2012) und seit 1853 in der Slowakei (Medvecká & al. 2012).
 

 

Quellen

Adler W. & Mrkvicka Ch. (2003): Die Flora von Wien - gestern und heute – Verlag des Naturhistorischen Mus. Wien, 831 S.

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