Rubia

Krapp, Rötegewächs, Rubiaceae

Gattung:

Rubia umfasst etwa 88 Arten (Kew 2023) in der Alten Welt. Mannigfaltigkeitsgebiet ist China mit 39 Arten. Die Gattung ist namensgebend für die Familie. In den Rhizomen auch anderer Rubiaceae findet sich der rote Farbstoff, der den deutschen Familiennamen Rötegewächse erklärt (Jäger & al. 2008)
 

Rubia tinctorum

Färbe-Krapp, Echte Färberröte,
Rubia tinctorum,
Rötegewächs, Rubiaceae

 

Steckbrief:

Bis 80 cm hohe, sommergrüne, spreizklimmende Staude mit scharf vierkantigen Stängeln und wirtelig angeordneten, am Rand mit Stacheln versehenen, lanzettlichen Blättern. Blattunterseite deutlich netznervig. Blütenstände vielblütig, rispig, in den Achseln der quirlblättrigen Stängelblätter. Krone 2–4 mm breit, gelbgrün, meist fünfzipflig, trichterförmig. Staubblätter deutlich länger als breit. Steinfruchtartige Spaltfrucht erst rötlich, zuletzt fast schwarz. Blütezeit Juni bis August.
Verwechslungsmöglichkeit: Der ähnliche Kletten-Krapp, Rubia peregrina, hat undeutlich netznervige Blattunterseiten, radförmige Blüten und Staubblätter, die etwa so lang wie breit sind.
 

Heimat:

Ursprünglich wahrscheinlich in Zentral- und Südwestasien. Aus früheren Kulturen gegenwärtig vielerorts eingebürgert, so im gesamten Mittelmeergebiet.
 

Nutzung:

Früher eine bedeutende Färbepflanze. Krapp ist eines der ältesten Farbmittel der Menschheit und verhältnismäßig preisgünstig. Aus den gemahlenen Rhizomen wurde ein leuchtend roter Alizarin-Farbstoff gewonnen. Nach Eisenbeize ist auch Gelbfärbung möglich. Die Pflanze war noch im 19. Jahrhundert eine wichtige Kulturpflanze Europas (Düll & Kutzelnigg 2022). Die Krappwurzel war ein bedeutendes Handelsgut zwischen Asien und Europa. 1869 synthetisierten die deutschen Chemiker Graebe und Liebermann Alizarin (Krapprot), das ab 1871 industriell aus Steinkohlenteer hergestellt wurde, und beendeten damit den großflächigen Anbau von Krapp. Mit der Rückbesinnung zu Naturfarbstoffen wird Färbe-Krapp heute mancherorts wieder kleinflächig kultiviert. Arzneilich wurde die Art gegen Harnstein genutzt. Nach Anwendung kann der Urin eine rötliche Farbe annehmen (Düll & Kutzelnigg 2022).
 

Ausbreitung:

Krapp wird seit der Antike als Färbepflanze genutzt. Über die Alpen kam der Färbe-Krapp wahrscheinlich mit den Benediktinern und Karl der Große empfahl um das Jahr 800 in seiner Landgüterverordnung den Anbau der Pflanze.
DEUTSCHLAND:
U.a. 1878 bei Schweinfurt und um 1860 bei der Wiesenmühle in Niederwerrn in Bayern (Meierott 2008, Meierott & al. 2024), ehemals bei Frankfurt in Hessen (Gregor & al. 2012), ehemals Echternach, Zweibrücken, Auerbach und Speyer in Rheinland-Pfalz (Hand & al. 2016, Vollmann 1914), 1977 Leipzig-Sellerhausen in Sachsen (Gutte 2006) und ehemals in Thüringen (Hegi 2016, Zündorf & al. 2006).
ÖSTERREICH:
Von 1953 bis zumindest 1960 in Zwingendorf im Pulkautal in Niederösterreich (Melzer 1961, Glaser & al. 2024). Ehemals im Etschtal Südtirols (FloraFaunaSüdtirol 2023).
SCHWEIZ:
Im Wallis lokal eingebürgert, so etwa bei Naters, sonst unbeständig wie bei Yvorne in der Waadt (Hegi 2016, Infoflora 2024) und in Dachsen im Kanton Zürich (Wohlgemuth & al. 2020). Die Art wird bei Infoflora (2024) als Archäophyt für die Schweiz geführt.
ANDERE LÄNDER:
Subspontan u.a. auch in Belgien (Verloove 2021), den Niederlanden (FLORON 2021), in Tschechien (Pyšek & al. 2012) und der Slowakei (Medvecká & al. 2012).
 

 
Weitere Art:

Rubia peregrina

Im Mittelmeergebiet und in Westeuropa ist der Kletten-Krapp, Rubia peregrina, beheimatet. 
Die Art wird bzw. wurde ähnlich genutzt wie R. tinctorum
Sie konnte subspontan 2016 bis zumindest 2022 auf Helgoland in Schleswig-Holstein (Garve & Kuhbier 2016, Hebbel 2019, Theisinger & Hebbel 2022) und im Grenzbereich der Kantone Zürich/Schaffhausen (Infoflora 2024) beobachtet werden. Subspontan auch in Norwegen (Gederaas & al. 2012).
 

Quellen

Düll R. & H. Kutzelnigg (2022): Die Wild- und Nutzpflanzen Deutschlands. 9. erw. Aufl. – Wiebelsheim. 948 S.

FLORON (2021): Floron Verspreidingsatlas Vaatplanten – www.verspreidingsatlas.nl

Garve E. & Kuhbier H. (2016): Floristische Überraschungen auf Helgoland. – Florist. Rundbr. 50: 72 – 83.

Gederaas L., Loennechen Moen T., Skjelseth S. & Larsen L.-K. (2012): Alien species in Norway, with the Norwegian Black List - http://www.scales-project.net/NPDOCS/
AlienSpeciesNorway_2012_scr_9C0ee.pdf

Glaser M., C. Gilli, N. Griebl, M. Hohla, G. Pflugbeil, O. Stöhr, P. Pilsl, L. Ehrendorfer-Schratt, H. Niklfeld & F. Essl (2025): Checklist of Austrian neophytes (2nd edition) – Preslia 97: 413−539.


Gregor T., Hodvina S., Barth U., Bönsel D., Feuring C. & Übeler M. (2012):  Weiterführung der hessischen Florenliste -  Botanik und Naturschutz in Hessen 24, 71–105.

Gutte P. (2006): Flora der Stadt Leipzig, einschließlich Markkleeberg – Weißdorn-Verlag, Jena, 278 S.

Hebbel J. (2019): Ergänzungen zur Flora von Helgoland - Kieler Notizen zur Pflanzenkunde 44: 110–121.

Hegi G. (2016): Illustrierte Flora von Mitteleuropa, Band 6 (Teil 2B). 2.Aufl. - Weißdorn-Verlag Jena.

Infoflora (2024): Das nationale Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora – https://www.infoflora.ch/de/

Jäger E. J., Ebel F., Hanelt P. & Müller G. K. (2008): In: Rothmaler, Exkursionsflora von Deutschland, Band 5, Krautige Zier- und Nutzpflanzen. Spektrum, 874 S.

 



Kew (2023): Kew science – Plants of the World Online - Plants of the World Online | Kew Science

Medvecká J., Kliment J., Májeková J., Halada Ľ., Zaliberová M., Gojdičová E., Feráková V. & Jarolímek J. (2012): Inventory of the alien flora of Slovakia. – Preslia 84: 257–309.

Meierott L. (2008): Flora der Haßberge und des Grabfeldes – Neue Flora von Schweifurt. 2 Bände, IHW-Verlag, Eching.

Meierott L., Fleischmann A., Klotz J., Ruff M. & W. Lippert (2024): Flora von Bayern – Haupt Verlag, Bern, 4 Bände.

Melzer H. (1960): Floristisches aus Niederösterreich und dem Burgenland, III. – Verhandlungen der Zoologisch-Botanischen Gesellschaft in Wien 100: 184 - 197.

Pyšek P., Danihelka J., Sádlo J., Chrtek J. jr., Chytrý M., Jarošík V., Kaplan Z., Krahulec F., Moravcová L., Pergl J., Štajerová K. & Tichý L. (2012): Catalogue of alien plants of the Czech Re­public (2nd edition): checklist update, taxonomic diversity and invasion patterns. – Preslia 84: 155–255.

Theisinger D. & J. Hebbel (2022): Flora von Helgoland - Naturhistorische Gesellschaft Nürnberg - NHG_Flora_Helgoland_2022.pdf (nhg-nuernberg.de)

Verloove F. (2021): Manual of the Alien Plants of Belgium –  http://alienplantsbelgium.be

Vollmann F. (1914): Flora von Bayern – Ulmer-Verlag, Stuttgart, 840 S.

Wohlgemuth T., Del Fabbro C., Keel A., Kessler M. & M. Nobis (2020): Flora des Kantons Zürich. Zürcherische Botanische Gesellschaft. Haupt-Verlag, Bern.

Zündorf H.J., Günther K.F., Korsch H. & Westhus W. (2006): Flora von Thüringen. Weissdorn-Verlag, Jena: 764 S.