Rodgersia

Schaublatt, Steinbrechgewächs, Saxifragaceae

Gattung:

Rodgersia umfasst etwa 5 ostasiatische Arten (Kew 2023) mit Mannigfaltigkeitszentrum im Himalaya. In gärtnerischer Kultur finden sich vorwiegend Sorten, die nur bedingt den Arten zugeordnet werden können. Die Sorten hybridogenen Ursprungs werden in der Gartenbauliteratur in der „Rodgersia Henricii-Gruppe“ zusammengefasst (Jäger & al. 2008). Gegenwärtig gehören die fünf bekannten Rodgersia-Arten und deren Kultursorten zum geläufigen Sortiment für Schattenstandorte in der Grünraumgestaltung.
 

Rodgersia podophylla 

Gezähntes Schaublatt,
Rodgersia podophylla 
Steinbrechgewächs, Saxifragaceae

 

Steckbrief: 

80−120 cm hohe Mehrjährige mit großen, im Ø bis über 50 cm breiten, meist fünfteiligen Blattspreiten. Blättchen oberseits leicht glänzend, Blattrand spitzzackig und gesägt-gezähnt. Blütenstände weiß, rispig überhängend. Blütezeit Juni bis Juli.
Verwechslungsmöglichkeit: Das Kastanienblättrige Schaublatt, Rodgersia aesculifolia, hat meist siebenteilige Blätter, deren Ränder gezähnt, aber nicht spitzzackig sind.
 

Name: 

Der Gattungsname ehrt den US-amerikanischen Admiral John Rodgers (1812−1882), den Leiter der China-Expedition, im Zuge derer Rodgersia podophylla in den 1850er-Jahren entdeckt wurde. Rodgers war u.a. Kommandeur während des amerikanischen Bürgerkrieges und im Seminole-Krieg, leitete eine nordamerikanische Pazifik-Expedition und war später Direktor des Observatoriums der US-Flotte in Washington (Burkhardt 2018).
 

Nutzung: 

Langlebige Zierstaude, in wenigen Sorten wie `Rotlaub´ (1976) oder `Pagode´ (1972).
 

Ausbreitung:

Seit etwa 1870 wird die Art in den USA kultiviert und 1878 blühte das erste Exemplar in St. Petersburg. Von dort kamen Pflanzen zur englischen Gärtnerei Veitch & Sons und weiter nach Mitteleuropa. Im heimischen Pflanzenhandel in wenigen Sorten wie `Purdomi´ mit rotbraunem Austrieb (Jäger & al. 2008). Sehr vereinzelt tritt die Art im Gebiet subspontan auf.
DEUTSCHLAND:
Ganz vereinzelt verwildert, so 2001 im Forst bei Memmelsdorf, 2006 am Ufer des Pagodenburgsees im Nymphenburger Park, Gebüsch am Westsee im Westpark München und 2018 in Grassach bei Tittmoning in Bayern (Lippert & Meierott 2018, Hohla 2018, Meierott & al. 2024), 2010 am Tempelhofer Parkfriedhof in Berlin (Katz 2011 in: Breitfeld & al. 2021), in Hagen-Hohenlimburg und am Hombach bei Herkerath in Nordrhein-Westfalen (Fuchs & al. 2008) und in Thüringen (Hand & Thieme 2024).
ÖSTERREICH:
Bei der Fundmeldung von der Uferböschung der Oberach in Ried im Innkreis in Oberösterreich (Hohla 2010) geht nicht hervor, ob es sich um eine Verwilderung oder ein kultiviertes Vorkommen gehandelt hat. Ebenso beim Fund vom Ufer des Weizbaches in der Radegunderstraße in Graz-Andritz (Heimel 2010).
SCHWEIZ:
Ganz vereinzelt, so Sagentobel, Stöckentobel und Lybenstein in Zürich (Landolt 2001). Die Art wird in der „Flora von Zürich“ (Wohlgemuth & al. 2020) nicht genannt.
ANDERE LÄNDER:
Subspontan seit 1977 auch in Belgien (Seebens & al. 2017, Verloove 2021), seit 1905 in Norwegen (Gederaas & al. 2012, Seebens & al. 2017), seit 1970 in Schweden (Seebens & al. 2017), seit 1966 in Großbritannien (Jalas & al. 1999, Seebens & al. 2017) und seit etwa 1930 in Tschechien (Pyšek & al. 2012).

 
Weitere Arten:

Rodgersia aesculifolia

Aus China und Myanmar stammt das Kastanienblättrige Schaublatt, Rodgersia aesculifolia, welches dort 1869 von Abbe Armand David (1826−1900) entdeckt wurde und sich seit spätestens 1902 in Europa in Kultur befindet (Jäger & al. 2008)
Die Art kommt in den Varietäten aesculifolia und henrici vor und bildet am Naturstandort Hybriden mit R. pinnata, welche sich auch in Kultur befinden (Jäger & al. 2008)
Vereinzelt tritt R. aesculifolia im Gebiet subspontan auf, so 2008 in Marktschorgast in Bayern (Breitfeld & al. 2017, Meierott & al. 2024), 2007 im Gewerbegebiet am Bövinghauser Bachtal in Bochum-Gerthe in Nordrhein-Westfalen (BBV 2011) und 2011 am Südrand des Kamenzer Forstes bei Kamenz in Sachsen (Otto & al. 2012). In Österreich 2025 am Ufer eines Baches gegenüber von Einfamilienhäusern im Gewerbegebiet Strobl am Wolfgangsee in Salzburg (persön. Mitt. von Peter Pilsl am 8. Okt. 2025).
Subspontan auch in Belgien (Verloove 2021).

Rodgersia pinnata

In Südost-Asien ist das Gefiederte Schaublatt, Rodgersia pinnata, beheimatet. Es wurde vom französischen Abbe Armand David (1826−1900) in der chinesischen Provinz Yunnan gefunden und blühte in Europa erstmals 1902 in Großbritannien. 
Es wird als langlebige Schattenstaude in mehreren Sorten kultiviert, so `Die Stolze´, eine von Ernst Pagels gezüchtete, rosa blühende Hybride aus R. pinnata mit R. aesculifolia oder `Chocolate Wings´ mit rötlichbraunem Laub.
Im Gebiet sehr selten subspontan, so am Rand der Josefiau und bei der Egger-Lienz-Gasse in der Stadt Salzburg (Pilsl & al. 2008). Der Erstnachweis für Österreich erfolgte 2003 (Glaser & al. 2025). Subspontan 2001 auch in Tschechien (Pyšek & al. 2012).
 

Rodgersia sambucifolia

Im südlichen China ist das Holunderblatt-Schaublatt, Rodgersia sambucifolia, beheimatet. Es wird als langlebige Schattenstaude in Europa seit 1904 genutzt. Es finden sich auch Hybriden mit R. aesculifolia und R. pinnata im Pflanzenhandel (Jäger & al. 2008) und Sorten wie die dunkellaubige Sorte `Rothaut´ (1970).
Subspontan konnte die Art aktuell bei der Halltaldeponie in Nordtirol in gut 10 Exemplaren gefunden werden (Pagitz & al. 2023).
 

Quellen

BBV-Bochumer Botanischer Verein (2011): Bemerkenswerte Pflanzenvorkommen im Bochum-Herner Raum (Nordrhein-Westfalen) in den Jahren 2007 und 2008 - Jahrb. Bochumer Bot. Ver.2: 128–143.

Breitfeld M., Hertel E. & Baumann A. (2021): Flora Adventiva – Eine Zusammenstellung der in Deutschland nachgewiesenen Pflanzen, welche nicht in den Bestimmungswerken erwähnt werden; Markneukirchen, 677 S.

Breitfeld M., Hertel E., Horbach H.-D. & W. Wurzel (2017): Flora von Bad Berneck und Umgebung, die Pflanzenwelt zwischen Ochsenkopf und Maintal – 501 S.

Burkhardt L. (2018): Verzeichnis eponymischer Pflanzennamen Teil 1 - https://www.bgbm.org/sites/default/files/
verzeichnis_eponymischer_pflanzennamen
_2018_teil_1.pdf

Fuchs R., Adolphi K. Sumser H., Kordges T. & Gausmann P. (2008): Verwilderte Vorkommen von Rodgersia aesculifolia Batalin und Rodgersia podophylla A. Gray (Saxifragaceae) in Nordrhein-Westfalen – Floristische Rundbriefe 41, Bochum.

Gederaas L., Loennechen Moen T., Skjelseth S. & Larsen L.-K. (2012): Alien species in Norway, with the Norwegian Black List - http://www.scales-project.net/NPDOCS/
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Glaser M., C. Gilli, N. Griebl, M. Hohla, G. Pflugbeil, O. Stöhr, P. Pilsl, L. Ehrendorfer-Schratt, H. Niklfeld & F. Essl (2025): Checklist of Austrian neophytes (2nd edition) – Preslia 97: 413−539.


Hand R. & Thieme M. (2024): Florenliste von Deutschland (Gefäßpflanzen), begründet von Karl Peter Buttler. https://www.kp-buttler.de/florenliste/index.htm

Heimel E. (2010): Jacq Virtual Herbaria – Rodgersia podophylla - JACQ - Virtual Herbaria

Hohla M. (2010): Zobodat-Herbarbelege - Rodgersia podophylla – http://www.zobodat.at/belege.php?id=100368258

Hohla M. (2018): Zobodat-Herbarbelege – http://www.zobodat.at/belege.php?id=100469940

Jäger E. J., Ebel F., Hanelt P. & Müller G. K. (2008): In: Rothmaler, Exkursionsflora von Deutschland, Band 5, Krautige Zier- und Nutzpflanzen. Spektrum, 874 S.



Kew (2023): Kew science – Plants of the World Online - Plants of the World Online | Kew Science

Landolt E. (2001): Flora der Stadt Zürich (1984–1998) Band 1 – Springer Verlag Basel. 711 S.

Lippert W. & Meierott L. (2018): Kommentierte Artenliste der Farn- und Blütenpflanzen Bayerns – Vorarbeiten zu einer neuen Flora von Bayern. 251 S.

Meierott L., Fleischmann A., Klotz J., Ruff M. & W. Lippert (2024): Flora von Bayern – Haupt Verlag, Bern, 4 Bände.

Otto H.-W., Gebauer P. & Hardtke H.-J. (2012): Floristische Beobachtungen 2011 in Oberlausitz und Elbhügelland – Ber. d. naturforsch. Gesel. d. Oberlausitz 20: 85–98.

Pagitz K., O. Stöhr, M. Thalinger, I. Aster, M. Baldauf, C. Lechner-Pagitz, H. Niklfeld, L. Schratt-Ehrendorfer & P. Schönswetter (2023): Rote Liste und Checkliste der Farn- und Blütenpflanzen Nord- und Osttirols – Natur in Tirol, Band 16.

Pflugbeil G. & Pilsl P. (2013): Vorarbeiten an einer Liste der Gefäßpflanzen des Bundeslandes Salzburg, Teil 1: Neophyten - Mitt. Haus der Natur 21: 25–83.

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Pyšek P., Danihelka J., Sádlo J., Chrtek J. jr., Chytrý M., Jarošík V., Kaplan Z., Krahulec F., Moravcová L., Pergl J., Štajerová K. & Tichý L. (2012): Catalogue of alien plants of the Czech Re­public (2nd edition): checklist update, taxonomic diversity and invasion patterns. – Preslia 84: 155–255.

Seebens H., Blackburn T. M., Dyer E. E., Genovesi P., Hulme P. E., Jeschke J. M., Pagad S., Pyšek P., Winter M., Arianoutsou M., Bacher S., Blasius B., Brundu G., Capinha C., Celesti-Grapow L., Dawson W., Dullinger S., Fuentes N., Jäger H., Kartesz J., Kenis M., Kreft H., Kühn I., Lenzner B., Liebhold A., Mosena A. (2017): No saturation in the accumulation of alien species worldwide. Nature Communications 8(2).

Verloove F. (2021): Manual of the Alien Plants of Belgium –  http://alienplantsbelgium.be

Wohlgemuth T., Del Fabbro C., Keel A., Kessler M. & M. Nobis (2020): Flora des Kantons Zürich. Zürcherische Botanische Gesellschaft. Haupt-Verlag, Bern.