Ridolfia segetum
Ackerfenchel,
Ridolfia segetum,
Doldenblütler, Apiaceae
Steckbrief:
Bis 80 cm hohe, oberwärts gabelig verzweigte, gefurchte, kahle, blaugrüne, beim Zerreiben fenchelartig riechende Einjährige. Blätter 3−5-fach gefiedert mit fadenförmigen Endabschnitten. Doldenstrahlen 10–40, etwa gleich lang. Hüllblätter und Hüllchenblätter fehlend. Kronblätter klein, goldgelb. Kelchblätter fehlend. Frucht 1,5–2,5 mm lang, länglich bis (eiförmig-)zylindrisch, seitlich zusammengedrückt, kahl, Rippen undeutlich. Blütezeit Mai bis Juni.
Verwechslungsmöglichkeit: Ridolfia ähnelt stark der Gattung Anethum, hat aber viel kleinere Früchte (1,5-2,5 mm lang, bei Anethum 5-6 mm lang) und einen fenchelartigen, nicht anisartigen Duft.
Name:
Benannt nach dem italienischen Markgrafen, Agrarwissenschaftler und Politiker Cosimo Pietro Gaetano Gregorio Melchiorre Ridolfi (1794−1865). Er war nach der Einigung Italiens 1860 Senator und Unterrichtsminister (Burkhardt 2018). Der Adlige war den Früchten des Landes und der Landwirtschaft insgesamt sehr zugetan. 1830 gründete Ridolfi in Meleto die erste Landwirtschaftsschule in Italien, in der die Schüler durch Versuche auf bessere Bewirtschaftungslösungen kommen konnten. Die Erfolge der Landwirtschaftsschule ermöglichte es ihm, den Großherzog dazu zu bewegen, 1842 die erste italienische Fakultät für Landwirtschaft an der Universität Pisa zu gründen.
Heimat:
Weites Mittelmeergebiet von den Kanaren bis Saudi-Arabien.
Nutzung:
Keine, allerdings wird die Art in ihrer Heimat selten als Gewürz genutzt.
Ausbreitung:
Nur alte Adventivfunde.
DEUTSCHLAND:
1933 am Güterbahnhof Ulm in Baden-Württemberg (Müller 1935, Hand & Thieme 2024), 1937 und 1938 am Südbahnhof München in Bayern (Hepp 1956, Meierott & al. 2024), 1910 bei der Wollwäscherei Hannover-Döhren in Niedersachsen (Scheuermann 1913, Hegi 1975, Hand & Thieme 2024), 1926 und 1927 im Hafen Düsseldorf in Nordrhein-Westfalen (Bonte 1930, Hassler & Muer 2022), 1911 im Getreide bei Schifferstadt in Rheinland-Pfalz (Hegi 1975, Hand & Thieme 2024) und 1897 in einer Kiesgrube in Erfurt-Ilversgehofen in Thüringen (Diedicke 1897, Hegi 1975, Hand & Thieme 2024, Vollmann 1914). Die Art wird in den „Farn- und Blütenpflanzen Baden-Württembergs“ (Sebald & al. 1992) nicht geführt.
Die Angabe in Fiedler (1944) für die Mitteldeutsche Großmarkthalle Leipzig in Sachsen findet hier keinen Eingang, weil es sich bei den „1937 zweimal sehr zahlreich, blühend, mit kalabrischem Weizenstroh aufgetretenen Pflanzen“ auch um Triebe im Verpackungsmaterial handeln könnte.
ÖSTERREICH:
Ehemals unbeständig in Graz in der Steiermark (Melzer 1954, Walter & al. 2002). Der Erstnachweis für Österreich erfolgte 1945 (Seebens & al. 2017).
SCHWEIZ:
1907 Ruchfeld bei Basel (Hegi 1975), 1883 bei Orbe in der Waadt (Hegi 1975) und 1915 bei der Steigmühle von Töss im Kanton Zürich (Hegi 1975). Die Art wird in der „Flora von Zürich“ (Wohlgemuth & al. 2020) nicht genannt.
ANDERE LÄNDER:
Subspontan u.a. seit 1921 auch in Belgien (Verloove 2021), in den Niederlanden (FLORON 2021), seit 1916 in Großbritannien (Hegi 1975, Seebens & al. 2017) und in Schweden (Hegi 1975).