Quercus

Eiche, Buchengewächs, Fagaceae

Gattung:

Quercus umfasst etwa 469 Arten (Kew 2023) in Nord-, Mittel- und dem nördlichsten Südamerika, in Eurasien und Nordafrika. Die Gattung gehört zu den artenreichsten Baumgattungen. Mannigfaltigkeitsgebiete sind Mexiko, die südlichen USA und China.
 

Quercus rubra  

Rot-Eiche,
Quercus rubra  
Buchengewächs, Fagaceae

 

Steckbrief: 

Bis 30 m hoher Baum mit grauer Rinde, die lange Zeit glatt bleibt. Blätter lang gestielt, Blattspreiten 10–20 cm lang, mit beiderseits 4–6 Lappen, die spitz auslaufen. Buchten zwischen den Lappen meist nicht tiefer als bis zur Mitte der Blatthälfte. Blatt oberseits dunkelgrün glänzend, unterseits graugrün, nur in der Jugend leicht behaart. Herbstfärbung orangerot. Früchte bis 2,5 cm lang, gedrungen eiförmig, in einem flachen, am Rand wulstigen Becher. Fruchtreife im zweiten Jahr. Blütezeit Mai.
 

Nutzung: 

Zier- und Forstbaum, in gärtnerischen Sorten wie `Boltes Gold´ (2004) oder `Yates´ (2005) (Bärtels & Schmidt 2014). Die Art ist hitzeverträglich, stadtklimafest und industriefest (Bruns 2009). Im Oberrheingebiet wird die Rot-Eiche vor allem für Wind- und Feuerschutzstreifen in Kiefernbeständen verwendet. Das Holz ist grobporig und hat eine geringere Dichte als das von Stiel- und Traubeneiche. In Faserrichtung ist es für Flüssigkeiten durchlässig, weshalb es sich weder für die Herstellung von Fässern noch für den Schiffbau eignet (Wohlgemuth & al. 2020).
 
In Rot-Eichen-Beständen sind hierzulande Mykorrhizapilze weitgehend unbekannt, die Baumart sollte deshalb nicht in Gebieten mit reicher Pilzflora eingebracht werden (Sebald & al. 1990). Auf kalkhaltigen Untergrund kommt es meist zu Entwicklungsstörungen des Baumes, der dann auch gern von der Wurzelfäule befallen wird.
 

Ausbreitung: 

Beheimatet im östlichen Nordamerika, 1724 in England eingeführt und 1747 nach Leiden in die Niederlande gekommen. Deutschland erreichte die Rot-Eiche um das Jahr 1770. Fortan wurde sie in Grünanlagen und als Straßenbaum gepflanzt, auf bodensauren Standorten auch als Forstbaum (BfN 2011). Subspontan 1887 erstmals im Tegeler Forst bei Berlin in mehreren Stämmen nachgewiesen (Bolle 1887). Gegenwärtig im Gebiet zerstreut (Rothmaler 2011), u.a. etabliert innerhalb der Felskomplexe der Sächsischen Schweiz (Dressel & Jäger 2002) und im Elbsandsteingebirge (Dressel 1998). Auf Waldgrenzstandorten wie ehemaligen Niederwäldern, wo die Rot-Eiche die Sukzession beschleunigen kann, ist die Art ökologisch problematisch (Neobiota 2011)
Auch großflächige Anpflanzung sind ökologisch problematisch, da u.a. die Humusbildung aus deren Blättern wegen des Fehlens entsprechender Pilze unvollständig ist, wodurch die Bodenflora unterdrückt wird. Außerdem bilden Roteichen dichte und artenarme Bestände, zwischen denen keine anderen Forstbäume mehr wachsen können (Hassler 2021). Da die Vorteile, die die Rot-Eiche gegenüber den heimischen Eichenarten besitzt, gering sind, sollte, um den Erhalt der heimischen Tier- und Pflanzenwelt und insbesondere der Pilze zu dienen, auf ein weiteres Einbringen dieser florenfremden Baumart verzichtet werden (Sebald & al. 1990). Die Fernausbreitung erfolgt unter anderem durch den Eichelhäher.
 
DEUTSCHLAND:
In allen Bundesländern.
ÖSTERREICH:
In allen Bundesländern (Glaser & al. 2025), auch in Nordtirol (Pagitz & al. 2023), in Osttirol bei Abfaltersbach (Stöhr 2019) und in Vorarlberg (Amann 2016). Der Erstnachweis für Österreich erfolgte 1951 (Glaser & al. 2025).
SCHWEIZ:
Vielfach, vor allem im Mittelland und im Tessin (Infoflora 2024, Bellosi & al. 2011). Im Tessin zum Teil in Kastanienwälder eingebürgert (Wohlgemuth & al. 2020). Im Kanton Zürich in 18 % der Quadranten nachgewiesen (Wohlgemuth & al. 2020). Auch in Liechtenstein (Waldburger & Staub 2006).

 
ANDERE LÄNDER:
Subspontan u.a. auch in Belgien (Verloove 2021), Norwegen (Gederaas & al. 2012), den Niederlanden (FLORON 2021), in Großbritannien (Clement & Foster 1994), Tschechien (Pyšek & al. 2012) und seit 1982 in der Slowakei (Medvecká & al. 2012).

 
Weitere Arten:

Quercus coccinea

Im östlichen Nordamerika ist die Scharlach-Eiche, Quercus coccinea, beheimatet. Sie wird aufgrund ihres prächtigen Herbstlaubes seit etwa 1691 als Ziergehölz genutzt (Bärtels & Schmidt 2014), vor allem in der Sorte `Splendens´ (um 1900) mit noch intensiverer Herbstfärbung des Laubes und findet sich im Gebiet sehr selten subspontan, so 2003 verwildert oder als Kulturrelikt auf einem ehemaligen Fabriksgelände bei Hallstadt in Bayern (Meierott 2018, Hassler & Muer 2022, Meierott & al. 2024), im Kanton Bern und ehemals im Kanton Luzern (Infoflora 2024). Subspontan auch in Großbritannien (Clement & Foster 1994). Die Art wird in der deutschen Florenliste (Hand & Thieme 2023) nicht geführt.
 

Quercus frainetto

Die Ungarische Eiche, Quercus frainetto, ist in Südosteuropa und Anatolien beheimatet und wird in Mitteleuropa vor allem als Park- und Alleebaum genutzt. Sie zählt zu den Zukunftsbäumen für städtische Anpflanzungen, weil sie verträglich gegenüber Hitze ist. 
Subspontan konnte sie im Gebiet am Frachtenbahnhof Wien-Nord gefunden werden (Schinninger & Rozánek 2008, Schinninger 2006). Als Unterscheidungsmerkmale zur sehr ähnlichen, im Gebiet heimischen Zerr-Eiche, Qu. cerris, dient die Blattgröße, bei Qu. frainetto über 10(20) cm, bei Qu. cerris 6–12 cm, die Anzahl der Seitennervenpaare, bei Qu. frainetto: 7–9(12), bei Qu. cerris 4–9 und die Länge des Blattstiels, bei Qu. frainetto sehr kurz, meist nur 3–6 mm lang, bei Qu. cerris oft über 1 cm lang (Schinninger & Rozánek 2008).
 

Quercus ilex

Im Mittelmeergebiet ist die Stein-Eiche, Quercus ilex, beheimatet. 
Sie wird in Südeuropa zur Gewinnung der Früchte, die wie Maronen gegessen werden, genutzt. Auch zur Gewinnung der Gerbrinde und als Windschutzgehölz kultiviert (Mansfeld 1986).
Im Gebiet selten verwildert, so in Südtirol in Bozen beim Aufstieg von der Oswaldpromenade zum Ploner-Hof, in St. Nikolaus bei Kaltern, Schloss Trautmannsdorff in Meran und am Guntschnaberg bei Bozen (Wilhalm & al. 2007). In der Schweiz vielfach um den Genfer See und im südlichen Tessin (Infoflora 2024), sonst vereinzelt, so im Aargau, am Neuenburger See, im Wallis und im Kanton Zürich (Infoflora 2024, subspontan?). Die Art wird in der „Flora von Zürich“ (Wohlgemuth & al. 2020) nicht genannt.
 
Subspontan u.a. auch in Belgien (Verloove 2021), den Niederlanden (FLORON 2021) und in Großbritannien (Jalas & Suominen 1976, Clement & Foster 1994).
 

Quercus imbricaria

In den östlichen und zentralen USA ist die Schindel-Eiche, Quercus imbricaria, beheimatet, deren Holz früher für die Herstellung von Dachschindeln genommen wurde. Sie findet sich seit 1786 in Kultur (Bärtels & Schmidt 2014). Im Gebiet wird sie selten in der Gartengestaltung genutzt, verwildert wird sie unbeständig für Berlin (Seitz & al. 2012, Hand & Thieme 2024) angegeben. Subspontan auch in Großbritannien (Clement & Foster 1994).
 

Quercus palustris

Nordamerikanisch ist die Sumpf-Eiche, Quercus palustris, die seit etwa dem Jahr 1800 als Zier- und Forstbaum in Sorten wie `Green Dwarf´ (1977) oder `Green Pillar´ (1995) kultiviert wird. 
Sie ist stadtklimafest, tolerant gegenüber Schwefeldioxyd und neigt zur Bildung trockener Astpartien (Bruns 2009).
Mehrfach verwildert, so 2017 am Straßenrand und Straßenböschung zum Wald in Neupullach in Bayern (Hassler 2020, Meierott & al. 2024), Berlin (Seitz & al. 2012), Brandenburg (Kowarik 1992), Hamburg (Poppendieck & al. 2011), Niedersachsen (Müller & al. 2021), Köln in Nordrhein-Westfalen (Sumser & al. 2015) und im Naturschutzgebiet Pillnitzer Insel in Sachsen (Hardtke & al. 2013). In der Schweiz u.a. Kartenangaben in den Kantonen Jura, St. Gallen, Tessin, Waadt und Zürich (Infoflora 2024), wahrscheinlich aber kultivierte Pflanzen. Die Art wird in der „Flora von Zürich“ (Wohlgemuth & al. 2020) nicht genannt. Subspontan u.a. auch in Belgien (Verloove 2021) und in Großbritannien (Clement & Foster 1994).
 
Sumpf-Eichen pflanzte man um die Jahrtausendwende in mehreren hundert Bäumen im neuen Berliner Regierungsviertel. Um etwaigen unliebsamen Wortspielereien vorzubeugen, nannte man die Pflanze zur „Spree-Eiche“ um, welcher Name auch von Baumschulen teilweise übernommen wurde.
 

Quellen

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BfN (2011): Quercus rubra; in: Neobiota in Deutschland – Gebietsfremde und invasive Arten in Deutschland – neobiota.bfn.de

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