Primula

Primel, Primelgewächs, Primulaceae

Gattung:

Primula umfasst, inkl. den ehemaligen Gattungen Cortusa und Dodecatheon, etwa 528 Arten (Kew 2023), auf der Nordhalbkugel, nur zwei Arten auf der Südhalbkugel. Mannigfaltigkeitszentren sind die Gebirge Chinas.
 

Primula juliae

Teppich-Primel,
Primula juliae,
Primelgewächs, Primulaceae

 

Steckbrief: 

2–5 cm hohe, mit wurzelnden Ausläufern kriechende Staude. Blätter glänzend, Spreite rundlich-nierenförmig, bis 3 cm lang, am Rand gezähnt. Blüten grundständig, einzeln oder zu kleinen Gruppen, purpurviolett mit gelbem Auge, 2–3 cm im Ø. Kapsel länglich, länger als der Kelch. Blütezeit April.
 

Name:

Benannt zu Ehren der russischen Botanikerin Julia Mlokossiewice, welche die Pflanze 1901 im georgischen Kaukasus nahe von Tiflis entdeckte.
 

Nutzung: 

Zierpflanze.
 

Ausbreitung:

Beheimatet im östlichen Kaukasus. Gegenwärtig im Gebiet sehr selten verwildert, in Badgastein in Salzburg lokal eingebürgert (Stöhr & al. 2007).                                                 
DEUTSCHLAND: 
Am Waldfriedhof in Aachen-Burtscheid in Nordrhein-Westfalen (BBV 2017). Die Art wird in der deutschen Florenliste (Hand & Thieme 2024) nicht geführt.
ÖSTERREICH:
Im Gasteinertal in Badgastein. Die standörtlichen Verhältnisse dieses Vorkommens mit jenen im Ursprungsgebiet decken sich weitgehend. So wächst Primula juliae an einer permanent überrieselten, luftfeuchten, fast senkrechten Silikatfelsböschung entlang einer Straße im südlichen Gasteiner Ortsgebiet. Im Kaukasus werden v.a. feuchte, felsige Stellen nahe Wasserfällen als Lebensraum angegeben (Philipps & Rix 1992). Wann genau sich die mittlerweile recht ansehnliche Population in Gastein angesiedelt hat, ist unklar. Nach Auskunft eines Anrainers war sie hier "seit jeher" bekannt und es wäre auch fraglich, woher die Pflanzen stammen, zumal sie in den umgebenden Gärten nicht kultiviert würden. Fest steht jedenfalls, dass der sehr vital erscheinende Bestand als lokal eingebürgert gelten muss (Stöhr & al. 2007). Der Erstnachweis für Österreich erfolgte 2006 (Glaser & al. 2025).
SCHWEIZ: ---
ANDERE LÄNDER:
Subspontan seit 1995 auch in Norwegen (Gederaas & al. 2012, Seebens & al. 2017) und seit 1995 in Großbritannien (Seebens & al. 2017).

 
Weitere Sippen:

Primula-Juliae-Hybriden

Gartenhybriden aus der kaukasischen Teppich-Primel, Primula juliae, und den im Gebiet heimischen Arten Wald-Schlüsselblume, Primula elatior, und Stängellose Schlüsselblume, Primula vulgaris, werden Teppich-Primel-Hybriden, Primula-Juliae-Hybriden (Syn.: Primula ×pruhoniciana), genannt. 
Primula juliae kam wenige Jahre nach ihrer Entdeckung 1901 nach Deutschland und 1911 nach England. Seit 1910 wird vor allem in Deutschland mit der Art gezüchtet, es entstanden die Primula-Juliae-Hybriden, die im Gartenhandel oft noch als Primula ×pruhoniciana geführt werden. Diese Bezeichnung entstammt dem Ort Pruhonitz in der Nähe von Prag, wo der österreichisch-ungarischen Dendrologischen Gesellschaft 1913 die erste Kreuzung aus Primula vulgaris `Caerulea´ × Primula juliae gelang. `Wanda´ war ein frühes Ergebnis dieser Zucht und ist auch heute noch die bekannteste Sorte in dieser Gruppe. Primula-Juliae-Hybriden werden in zahlreichen Sorten wie `Blaukissen´ oder `Ostergruß´ kultiviert (Jelitto & al. 1990).
Vereinzelt subspontan, so in Bevenrode, Gliesmarode, Hondelage, Mascherode und Stöckheim bei Braunschweig in Niedersachsen (Brandes 2003), 2003 im Kies am Friedhof Ranshofen, Gemeinde Braunau in Oberösterreich (Hohla 2006), 2024 in Graz-Andritz in der Steiermark (Hohla 2024, Hohla & Kiràly 2024) und bei Amlach in Osttirol (Stöhr 2017). Die Sippe wird in der deutschen Florenliste (Hand & Thieme 2024) nicht geführt. Der Erstnachweis für Österreich erfolgte 2003 (Glaser & al. 2025).
 

Primula amoena

Die Liebliche Primel, Primula amoena, ist im Kaukasus beheimatet und nahe mit P. elatior verwandt. Sie wird mit ihren violetten Blüten als Zierstaude kultiviert und verwildert daraus sehr selten, so 2003 in Salzburg (Pflugbeil & Pilsl 2013).
 

Primula capitata

Im Himalaya, genauer in Nord-Myanmar und in Yunnan bei 4000 bis 5000 m Seehöhe ist die Kopfige Primel, Primula capitata, beheimatet. 
Sie wird in Europa seit spätestens 1849 kultiviert (Jäger & al. 2008)
Subspontan angegeben 2007 am Friedhof Warmensteinach in Bayern (Breitfeld & al. 2017, Meierott & al. 2024), 1978 in einer Moorlacke in Berlin-Wannsee (Zimmermann 1982) und 1910 für einer Gärtnerei in Bad Dürkheim in Rheinland-Pfalz (Zimmermann 1912).
 

Primula cortusoides

Aus Zentralasien stammt die Heilglöckel-Primel, Primula cortusoides. Sie wird als Zierstaude seit 1794 genutzt, ist aber kaum noch echt zu bekommen (Jelitto & al. 1990). Was im Pflanzenhandel als P. cortusoides angeboten wird ist meist P. saxatilis, welche aber längere Blütenstiele als P. cortusoides hat (Jelitto & al. 1990). Primula cortusoides wird subspontan 1891 für das Eggersdorfer Fliess in Straussberg in Brandenburg (Ascherson 1892, Hand & Thieme 2024) angegeben.
 

Primula denticulata

Im Hindukusch-Gebirge, in Nord-Pakistan, China, Myanmar und Nepal ist die Kugel-Primel, Primula denticulata, beheimatet, die seit spätestens 1838 als Zierstaude kultiviert wird. 
Sie findet sich in Sorten wie `Alba´, `Rosa Töne´, `Blaue Auslese´ oder `Rubin´ im Pflanzenhandel und lässt sich sehr einfach vermehren. 
Ganz vereinzelt tritt sie subspontan auf, so 2009 Gefrees in Bayern (Breitfeld & al. 2017, Meierott & al. 2024), 1989 in Berlin-Heiligensee (Kronenberger & Kowarik 1989), im Bereich Heinrich-Böll-Straße/Bramdelle in Wuppertal-Langerfeld in Nordrhein-Westfalen (BBV 2017), Gottesberg, Friedhöfe Schöneck, Marieney, Markneukirchen, Zwota und Mühlhausen in Sachsen (Breitfeld 2021), 2022 im Kötschachtal bei Bad Gastein in Salzburg (Observation 1), 2022 am Weerberg bei Wattens in Nordtirol (Observation 2) und in Tristach in Osttirol (Stöhr 2018)
Subspontan auch in Belgien (Verloove 2021) und Norwegen (Gederaas & al. 2012).
 

Primula glaucescens

Ein Endemit der italienischen Südalpen ist die Seegrüne Primel, Primula glaucescens. Sie spielt in der heimischen Gartengestaltung keine Rolle, wird gelegentlich aber von Liebhabern alpiner Pflanzenarten kultiviert. 
Subspontan war sie im Gebiet mit einem Fundpunkt aus dem südlichen Tessin angegeben (Infoflora 2023). Dieser fehlt aktuell der Verbreitungskarte, wird aber als Neophyt für die Schweiz geführt (Infoflora 2025).
 

Primula japonica

Die in Japan und auf den Kurilen beheimatete Japan-Primel, Primula japonica, wird in zahlreichen Sorten als Zierstaude genutzt. 
Besonders in der Sorte `Millers Crimson´ mit purpurnen Blüten findet sie sich im Pflanzenhandel. 
Als verwildert angegeben wird die Art 2006 vom Schlosspark Nymphenburg in München und 2012 vom alten Teil des Waldfriedhofes München in Bayern (Meierott & al. 2024).
Subspontan u.a. auch auf den Britischen Inseln. 

Quellen

Ascherson P. (1892): Bericht der Commission für die Flora von Deutschland 1891, Märkisch-Posener Gebiet – Berichte der Deutschen Botanischen Gesellschaft 10: 1071-1076.

BBV-Bochumer Botanischer Verein (2017): Beiträge zur Flora Nordrhein-Westfalens aus dem Jahr 2017 - Jahrb. Bochumer Bot. Ver. 9: 115–161.

Brandes D. (2003): Die aktuelle Situation der Neophyten in Braunschweig. — Braunschw. Naturk. Schr. 6: 705–760.

Breitfeld M. (2021): Flora der Westabdachung des Erzgebirges – Die Pflanzenwelt zwischen Adorf, Markneukirchen, Schöneck und Klingenthal. 294 S.

Breitfeld M., Hertel E., Horbach H.-D. & W. Wurzel (2017): Flora von Bad Berneck und Umgebung, die Pflanzenwelt zwischen Ochsenkopf und Maintal – 501 S.

Gederaas L., Loennechen Moen T., Skjelseth S. & Larsen L.-K. (2012): Alien species in Norway, with the Norwegian Black List - http://www.scales-project.net/NPDOCS/
AlienSpeciesNorway_2012_scr_9C0ee.pdf

Glaser M., C. Gilli, N. Griebl, M. Hohla, G. Pflugbeil, O. Stöhr, P. Pilsl, L. Ehrendorfer-Schratt, H. Niklfeld & F. Essl (2025): Checklist of Austrian neophytes (2nd edition) – Preslia 97: 413−539.


Hohla M. (2006): Panicum riparium (Poaceae) – neu für Österreich – und weitere Beiträge zur Kenntnis der Adventivflora Oberösterreichs - Neilreichia 4: 9–44.

Hohla M. (2024): Diplotaxis erucoides und Primula x hybrida in der Steiermark - Forum Flora Austria (flora-austria.at)

Hohla M. & G. Király (2024): Aloë vera, Baptisia australis und Ginkgo biloba neu für Österreich und weitere floristische Beiträge – Stapfia 118: 69-89.


Infoflora (2023): Das nationale Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora – https://www.infoflora.ch/de/

Jelitto L., Schacht W. & Feßler A. (1990): Die Freiland-Schmuckstauden – Ulmer Verlag Stuttgart, 4. Aufl. 683 S.

Kew (2023): Kew science – Plants of the World Online - Plants of the World Online | Kew Science

Kronenberger B. & I. Kowarik (1989): Naturverjüngung kultivierter Pflanzenarten in Gärten – Verhandlungen des Botanischen Vereins Berlin Brandenburg 7: 3-30.



Meierott L., Fleischmann A., Klotz J., Ruff M. & W. Lippert (2024): Flora von Bayern – Haupt Verlag, Bern, 4 Bände.

Observation 1 (2022): Primula denticulata https://observation.org/observation/241577713/

Observation 2 (2022): Primula denticulata https://observation.org/observation/242714995/

Pflugbeil G. & Pilsl P. (2013): Vorarbeiten an einer Liste der Gefäßpflanzen des Bundeslandes Salzburg, Teil 1: Neophyten - Mitt. Haus der Natur 21: 25–83.

Philipps R. & M. Rix (1992): Stauden in Garten und Natur. — Droemer Knaur, München.

Seebens H., Blackburn T. M., Dyer E. E., Genovesi P., Hulme P. E., Jeschke J. M., Pagad S., Pyšek P., Winter M., Arianoutsou M., Bacher S., Blasius B., Brundu G., Capinha C., Celesti-Grapow L., Dawson W., Dullinger S., Fuentes N., Jäger H., Kartesz J., Kenis M., Kreft H., Kühn I., Lenzner B., Liebhold A., Mosena A. (2017): No saturation in the accumulation of alien species worldwide. Nature Communications 8(2).

Stöhr O. (2017): Verwilderte Primel-Hybriden in: Forum Flora Austria – http://forum.flora-austria.at/

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Stöhr O., Pilsl P., Essl F., Hohla M. & Schröck C. (2007): Beiträge zur Flora von Österreich, II – Linzer biol. Beitr. 39/1: 155–292.

Verloove F. (2021): Manual of the Alien Plants of Belgium –  http://alienplantsbelgium.be

Zimmermann F. (1912): II. Nachtrag zur Adventiv und Ruderalflora von Ludwigshafen, der Pfalz und Hessen. Berichte der Bayerischen Botanischen Gesellschaft zur Erforschung der Flora – 14: 68−84.

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