Pinellia

Pinellie, Aronstabgewächs, Araceae

Gattung:

Pinellia umfasst etwa 10 ostasiatische Arten (Kew 2023).
 

Pinellia ternata

Dreiteilige Pinellie,
Pinellia ternata,
Aronstabgewächs, Araceae

 

Steckbrief:

Bis 30 cm hohe Staude mit dreiteiligen, grundständigen Blättern und eiförmig-zugespitzten Blättchen. Spreiten im unteren Teil oder an der Basis mit Brutknöllchen. Blütenkolben in einen langen, die Spatha weit überragenden pfriemlichen Fortsatz auslaufend. Spatha gelblichgrün, gebogen. Kolben im unteren Drittel mit der Spatha verwachsen, nur auf der freien Seite weibliche Blüten tragend. Männliche Blüten weißlich, rund um den Kolben angeordnet. Blütezeit Mai bis Juni.
 

Name:

Benannt zu Ehren des italienischen Gelehrten Giovanni Vincenzo Pinelli (1535−1601). Pinelli besaß eine der größten privaten Bibliotheken des 16. Jahrhunderts, sammelte optische Instrumente und war Mentor von Galileo Galilei. Er hatte außerdem großes Interesse an der Botanik, aus seinem Privatgarten 'Giardino della Montagnuola' entstand später einer der ersten botanischen Gärten Neapels (Burkhardt 2018).
 

Heimat:

China, Taiwan, Japan und Korea.
 

Nutzung:

Wird in der TCM und als aparte Liebhaberpflanze gelegentlich gezogen und verwildert, im Verhältnis zur seltenen Kultur, häufig daraus. In Ostasien werden die Knollen als Nahrungsmittel verwendet und zu diesem Zweck in Japan auch angebaut. Das Gift wird durch Trocknung und gründliches Garen zerstört.
 

Ausbreitung:

Vor allem in mehreren Botanischen Gärten beständig auftretend (Eberwein & Berg 2010). Im Gemüsegarten des Hauses Keuschen 54 (siehe unten) entwickelte und vermehrte sich die Dreizählige Pinellie über zehn Jahre lang so üppig, dass sie zu einer regelrechten Plage wurde. Da der Eigentümer keine Herbizide einsetzen wollte, entschloss er sich 2006 zu einem radikalen Bodenaustausch. Er ließ den Garten ausbaggern und neuen Humus aufbringen (Nowotny & Ritterbusch-Nauwerck 2011).
Die Art vermehrt sich über Jungpflanzen, die sich aus Brutknöllchen bilden und gelangt in Mitteleuropa auch regelmäßig zur Fruchtreife, sodass auch eine generative Vermehrung in Betracht kommt. Bestäubt wird die Art durch Gnitzen (Bartmücken). Eine Verschleppung der Samen durch Ameisen wurde beobachtet. Eberwein & Berg (2010) verweisen auf eine äußerst effektive Vermehrung sowohl über Samen als auch über Brutknöllchen und Jelitto & al. (1990) warnen vor ihrer Ausbreitung mittels der Brutknöllchen.

 
DEUTSCHLAND:
Insel Mainau und 1990 Wernhaldepark Stuttgart in Baden-Württemberg (Müller & al. 2021, Schäfer 1992), ehemals in den Botanischen Gärten Erlangen und Würzburg und 2000 und 2009 bis 2011 im Nymphenburger Park München in Bayern (Vollmann 1914, Dickoré & Springer 2011, Meierott & al. 2024), ehemals im alten Botanischen Garten Berlin (Höck 1904, Hand & Thieme 2024), 2004 im Botanischen Garten Gießen in Hessen (Ludwig 2004), 2022 am Rande der Aschauteiche im Landkreis Celle in Niedersachsen, wo sie vermutlich vor Jahren aus der benachbarten Wasserpflanzen-Gärtnerei entwichen sind und wo sie jetzt nicht mehr angeboten werden (Langbehn 2023), im Botanischen Garten Bonn in Nordrhein-Westfalen (Gorissen 2015), Speyer in Rheinland-Pfalz (Müller & al. 2021), ehemals im Botanischen Garten Görlitz in Sachsen (Höck 1904, Hand & Thieme 2024) und Altenburg in Thüringen (Strumpf 1992, Hand & Thieme 2024). Der Erstnachweis für Bayern erfolgte um 1870 in Erlangen (Meierott & al. 2024).
ÖSTERREICH:
Im alten Botanischen Garten Klagenfurt in Kärnten bereits vorhanden und mit der Übersiedelung 1958 zum Kreuzbergl unabsichtlich mitgezogen (Leute 1988, Eberwein & Berg 2010). In Oberösterreich als Unkraut im Gemüsegarten des Hauses Scharfling 8 bei St. Lorenz im Salzkammergut und über 10 Jahre lang im Gemüsegarten des Hauses Keuschen 54, ebenfalls bei St. Lorenz (Nowotny & Ritterbusch-Nauwerck 2011). In Salzburg zwischen 1920 und 1937 im Bereich des Wilhelm-Furtwängler-Gartens im ehemaligen Botanischen Garten als „unausrottbares Unkraut“, das nach der Auflassung dieses Gartens im Jahr 1937 verschwand (Janchen 1956-1960, Glaser & al. 2025). In der Steiermark im Botanischen Garten Graz und am St. Leonhard-Friedhof in Graz (Lechner 2010, Eberwein & Berg 2010, Melzer 1985). Ludwig (2004) weist unter Bezugnahme auf Veröffentlichungen vom Beginn des 20. Jahrhunderts zusätzlich auf ein altes Vorkommen der Dreizähligen Pinellie in Kufstein (Defreggers Garten) hin. Der Erstnachweis für Österreich erfolgte 1920. Der Fund aus Oberösterreich wird in dieser Arbeit nicht akzeptiert, weil es sich um Privatgärten gehandelt hat, ähnlich dürfte es sich beim Nordtiroler Fund verhalten.
SCHWEIZ: ---
ANDERE LÄNDER:
Subspontan u.a. auch in Italien (Galasso & al. 2024).
 

 

Quellen

Burkhardt L. (2018): Verzeichnis eponymischer Pflanzennamen Teil 1 - https://www.bgbm.org/sites/default/files/
verzeichnis_eponymischer_pflanzennamen
_2018_teil_1.pdf

Dickoré W. & Springer S. (2011): Neues zur Flora von München - Berichte der Bayerischen Botanischen Gesellschaft 81: 79–108.

Eberwein R. K. & Berg Ch. (2010): Pflanzen mit invasivem Potenzial in Botanischen Gärten I: Pinellia ternata (Araceae) – Carinthia II 200/120: 81–86.

Galasso G., F. Conti, L. Peruzzi, A. Alessandrini, N. M. G. Ardenghi, G. Bacchetta, E. Banfi, G. Barberis, L. Bernardo, D. Bouvet, M. Bovio, M. Castello, L. Cecchi, E. Del Guacchio, G. Domina, S. Fascetti, L. Gallo, R. Guarino, L. Gubellini A. Guiggi, N. Hofmann, M. Iberite , P. Jiménez-Mejíase, D. Longo, D. Marchetti, F. Martini, R. R. Masin, P. Medagli, C. M. Musarella , S. Peccenini, L. Podda, F. Prosser, F. Roma-Marzio, L. Rosati, A. Santangelo, A. Scoppola, A. Selvaggi, F. Selvi, A. Soldano, A. Stinca, R. P. Wagensommer, T. Wilhalm & F. Bartolucci (2024): A second update to the checklist of the vascular flora alien to Italy – Plant Biosystems 158: 297−340.

Glaser M., C. Gilli, N. Griebl, M. Hohla, G. Pflugbeil, O. Stöhr, P. Pilsl, L. Ehrendorfer-Schratt, H. Niklfeld & F. Essl (2025): Checklist of Austrian neophytes (2nd edition) – Preslia 97: 413−539.


Gorissen I. (2015): Flora der Region Bonn (Stadt Bonn und Rhein-Sieg-Kreis) – Decheniana-Beiheft 40. Bonn, 605 Seiten.

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Höck F. (1904): Ankömmlinge in der Pflanzenwelt Mitteleuropas während des letzten halben Jahrhunderts, IX - Beihefte zum Botanischen Zentralblatt 17: 195-204.

Janchen E. (1956–1960): Catalogus Florae Austriae, Wien.

Jelitto L., Schacht W. & Feßler A. (1990): Die Freiland-Schmuckstauden – Ulmer Verlag Stuttgart, 4. Aufl. 683 S.

Kew (2023): Kew science – Plants of the World Online - Plants of the World Online | Kew Science



Langbehn H. (2023): Neues zur Flora des Landkreises Celle 2022 - Floristische Notizen aus der Lüneburger Heide 31: 14-21.

Lechner M. (2010): Risikoabschätzung und Management potenziell invasiver Neophyten in botanischen Gärten – Diplomarbeit Universität Wien

Leeder F. & Reiter M. (1958): Kleine Flora des Landes Salzburg. — Naturw. Arbeitsgem. Haus der Natur, Salzburg, 348 S.

Leute G. H. (1988): Neue und bemerkenswerte Pflanzenfunde im Bereich der Landeshauptstadt Klagenfurt in Kärnten III. Carinthia II 178/98: 353–378.

Ludwig W. (2004): Pinellia ternata (Araceae) – ein Neubürger nur in Botanischen Gärten? — Hessische Floristische Rundbriefe 53 (23): 29-33.

Melzer H. (1985): Neues zur Flora von Steiermark, XXVII. – Mitteilungen des naturwissenschaftlichen Vereins für Steiermark 115: 79–93.

Müller F., Ch. M. Ritz, E. Welk & K. Wesche (2021): Rothmaler Exkursionsflora von Deutschland, Gefäßpflanzen Grundband, 22. Auflage.

Nowotny G. & B. Ritterbusch-Nauwerck (2011): Neue Vorkommen von Pinellia ternata (Thunberg) Breitenbach und anderen Neophyten im Grenzgebiet von Oberösterreich und Salzburg – Stapfia 95: 76-84.

Pilsl P., Schröck C., Kaiser R., Gewolf S., Nowotny G. & Stöhr O. (2008): Neophytenflora der Stadt Salzburg (Österreich). – Sauteria 17: 1–596.

Schäfer M. (1992): Floristisch-vegetationskundliche Kartierung im Nordwesten des Stuttgarter Innenstadtgebiets, des Landschaftsparks Wernhalde und einiger Klingen im Süden von Stuttgart – Diplomarbeit an der Universität Stuttgart. 144 Seiten.

Strumpf K. (1992): Die Farn- und Blütenpflanzen des Altenburger Landes unter besonderer Berücksichtigung des Florenwandels in einer Industrie-Agrar-Landschaft – Mauritiana (Altenburg) 13: 339-523.

Vollmann F. (1914): Flora von Bayern – Ulmer-Verlag, Stuttgart, 840 S.

Zürndorf H. J., Günther K. F., Korsch H. & Westhus W. (2006): Flora von Thüringen – Weißdorn-Verlag Jena, 764 S.