Phytolacca

Kermesbeere, Kermesbeerengewächs, Phytolaccaceae

Gattung:

Phytolacca umfasst etwa 26 Arten (Kew 2023) in Amerika, Afrika und Südasien mit Mannigfaltigkeitszentrum in Südamerika.
 

Phytolacca acinosa

Asiatische Kermesbeere,
Phytolacca acinosa (inkl. P. esculenta)  
Kermesbeerengewächs, Phytolaccaceae
 

Steckbrief: 

60–150 cm hohe Staude mit rübenartig verdickter Wurzelknolle. Blätter gestielt, Spreite eiförmig, bis 30 cm lang. Blüten weißlich, in aufrechten Blütentrauben. Fruchtstände purpurrosa, aufrecht bis aufrecht-abstehend. Beerenfrüchte schwarzviolett, gekammert, mit meist 8 Fruchtblättern, diese bis zur Fruchtreife frei bleibend. Blütezeit Juni bis August.
Verwechslungsmöglichkeit: Die Früchte der ähnlichen Amerikanischen Kermesbeere, Phytolacca americana, haben 10 Fruchtblätter, die bei der Fruchtreife zur Gänze verwachsen und daher kugelig-glatt sind. Die Fruchtstände sind bogig überhängend.
 

Nutzung: 

Zier- und Färbepflanze. Der Saft der schwarzen Beeren diente früher zum Nachfärben von Rotwein, zum Färben von Zuckerware und zum Schminken (Jelitto & al. 1990). Um Wolle magentarot zu färben, wird die mit Alaun vorgebeizte Wolle in einen mit Essig gesäuerten Extrakt des Farbstoffes getaucht.
 

Ausbreitung: 

Die südostasiatische Pflanze wurde in Weinbaugebieten des Mittelmeerraumes und Mitteleuropas zur Gewinnung eines roten Farbstoffes seit zumindest dem 18. Jahrhundert gebaut. Aus Deutschland ist sie seit dem Jahr 1770 bekannt (Sauermost & al. 1999). Aus Ziergründen wird die Asiatische Kermesbeere im Gebiet seit dem 19. Jahrhundert kultiviert. Im Botanischen Garten Göttingen ist sie seit 1886 im Index aufgeführt (Gregor & al. 2008).
Vermehrt sich generativ über Samen und vegetativ durch Wurzelknollen. Die Fernverbreitung erfolgt vor allem durch Vögel (Balogh & Juhász 2008), aber auch durch Futtermittel wie Fasanenfutter (Clement & Foster 1994). Gegenwärtig im Gebiet weit verbreitet mit Verbreitungsschwerpunkten im Rhein- und Saalegebiet (Floraweb 2013) und im pannonischen Osten Österreichs (Melzer & Barta 1995, Fischer & al. 2008).

 
DEUTSCHLAND:
In allen Bundesländern außer Bremen mit Verbreitungsschwerpunkt im Rhein- und Saalegebiet (Floraweb 2013).
ÖSTERREICH:
Im pannonischen Gebiet eingebürgert (Melzer & Barta 1995, Fischer & al. 2008), sonst vereinzelt und zerstreut, auch in Osttirol (Stöhr 2011). Der Erstnachweis für Österreich erfolgte 1821 (Seebens & al. 2017, Glaser & al. 2025). Auch in Südtirol, so in Marling bei Meran (Niklfeld 2002).
SCHWEIZ:
Ursprünglich verwildert in Botanischen Gärten aufgetreten, gegenwärtig in der Nord- und Ostschweiz in Ausbreitung begriffen und lokal eingebürgert (Kästner & al. 2015, Fuchs-Eckert & Heitz-Weniger 1983). Im Kanton Zürich erstmals zwischen 1984 und 1998 in der Stadt Zürich festgestellt, ab 2000 auf 9 Quadranten um Zürich, bei Birmensdorf, im Oberen Glatttal, bei Winterthur und zwischen Rheinau und Dachsen (Wohlgemuth & al. 2020).
ANDERE LÄNDER:
Subspontan u.a. auch in Belgien (Verloove 2021), seit 2010 in Norwegen (Gederaas & al. 2012, Seebens & al. 2017), seit 1931 in den Niederlanden (Seebens & al. 2017, FLORON 2021), seit 1952 in Rumänien (Jalas & Suominen 1980, Seebens & al. 2017), seit 1975 in Irland (Seebens & al. 2017), seit 1925 in Großbritannien (Clement & Foster 1994, Seebens & al. 2017), seit 1956 in Tschechien (Jalas & Suominen 1980, Pyšek & al. 2012) und seit 1956 in der Slowakei (Medvecká & al. 2012 sub P. esculenta).

 
 
Weitere Art:

Phytolacca americana

Die nordamerikanische Amerikanische Kermesbeere, Phytolacca americana, wurde bereits 1615 in London kultiviert und gelangte zwischen 1630 und 1651 nach Deutschland in den herzoglich-braunschweigischen Garten zu Hessem. 
Im 18. Jahrhundert war die Pflanze in Deutschland in nahezu allen Botanischen und vielen Liebhaber-Gärten zu finden, von wo aus sie den Weg in die Landschaft antrat (Krausch 2003). Erste subspontane Vorkommen konnten bereits im 17. Jahrhundert nachgewiesen werden (Rothmaler 2011)
Durch Phenole, die sie über die Wurzeln an den Boden abgibt, mindert sie die Keimfähigkeit anderer Pflanzen, sodass sie von Nachteil für die natürliche Erneuerung von Wäldern ist.
Pflanzengifte aus Phytolacca werden als Mittel zur Bekämpfung von Zebramuscheln erforscht. Die Zebramuschel stammt aus den Seen Südrusslands, tritt aber seit den 1980er-Jahren in mehreren Ländern lokal invasiv auf.
 
Gegenwärtig im Süden des Gebiets weit verbreitet und mancherorts, wie in der Süd-Steiermark, Südtirol und im Tessin etabliert und häufig. Im Norden (noch) zurücktretend. Der Erstnachweis für Bayern erfolgte vor 1883 in Landshut (Hofmann 1883, Meierott & al. 2024).
 
Subspontan seit 1958 auch in Belgien (Seebens & al. 2017, Verloove 2021), seit 1901 in den Niederlanden (Seebens & al. 2017, FLORON 2021), in Portugal (Jalas & Suominen 1980), Spanien (Jalas & Suominen 1980), auf den Balearen (Jalas & Suominen 1980), seit 1834 in Frankreich (Jalas & Suominen 1980, Seebens & al. 2017) und auf Korsika (Jalas & Suominen 1980).
Weiters in Italien (Jalas & Suominen 1980), seit 1853 in Großbritannien (Seebens & al. 2017), seit 1850 in Slowenien (Jalas & Suominen 1980, Seebens & al. 2017), in Kroatien (Jalas & Suominen 1980), Bosnien-Herzegowina (Jalas & Suominen 1980), Montenegro (Jalas & Suominen 1980) und seit 1895 in Albanien (Jalas & Suominen 1980, Seebens & al. 2017).
Weiters in Griechenland (Jalas & Suominen 1980), Serbien (Jalas & Suominen 1980), Bulgarien (Jalas & Suominen 1980), seit 1952 in Rumänien (Jalas & Suominen 1980, Seebens & al. 2017), in der Ukraine (Jalas & Suominen 1980), auf der Krim (Jalas & Suominen 1980) und in Ungarn (Jalas & Suominen 1980). 
Weiters in Weißrussland (Jalas & Suominen 1980), seit 1914 im europäischen Russland (Seebens & al. 2017), in Tschechien (Pyšek & al. 2012) und seit 1830 in der Slowakei (Medvecká & al. 2012).
 

Quellen

Adler W. & Mrkvicka Ch. (2003): Die Flora von Wien - gestern und heute – Verlag des Naturhistorischen Mus. Wien, 831 S.

Balogh, L. & Juhász, M. (2008): American and Chinese Pokeweed. In: Botta-Dukát, Z. & Balogh, L. (Eds.), The most invasive plants in Hungary. Institute of Ecology and Botany, Hungarian Academy of Science, Vácrátót: 35-46.

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Clement E.J. & Foster M.C. (1994): Alien Plants of the British Isles. Botanical Society of the British Isles, London: 590 S.

Dumas Y. (2011): Que savons-nous du Raisin d'Amérique (Phytolacca americana), espèce exotique envahissante? RenDez-Vous Techniques 33/34: 48-57.

Fischer M., Oswald K. & Adler W. (2008): Exkursionsflora für Österreich, Liechtenstein und Südtirol; 3., verb. Aufl. der „Exkursionsflora von Österreich“ (1994). – Linz: OÖ Landesmuseum; 1392 pp.

FloraWeb (2013): Artinformation: Sicyos angulatus L., Haargurke. — Weltnetz http://www.floraweb.de/.

FLORON (2021): Floron Verspreidingsatlas Vaatplanten – www.verspreidingsatlas.nl

Fuchs-Eckert & Heitz-Weniger (1983): Fortschritte in der Systematik und Floristik der Schweizerflora (Gefäßpflanzen) in den Jahren 1976 und 1977 (mit besonderer Berücksichtigung der Grenzgebiete.) - Ber. Schweiz. Bot. Ges. 88: 121–295.

Gederaas L., Loennechen Moen T., Skjelseth S. & Larsen L.-K. (2012): Alien species in Norway, with the Norwegian Black List - http://www.scales-project.net/NPDOCS/
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Glaser M., C. Gilli, N. Griebl, M. Hohla, G. Pflugbeil, O. Stöhr, P. Pilsl, L. Ehrendorfer-Schratt, H. Niklfeld & F. Essl (2025): Checklist of Austrian neophytes (2nd edition) – Preslia 97: 413−539.


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Hofmann J. (1883): Flora des Isar-Gebietes von Wolfratshausen bis Deggendorf. Landshut, 377 Seiten.

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Jelitto L., Schacht W. & Feßler A. (1990): Die Freiland-Schmuckstauden – Ulmer Verlag Stuttgart, 4. Aufl. 683 S.

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Seebens H., Blackburn T. M., Dyer E. E., Genovesi P., Hulme P. E., Jeschke J. M., Pagad S., Pyšek P., Winter M., Arianoutsou M., Bacher S., Blasius B., Brundu G., Capinha C., Celesti-Grapow L., Dawson W., Dullinger S., Fuentes N., Jäger H., Kartesz J., Kenis M., Kreft H., Kühn I., Lenzner B., Liebhold A., Mosena A. (2017): No saturation in the accumulation of alien species worldwide. Nature Communications 8(2).

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