Philadelphus

Pfeifenstrauch, Hortensiengewächs, Hydrangeaceae

Gattung:

Philadelphus umfasst etwa 45 Arten (Kew 2023) mit Mannigfaltigkeitsgebieten in Amerika und Ostasien. Bei den gärtnerisch genutzten Arten handelt es sich fast stets um vegetativ vermehrte, auf Blütenreichtum ausgelesene Sorten (Bärtels & Schmidt 2014).
 

Philadelphus pubescens

Weichhaariger Pfeifenstrauch,
Philadelphus pubescens,
Hortensiengewächs, Hydrangeaceae

 

Steckbrief:

Bis 3 m hoher, reich verzweigter, sommergrüner Strauch mit gegenständigen Blättern und länglich-eiförmigen, 4–10 cm langen, am Rand gezähnten, unterseits striegelhaarigen Spreiten. Blüten zu 5–10 in Trauben, 3–4 cm im Durchmesser. Kronblätter vier, weiß. Staubblätter zahlreich, Griffel vier, zu ⅔ verwachsen. Blütenbecher und Kelchblätter behaart. Blütezeit Mai.
 

Heimat:

Zentrale und südöstliche USA.
 

Nutzung:

Sehr selten als Ziergehölz.
 

Ausbreitung:

Die Art ist seit etwa 1820 in gärtnerischer Kultur (Bärtels & Schmidt 2014).
DEUTSCHLAND:
Angegeben für Mecklenburg-Vorpommern (Hand & Thieme 2024), Braunschweig in Niedersachsen (Brandes & Schlender 1999) und Bochum-Grumme in Nordrhein-Westfalen (Jagel & Buch 2018). Die Angabe für Bayern, 2007 am ehemaligen Bahndamm am Reitersfeldweg in Bamberg in Bayern betrifft ein Kulturrelikt (Meierott & al. 2024). Die Art wird in der deutschen Florenliste (Hand & Thieme 2024) für Bayern, Niedersachsen und NRW als fraglich geführt.
ÖSTERREICH:
Ehemals in Wien (Forstner & Hübl 1971, Walter & al. 2002, Glaser & al. 2025). Eine ehemalige Angabe für Nordtirol ist irrig (Pagitz & al. 2023)
SCHWEIZ:
In Basel durch Grüngutdeponien in siedlungsnahen Wäldern (Rusterholz & Baur 2012).
ANDERE LÄNDER:
Subspontan u.a. seit 2003 auch in Belgien (Seebens & al. 2017, Verloove 2021), in den Niederlanden (FLORON 2021) und 1890 in Norwegen (Seebens & al. 2017).

 
Weitere Arten:

Philadelphus inodorus

Im südöstlichen Nordamerika ist der Duftlose Pfeifenstrauch, Philadelphus inodorus, beheimatet. Er wird in seiner großblütigen Varietät grandiflorus seit etwa 1811 (Bärtels & Schmidt 2014) als Zierstrauch kultiviert. 
2010 am Musberg bei Leinfelden-Echterdingen in Baden-Württemberg (Smettan 2011) subspontan angegeben. Die Art wird in der deutschen Florenliste (Hand & Thieme 2024) für Bayern als fraglich geführt. Subspontan seit 2000 auch in der Slowakei (Seebens & al. 2017).
 

Philadelphus ×lemoinei

Der Lemoine-Pfeifenstrauch, Philadelphus ×lemoinei, ist eine Kulturhybride aus dem europäischen P. coronarius mit dem nordamerikanischen P. microphyllus, die der französische Gärtner Victor Lemoine 1884 kreuzte. Sie wird in zahlreichen Sorten wie `Innocence´ (1927), `Manteau d'Hermin´ (1899) oder `Silberregen´ (1949) kultiviert und findet sich vereinzelt und vorübergehend subspontan, so synanthrop 2008 bis 2013 an einem Trockenhang bei der Weickmannshöhe Landshut in Bayern (Meierott & al. 2024, Hand & Thieme 2024) und in Sachsen (Hand & Thieme 2024).
 

Philadelphus microphyllus

Im südwestlichen Nordamerika ist der Kleinblättrige Pfeifenstrauch, Philadelphus microphyllus, beheimatet. Er wird seit 1883 (Bärtels & Schmidt 2014) selten als Ziergehölz genutzt und wird subspontan 1990 für Genshagen und 1986 für Siethen in Brandenburg (Fischer 1997) und 1995 für Göhren in Mecklenburg-Vorpommern (Fischer 1997) angegeben. Die Art wird in der deutschen Florenliste (Hand & Thieme 2024) nicht geführt.
 

Quellen

Bärtels A. & Schmidt P. A. (2014): Enzyklopädie der Gartengehölze – Ulmer-Verlag Stuttgart, 883 S.

Brandes D. & Schlender H. (1999): Zum Einfluss der Gartenkultur auf die Flora der Waldränder – Braunschweiger naturkundliche Schriften 5(4): 769-779.

Fischer W. (1997): Zur Einbürgerung von Parkpflanzen in Brandenburg (Teil 2), Ein Beitrag zur Neophytenflora und zum Phänomen der Stinzenpflanzen. – Verh. Bot. Vereins Berlin Brandenburg 130: 159–184.

FLORON (2021): Floron Verspreidingsatlas Vaatplanten – www.verspreidingsatlas.nl

Forstner W. & E. Hübl (1971): Ruderal-, Segetal-und Adventivflora von Wien – Verlag Notring, Wien.

Glaser M., C. Gilli, N. Griebl, M. Hohla, G. Pflugbeil, O. Stöhr, P. Pilsl, L. Ehrendorfer-Schratt, H. Niklfeld & F. Essl (2025): Checklist of Austrian neophytes (2nd edition) – Preslia 97: 413−539.


Hand R. & Thieme M. (2024): Florenliste von Deutschland (Gefäßpflanzen), begründet von Karl Peter Buttler. https://www.kp-buttler.de/florenliste/index.htm

Hassler M. & Muer T. (2022): Flora Germanica – Bildatlas der Farn- und Gefäßpflanzen Deutschlands. 2 Bände.

Jagel A. & Buch C. (2018): Exkursion Bochum Grumme – Jahrbuch des Bochumer Botanischen Vereins 9: 61-62.

Kew (2023): Kew science – Plants of the World Online - Plants of the World Online | Kew Science



Meierott L. (2008): Flora der Haßberge und des Grabfeldes – Neue Flora von Schweifurt. 2 Bände, IHW-Verlag, Eching.

Meierott L., Fleischmann A., Klotz J., Ruff M. & W. Lippert (2024): Flora von Bayern – Haupt Verlag, Bern, 4 Bände.

Pagitz K., O. Stöhr, M. Thalinger, I. Aster, M. Baldauf, C. Lechner-Pagitz, H. Niklfeld, L. Schratt-Ehrendorfer & P. Schönswetter (2023): Rote Liste und Checkliste der Farn- und Blütenpflanzen Nord- und Osttirols – Natur in Tirol, Band 16.

Rusterholz H.-P. & Baur B. (2012): Illegale Grüngutdeponien fördern Exoten im Wald - Wald und Holz 93, 8: 29-31.

Seebens H., Blackburn T. M., Dyer E. E., Genovesi P., Hulme P. E., Jeschke J. M., Pagad S., Pyšek P., Winter M., Arianoutsou M., Bacher S., Blasius B., Brundu G., Capinha C., Celesti-Grapow L., Dawson W., Dullinger S., Fuentes N., Jäger H., Kartesz J., Kenis M., Kreft H., Kühn I., Lenzner B., Liebhold A., Mosena A. (2017): No saturation in the accumulation of alien species worldwide. Nature Communications 8(2).

Smettan, H. W. (2011): Gebietsfremde Gehölze auf den Fildern. – Jahreshefte Ges. Naturkunde Württemberg 167: 409–447.

Verloove F. (2021): Manual of the Alien Plants of Belgium –  http://alienplantsbelgium.be

Walter J., Essl F., Niklfeld H. & Fischer M. A. (2002): Gefäßpflanzen. – In: Essl F. & Rabitsch W.: Neobiota in Österreich: 46–173. – Wien: Umweltbundesamt.