Penstemon

Bartfaden, Wegerichgewächs, Plantaginaceae

Gattung:

Penstemon umfasst, exklusive Pennellianthus, etwa 280 Arten in Nord- und Mittelamerika (Kew 2023).
 

Penstemon campanulatus 

Glockiger Bartfaden,
Penstemon campanulatus 
Wegerichgewächs, Plantaginaceae

 

Steckbrief: 

30–60 cm hohe Staude mit lockerem Blütenstand. Blätter gegenständig, lineal-lanzettlich, 2–8 cm lang, scharf gesägt, zugespitzt, sitzend oder stängelumfassend. Blütenkrone rosa bis lila. Kelchblätter lanzettlich, spitz, viel kürzer als die Kronröhre. Blütezeit Mai bis Juli.
 

Nutzung: 

Zierpflanze, in wenigen Sorten wie `Richardsonii´. Auch die im Pflanzenhandel oft als Penstemon pulchellus geführte Sippe mit leuchtend blauen Blüten gehört zu P. campanulatus und ist wahrscheinlich eine Varietät von dieser (Jelitto & al. 1990).
 

Ausbreitung: 

Beheimatet in drei Unterarten in den Gebirgen Mexikos, nördlich bis Neu-Mexiko, südlich bis Guatemala. In Europa seit spätestens 1794 in gärtnerischer Kultur (Jäger & al. 2008). Obwohl es sich bei den Bartfäden um eine rein nord- und mittelamerikanische Gattung handelt, geschah die Kultur und Zucht hauptsächlich in Europa. Bereits Anfang des 19. Jahrhunderts wurden Samen von verschiedenen Bartfaden-Arten hier zum Kauf angeboten. Zu dieser Zeit entstanden auch die ersten Hybriden. Speziell in den 1860er-Jahren intensivierte sich die Züchtungstätigkeit. Victor Lemoine, Wilhelm Pfitzer und John Forbes waren die führenden Penstemon-Gärtnereien und boten bis zu 550 verschiedene Sippen an, darunter auch den Glockigen Bartfaden. Gegenwärtig im Gebiet selten in Kultur und sehr selten subspontan.
DEUTSCHLAND: ---
ÖSTERREICH: 
Verwildert auf einer Ruderalstelle in Seekirchen am Wallersee im Salzburger Flachgau (Stöhr & al. 2009) und 2010 im Naturschutzgebiet Weidmoos nahe Holzhausen bei St. Georgen in Salzburg (Stöhr & al. 2012). Der Erstnachweis für Österreich erfolgte 2008 (Glaser & al. 2025).
SCHWEIZ: ---

 
 
Weitere Arten:

Penstemon barbatus

In den südlichen USA und in Mexiko ist der Bärtige Bartfaden, Penstemon barbatus, beheimatet. Er wird als Zierstaude seit 1794 genutzt (Jäger & al. 2008), auch in Sorten wie `Praecox Nanus´, vor allem aber in Kreuzungen mit P. virgatus und anderen Bartfaden-Arten, die sich dann Penstemon Barbatus-Hybriden nennen. Im Gebiet sehr selten subspontan, so 1989 und 1998 am Universitätsgelände Bochum-Querenburg in Nordrhein-Westfalen (Jagel 2021).
 

 

Penstemon digitalis

In den zentral-östlichen USA ist der weißblühende Fingerhut-Bartfaden, Penstemon digitalis, beheimatet. Er wird vor allem in der dunkelblättrigen Sorte `Husker Red´ des Züchters, Gartenbauprofessors und Leiters der Amerikanischen Penstemon-Gesellschaft Dale Lindgren als Zierstaude kultiviert. 
Der Fingerhut-Bartfaden findet sich in Kanada eingebürgert, im Gebiet nur ehemals unbeständig angegeben für Potsdam in Brandenburg (Höck 1902, Hand & Thieme 2023). Subspontan auch in Belgien (Verloove 2021).
 

Penstemon fruticosus

Im westlichen Nordamerika ist der Dickblättrige Bartfaden, Penstemon fruticosus (Syn.: P. crassifolius) beheimatet. Er wird als Zierstaude seit etwa 1827 kultiviert (Bärtels & Schmidt 2014), am häufigsten in der Sorte 'Catherine de la Mare'. Subspontan angegeben ehemals auf Schutt beim Friedhof Mannheim in Baden-Württemberg (Zimmermann 1913, Hegi 1975, Hand & Thieme 2023 sub P. crassifolius)Die Art wird in den "Farn- und Blütenpflanzen Baden-Württembergs" (Sebald & al. 1996) nicht geführt.

Penstemon glaber

Im zentralen Nordamerika ist der Kahle Bartfaden, Penstemon glaber, beheimatet. Er wird seit 1784 als Zierstaude kultiviert (Jäger & al. 2008) und wird für das Jahr 1900 beim Belvoir in Zürich als Gartenflüchtling angegeben (Hegi 1975, Wohlgemuth & al. 2020).
 

Penstemon hartwegii

Zu Ehren des deutschen Botanikers Karl Theodor Hartweg (1812–1871) ist der aus dem mexikanischen Bundesstaat Hidalgo stammende Hartweg-Bartfaden, Penstemon hartwegii, benannt. Hartweg war zunächst Gärtner am Jardin des Plantes in Paris, dann Pflanzensammler für die Royal Horticultural Society in Süd- und Mittelamerika, auf Jamaika, Madeira und in Kanada und schließlich Inspektor des Großherzoglichen Schlossgartens in Schwetzingen (Burkhardt 2018)
Penstemon hartwegii ist wichtige Ausgangsart für gärtnerische Hybriden. Sie wird als Gartenstaude, beispielsweise in der Sorte `Scharlachkönigin´ kultiviert. Unter `Schönholzeri´ oder `Paul Schönholzer´ ist ein Typ mit großen, scharlachroten Blüten im Pflanzenhandel (Jelitto & al. 1990)
Penstemon hartwegii wird ganz vereinzelt verschleppt angegeben, so im südwestlichen Niedersachsen (Weber 1995). Die Art wird in der deutschen Florenliste (Hand & Thieme 2023) nicht angeführt.
 

Quellen

Burkhardt L. (2018): Verzeichnis eponymischer Pflanzennamen Teil 1 - https://www.bgbm.org/sites/default/files/
verzeichnis_eponymischer_pflanzennamen
_2018_teil_1.pdf

Glaser M., C. Gilli, N. Griebl, M. Hohla, G. Pflugbeil, O. Stöhr, P. Pilsl, L. Ehrendorfer-Schratt, H. Niklfeld & F. Essl (2025): Checklist of Austrian neophytes (2nd edition) – Preslia 97: 413−539.


Hand R. & Thieme M. (2023): Florenliste von Deutschland (Gefäßpflanzen), begründet von Karl Peter Buttler. https://www.kp-buttler.de/florenliste/index.htm

Höck F. (1902): Ankömmlinge in der Pflanzenwelt Mitteleuropas während des letzten halben Jahrhunderts, VII. Beihefte zum Botanischen Zentralblatt 12: 211-234.

Jagel A. (2021): Flora von Bochum, eine Zusammenstellung der bisher im Stadtgebiet Bochum heimischen und verwilderten Pflanzen-Sippen. – jagel.nrw/Flora_Bochum_Jagel.pdf.

Jäger E. J., Ebel F., Hanelt P. & Müller G. K. (2008): In: Rothmaler, Exkursionsflora von Deutschland, Band 5, Krautige Zier- und Nutzpflanzen. Spektrum, 874 S.



Kew (2023): Kew science – Plants of the World Online - Plants of the World Online | Kew Science

Sebald O., Seybold S, Philippi G. & Wörz A. (1996): Die Farn- und Blütenpflanzen Baden-Württembergs, Bd. 5: Buddlejaceae bis Caprifoliaceae. Verlag E. Ulmer, Stuttgart.

Stöhr O., Pilsl P., Essl F., Wittmann H. & Hohla M. (2009): Beiträge zur Flora von Österreich, III – Linzer biol. Beitr. 41/2 1677–1755.

Stöhr O., Pilsl P., Staudinger M., Kleesadl G., Essl F., Englisch Th., Lugmair A. & Wittmann H. (2012): Beiträge zur Flora von Österreich, IV – Stapfia 97: 53–136.

Verloove F. (2021): Manual of the Alien Plants of Belgium –  http://alienplantsbelgium.be

Weber H. (1995): Flora von Südwest-Niedersachsen und dem benachbarten Westfalen – H. Th. Wenner, Osnabrück.

Wohlgemuth T., Del Fabbro C., Keel A., Kessler M. & M. Nobis (2020): Flora des Kantons Zürich. Zürcherische Botanische Gesellschaft. Haupt-Verlag, Bern.

Zimmermann F. (1913): 1. Nachtrag zur Adventiv- und Ruderalflora von Mannheim, Ludwigshafen– Pollichia 27-28: 1-44.