Passiflora

Passionsblume, Passionsblumengewächs, Passifloraceae

Gattung:

Passiflora umfasst etwa 573 Arten (Kew 2023), die in Amerika, Südasien und Australien beheimatet sind mit Mannigfaltigkeitszentrum im tropischen und subtropischen Süd- und Mittelamerika, Mexiko und in der Karibik. Die hohe Bestäuberspezifität könnte zu der enormen morphologischen Variation innerhalb der Gattung geführt haben. Koevolutionen zwischen Pflanzen und ihren Bestäubern sind wichtige Treiber bei der Artbildung.  
 

Passiflora caerulea

Blaue Passionsblume,
Passiflora caerulea,
Passionsblumengewächs, Passifloraceae

 

Steckbrief:

Ausdauernde Kletterpflanze mit gestielten, 3−9-lappigen Blattspreiten und fünfzählige Blüten mit einem Durchmesser von 6−9 cm. Kelch- und Kronblätter je 5, darüber ein Strahlenkranz intensiv gefärbter Staminodien, darüber ein kranzförmiges Nektarium. Die Frucht ist eiförmig, bis 6 cm lang und reif orangefarben. Blütezeit Mai bis Juli, mit Nachblüten bis in den Herbst.
 

Name:

Der Gattungsname geht auf den spanischen Arzt und Botaniker in Südamerika Nicolás Monardes (1493−1578) zurück, der in den Blüten von P. caerulea das Symbol für die Passion Christi sah und die Benennung „Flos Passionis“ prägte (Bärtels & Schmidt 2014).
 

Heimat:

Südamerika, von Nordargentinien bis Ostbrasilien.
 

Nutzung:

Zierpflanze, Obstpflanze. Die Früchte sind essbar, aber nicht so schmackhaft wie die der verwandten Maracuja, Passiflora edulis. In Europa seit spätestens 1699 in gärtnerischer Kultur. In mehreren Kultivaren, so 'Chinensis', 'Gala', 'Wild Brazil', 'Spyder', 'Majorca' und 'Pierre Pomie'. 'Constance Eliott' ist eine weiße, stark duftende Sorte, die von Kucombe & Prince im britischen Exeter ausgelesen wurde. Im Pflanzenhandel finden sich zahlreiche Hybriden der P. caerulea, so mit Passiflora quadrangularis, P. alata, P. incarnata, P. loefgrenii, P. amethystina und P. racemosa. Passiflora ×violacea ist die Hybride aus Passiflora caerulea mit Passiflora racemosa. `Purple Haze´ ist eine Hybride aus P. caerulea × P. amethystina mit purpurvioletten Blüten. P. caerulea wird bei der Hybridisierung meist als männlicher Elternteil genutzt. Durch den Einsatz von Colchicin, dem Gift der Zeitlose, Colchicum, konnten Sorten mit noch größeren Blüten erzeugt werden. Im Obstbau wärmerer Regionen dient P. caerulea als relativ widerstandsfähige Veredelungsunterlage für die Maracuja, Passiflora edulis.
 

Ausbreitung:

Die Art vermehrt sich vor allem durch Wurzelausläufer (Jäger & al. 2008).
DEUTSCHLAND:
Lokal in Hagen, Lünen und Duisburg in Nordrhein-Westfalen (BBV 2018, Hassler & Muer 2022).
ÖSTERREICH: ---
In Südtirol 2023 erstmals aufgefunden in St. Magdalena bei Bozen auf einer Ruderalfläche mit Kompostablagerung zwischen Fahrweg und submediterranem Buschwald, ca. 30 m² bedeckend (Wilhalm & al. 2024).
SCHWEIZ: ---
ANDERE LÄNDER:
Subspontan u.a. seit 1981 auch in Großbritannien (Seebens & al. 2017), seit 1993 auf Korsika (Seebens & al. 2017), seit 1900 auf Zypern (Seebens & al. 2017) und lokal eingebürgert in Spanien (Cabi 2022). In Australien seit spätestens 1913, in Neuseeland 1958 erstmals subspontan festgestellt (CABI 2022).

 

Quellen:

Bärtels A. & Schmidt P. A. (2014): Enzyklopädie der Gartengehölze – Ulmer-Verlag Stuttgart, 883 S.

BBV-Bochumer Botanischer Verein (2018): Beiträge zur Flora Nordrhein-Westfalens aus dem Jahr 2018 – www.botanik-bochum.de/fundeNRW.htm

CABI (20222): Invasive Species Compendium - https://www.cabi.org/publishing-products/invasive-species-compendium/

Hassler M. & Muer T. (2022): Flora Germanica – Bildatlas der Farn- und Gefäßpflanzen Deutschlands. 2 Bände.

Jäger E. J., Ebel F., Hanelt P. & Müller G. K. (2008): In: Rothmaler, Exkursionsflora von Deutschland, Band 5, Krautige Zier- und Nutzpflanzen. Spektrum, 874 S.

 



Kew (2023): Kew science – Plants of the World Online - Plants of the World Online | Kew Science
Seebens H., Blackburn T. M., Dyer E. E., Genovesi P., Hulme P. E., Jeschke J. M., Pagad S., Pyšek P., Winter M., Arianoutsou M., Bacher S., Blasius B., Brundu G., Capinha C., Celesti-Grapow L., Dawson W., Dullinger S., Fuentes N., Jäger H., Kartesz J., Kenis M., Kreft H., Kühn I., Lenzner B., Liebhold A., Mosena A. (2017): No saturation in the accumulation of alien species worldwide. Nature Communications 8(2).

Wilhalm T., E. Spögler, F. Zemmer, E. Sölva, S. Stifter, F. Faltner, M. Larcher, G. Leitner, W. Tratter, J. Winkler, R. Lorenz, G. Aichner, R. Bachmann†, M. Ebert, M. Fink, G. Frener, L. Gibitz, A. Hilpold, B. Holzer, T. Kiebacher, A. Lanthaler, W. Mair, P. Mair, M. Merli, E. Obrist, A. Rinner & H. Wirth: Ergänzungen und Korrekturen zum Katalog der Gefäßpflanzen Südtirols (12) – Gredleriana 24: 15-45