Paeonia

Pfingstrose, Pfingstrosengewächs, Paeoniaceae

Gattung:

Paeonia umfasst etwa 36 Arten (Kew 2023) auf der Nordhalbkugel, wovon 2 im westlichen Nordamerika, alle anderen in Eurasien und Nordwest-Afrika beheimatet sind. Pfingstrosen neigen dazu, extrafloralen Nektar zu produzieren und damit Ameisen anzulocken, welche der Pflanze nicht schaden und etwaige Fressfeinde abwehren.
 

Paeonia mascula 

Korallen-Pfingstrose,
Paeonia mascula
Pfingstrosengewächs, Paeoniaceae

 

Steckbrief: 

30–70 cm hohe, langlebige Staude mit einblütigen Stängeln. Untere Blätter mit 9–16 Abschnitten, diese eiförmig bis elliptisch und meist ungeteilt. Blüten 7–13 cm im Ø, Kelchblätter 5–6, Kronblätter rosa, rot oder weiß. Staubfäden purpurn, rosa oder selten weiß, Fruchtblätter meist 3–5. Blütezeit Mai bis Juni.
Verwechslungsmöglichkeit: Die Milchweiße Pfingstrose, Paeonia lactiflora, hat Stängel mit zwei oder mehr Blüten, weiße oder rosa Kronblätter, gelbe Staubfäden und schmal-elliptische Blattfiedern. Die im Gebiet in der südlichen Schweiz heimische Echte Pfingstrose, Paeonia officinalis, hat untere Blätter mit 17–30 Abschnitten und 2–3 Fruchtblätter.
 

Nutzung: 

Zier- und Arzneipflanze. Eine Besonderheit der Art ist, dass sie mit bis zu 3,6 Millionen die höchste bekannte Pollenzahl einer Blüte besitzt.
 

Ausbreitung: 

Beheimatet in sieben Unterarten von Südeuropa bis Westasien. Im Hochmittelalter kam die Korallen-Pfingstrose in die Länder nördlich der Alpen, im 16. Jahrhundert war sie in deutschen Gärten bereits weit verbreitet (Krausch 2003). Von etwa 1828 bis 1914 aus Bad Reichenhall in Bayern bekannt, die Vorkommen hier vom Mühlbachhorn am Kugelbach und vom Höllgraben sind inzwischen erloschen (Stöhr 2009, Lippert & Meierott 2014). Nach wie vor zu finden sind hingegen mehrere alte Fundorte in den niederösterreichischen Voralpen, die der Pflanze zum Lokalnamen „Göllerrose“ verhalfen. Der Göller ist ein 1766 Meter hoher Berg in den niederösterreichischen Voralpen mit ehemaligen Vorkommen der Pfingstrose.
 
Die Verbreitung der Päonie übernehmen häufig Vögel, die die großen glänzenden Samen verschleppen.
DEUTSCHLAND: 
Von etwa 1828 bis etwa 1925 aus Bad Reichenhall in Bayern bekannt, die Vorkommen hier vom Mühlbachhorn am Kugelbach und vom Höllgraben sind Ende der 1920er-Jahre durch Ausgraben erloschen (Stöhr 2009, Lippert & Meierott 2014, Meierott & al. 2024). Unbeständig ehemals in Jena-Ammerbach in Thüringen (Bogenhard 1850, Hand & Thieme 2023).
ÖSTERREICH:
Mehrfach im oberen Traisental des niederösterreichischen Alpenvorlandes, wo sie der damalige Rauchfangkehrermeister Kram in Innerhalbach am Südhang der Reisalpe entdeckte und dem blumenbegeisterten St. Veiter Gemeindearzt Otto Hausleitner zeigte. Sehr wahrscheinlich handelt es sich um Auswilderungen, denn die Art wächst nur dort, wo ehemals Holzarbeiterhütten standen. Die Pfingstrose fand früher in der Volksheilkunde Anwendung gegen Rheuma, Gicht und Atemwegserkrankungen. Bis heute finden sich hier im niederösterreichischen Alpenvorland Vorkommen der Korallen-Pfingstrose. Ehemals auch auf dem Schlossberg von Wartenstein bei Gloggnitz verwildert (Halácsy 1896). Der Erstnachweis für Österreich erfolgte 1896.
SCHWEIZ:
Ehemals in Birmenstall bei Elgg im Kanton Zürich (Hegi 1975).

 
WEITERE LÄNDER:
Subspontan u.a. (seit) 1805 auch in Großbritannien (Seebens & al. 2017).

 
Weitere Arten:

Paeonia daurica

Die Krim-Pfingstrose, Paeonia daurica, ist von Südost-Europa bis in den Nordiran beheimatet und wird sehr selten als Zierstaude genutzt, vor allem in der gelb blühenden Unterart mlokosewitschii.
Im Gebiet subspontan angegeben 2006 im Gelände des alten Botanischen Gartens Göttingen in Niedersachsen (Schmidt & al. 2009).
Die Art wird in der deutschen Florenliste (Hand & Thieme 2023) nicht angegeben.
 

 

Paeonia lactiflora

Die asiatische Milchweiße Pfingstrose, Paeonia lactiflora, wird häufig und in vielen Sorten als langlebige Zierstaude kultiviert. 
Sie wurde für die westliche Welt von Peter Simon Pallas 1772 in den Gebirgen um den Baikalsee entdeckt. Nach Europa kam die Wildform 1810 durch Abraham Hume. Jäger & al. (2008) geben das Jahr 1776 für den ersten Nachweis ihrer Kultur in Europa an. Die ersten gärtnerischen Kultivare kamen um das Jahr 1810 als Geschenke des chinesischen Kaisers an Napoleon nach Europa. 
Aus der Förderung Joséphines und aus den Nachkommen der Pflanzen ihrer Päoniensammlung im Garten des Schlosses Malmaison wurden diese bald in Frankreich und nachfolgend in ganz Europa populär. P. lactiflora ist Ausgangsart der meisten gärtnerischen Stauden-Pfingstrosen-Kultivare. In ihrer Heimat wird sie seit etwa 2000 Jahren als Zierpflanze kultiviert. Erste Zeugnisse über die Verwendung als Zierpflanze wurden in China für das erste Jahrhundert n.Chr. belegt. Zur Zeit der Song-Dynastie (961 bis 1278) waren 39 verschiedene Spielformen bekannt.
 
Sehr selten findet sie sich mit Gartenaushub verschleppt, so in Berlin (Seitz & al. 2012), Erddeponie Mylau in Sachsen (Büttner & al. 2007), Osttirol (Pagitz & al. 2023) und am Mühlwasser im 22. Wiener Gemeindebezirk (Adler & Mrkvicka 2003). Der Erstnachweis für Österreich erfolgte 2003 (Glaser & al. 2025).
Subspontan u.a. auch in Belgien (Verloove 2021), Großbritannien (Clement & Foster 1994) und seit 2011 in Tschechien (Pyšek & al. 2012).
 
 

Paeonia peregrina

Die Byzantinische Pfingstrose, Paeonia peregrina, auch Fremde Pfingstrose genannt, ist von Italien bis Moldawien und Anatolien beheimatet. 1583 kam sie von Konstantinopel nach Österreich und wurde durch Clusius in Europa verbreitet. 1629 findet sie sich in England. P. peregrina ist Ausgangsart zahlreicher Kulturhybriden wie etwa `Otto Froebel´ und Nationalblume Serbiens. 
Im Gebiet subspontan angegeben wird sie ehemals für Schweinfurt in Bayern (Wirtgen 1857), 1908 für Hamburg-Altona (Christiansen 1928), ehemals Alteburg Boppard in Rheinland-Pfalz (von Spiessen 1896) und ehemals Dorndorf bei Jena in Thüringen (Naumann 1903). Die Art wird in der deutschen Florenliste (Hand & Thieme 2023) nicht angegeben, ebenso nicht in der „Flora von Bayern“ (Meierott & al. 2024). Subspontan in der Slowakei seit 1999 (Medvecká & al. 2012).
 

 

Paeonia suffruticosa

Die Strauch-Pfingstrose, Paeonia suffruticosa, ist in den Gebirgen Südost-Chinas beheimatet. Sie dürfte eine artgewordene Hybride aus P. cathayana als Mutter und einiger anderer Arten als Vater sein. 
Zunächst war sie in China eine geschätzte Medizinalpflanze, aber schon in der Jin-Dynastie (265−420) wurde sie als Zierpflanze in die Gärten der Kaiser geholt. Sie wurde die favorisierte Blume der chinesischen Kaiserin. Später entwickelte sich unter den Reichen eine wahre Päoniensucht, die mit der Tulpen-Manie in Holland zu vergleichen ist (Bärtels & Schmidt 2014). Dementsprechend fand die Pfingstrose Eingang in Kunst und Literatur. In der Tang-Zeit (618−906) wurde sie zum Symbol für die Blume schlechthin (Bärtels & Schmidt 2014). Nach Europa kam sie 1789 durch Joseph Banks. Sie wird in zahlreichen, oft hybridogen beeinflussten Sorten kultiviert. Etwa 1000 Ziersorten sind gegenwärtig bekannt. Sie ist sommerwärmeliebend, nicht Wurzeldruck ertragend und anfällig gegenüber der Pilzerkrankung Botrytis (Bruns 2009). Vor allem einfachere Sorten kommen im Gebiet regelmäßig zur Samenreife mit keimfähigen Samen. 
Subspontan wird sie 2010 im Tempelhofer Parkfriedhof in Berlin (Katz 2011 in: Breitfeld & al. 2021) angegeben. Die Art wird in der deutschen Florenliste (Hand & Thieme 2023) nicht angegeben.
 
 

Paeonia tenuifolia

Die Netzblatt-Pfingstrose, Paeonia tenuifolia, ist in Südost-Europa und Westasien beheimatet. 1757 erwähnte der Botanische Garten Göttingen die Pflanze erstmals, die man offenbar über den Botanischen Garten Sankt Petersburg erhalten hatte. Sie wurde von Göttingen aus an andere Botanische Gärten abgegeben und 1779 von einer Hamburger Gärtnerei als Zierpflanze angeboten. 
Die Netzblatt-Pfingstrose wird gegenwärtig in heimischen Gärten als Zierstaude genutzt, auch in wenigen Sorten wie `Rosea´ und `Rosea Plena´. Kulturhybriden mit P. lactiflora werden Paeonia ×smouthii genannt und zeichnen sich durch breitere Blattabschnitte aus (Jäger & al. 2008). Im Gebiet verwildert angegeben wird sie 2006 für das Gelände des alten Botanischen Gartens Göttingen in Niedersachsen (Schmidt & al. 2009). Die Art wird in der deutschen Florenliste (Hand & Thieme 2023) nicht angegeben.
 

Quellen

Adler W. & Mrkvicka Ch. (2003): Die Flora von Wien - gestern und heute – Verlag des Naturhistorischen Mus. Wien, 831 S.

Bogenhard C. (1850): Taschenbuch der Flora von Jena. 483 Seiten. Leipzig.

Breitfeld M., Hertel E. & Baumann A. (2021): Flora Adventiva – Eine Zusammenstellung der in Deutschland nachgewiesenen Pflanzen, welche nicht in den Bestimmungswerken erwähnt werden; Markneukirchen, 677 S.

Bruns J. (2009): Bruns Pflanzen – Sortimentskatalog Gehölze 2009/2010 – Ulmer Verlag, 1123 S.

Buttler K.P. & Thieme M. (2017): Florenliste von Deutschland - http://www.kp-buttler.de/florenliste/index.htm

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Christiansen D.N. (1928): Die Adventiv- und Ruderalflora der Altoner Kiesgruben und Schuttplätze – Schriften der Naturwissenschaftlichen Vereins für Schleswig-Holstein 18(2): 350-462.

Glaser M., C. Gilli, N. Griebl, M. Hohla, G. Pflugbeil, O. Stöhr, P. Pilsl, L. Ehrendorfer-Schratt, H. Niklfeld & F. Essl (2025): Checklist of Austrian neophytes (2nd edition) – Preslia 97: 413−539.


Halacsy E. (1896): Flora von Niederösterreich. Zum Gebrauche auf Excursionen und zum Selbstunterricht. F. Tempsky, Wien, 631 S.

Hand R. & Thieme M. (2023): Florenliste von Deutschland (Gefäßpflanzen), begründet von Karl Peter Buttler. https://www.kp-buttler.de/florenliste/index.htm

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Jäger E. J., Ebel F., Hanelt P. & Müller G. K. (2008): In: Rothmaler, Exkursionsflora von Deutschland, Band 5, Krautige Zier- und Nutzpflanzen. Spektrum, 874 S.

Krausch H.-D. (2003): Kaiserkron und Päonien rot - Von der Entdeckung und Einführung unserer Gartenblumen – Dölling und Galitz-Verlag. 536 S.

Lippert W. & Meierott L. (2014) – Kommentierte Artenliste der Farn- und Blütenpflanzen Bayerns – Bayerische Botanische Gesellschaft, München, 407 S.



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