Muehlenbeckia

Drahtstrauch, Knöterichgewächs, Polygonaceae

Gattung:

Muehlenbeckia umfasst etwa 25 Arten (Kew 2023) in Amerika und Ozeanien mit Mannigfaltigkeitszentren in Neuseeland und Südamerika.
Die Zuordnung der subspontan im Gebiet aufgetretenen Pflanzen zu M. axillaris bzw. M. complexa bereitet Schwierigkeiten. Eine Überprüfung der Fundmeldungen wäre wünschenswert.

 

Muehlenbeckia axillaris  

Teppich-Drahtstrauch,
Muehlenbeckia axillaris  
Knöterichgewächs, Polygonaceae

 

Steckbrief:

Niederliegender, sommergrüner Zwergstrauch mit drahtartig dünnen Zweigen und rundlichen, bis 1 cm langen Blattspreiten. Blattgrund breit keilförmig. Blüten cremeweiß bis gelblichgrün, einzeln oder zu zweien in den Blattachseln. Früchte schwarz, glänzend. Blütezeit Mai bis Juni.
Verwechslungsmöglichkeit: Muehlenbeckia complexa hat weißliche, transparente Früchte. Die Blattspreiten sind oval und meist über 1 cm lang, der Blattgrund ist abgeschnitten bis leicht herzförmig. der Wuchs ist nicht so bodenanliegend wie der von M. axillaris sondern eher rankender Natur.
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Name:

Der Gattungsname ehrt den deutschen Arzt, Mykologen und Botaniker Heinrich Gustav Mühlenbeck (1798−1845). Mühlenbeck praktizierte im Elsass und interessierte sich besonders für Moose. Bekannt ist er vor allem durch seine Forschungen an der Schweizer Kryptogamenflora. Muehlenbeck wird von seinen Zeitgenossen im „Bericht über die Verhandlungen der Naturforschenden Gesellschaft in Basel 1844“ als „anspruchslos, zugänglich, mitteilend und von der zuvorkommensten, liebenswürdigsten Dienstfertigkeit“ beschrieben. Neben der Gattung Muehlenbeckia sind mehrere Moos-Arten wie Grimmia muehlenbeckia, Dicranum muehlenbeckii und Bryum muehlenbeckii nach ihm benannt.
 

Heimat:

Neuseeland und Südost-Australien.
 

Nutzung:

Bodendecker, Rasenersatz, Kletterpflanze für kleine Spaliere. `Compacta´ ist eine in allen Teilen kleinere Auslese.
 

Ausbreitung:

DEUTSCHLAND:
2016 in Limmersdorf, 2016 in Neuhaus-Sachsendorf und ebenfalls 2016 am Friedhof Busbach in Bayern (Horbach in: Breitfeld & al. 2021) und auf Helgoland und 2018 auf Pellworm in Schleswig-Holstein (Theisinger & Hebbel 2022, Hebbel 2023). Die Art ist in der „Flora von Bayern“ (Meierott & al. 2024) nicht angegeben.
ÖSTERREICH: ---
SCHWEIZ: ---

 
Weitere Art:

Muehlenbeckia complexa

Der Weißfrüchtige Drahtstrauch, Muehlenbeckia complexa, ist in Neuseeland beheimatet und wird in Mitteleuropa vor allem als Bodendecker und Grabschmuck genutzt. In seiner Heimat spielt er eine ökologische Schlüsselrolle bei der Besiedelung menschenverursachter und natürlicher Störungen an Waldrändern. Er unterdrückt das Wachstum von eingeschleppten Unkräutern wie Brombeeren und fördert die Insektenvielfalt (OSM 2006).
Subspontan konnte die Art im Gebiet 2025 in Tribuswinkel in Niederösterreich (Sauberer & al. 2025), 2023 am Friedhof Ampflwang und 2024 am Friedhof Seewalchen am Attersee in Oberösterreich (Hohla 2024, Hohla & Kiràly 2024) gefunden werden. Auch der Fund 2014 im Schotterstreifen am Straßenrand in der Pezoltgasse in Herrnau in der Stadt Salzburg (Pilsl 2014) dürfte zu M. complexa gehören (Glaser & al. 2025). 2024 dann auch auf dem Friedhof Köflach in der Steiermark (Stöhr 2024, Stöhr 2025). Subspontan u.a. seit 1995 auch in Irland (Seebens & al. 2017), seit 1909 in Großbritannien (Seebens & al. 2017) und seit 2001 in Belgien (Seebens & al. 2017). In Teilen Kaliforniens gilt die Art als invasiv.
 

Quellen

Breitfeld M., Hertel E. & Baumann A. (2021): Flora Adventiva – Eine Zusammenstellung der in Deutschland nachgewiesenen Pflanzen, welche nicht in den Bestimmungswerken erwähnt werden; Markneukirchen, 677 S.

Glaser M., C. Gilli, N. Griebl, M. Hohla, G. Pflugbeil, O. Stöhr, P. Pilsl, L. Ehrendorfer-Schratt, H. Niklfeld & F. Essl (2025): Checklist of Austrian neophytes (2nd edition) – Preslia 97: 413−539.


Hebbel J. (2023): Bemerkenswerte Neophytenfunde in Schleswig-Holstein (2018 –2022). – Kieler Notizen Pflanzenkd. 47: 115–159.

Hohla M. (2024): Muehlenbeckia complexa - der Drahtstrauch - auf Friedhöfen in Oberösterreich - Muehlenbeckia complexa - der Drahtstrauch - auf Friedhöfen in Oberösterreich - Forum Flora Austria (flora-austria.at)

Hohla M. & G. Király (2024): Aloë vera, Baptisia australis und Ginkgo biloba neu für Österreich und weitere floristische Beiträge – Stapfia 118: 69-89.


Kew (2023): Kew science – Plants of the World Online - Plants of the World Online | Kew Science

Meierott L., Fleischmann A., Klotz J., Ruff M. & W. Lippert (2024): Flora von Bayern – Haupt Verlag, Bern, 4 Bände.



OSM (2006): Muehlenbeckia australis – a smothering cloak or a haven of biodiversity - Open Space Magazine No. 66, March 2006. QEII National Trust.

Pilsl P. (2014): Jacq Virtual Herbaria, Muehlenbeckia axillaris JACQ - Virtual Herbaria

Sauberer N., Prinz M. A. & Till W. (2025): Nachträge und Korrekturen zur Flora von Traiskirchen (V): Iris orientalis, Nicotiana sylvestris und weitere neue Arten für die Neophytenflora von Österreich und Niederösterreich. Biodiversität und Naturschutz in Ostösterreich - BCBEA 8/2: 102–114.


Seebens H., Blackburn T. M., Dyer E. E., Genovesi P., Hulme P. E., Jeschke J. M., Pagad S., Pyšek P., Winter M., Arianoutsou M., Bacher S., Blasius B., Brundu G., Capinha C., Celesti-Grapow L., Dawson W., Dullinger S., Fuentes N., Jäger H., Kartesz J., Kenis M., Kreft H., Kühn I., Lenzner B., Liebhold A., Mosena A. (2017): No saturation in the accumulation of alien species worldwide. Nature Communications 8(2).

Stöhr O. (2024): Muehlenbeckia complexa - der Drahtstrauch - auf Friedhöfen in Oberösterreich - Muehlenbeckia complexa - der Drahtstrauch - auf Friedhöfen in Oberösterreich - Forum Flora Austria (flora-austria.at)

Stöhr O. (2025) in: Zernig K., N. Griebl, G. Kniely, W. Kundigraber, S. Leonhartsberger, M. Pöltl & O. Stöhr: Bemerkenswertes zur Flora der Steiermark 12 - Natura Styriaca 1: 271−283.

Theisinger D. & J. Hebbel (2022): Flora von Helgoland - Naturhistorische Gesellschaft Nürnberg - NHG_Flora_Helgoland_2022.pdf (nhg-nuernberg.de)