Morus

Maulbeere, Maulbeergewächs, Moraceae

Gattung:

Morus umfasst etwa 17 Arten (Kew 2023), die in Asien und Amerika beheimatet sind mit Mannigfaltigkeitsschwerpunkt in Südost-Asien.  
 

Morus alba 

Weiße Maulbeere,
Morus alba 
Maulbeergewächs, Moraceae

 

Steckbrief:

Bis 10 m hoher Baum oder Strauch mit graubrauner Rinde und rundlicher Krone mit oft sparrigem Wuchs. Blätter lang gestielt, Spreite eiförmig, weich, spitz, grob gezähnt, manchmal unregelmäßig buchtig gelappt, oberseits kahl und glatt, unterseits meist nur auf den Nerven behaart. Blüten klein, vierzählig, in kurzen und dichten, ährigen Blütenständen, die weiblichen ca. 1 cm, die männlichen ca. 2 cm lang. Fruchtstand brombeerenartig, weiß, rot oder schwarzviolett, bis 2,5 cm lang. Blütezeit Mai.
Verwechslungsmöglichkeit: Die Schwarze Maulbeere, Morus nigra, hat oberseits leicht raue, unterseits flaumhaarige Blätter und schwarzpurpurne Fruchtstände.
 

Nutzung:

Als Obstgehölz, Haus- oder Straßenbaum, gelegentlich auch als Heckenpflanze. Die Art ist wärmeliebend, trockenheitsvertragend und in der Jugend frostempfindlich (Bruns 2009).
In zahlreichen Sorten, so `Macrophylla´ (1836) oder `Multicaulis´ (um 1820). Manche Sorten sind gewollt ohne Früchte. Bei `Nuclear Blast´ sind die Blätter zu Fransen reduziert, weshalb die Pflanze krank und verkümmert aussieht. Der Sortenname „wie nach einer radioaktiven Verstrahlung“ spielt auf dieses Aussehen an. Früher als Futterpflanze für die Seidenraupenzucht in warmen Lagen Mitteleuropas kultiviert, heute gelegentlich noch als Viehfutter für Rinder und Ziegen genutzt. Die Blätter werden in Korea zur Teeerzeugung verwendet.

 
 

Ausbreitung:

Die Kultur der in China ursprünglichen (Zhengyi & al. 2005). Weißen Maulbeere ist in ihrer Heimat seit 4500 Jahren bekannt, in Europa seit etwa 550 n.Chr. aus Griechenland. Die Hauptnutzung lag in der Verwendung der Blätter als Futter für die Seidenraupenzucht. Friedrich der Große (1740–1786) förderte aufgrund der hohen Rohseide-Preise die Kultur des Maulbeerbaumes nördlich der Alpen. Maulbeerpflanzungen sind aber schon länger aus dem Gebiet bekannt, so eine Kultur der Klarissen im Südtiroler Brixen aus dem Jahre 1479 (Krausch 2003).                 
Gegenwärtig vielerorts verwildert, lokal auch eingebürgert wie in der Donau-Au östlich von Wien.

 
DEUTSCHLAND:
Vielfach verwildert bis lokal eingebürgert von Helgoland (Naturhistorische Gesell. 2013) bis Passau in Bayern (Hohla 2018). In Brandenburg seit 1663 kultiviert und seit 1827 subspontan auftretend (Kowarik 1992). Der Erstnachweis vermutlicher Verwilderungen für Bayern erfolgte um 1893 (Meierott & al. 2024).
ÖSTERREICH:
Besonders im pannonischen Raum Österreichs und in Kärnten verwildert und örtlich eingebürgert. Häufig im Donauraum östlich von Wien, eingebürgert am unteren Donaukanal, Lobau, Breitenlee usw. (Adler & Mrkvicka 2003). Sonst nur vereinzelt subspontan, so in Oberösterreich (Glaser & al. 2025), Hellbrunn in Salzburg (Pilsl & al. 2008) und in der Steiermark (Glaser & al. 2025). Der Erstnachweis für Österreich erfolgte 1859 (Glaser & al. 2025). Ehemalige Angaben für Nord- und Osttirol sind irrig und bezogen sich auf gepflanzte Bäume (Pagitz & al. 2023). Vielfach in Südtirol (Naturmuseum Südtirol 2018).
SCHWEIZ:
Vereinzelt, so in den Kantonen Aargau, Graubünden, Jura, Neuenburg, Tessin, Waadt, Wallis und Zürich (Infoflora 2024). Am Genfer See in Spalten der Uferbefestigung, die oft durch starken Wellenschlag überspült werden (Förster 2015). Inwieweit es sich bei den Infoflora-Angaben (2024) um subspontan aufgetretene oder kultivierte Pflanzen handelt, ist mir nicht bekannt. Die Art wird in der „Flora von Zürich“ (Wohlgemuth & al. 2020) nicht genannt.
ANDERE LÄNDER:
Subspontan u.a. auch in Belgien (Verloove 2021), Großbritannien (Clement & Foster 1994), Tschechien (Pyšek & al. 2012) und seit 1830 in der Slowakei (Medvecká & al. 2012). In Brasilien und den USA lokal invasiv (Cabi 2021). In Nordamerika hybridisiert die Art häufig mit der dort heimischen Roten Maulbeere, M. rubra, was aus Sicht des Naturschutzes bedenklich ist.

 
Weitere Art:

Morus nigra

Die asiatische Schwarze Maulbeere, Morus nigra, ist in den Mittelmeerländern seit alter Zeit in Kultur und wird als Zier- und Obstbaum in mehreren Sorten wie `Chelsea´ oder `Kaester´ gezogen. 
Die Früchte dienen zur Bereitung von Sirup, Getränken, Weinen, Marmeladen und Essig (Mansfeld 1986). Die Art ist frostempfindlich (Bruns 2009).
Im Gebiet vereinzelt subspontan, so in Oberderdingen, Stuttgart und Hohenheim in Baden-Württemberg (Hassler 2021, Böcker & al. 2017), 2005 in Pflasterfugen bei der Memmelsdorfer Straße in Bamberg in Bayern (Meierott 2008, Meierott & al. 2024) in Berlin (Seitz & al. 2012), Hessen (Hand & Thieme 2023), Braunschweig in Niedersachsen (Brandes 2016), Köln-Mühlheim und Duisburg-Rheinhausen in Nordrhein-Westfalen (BBV 2017, BBV 2014), Speyer in Rheinland-Pfalz (Conert & al. 1981, Hand & Thieme 2023), Nünchritz, Dresden und Tronitz in Sachsen (Hardtke & al. 2013), Sachsen-Anhalt (Müller & al. 2021), im Burgenland (Walter & al. 2002, Glaser & al. 2025), Hörtendorf in Kärnten (Essl & Rabitsch 2002), Niederösterreich (Glaser & al. 2025), Oberösterreich (Hohla & al. 2009), Fürbergstraße in der Stadt Salzburg (Pilsl & al. 2008) und Wien (Glaser & al. 2025). Der Erstnachweis für Österreich erfolgte 1960 (Glaser & al. 2025). Ehemalige Angaben für Nord- und Osttirol sind irrig (Pagitz & al. 2023). In Südtirol im Passeiertal, bei Brixen und Bozen. In der Schweiz in den Kantonen Bern, Genf, Jura, Tessin, Waadt, Wallis und im Kanton Zürich (Landolt 2001, Infoflora 2024). Im Kanton Zürich 1921 in Herrliberg und Richterswil, 1997 und 1998 in der Stadt Zürich und in Dachsen (Wohlgemuth & al. 2020). Inwieweit es sich bei den Infoflora-Angaben (2024) um subspontan aufgetretene oder kultivierte Pflanzen handelt, ist mir nicht bekannt. Dort im Text: In der Süd- und Westschweiz gelegentlich angepflanzt, kaum verwildernd (Infoflora 2024).
Subspontan u.a. auch in Belgien (Verloove 2021), in den Niederlanden (FLORON 2021), in Großbritannien (Clement & Foster 1994) und seit 1952 in Rumänien (Seebens & al. 2017). Im Mittelmeerraum örtlich eingebürgert.
 

Quellen

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