Mazus

Lippenmäulchen, Lippenmäulchengewächs, Mazaceae

Gattung:

Mazus umfasst etwa 36 Arten (Kew 2023) in Süd- und Ostasien, Australien und Neuseeland mit Mannigfaltigkeitszentrum in den chinesischen Provinzen Yunnan, Sichuan und Hubei.
 

Mazus miquelii

Kriechendes Lippenmäulchen,
Mazus miquelii (Syn.: M. reptans)  
Lippenmäulchengewächs, Mazaceae

 

Steckbrief:

3–15 cm hohe, kahle bis wenig behaarte Mehrjährige mit kriechenden Ausläufern und wechselständig angeordneten Blättern. Blattspreiten ei-lanzettlich, keilig in den kurzen Blattstiel verschmälert, Blattrand grob gezähnt. Blüten verhältnismäßig groß, 12–20 mm lang, violett, Schwielen weiß, orange gezeichnet. Blütezeit Mai bis Juli.
Verwechslungsmöglichkeit: Das Sumpf-Lippenmäulchen, Mazus pumilio, ist einjährig, kurz behaart und hat 7–10 mm lange Blüten, denen die orange Zeichnung fehlt.
 

Name:

Benannt zu Ehren des niederländischen Botanikers und Arztes Friedrich Anton Wilhelm Miquel (1811–1871), nach dem u.a. auch die Pflanzengattungen Miquelia aus der Familie der Icacinaceae und Miqueliopuntia aus der Familie der Kakteengewächse benannt sind. Miquel war Direktor des Botanischen Gartens in Rotterdam, Amsterdam und Utrecht (Burkhardt 2018).
 

Nutzung:

Zierpflanze für Teichränder und Sumpfbeete, Rasenersatzpflanze. Auch in einer weißblühenden Form `Albus´ im Handel.
 

Ausbreitung:

Im Pflanzenhandel wird die ostasiatischen Art oft als Mazus reptans geführt. Die Verbreitung erfolgt möglicherweise durch Samen, die sich im eingebrachten Torf befinden (Pflugbeil & Moosbrugger 2016). Kommt im Gebiet sehr selten in Schurrasen subspontan vor.
 
DEUTSCHLAND:
Unbeständig in Thüringen (Hand & Thieme 2023).
ÖSTERREICH: 
Mülln in der Stadt Salzburg in einem Schurrasen nahe einem Zierteich und 2017 ebenfalls in einem Schurrasen in Salzburg-Liefering (Pflugbeil & Moosbrugger 2016, Eichberger & al. 2021). 2019 in einem sich vegetativ ausbreitenden Bestand in kurz gemähter Rasenfläche im Schulgarten Kagran am Donizettiweg in Wien. Ob die Pflanze in diesem parkartigen Schulgarten früher als Zierpflanze kultiviert wurde oder aber als Beikraut mit anderen Pflanzen eingeschleppt wurde, kann nicht gesagt werden. Absichtlich kultiviert wurde Mazus miquelii dort nicht. Der einzige Standort in einem regelmäßig bewässerten Vielschnittrasen in der Nähe eines Wechselflorbeetes lässt eine unbeabsichtigte Einschleppung zusammen mit Pflanzgut anderer Arten am wahrscheinlichsten wirken (Hillebrandt & Amersberger in: Gilli & al. 2021). Beim Fund von „Mazus pumilio“ aus dem Südburgenland durch Traxler (1975) handelte es sich um M. miquelii (Gilli & al. 2022). Der Erstnachweis für Österreich erfolgte demnach 1974 (Traxler 1975, Glaser & al. 2025).  
SCHWEIZ: ---
ANDERE LÄNDER:
Subspontan u.a. auch in Belgien (Verloove 2021) und in den Niederlanden (FLORON 2021).

 
Weitere Arten:

Mazus pumilio

Das aus Australien und Neuseeland stammende, seit 1823 in Europa in Kultur befindliche (Jäger & al. 2008) Sumpf-Lippenmäulchen, Mazus pumilio, wird subspontan für die Battonnstraße in Frankfurt am Main in Hessen angegeben (Ottich 2007). Nach Hand & Thieme (2023) handelt es sich bei dem Fund aus Hessen um Mazus pumilus. Beim Fund von „Mazus pumilio“ aus dem Südburgenland durch Traxler (1975) handelte es sich um M. miquelii (Gilli & al. 2022)
 

 

Mazus pumilus

Das asiatische Japanische Lippenmäulchen, Mazus pumilus, findet sich im Gebiet sehr selten subspontan, so 2011 im Fischereihafen Bremerhaven in Bremen (Feder 2016), 2018 in Lorch und 2013 am alten jüdischen Friedhof in Frankfurt am Main in Hessen (Gorissen 2019, Walther 2014) und vor allem im Straßenpflaster in der Schweiz, hauptsächlich im südlichen Tessin, aber auch in Basel-Stadt, am Neuenburger See und im Kanton Schwyz (Lauber & al. 2018, Infoflora 2024). Im Kanton Zürich 1998 in Wollishofen und 2017 bei der Station Morgental in Zürich (Wohlgemuth & al. 2020). Von den Angaben sicher subspontan sind die aus dem Tessin und von Zürich. 
Subspontan u.a. auch in Belgien (Verloove 2021) und in den Niederlanden (FLORON 2021). In Teilen Nordamerikas eingebürgert.
 

Quellen

Burkhardt L. (2018): Verzeichnis eponymischer Pflanzennamen Teil 1 - https://www.bgbm.org/sites/default/files/
verzeichnis_eponymischer_pflanzennamen
_2018_teil_1.pdf

Eichberger C., Pflugbeil G. & Wolkersdorfer C. (2021): Floristische und vegetationskundliche Beiträge aus Salzburg, XXII. – Mitteilungen der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde 160/161: 441–485.

Feder J. (2016): Bemerkenswerte Pflanzenfunde im Bremer Gebiet (2016). – Bremer Bot. Briefe 23: 11 – 15.

FLORON (2021): Floron Verspreidingsatlas Vaatplanten – www.verspreidingsatlas.nl

Gilli C., C. Pachschwöll & H. Niklfeld (2021): Floristische Neufunde (430-508) – Neilreichia 12: 291-400.

Gilli C., L. Schratt-Ehrendorfer, U. Raabe, T. Barta, S. Weiss, G. Király, J. Weinzettl, K. Tkalcisics, R. Albert, S. Dunkl, P. Englmaier, K. Grafl, M. Hofbauer, G. Karrer, G. Kniely, H. Niklfeld, H. Schau u. E. Wukovatz (2022): Checkliste und Rote Liste der Farn- und Blütenpflanzen des Burgenlandes – Land Burgenland 21: 1−80.

Glaser M., C. Gilli, N. Griebl, M. Hohla, G. Pflugbeil, O. Stöhr, P. Pilsl, L. Ehrendorfer-Schratt, H. Niklfeld & F. Essl (2025): Checklist of Austrian neophytes (2nd edition) – Preslia 97: 413−539.


Gorissen I. (2019): Einige neue Beobachtungen und Trends in den Auen des Mittelrheins– Florist. Rundbr. 52: 118–131.

Hand R. & Thieme M. (2023): Florenliste von Deutschland (Gefäßpflanzen), begründet von Karl Peter Buttler. https://www.kp-buttler.de/florenliste/index.htm



Infoflora (2024): Das nationale Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora – https://www.infoflora.ch/de/

Jäger E. J., Ebel F., Hanelt P. & Müller G. K. (2008): In: Rothmaler, Exkursionsflora von Deutschland, Band 5, Spektrum, 874 S.

Kew (2023): Kew science – Plants of the World Online - Plants of the World Online | Kew Science

Lauber K., Wagner G. & Gygax P. (2018): Flora Helvetica – 6.Auflage, Haupt-Verlag Bern, 1686 S.

Ottich I. (2007): Archäophyten und Neophyten im Stadtgebiet von Frankfurt am Main und ihre Auswirkungen auf die Biodiversität. Dissertation, Johann-Wolfgang-Goethe-Universität Frankfurt am Main.

Pflugbeil G. & Moosbrugger K. (2016): Floristische Besonderheiten in der Stadt Salzburg und ihren Umlandgemeinden – Mitt. Haus der Natur 23: 58–71.

Traxler G. (1975): Floristische Neuigkeiten aus dem Burgenland (IX) – Burgenländische Heimatblätter 37: 52–64.

Verloove F. (2021): Manual of the Alien Plants of Belgium –  http://alienplantsbelgium.be

Walter J., Essl F., Niklfeld H. & Fischer M. A. (2002): Gefäßpflanzen. – In: Essl F. & Rabitsch W.: Neobiota in Österreich: 46–173. – Wien: Umweltbundesamt.

Walther F. (2014): Fundmeldungen, Neufunde-Bestätigungen-Verluste – Botanik und Naturschutz Hessen 27: 120-121.

Wohlgemuth T., Del Fabbro C., Keel A., Kessler M. & M. Nobis (2020): Flora des Kantons Zürich. Zürcherische Botanische Gesellschaft. Haupt-Verlag, Bern.