Mahonia

Mahonie, Berberitzengewächs, Berberidaceae

Gattung:

Mahonia umfasst etwa 60 Arten mit Mannigfaltigkeitszentrum in China. Mahonia wird von manchen Autoren und Institutionen, so etwa von Kew science (2023), innerhalb von Berberis geführt. Berberitzen unterscheiden sich vor allem äußerlich durch einfache, nicht zusammengesetzte Blätter, stehen sich aber genetisch sehr nahe und bilden auch Hybriden miteinander, die ×Mahoberberis genannt werden (Bärtels & Schmidt 2014)
 

Mahonia aquifolium

Echte Mahonie,
Mahonia aquifolium s.lat.
(= Berberis aquifolium;
inkl. Mahonia ×decumbens und Mahonia ×wagneri)  
Berberitzengewächs, Berberidaceae

 

Steckbrief:

Bis 1 m hoher, breitbuschiger Strauch mit immergrünen, unpaarig gefiederten, ledrigen, glänzenden, dornig gezähnten, dunkelgrünen Blättern. Diese paarweise gefiedert, im Austrieb, im Winter und bei Mangelerscheinungen kupferfarben bis purpurn. Blüten leuchtendgelb in aufrechten Trauben am mehrjährigen Holz. Früchte schwarzblau in Trauben. Blütezeit März bis April.
 

Name:

Die Gattung ist zu Ehren des irisch/US-amerikanischen Botanikers und Gärtners Bernard M´Mahon (1775–1816) benannt, der Sträucher von Mahonia aquifolium erstmals aus Samen zog, kultivierte und in den Handel brachte. M´Mahon eröffnete 1802 in Philadelphia einen Handel für Sämereien und Gartenpflanzen, kultivierte im Auftrag von Präsident Thomas Jefferson die Pflanzen aus der Lewis-Clark-Expedition und schrieb mit 'The American Gardener's Calender' das erste US-amerikanische Gartenbuch (Burkhardt 2018).
 
Anmerkung: Nach Müller & al. in Rothmaler (2021) sind die meisten in Deutschland verwilderten Pflanzen Hybriden mit den ebenfalls nordamerikanischen Arten Mahonia repens (= Mahonia ×decumbens) und M. pinnata (= Mahonia ×wagneri). In Österreich und der Schweiz dürfte die Situation ähnlich sein, Untersuchungen fehlen aber. Hand & Thieme (2023) hingegen geben für Deutschland M. ×decumbens und M. ×wagneri als selten, M. aquifolium für flächendeckend an, ähnlich auch Meierott & al. (2024) für Bayern. Hier wird M. aquifolium, M. repens, M. ×decumbens und M. ×wagneri als M. aquifolium s.lat. zusammengefasst, weil die Fundangaben der Literatur und des Netzes eine Trennung meist nicht zulassen.   
 

Nutzung:

Zier- und Fruchtgehölz, auch für die Floristik und als Bestandteil von Hautpflegemitteln (Düll & Kutzelnigg 2022). Die Art ist rauchhart, stadtklimafest, schnittverträglich, schattenverträglich und tolerant gegenüber Wurzeldruck größerer Gehölze (Bruns 2009). Sie wird in zahlreichen Sorten von alphabetisch `Apollo´ (1973) bis `Winterglow´ kultiviert. Sie kann zum Färben von Wolle genutzt werden, die Beeren färben violettblau, die Rinde und Wurzeln gelb. Die Früchte sind vitaminreich und werden zur Herstellung von Wein und Branntwein genutzt (Bärtels & Schmidt 2014).
 

Ausbreitung:

Beheimatet im westlichen Nordamerika von Britisch-Kolumbien bis Oregon und 1792 vom englischen Arzt, Gärtner und Naturforscher Archibald Menzies (1754–1842) in Oregon entdeckt. Nach Europa kam sie aber erst durch den Sammelreisenden David Douglas (1799–1834), welcher die Pflanze nahe von Menzies Fundort beim Fort Vancouver im Bundesstaat Oregon wiederentdeckte. Die 1823 in die englische Heimat geschickten Pflanzen verbreiteten sich rasch in den europäischen Gärten. 1860 wurde die erste Verwilderung beobachtet, 1882 die erste aus dem Gebiet (Büttner 1883). Gegenwärtig im Gebiet weit verbreitet und vor allem in den Wäldern mit weiterer Ausbreitungs- und Etablierungstendenz. Die Art ist basenhold (Müller & al. 2021).              
Die Mahonie kann sich aufgrund der unterirdischen Ausläufer rasch vegetativ vermehren, außerdem werden die Samen gerne von Vögeln, insbesondere Amseln und Rotkehlchen, gefressen und dadurch verbreitet (Lohmeyer & Sukopp 1992, Adolphi 1995, Kowarik 2003, Schaberg & al. 1972)
DEUTSCHLAND:
Erste Verwilderungen sind seit dem Jahr 1882 aus Brandenburg bekannt (Büttner 1883). Der Erstnachweis für Bayern erfolgte 1895 auf der Kohleninsel (heute Museumsinsel) München (Meierott & al. 2024). Gegenwärtig in allen Bundesländern vorkommend und zusehends häufiger auftretend.
ÖSTERREICH:
In allen Bundesländern (Glaser & al. 2025 sub Berberis aquifolium), in Ausbreitung begriffen. Besonders häufig in ruderalen, trocken-warmen Robinien- und Föhrenwäldern an der Thermenlinie in Niederösterreich. Auch in Südtirol, wo die Pflanze unter anderem von Bozen, Frangart und Terlan bekannt ist, zeigt die Art erst in den letzten Jahren eine stärkere Ausbreitungstendenz (Wilhalm & al. 2004).
SCHWEIZ:
Häufig, vor allem im Mittelland, im Rhonetal und im Jura (Infoflora 2024). Im Kanton Zürich 1897 erstmals im Stadtgebiet von Zürich belegt (Wohlgemuth & al. 2020).
ANDERE LÄNDER:
Subspontan u.a. seit 1924 auch in Norwegen (Gederaas & al. 2012, Seebens & al. 2017), in den Niederlanden (FLORON 2021), in Italien (Galasso & al. 2024), seit 1874 in Großbritannien (Clement & Foster 1994, Seebens & al. 2017), seit 1987 in Irland (Seebens & al. 2017), in Polen (Seebens & al. 2017), seit 1910 im europäischen Russland (Seebens & al. 2017), in Tschechien (Pyšek & al. 2012) und seit 1963 in der Slowakei (Medvecká & al. 2012).

 
Weitere Art:

Mahonia bealei

In Ostchina ist die Beale-Mahonie, Mahonia bealei (= Berberis bealei) beheimatet. Sie ist seit spätestens 1849 in gärtnerischer Kultur und wird oft als Gartenzierpflanze kultiviert. Sie ist stadtklimafest, schattenverträglich, erträgt Wurzeldruck größerer Bäume und ist bei sonnigem Stand frostempfindlich (Bruns 2009)
Subspontan konnte sie in Hamburg (Hand & Thieme 2023) und Waldbreitbach in Rheinland-Pfalz (Adolphi 2001) festgestellt werden. In der Schweiz im Aargau, mehrfach im Kanton Genf, am Neuenburger See und im Tessin (Infoflora 2024)
Die Art ist zu Ehren eines in Shanghai lebenden Gartenliebhabers namens Beale benannt, der diese Neuentdeckung des Botanikers Robert Fortune kultivierte. Die Früchte sind gleich der Echten Mahonie als Obst nutzbar. Aus ihnen wird ein Branntwein hergestellt (Bärtels & Schmidt 2014). Durch die verstärkte Nutzung der Art als Ziergehölz in den letzten Jahren ist in Zukunft mit einer weiteren Ausbreitung zu rechnen (Dörken & Sarazin 2017). Subspontan u.a. seit 2009 auch im Belgien (Seebens & al. 2017) und in Italien (Galasso & al. 2024).
 

 

Quellen

Adolphi K. (1995): Neophytische Kultur- und Anbaupflanzen des Rheinlandes. — Nardus 2, 271 S.

Adolphi K. (2001): In jüngster Zeit entdeckte Neophyten und Überlegungen über ihre mögliche Einbürgerung. — Braunschweiger Geobotanische Arbeiten 8: 15–26.

Bärtels A. & Schmidt P. A. (2014): Enzyklopädie der Gartengehölze – Ulmer-Verlag Stuttgart, 883 S.

Bruns J. (2009): Bruns Pflanzen – Sortimentskatalog Gehölze 2009/2010 – Ulmer Verlag, 1123 S.

Burkhardt L. (2018): Verzeichnis eponymischer Pflanzennamen Teil 1 - https://www.bgbm.org/sites/default/files/
verzeichnis_eponymischer_pflanzennamen
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Büttner R. (1883): Flora advena marchica. Verh. Bot. Ver. Prov. Brandenbg. 25: 1–59.

Dörken V. M. & A. Sarazin (2017): Mahonia bealei – Beales Mahonie (Berberidaceae) und weitere Mahonien - Jahrb. Bochumer Bot. Ver. 8: 270-276.

Düll R. & H. Kutzelnigg (2022): Die Wild- und Nutzpflanzen Deutschlands. 9. erw. Aufl. – Wiebelsheim. 948 S.

Essl F. (2006): Bemerkenswerte floristische Funde aus Wien, Niederosterreich, dem Burgenland und der Steiermark, Teil IV – Linzer biol. Beitr. 38/2: 1071–1103.

FLORON (2021): Floron Verspreidingsatlas Vaatplanten – www.verspreidingsatlas.nl

Galasso G., F. Conti, L. Peruzzi, A. Alessandrini, N. M. G. Ardenghi, G. Bacchetta, E. Banfi, G. Barberis, L. Bernardo, D. Bouvet, M. Bovio, M. Castello, L. Cecchi, E. Del Guacchio, G. Domina, S. Fascetti, L. Gallo, R. Guarino, L. Gubellini A. Guiggi, N. Hofmann, M. Iberite , P. Jiménez-Mejíase, D. Longo, D. Marchetti, F. Martini, R. R. Masin, P. Medagli, C. M. Musarella , S. Peccenini, L. Podda, F. Prosser, F. Roma-Marzio, L. Rosati, A. Santangelo, A. Scoppola, A. Selvaggi, F. Selvi, A. Soldano, A. Stinca, R. P. Wagensommer, T. Wilhalm & F. Bartolucci (2024): A second update to the checklist of the vascular flora alien to Italy – Plant Biosystems 158: 297−340.

Gederaas L., Loennechen Moen T., Skjelseth S. & Larsen L.-K. (2012): Alien species in Norway, with the Norwegian Black List - http://www.scales-project.net/NPDOCS/
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Glaser M., C. Gilli, N. Griebl, M. Hohla, G. Pflugbeil, O. Stöhr, P. Pilsl, L. Ehrendorfer-Schratt, H. Niklfeld & F. Essl (2025): Checklist of Austrian neophytes (2nd edition) – Preslia 97: 413−539.


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Jalas J. & Suominen J. (1991): Atlas Florae Europaeae 9 – Paeoniaceae to Capparaceae. Akateeminen Kirjakauppa Helsinki. 110 S.



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Kowarik I. (2003): Biologische Invasionen – Neophyten und Neozoen in Mitteleuropa. — E. Ulmer Verlag (Stuttgart), 380 S.

Landolt E. (2007):  Invasive Neophyten in Zürich – Vierteljahrsschrift der Naturforschenden Gesellschaft in Zürich (2007) 152(1/2): 1–15.

Lohmeyer W. & Sukopp H. (1992): Agriophyten in der Vegetation Mitteleuropas. — Schr.-R. f. Vegetationskde. 19, 185 S.

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Pyšek P., Danihelka J., Sádlo J., Chrtek J. jr., Chytrý M., Jarošík V., Kaplan Z., Krahulec F., Moravcová L., Pergl J., Štajerová K. & Tichý L. (2012): Catalogue of alien plants of the Czech Re­public (2nd edition): checklist update, taxonomic diversity and invasion patterns. – Preslia 84: 155–255.

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Schiffleithner V. & Essl F. (2010): Untersuchung ausgewählter Neophyten im Nationalpark Thayatal – IFABU – Institut für angewandte Biologie und Umweltbildung, Wien.

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Sperber H.H. (2003) Zur Ausbreitung neophytischer Sträucher im mittleren Rheinland-Pfalz, vornehmlich Mahonie (Mahonia aquifolium (Pursh) Nutt.). Mainzer naturwiss. Archiv 41: 133-147.

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Wohlgemuth T., Del Fabbro C., Keel A., Kessler M. & M. Nobis (2020): Flora des Kantons Zürich. Zürcherische Botanische Gesellschaft. Haupt-Verlag, Bern.