Magnolia

Magnolie, Magnoliengewächs, Magnoliaceae

Gattung:

Magnolia umfasst etwa 345 Arten (Kew 2023), die in Amerika und Süd-, Südost- und Ostasien beheimatet sind. Mannigfaltigkeitszentren sind die chinesische Provinz Yunnan, Vietnam, Borneo und Kolumbien.
 

Magnolia kobus 

Kobushi-Magnolie,
Magnolia kobus  
Magnoliengewächs, Magnoliaceae

 

Steckbrief:

Bis 12 m hoher, sommergrüner Baum mit kurz gestielten Blättern und elliptischen, bis 18 cm langen Blattspreiten. Blüten etwa 10 cm im Durchmesser, weiß, manchmal auch rosa überlaufen. Sammelbalgfrucht bis 12 cm lang. Blütezeit März bis April.
 

Name:

Benannt zu Ehren des französischen Arztes und Botanikers Pierre Magnol (1638−1715). Magnol war Professor der Botanik und Medizin und Direktor des Botanischen Gartens in Montpellier. Er führte den Begriff der Pflanzenfamilie ein. Linné verglich den großartigen Botaniker mit den großartigen Blättern und Blüten dieser Gattung (Burkhardt 2018). Kobushi ist der japanische Name der Art.
 

Heimat:

Japan.
 

Nutzung:

Zierbaum, in Sorten wie `Esveld Select´, `Isis´ (2009) und `Norman Gould´ (vor 1967).  
Magnolia ×loebneri ist eine Hybride aus M. kobus × M. stellata, die Max Loebner aus Pillnitz erstmals gelang und die 1920 von Kache nach diesem benannt wurde. 1923 erwarb die Baumschule Kordes einige Pflanzen von Loebner, seither wurden zahlreiche weitere Sorten mit diesen Eltern erzeugt, etwa `Leonard Messel´ und `Merrill´.

 

Ausbreitung:

Die Art ist in Europa seit spätestens 1865 in gärtnerischer Kultur (Bärtels & Schmidt 2014).
DEUTSCHLAND:
Für den Schlosspark Herten in Nordrhein-Westfalen angegeben (Franzisket 1971). Die Art wird in der deutschen Florenliste (Hand & Thieme 2023) nicht geführt.
ÖSTERREICH:
In der Salzachau südlich der Stadt Salzburg (Stöhr 2018) und in einer Mauer beim Mirabellgarten in Salzburg in zahlreichen Exemplaren verwildert (Pilsl 2021). Der Erstnachweis für Österreich erfolgte 2015 (Glaser & al. 2025).
SCHWEIZ: ---

 
Weitere Sippe:

Magnolia ×soulangeana

Die Tulpen-Magnolie, Magnolia ×soulangeana, ist eine Kulturhybride aus den zwei ostasiatischen Arten Magnolia denudata und Magnolia liliiflora
Der Hybridname ist zu Ehren des französischen Kavallerieoffiziers Étienne Soulange-Bodin (1774−1846) benannt. Soulange-Bodin war französischer Politiker, Diplomat und Pflanzenzüchter und während der Napoleonischen Ära mit verschiedenen diplomatischen Aufgaben betraut. Er lebte ab 1813 auf seinem Schloss in Fromont bei Paris, besaß dort einen eigenen Botanischen Garten mit Arboretum, gründete die französische Nationale Gartenbaugesellschaft, war Präsident der Société Linnéenne de Paris und schrieb u.a. über Kamelien und Magnolien (Burkhardt 2018). Soulange-Boudin kreuzte M. denudata und M. liliiflora 1820 im Königlichen Gartenbauinstitut in Fromont bei Paris und schuf so die fortan beliebte Tulpen-Magnolie, die er bescheiden nach sich M. ×soulangeana, benannte. 
Die ersten Pflanzen blühten 1826 (Bärtels & Schmidt 2014), 1827 kamen erste Pflanzen nach England. Es entstanden zahlreiche Sorten wie `Burgundy´ (1943) oder `Rustica Rubra´ (etwa 1893) (Bärtels & Schmidt 2014). Rückkreuzungen mit den Elternarten und Einkreuzungen mit anderen Magnolien-Arten führten zu einer großen Sortenvielfalt, die von alphabetisch `Amabilis´ bis `Winelight´ reicht.
 
Die Tulpen-Magnolie ist die in Mitteleuropa am häufigsten kultivierte Magnoliensippe. Sie ist meist steril, vereinzelt werden aber auch keimfähige Samen gebildet, wenn die Fruchtreife erreicht wird, was in Mitteleuropa nicht immer der Fall ist. Meldungen über Verwilderungen sind sehr selten, so angegeben vom Mirabellgarten und in Mauerfugen des Schlosses Mirabell in Salzburg (Pflugbeil & Moosbrugger 2016)Die Fundangabe ist irrig und bezieht sich tatsächlich auf Magnolia kobus (persönl. Mitt. Pilsl) (Glaser & al. 2025).

 

Quellen

Bärtels A. & Schmidt P. A. (2014): Enzyklopädie der Gartengehölze – Ulmer-Verlag Stuttgart, 883 S.

Burkhardt L. (2018): Verzeichnis eponymischer Pflanzennamen Teil 1 - https://www.bgbm.org/sites/default/files/
verzeichnis_eponymischer_pflanzennamen
_2018_teil_1.pdf

Franzisket L. (1971): Der Schlosspark in Herten (Westfalen). Ein Beitrag zur Pflege alter Parkanlagen aus ökologischer Sicht – Abhandlungen aus dem Landesmuseum für Naturkunde zu Münster in Westfalen 33(3): 1-16.


Glaser M., C. Gilli, N. Griebl, M. Hohla, G. Pflugbeil, O. Stöhr, P. Pilsl, L. Ehrendorfer-Schratt, H. Niklfeld & F. Essl (2025): Checklist of Austrian neophytes (2nd edition) – Preslia 97: 413−539.


 



Hand R. & Thieme M. (2023): Florenliste von Deutschland (Gefäßpflanzen), begründet von Karl Peter Buttler. https://www.kp-buttler.de/florenliste/index.htm

Kew (2023): Kew science – Plants of the World Online - Plants of the World Online | Kew Science

Pflugbeil G. & Moosbrugger K. (2016): Floristische Besonderheiten in der Stadt Salzburg und ihren Umlandgemeinden – Mitt. Haus der Natur 23: 58–71.

Pilsl P. (2021): Neufunde in Salzburg - http://forum.flora-austria.at/viewtopic.php?f=10&t=2876

Stöhr O. (2018): Planta incognita salisburgensis - http://forum.flora- austria.at/viewtopic.php?f=4&t=626&p=2297&hilit=amelanchier#p2297