Macleaya

Federmohn, Mohngewächs, Papaveraceae

Gattung:

Macleaya umfasst 2 ostasiatische Arten (Kew 2023).
 

 

Macleaya cordata

Weißer Federmohn,
Macleaya cordata s.lat.
(inkl. M. ×kewensis)  
Mohngewächs, Papaveraceae

 

Steckbrief:

150–350 cm hohe, giftige Staude mit unterirdischen Rhizomen und blaugrau bereiften, einen gelben Milchsaft führenden Stängeln. Blätter wechselständig, mit 2–20 cm langem Blattstiel und blaugrüner, rundlich-herzförmiger Spreite. Diese oberseits kahl, unterseits spärlich behaart. Blütenstände rispig, federartig. Kelchblätter weißlich, knospig oft rosa. Kronblätter fehlen. Staubblätter 8–12 oder 24–30. Staubfäden ungefähr so lang wie die Staubbeutel. Früchte eiförmig bis schmal-eiförmig, rötlich, Samen 4–6. Blütezeit Juli bis August.
Verwechslungsmöglichkeit: Beim nur etwa 100 cm hoch werdenden Kleinfrüchtigen Federmohn, Macleaya microcarpa, sind die Staubfäden deutlich kürzer als die Staubbeutel, die Fruchtkapseln sind rundlich.
 
Anmerkung: Laut Cullen (1995) wird die in Kew Gardens hervorgegangene Hybride aus Macleaya cordata × M. microcarpa, der Kew-Federmohn, Macleaya ×kewensis, wesentlich häufiger kultiviert als die Elternarten. Nach Clement & Foster (1994) gibt es auf den Britischen Inseln dauerhafte Verwilderungen aus den Gärten durch deren Ausläufer (die Samen sind unfruchtbar) und auch beim Großteil der mitteleuropäischen Funde könnte es sich um Macleaya ×kewensis handeln (Hohla 2016). Aus diesem Grund wird Macleaya ×kewensis hier innerhalb M. cordata behandelt.
 

Name:

Benannt zu Ehren des britischen Kolonialministers und Sekretärs der Linnaean Society in London Alexander Macleay (1767–1848). Macleay war britisch-australischer Staatssekretär, leitete u.a. das Amt für Kriegsgefangene und lebte ab 1826 in Sydney. Er war Kolonialsekretär für New South Wales und besaß eine reichhaltige und kostbare Insektensammlung und eine Sammlung von Vogelbälgen (Burkhardt 2018).
 

Nutzung:

Zierpflanze, in wenigen Sorten wie `Flamingo´ mit kleinen, rosa Blüten oder `Alba´ mit weißen Blüten.
 

Ausbreitung:

1794 brachte der englische Diplomat und Pflanzenliebhaber George Staunton (1737–1801) den ostasiatischen Federmohn von Peking mit nach England. Dort galt er lange als Warmhauspflanze und fand nur zögerliche Verbreitung. Erst im 20. Jahrhundert konnte sich der Federmohn als monumentale Blattstaude in den mitteleuropäischen Gärten durchsetzen.
Häufigste Auswilderungsursache dürfte illegaler Gartenauswurf sein. Im Gebiet vereinzelt subspontan auftretend.  
DEUTSCHLAND:
Mehrfach, so 1987 im Schenkenwald bei Weingarten in Baden-Württemberg (Dörr & Lippert 2001), bei Pocking in einer Schottergrube, 2001 zwischen Marienberg und Burghausen auf einer Straßenböschung, bei Hofheim, 2014 in Puchheim bei München und zwischen Königsberg und Prappach in Bayern (Hohla 2001, Meierott 2008, Dickoré & Springer 2014), 1990 Friedländer Güter bei Wriezen in Brandenburg (Düvel 1991, Hand & Thieme 2023), 2007 Frankfurt am Main in Hessen (Buttler 2009), Mecklenburg-Vorpommern (Fukarek & Henker 2005), bei Jameln in Niedersachsen (Feder & Langbehn 2018), Remterweg in Bethel, Mülheim an der Ruhr und Autobahnböschung bei Köln-Merkenich in Nordrhein-Westfalen (Kulbrock & al. 2003, Keil 2014, Adolphi 2013), 1909 in Speyer in Rheinland-Pfalz (Höck 1914, Hand & Thieme 2023), Plagwitz in Leipzig in Sachsen (Gutte 2006) und Bahnhof Dölau bei Halle an der Saale in Sachsen-Anhalt (Stolle & Klotz 2004).
ÖSTERREICH:
St. Georgen am Fillmannsbach in Oberösterreich (Hohla 2016), in der Gaisbergstraße der Stadt Salzburg (Pilsl & al. 2008), Ratsch an der Weinstraße und Altaussee in der Steiermark (Traxler 1984, Mrkvicka 2011) und Rattenberg in Nordtirol (Pagitz & Lechner-Pagitz 2003).
SCHWEIZ:
Vereinzelt, so in den Kantonen Basel-Stadt, Bern, Freiburg, ehemals in Genf (Infoflora 2024) und Schanzengrabenmauer, Feldeggstraße, Friesenberg und Stoffelstraße in Zürich (Landolt 2001). Die Art wird in der „Flora von Zürich“ (Wohlgemuth & al. 2020) nicht genannt.
ANDERE LÄNDER:
Subspontan u.a. auch seit 1953 in Belgien (Seebens & al. 2017, Verloove 2021), in den Niederlanden (FLORON 2021), in Großbritannien (Clement & Foster 1994), seit 1976 in Rumänien (Seebens & al. 2017), Tschechien (Pyšek & al. 2012) und seit 1938 in der Slowakei (Medvecká & al. 2012).

 
Weitere Art:

Macleaya microcarpa

Auch die ähnliche zweite Art innerhalb der Gattung, der Kleinfrüchtige Federmohn, Macleaya microcarpa, entdeckt 1889 vom russischen Botaniker Carl Johann Maximowicz im nördlichen Zentralchina, wird in Gärten gelegentlich gezogen, auch in Sorten wie `Spetchley Ruby´, `Korallenfeder´ (vor 1930) oder `Summer Haze´. 
Subspontane Vorkommen sind vereinzelt bekannt, so aus einem Gipsbruch bei Sulzheim in Bayern (Meierott 2008), Berlin (Seitz & al. 2012), Hessen (Hand & Thieme 2023), 2005 Geheege bei Rothenburg in Sachsen (Otto & al. 2006) und in den Kantonen Bern, Genf, Schwyz und ehemals Zug (Infoflora 2024). Da Botaniker oft nicht zwischen M. cordata und M. microcarpa unterscheiden und M. microcarpa bzw. die Hybride M. ×kewensis häufiger kultiviert wird als M. cordata, ist es wahrscheinlich, dass es sich bei einigen Fundangaben von M. cordata tatsächlich um M. microcarpa handelt (Meierott & al. 2024). Bei einer Angabe aus Linz in Oberösterreich in Jacq (Simoova & Otypkova 2008) geht nicht hervor, ob kultiviert oder verwildert. Subspontan auch in den Niederlanden (FLORON 2021).
 

Quellen

Adolphi K. (2013):  Beiträge zur Flora Nordrhein-Westfalens aus dem Jahr 2013 –  Jahrb. Bochumer Bot. Ver. 5 130–163.

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Buttler H.P. (2009): Vermischte Notizen zur Benennung hessischer Pflanzen, Achter Nachtrag zum Namensverzeichnis zur Flora der Farn- und Samenpflanzen Hessens – Botanik und Naturschutz in Hessen 22: 143–163.

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