Lysimachia

Felberich, Primelgewächs, Primulaceae

Gattung:

Lysimachia umfasst, exklusive Anagallis, Pelletiera, Trientalis und Glaux, etwa 230 Arten mit Mannigfaltigkeitszentrum in China. Seit 2009 führen manche Taxonomen und Institutionen Anagallis, Pelletiera, Trientalis und Glaux innerhalb von Lysimachia (z.B. Kew 2023). Lysimachia umfasst dann etwa 35 Arten mehr. Auf der anderen Seite gibt es auch Überlegungen, Lysimachia s.str. in mehrere kleinere Gattungen aufzuteilen und dabei beispielsweise L. nemorum zu Anagallis zu stellen (Düll & Kutzelnigg 2022). Bis darüber Übereinstimmung herrscht, wird hier Lysimachia in ihrem traditionellen Umfang gesehen.
 

Lysimachia ciliata 

Bewimperter Felberich,
Lysimachia ciliata  
Primelgewächs, Primulaceae

 

Steckbrief:

50–100 cm hohe Staude mit unterirdischen Ausläufern und kahlen Stängeln. Blätter gegenständig, gestielt, Spreite eiförmig-zugespitzt, unterseits kahl, Blattrand und Blattstiel bewimpert. Blüten zu 1–3 in den Blattachseln der oberen Blattpaare, fünfzählig. Kelchblätter linealisch, kahl. Kronblätter gelb, eiförmig, vorne zugespitzt. Frucht kugelig, in den sternförmig angeordneten Kelchblättern. Blütezeit Juni bis Juli.
Verwechslungsmöglichkeit: Beim osteuropäischen Tüpfel-Felberich, Lysimachia punctata, sind die Blüten am Stängelende kopfig gedrängt.
 

Name:

Benannt nach dem griechischen Feldherrn Lysimachos (361−281 v.Chr.), der Alexander den Großen auf seinem Eroberungszug durch Asien begleitete.
 

Nutzung:

Ausbreitungsfreudige Zierstaude. Im Pflanzenhandel meist in der dunkelblättrigen Sorte `Firecracker´ zu finden. Die Art gehört zu den wenigen Felberich-Arten, die den Bestäubern Öl anstelle von Nektar als Belohnung anbietet. Sie wird in ihrem ursprünglichen Verbreitungsgebiet u.a. von der spezialisierten Ölbiene Macropis nuda bestäubt, die von der Art abhängig ist (Buckner & Danforth 2022).
 

Ausbreitung:

Nordamerikanische Art, vermehrt sich sowohl generativ durch Samen als auch vegetativ durch Ausläufer. Auch Wurzelteile im verschleppten Erdreich wachsen leicht wieder an. Im Gebiet sehr selten subspontan.
DEUTSCHLAND: 
Selten, so ehemals in Berlin-Charlottenburg (Büttner 1884, Seitz & al. 2012), Brandenburg (Hassler & Muer 2022), ehemals Hameln in Niedersachsen (Peter 1901, Hegi 1975, Hand & Thieme 2023), Bad Meissberg in Nordrhein-Westfalen (Hegi 1975, Hand & Thieme 2023), Schleswig-Holstein (Hand & Thieme 2023) und ehemals in Thüringen (Zündorf & al. 2006).
ÖSTERREICH:
2001 in einem Retentionsbecken hinter der Degenruhe in der Johann-Staud-Straße im 16. Wiener Gemeindebezirk (Adler 2001).
SCHWEIZ: ---

 
ANDERE LÄNDER:
In Belgien nahe der deutschen Grenze seit 1884 bei Spa und Malmédy eingebürgert (Verloove 2021). Subspontan u.a. auch in Norwegen (Gederaas & al. 2012) und in den Niederlanden (FLORON 2021).

 
Weitere Arten:

Lysimachia atropurpurea

Ehemals eingeschleppt angegeben wird der ostmediterrane Purpur-Felberich, Lysimachia atropurpurea, auf Schutt am Baseltor in Solothurn (Thellung 1915)
Die Art wird selten als Zierstaude kultiviert, auch in einer dunkellaubigen Sorte `Beaujolais´.
 

Lysimachia clethroides

Als Gartenzierstaude wird der ostasiatische Entenschnabel-Felberich, Lysimachia clethroides, in Europa seit spätestens 1869 gärtnerisch kultiviert (Jäger & al. 2008). In China werden seine Blätter als Gemüse genutzt. 
Sehr selten tritt er verwildert oder verschleppt auf, so 2013 in einer Brache bei Bindlach nahe Bayreuth in Bayern (Lippert & Meierott 2018, Meierott & al. 2024), 2014 am Eichelberg bei Deetz in Brandenburg (Lauterbach 2015), in Niedersachsen (Hassler & Muer 2022), auf einem renaturierten Bauschuttberg in Bochum-Wiemelhausen und 2024 in einem Steinbruch bei Wenden, Kreis Olpe in Nordrhein-Westfalen (BBV 2010, Jagel 2021, BBV 2025) und 2007 in Salzburg (Pflugbeil & Pilsl 2013). Subspontan u.a. auch in den Niederlanden (FLORON 2021).
 

Lysimachia ephemerum

Der südwesteuropäisch-marokkanische Iberische Felberich, Lysimachia ephemerum, wird seit spätestens 1730 als Zierstaude genutzt (Jäger & al. 2008)
Er fand sich ehemals im Gebiet vereinzelt subspontan, so früher angegeben für den Hafen von Mannheim in Baden-Württemberg (Hegi 1975, Hand & Thieme 2023), ehemals bei Clarens in der Waadt (Hegi 1975) und 1887 bis 1902 in Eglisau und 1887 und 1901 in Glattfelden im Kanton Zürich (Hegi 1975, Wohlgemuth & al. 2020).
 

Lysimachia fortunei

In Ost- und Südost-Asien ist der Fortune-Felberich, Lysimachia fortunei, beheimatet. Er findet sich seit spätestens 1730 in gärtnerischer Kultur und wird bei uns vor allem in der Sorte `Autumn Snow´ selten als Zierstaude genutzt. Subspontan konnte er 2021 an einem Waldweg weitab von Gärten zwischen der Lingesetalsperre und Rönsahl im Märkischen Kreis bei Kierspe in Nordrhein-Westfalen (BBV 2022) und unbeständig in Schleswig-Holstein (Hand & Thieme 2023) gefunden werden. Benannt ist die Art nach dem schottischen Gärtner und Pflanzensammler Robert Fortune (1812−1880), über den Nicole Vosseler schreibt: „Es ist eine gefährliche Expedition, zu der Robert Fortune im Jahr 1843 aufbricht. Im Auftrag der Horticultural Society reist der Botaniker nach China, um von dort Tee und neue Pflanzen in die westliche Welt zu holen. Er war kein Abenteurer. Nur ein einfacher Gärtner, der das Gleichmaß seiner Tage schätzte und den langsamen, ruhigen Fluss der Jahreszeiten. Der noch nie über die britische Insel hinausgekommen war“.
 

Quellen

Adler W. (2001): Virtual Herbaria JACQ – Lysimachia cilata – JACQ - Virtual Herbaria

BBV-Bochumer Botanischer Verein (2010): Bemerkenswerte Pflanzenvorkommen im Bochum-Herner Raum (Nordrhein-Westfalen) in den Jahren 2007 und 2008 - Jahrb. Bochumer Bot. Ver.2: 128–143.

BBV-Bochumer Botanischer Verein (2022): Beiträge zur Flora Nordrhein-Westfalens aus dem Jahr 2021 - Jahrb. Bochumer Bot. Ver. 13: 131–190.

BBV–Bochumer Botanischer Verein (2025): Beiträge zur Flora Nordrhein-Westfalens aus dem Jahr 2024 - Jahrb. Bochumer Bot. Ver. 16: 213-258.


Buckner M.A. & B.N. Danforth (2022): Climate-driven range shifts of a rare specialist bee, Macropis nuda (Melittidae), and its host plant, Lysimachia ciliata (Primulaceae) - Global Ecology and Conservation 37.

Büttner R. (1884): Flora advena marchica. Verh. Bot. Ver. Prov. Brandenbg. 25: 1–59.

Düll R. & H. Kutzelnigg (2022): Die Wild- und Nutzpflanzen Deutschlands. 9. erw. Aufl. – Wiebelsheim. 948 S.

FLORON (2021): Floron Verspreidingsatlas Vaatplanten – www.verspreidingsatlas.nl

Gederaas L., Loennechen Moen T., Skjelseth S. & Larsen L.-K. (2012): Alien species in Norway, with the Norwegian Black List - http://www.scales-project.net/NPDOCS/
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Hand R. & Thieme M. (2023): Florenliste von Deutschland (Gefäßpflanzen), begründet von Karl Peter Buttler. https://www.kp-buttler.de/florenliste/index.htm

Hassler M. & Muer T. (2022): Flora Germanica – Bildatlas der Farn- und Gefäßpflanzen Deutschlands. 2 Bände.

Hegi G. (1975): Illustrierte Flora von Mitteleuropa, Band 5 (Teil 1). 3.Aufl. – Paul Parey, Berlin und Hamburg. 678 S.

Jagel A. (2021): Flora von Bochum, eine Zusammenstellung der bisher im Stadtgebiet Bochum heimischen und verwilderten Pflanzen-Sippen. – jagel.nrw/Flora_Bochum_Jagel.pdf.



Jäger E. J., Ebel F., Hanelt P. & Müller G. K. (2008): In: Rothmaler, Exkursionsflora von Deutschland, Band 5, Krautige Zier- und Nutzpflanzen. Spektrum, 874 S.

Kew (2023): Kew science – Plants of the World Online - Plants of the World Online | Kew Science

Lauterbach D. (2015): Bericht über den Floristischen Abend am 10.12.2014 - Verh. Bot. Ver. Berlin Brandenburg 148: 189-191.

Lippert W. & Meierott L. (2018): Kommentierte Artenliste der Farn- und Blütenpflanzen Bayerns – Vorarbeiten zu einer neuen Flora von Bayern. 251 S.

Meierott L., Fleischmann A., Klotz J., Ruff M. & W. Lippert (2024): Flora von Bayern – Haupt Verlag, Bern, 4 Bände.

Peter A. (1901): Flora von Südhannover nebst angrenzenden Gebieten, 2. Teil. Göttingen, 323 Seiten.

Pflugbeil G. & Pilsl P. (2013): Vorarbeiten an einer Liste der Gefäßpflanzen des Bundeslandes Salzburg, Teil 1: Neophyten - Mitt. Haus der Natur 21: 25–83.

Seitz B., Ristow M., Prasse R., Machatzi B., Klemm G., Böcker R. & Sukopp H. (2012): Der Berliner Florenatlas – Verhandlungen des Bot. Vereins von Berlin und Brandenburg, Beiheft 7.

Thellung A. (1915): Beiträge zur Adventivflora der Schweiz (II) – Mitteilungen aus dem botanischen Museum der Universität Zürich.

Verloove F. (2021): Manual of the Alien Plants of Belgium –  http://alienplantsbelgium.be

Zündorf H. J., Günther K. F., Korsch H. & Westhus W. (2006): Flora von Thüringen – Weißdorn-Verlag Jena, 764 S.

Wohlgemuth T., Del Fabbro C., Keel A., Kessler M. & M. Nobis (2020): Flora des Kantons Zürich. Zürcherische Botanische Gesellschaft. Haupt-Verlag, Bern.