Lysichiton

Scheinkalla, Aronstabgewächs, Araceae

Gattung:

Lysichiton umfasst 2 Arten (Kew 2023) im westlichen Nordamerika (L. americanus) und in Ostasien (L. camtschatcensis).
 

Lysichiton americanus 

Gelbe Scheinkalla,
Lysichiton americanus  
Aronstabgewächs, Araceae

 

Steckbrief:

40–100 cm hohe, sommergrüne, langlebige Staude mit dickem, vertikal liegendem Rhizom und auffallend großen Blättern, die sich nach der Blütezeit entfalten. Blütenstand aus einem gelben Hochblatt und einem Kolben bestehend, unangenehm riechend. Blütezeit März bis Mai.
 

Nutzung:

Zierpflanze für Moorbeete, Teichränder und Waldsümpfe. Jungpflanzen sind schneckengefährdet. Bei der indigenen Bevölkerung wurden die wachsartigen Blätter für die Zubereitung und Lagerung von Speisen genutzt.
 

Ausbreitung:

Nordamerikanische Art, 1901 in Großbritannien in Kultur genommen, wenig später auch aus deutschen Gärten bekannt. Die erste Verwilderung in Europa wurde 1947 in Surrey, Großbritannien, festgestellt. Am europäischen Festland in Dänemark in den 1950er-Jahren gemeldet (Klingenstein & Alberternst 2010). Im Gebiet 1982 erstmals im Taunus Hessens. Bei den Vorkommen im Taunus wurden bei 67 % der Bestände Jungpflanzen unterschiedlicher Altersstadien gefunden, so dass die Art in der Umgebung der Anpflanzungsorte zwischenzeitlich mit großen Populationen verbreitet war. Seit 2005 werden erfolgreich Gegenmaßnahmen ergriffen, so dass nur noch Einzelpflanzen blieben (Neobiota 2011). Die meisten Funde im Gebiet dürften auf absichtliche Ansalbungen, der kleinere Teil auf Verwilderungen aus Gartenabfällen zurückzuführen sein (BfN 2011). Die ersten Blüten bildet Lysichiton americanus im Alter von ca. 5 Jahren, die Pflanzen können bis zu 80 Jahre alt werden. Die Art wurde 2016 in die EU-Liste invasiver gebietsfremder Arten von unionsweiter Bedeutung aufgenommen (Nehring & Skowronek 2023).
 
DEUTSCHLAND:
1982 erstmals im Taunus Hessens gefunden, dort absichtlich angesalbt. Auch sonst mehrere kleinräumige Vorkommen in den deutschen Mittelgebirgen und im Ruhrgebiet in Nordrhein-Westfalen (Klingenstein & Alberternst 2010, Fuchs & al. 2003, Mazomeit 2012), so etwa in einem kleinen Bachtälchen bei Blumenau nahe Bad Berneck in Bayern ws. aus Gartenauswurf verwildert (Breitfeld & al. 2017), 1990 in Wildmoos bei Starnberg-Leutstetten und dort lokal etabliert (Schuhwerk 2007, Meierott & al. 2024) und bei Marktschorgast in Bayern (Lippert & Meierott 2018), 1988 im Weilquellgebiet am Kleinen Feldberg, im Reichenbachquellbereich nordwestlich Falkenstein, Elisabethenstein westlich Oberstedten im Hochtaunus und 1992 an der Aubachquelle bei Neu-Anspach in Hessen (Korneck & Krause 1990, Singh-Brunk 1993, König & Nawrath 1992, Hand & Thieme 2023), 2016 in den Aschauteichen bei Aschau und 2021 bei Backebergsmühle an der Brunau im Landkreis Celle in Niedersachsen (Langbehn 2021, Langbehn 2022), 2002 Bühlbach im Duisburger Wald, 2002 in Mülheim-Saarn und 2022 in Hilchenbach beim ehemaligen Forsthaus „Am Zollposten“ in Nordrhein-Westfalen (Fuchs & al. 2003, BBV 2023), 2010 westlich Helmbach in Rheinland-Pfalz (Mazomeit 2012), in Leulitz bei Wurzen und 2020 subspontan in der Siehdichfürer Straße in Grünbach im Erzgebirge In Sachsen (Mäkert & Gutte 2011, Gutte & al. 2013, Breitfeld 2021), 1993 an der Kalten Bode bei Mandelholz in Sachsen-Anhalt (Herdam 1994) und in Schleswig-Holstein (Hand & Thieme 2023). Nach Nehring & Skowronek (2020) auch in den Bundesländern Hamburg und Saarland. Der Erstnachweis für Bayern erfolgte 1990 (Meierott & al. 2024).
ÖSTERREICH:
In Nordtirol angesalbt. 2020 wurde die Art beim Piburger See im Naturpark Ötztal in Nordtirol gefunden und vom Neophyten-Beauftragten des Landes Tirol ausgegraben und entsprechend entsorgt
, um einer Ausbreitung vorzubeugen (Perktold 2020). Auch in Osttirol (Pagitz & al. 2023).
SCHWEIZ:
Im Naturschutzgebiet Meienmoos bei Burgdorf im Kanton Genf, dort 2003 in etwa 100 Exemplaren innerhalb und außerhalb des Schutzgebietes. In der Nähe der alten, blühfähigen Pflanzen konnten zahlreiche aus Samen gekeimte Jungpflanzen angetroffen werden. Da das Vorkommen bis jetzt noch isoliert ist, wird eine Ansalbung angenommen (Jörg 2007). Im Kanton Zürich 2008 bis 2015 im Park Seleger Moor in Rifferswil und 2013 bei Mettlen-Güntisberg (Möhl & al. 2014, Wohlgemuth & al. 2020). Weiters subspontan im Kanton Bern (Infoflora 2024).
ANDERE LÄNDER:
Nach Norwegen kam die Pflanze 1934 und seit 2001 sind hier Verwilderungen bekannt (Klingenstein & Alberternst 2010, Gederaas & al. 2012). In Schweden findet sich die Art an rund 30 Orten verwildert, in Finnland an einem Ort seit 2005. Weiters subspontan u.a. 2006 in Belgien (Klingenstein & Alberternst 2010) und 2005 in den Niederlanden (Klingenstein & Alberternst 2010, FLORON 2021). Dort dauerte es etwa 50 Jahre, um einen kleinen, aber lebensfähigen und lokal sich ausbreitenden Bestand aufzubauen (Cabi 2022).
 

 
Weitere Art:

Lysichiton camtschatcensis

Die nordostasiatische Weiße Scheinkalla, Lysichiton camtschatcensis, wird seltener gezogen, findet sich aber seit spätestens 1886 in gärtnerischer Kultur (Jäger & al. 2008)
Sie wurde im Wildmoos südöstlich Leutstetten und 2023 in einem Bruchwald nahe Gut Schwaige bei Wangen in Bayern (Schuhwerk 2007, Lippert & Meierott 2014, Meierott & al. 2024) und 2001 am Oberlauf Kaltes Wasser im Taunus-Gebirge in Hessen subspontan gefunden (Alberternst & Schmitz 2002). Bei den Aschauteichen im Landkreis Celle in Niedersachsen gepflanzt (Langbehn 2022). Der Erstnachweis für Bayern erfolgte 2006 (Meierott & al. 2024). Subspontan u.a. auch seit 1944 in Norwegen (Gederaas & al. 2012, Seebens & al. 2017), seit in Schweden (Seebens & al. 2017), Finnland (Seebens & al. 2017), Dänemark (Seebens & al. 2017) und Großbritannien (Seebens & al. 2017).
 

Quellen

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Alberternst B., Nawarath S., Hussner A. & Starfinger U. (2008): Auswirkungen invasiver Arten und Vorsorge. Sofortmaßnahmen und Management am Beispiel von vier unterschiedlich weit verbreiteten Neophyten – Natur und Landschaft 83: 412–417.

BBV–Bochumer Botanischer Verein (2023): Beiträge zur Flora Nordrhein-Westfalens aus dem Jahr 2022 - Jahrb. Bochumer Bot. Ver. 14: 167-231.

BfN (2011): Lysichiton americanus. In: Neobiota – Gebietsfremde und invasive Arten in Deutschland – Bundesamt für Naturschutz. neobiota.bfn.de

Breitfeld M. (2021): Flora der Westabdachung des Erzgebirges – Die Pflanzenwelt zwischen Adorf, Markneukirchen, Schöneck und Klingenthal. 294 S.

Breitfeld M., Hertel E., Horbach H.-D. & W. Wurzel (2017): Flora von Bad Berneck und Umgebung, die Pflanzenwelt zwischen Ochsenkopf und Maintal – 501 S.

Buttler H.P. (2009): Vermischte Notizen zur Benennung hessischer Pflanzen, Achter Nachtrag zum Namensverzeichnis zur Flora der Farn- und Samenpflanzen Hessens – Botanik und Naturschutz in Hessen 22: 143–163.

EU-Amtsblatt (2016): Durchführungsverordnung der EU-Kommission vom 13. Juli 2016  zur Annahme einer Liste invasiver gebietsfremder Arten von unionsweiter Bedeutung gemäß der Verordnung (EU) Nr. 1143/2014.

FLORON (2021): Floron Verspreidingsatlas Vaatplanten – www.verspreidingsatlas.nl

Fuchs R., Kutzelnigg H., Feige B. & Keil P. (2003): Verwilderte Vorkommen von Lysichiton americanus Hulten & St. John (Araceae) in Duisburg und Mülheim an der Ruhr - Tuexenia 23: 373-379.

Gederaas L., Loennechen Moen T., Skjelseth S. & Larsen L.-K. (2012): Alien species in Norway, with the Norwegian Black List - http://www.scales-project.net/NPDOCS/
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Gutte P., Hardtke H.-J. & Schmidt P.A. (Hrsg. 2013): Die Flora Sachsens und angrenzender Gebiete. Ein pflanzenkundlicher Exkursionsführer. – 983 S. Wiebelsheim (Quelle & Meyer).

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Kew (2023): Kew science – Plants of the World Online - Plants of the World Online | Kew Science

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