Ludwigia

Heusenkraut, Nachtkerzengewächs, Onagraceae

Gattung:

Ludwigia umfasst etwa 87 Arten (Kew 2023), die überwiegend in den Tropen und Subtropen beheimatet sind mit Mannigfaltigkeitszentrum in Amerika.
 

Ludwigia grandiflora

Großblütiges Heusenkraut,
Ludwigia grandiflora (inkl. L. hexapetala)  
Nachtkerzengewächs, Onagraceae

 

Steckbrief:

Ausdauernde, weit kriechende oder flutende Wasserpflanze mit bis zu 4 m langen Stängeln. Blätter bis zu 10 cm lang, wechselständig angeordnet, ganzrandig, deutlich genervt. Untergetauchte Blätter rundlich, Blätter über der Wasseroberfläche lanzettlich mit spitzem Ende. Blüten fünfzählig, Kronblätter gelb, bis zu 2,5 cm lang und 2 cm breit, Kelch behaart. Blütezeit Juni bis September.
 

Name:

Die Gattung ist zu Ehren des deutschen Botanikers und Arztes Christian Gottlieb Ludwig (1709–1773) benannt, der u.a. mit Goethe und Linné über die Systematik des Pflanzenreiches konversierte. Ludwig musste aus Geldmangel sein Studium abbrechen und nahm von 1731 bis 1733 an einer Afrika-Expedition von Johann Ernst Hebenstreit teil, promovierte nach seiner Rückkehr, war später Professor der Medizin in Leipzig und beschäftigte sich u.a. mit Naturselbstdrucken (Burkhardt 2018).
 

Nutzung:

(Früher) Zierpflanze für Garten- und Schwimmteiche.
Ludwigia grandiflora gilt nach Hussner & Starfinger (2015) europaweit als stark invasive Art. Um eine weitere Verschleppung zu verhindern, wurde der Handel mit Wasserpflanzen für Aquarien und Gartenteiche ins Visier genommen, wo die Art zeitweise als „Sauerstoffspender“ gern verkauft wurde. Der Fachhandel reagierte ab 2008 mit dem Versuch einer freiwilligen Selbstverpflichtung, den Verkauf einzustellen (Ploeg 2018). Die Art ist seit 2016 in der Unionsliste invasiver Arten angeführt und darf nach derzeitigem Stand nicht gehalten, gezüchtet, in Verkehr gebracht oder in der Umwelt freigesetzt werden (Nehring & Skowronek 2023). Auch in der Schweiz auf der „Schwarzen Liste invasiver Arten“. Entgegen diesen Bestimmungen wird die Art jedoch noch im Handel angeboten, wie der nachweisliche Kauf in einer Staudengärtnerei (als „Wasserludwigia, Jussiea grandiflora“ ausgezeichnet) und die Pflanzung an einem Gartenteich im niederösterreichischen Groß-Enzersdorf im Herbst 2019 zeigte (Lugmair 2021).

 

Ausbreitung:

1823 ist die süd- und mittelamerikanische Art nach Europa in den Botanischen Garten von Montpellier gekommen, 1830 fand man sie bereits subspontan in einem nahegelegenen Fluss (Dandelot 2004). 1835 dann erstmals für Botanische Gärten in Deutschland genannt. Erste Verwilderungen im Gebiet wurden 1950 bei Kirn in Rheinland-Pfalz beobachtet (GBIF 2013), 2002 dann auch in der Schweiz bei Genf. Die Reproduktion erfolgt überwiegend vegetativ (Kasselmann 2010). Sprossfragmente können mit Wasser, durch Tiere oder Anhaften an Booten ausgebreitet werden (Dandelot 2004). Die Art gibt allelopathische Stoffe ab und schwächt damit konkurrierende Pflanzenarten. 
DEUTSCHLAND:
Erste Verwilderungen wurden 1950 bei Kirn in Rheinland-Pfalz gemeldet (GBIF 2013). Seit 2004 in einem Altarm der Leda in Niedersachsen, dort aber wieder eliminiert (Nehring & Kolthoff 2011, Hussner & Starfinger 2015, Hussner & al. 2016) und seit 2011 im Röhmsee in Baden-Württemberg (Nehring & Kolthoff 2011). 2019 im Dorfteich von Schlauroth bei Görlitz in Sachsen. Diese dürften angesalbt worden sein, der etwa 10m² große Bestand wurde vernichtet (Wünsche & al. 2020).
ÖSTERREICH:
2016 in einem Dominanzbestand an einem 2006 errichteten Teich in Valtau bei St. Marienkirchen an der Polsenz in Oberösterreich (Lugmair 2021). In unmittelbarer Nähe des Vorkommens befindet sich ein Zubringer des Valtauer Bachs, der in die Polsenz mündet und im Weiteren über den Innbach bis in die Donau zu Verfrachtungen der invasiven Art führen könnte (Lugmair 2021).
SCHWEIZ:
2002 erstmals subspontan bei Genf aufgetreten, außerdem 2012 und 2015 in Wipkingen im Kanton Zürich (Wohlgemuth & al. 2020, Infoflora 2024).
ANDERE LÄNDER:
Subspontan u.a. seit 1983 auch in Belgien (Seebens & al. 2017, Verloove 2021), seit 1830 in Frankreich (Seebens & al. 2017), seit 2005 in Ungarn (Seebens & al. 2017), seit 1993 in den Niederlanden (Seebens & al. 2017, FLORON 2021) und seit 2009 in Irland (Seebens & al. 2017).
In Großbritannien wurde ein nationaler Aktionsplan zur Wiederausrottung aufgestellt. Im Mittelmeergebiet, insbesondere in Südfrankreich, sich lokal stark ausbreitend (Hassler 2021). Im Westen Frankreichs hat sich die Art in mehreren Regionen, zum Beispiel im Naturpark Briére auf im Winter überflutetem Niedermoorgrünland etabliert (Haury & al. 2011). Der Bestand im Naturpark Brière geht auf ein zwischen den Einsätzen nicht gereinigtes Mähwerk zurück. Auch andere technische Geräte wie Grabenfräsen, aber auch Angler und Wasservögel sind an der Verschleppung der Art beteiligt.
 

 
Weitere Sippen:

Ludwigia ×kentiana

Das Kent-Heusenkraut, Ludwigia ×kentiana, ist wahrscheinlich eine in Kultur aus dem amerikanischen Kriechenden Heusenkraut (L. repens, Synonym L. natans) und dem heimischen Sumpf-Heusenkraut (Ludwigia palustris) entstandene Hybride (Clement 2000)
Es besitzt von allen kultivierten Ludwigia-Sippen die besten Wachstumseigenschaften (Hassler & Schmitt 2013) und wird schon lange unter dem Namen L. ×muellertii im Aquarienhandel geführt (Dunkel & al. 2007)
Es findet sich lokal etabliert seit 1984 in den Rheinauen bei Fritschlach nahe Karlsruhe in Baden-Württemberg (Dunkel & al. 2007) und im Schweizer Kanton Genf (Infoflora 2024). Subspontane Vorkommen sind problematisch, da die Hybride kräftig, zu Selbstbestäubung fähig und fertil ist. Sie könnte ihren einheimischen Elternteil, mit dem sie leicht zu verwechseln ist, potenziell verdrängen (Juillerat & al. 2017).

 
Über die Benennung der Hybride durch Clement (2000) schreibt dieser: „Das Epitheton kentiana ist für D. H. Kent, in Anerkennung seiner großen Unterstützung während über 30 Jahren bei meinen Studien über die Adventivflora Großbritanniens“.
 

Ludwigia peploides

Das amerikanische Flutende Heusenkraut, Ludwigia peploides, wurde im frühen 19. Jahrhundert als Zierpflanze im Gartenbau und durch botanische Gärten nach Europa gebracht. Das erste Auftreten in Europa ist 1820 in Frankreich dokumentiert.
 
Im Gebiet sehr selten, so 2014 im Haslachtal bei Gerbrunn nahe Würzburg in Bayern, dort 2018 durch Ausbaggern entfernt (Meierott 2018, Meierott & al. 2024) und 2008 in Wilkau-Haßlau in Sachsen (Breitfeld & al. 2021). Subspontan u.a. auch in Belgien (Verloove 2021), in den Niederlanden (FLORON 2021) und seit 1830 in Frankreich (Seebens & al. 2017). Im Elsass lokal mit Einbürgerungstendenzen (Hassler & Muer 2022). Die Art steht seit 2016 auf der EU-Liste invasiver Arten und darf nicht mehr verkauft oder gehalten werden (Nehring & Skowronek 2023). Auch in der Schweiz ist sie auf der Liste der gebietsfremden, invasiven Pflanzen aufgeführt. Wie auch Ludwigia grandiflora gibt L. peploides allelopathische Stoffe ab, die zu ökotoxischen Effekten führen können. Da die Pflanze hohe Konzentrationen von Stickstoff ansammelt, kann mit ihrer Hilfe der Gehalt an Ammoniak und Nitraten im Boden verringert werden.
 

Ludwigia repens

Im südlichen Nordamerika und im nördlichen Mittelamerika ist das Kriechende Heusenkraut, Ludwigia repens (Syn.: L. natans) beheimatet. Es wird in der Aquaristik oft als Unterwasser-Zierpflanze genutzt. Im Gebiet sehr selten subspontan, so von 1991 bis 1995 im Berenbosteler See bei Hannover in Niedersachsen (Garve & van der Meijden 1997, Hassler & Muer 2022) und im Warmbach in Villach in Kärnten (Hartl & al. 1992, Fischer & al. 2008, Glaser & al. 2025). Bei einer Nachsuche durch Georg Pflugbeil am 13. Sept. 2024 im Warmbach Villach wiedergefunden (pers. Nachricht von G. Pflugbeil am 19.Sept.2024 per Mail). Subspontan u.a. auch seit 1924 in Ungarn (Seebens & al. 2017) und seit 2017 in der Slowakei (Seebens & al. 2017).
 

Quellen

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