Lomelosia

Grasskabiose, Geißblattgewächs, Caprifoliaceae

Gattung:

Lomelosia umfasst etwa 63 Arten (Kew 2023), die vom Mittelmeerraum bis nach Zentralasien verbreitet sind mit Diversitätszentrum in Südwest-Asien. 1985 wurden zahlreiche Arten in die Gattung Lomelosia überführt (Greuter & Raus 1985). Karpologische und palynologische Studien bestätigten diesen Schritt, der dann durch neuere Daten aus der molekularen Phylogenetik weiter untermauert wurde (Caputo & al. 2004, Avino & al. 2009). Andere Institutionen bzw. Autoren akzeptieren weitaus weniger Arten, z.B. The Plant List (2013)
Anmerkung: Friedrich Zimmermann gibt für 1909 bzw. 1910 vier Lomelosia-Arten, L. caucasica, L. brachiata, L. olivieri und L. simplex für Mannheim bzw. Ludwigshafen subspontan an, was sehr unwahrscheinlich ist.
 

Lomelosia caucasica

Kaukasus-Grasskabiose,
Lomelosia caucasica
(Syn.: Scabiosa caucasica)
Geißblattgewächs, Caprifoliaceae

 

Steckbrief:

Bis 60 cm hohe Staude mit einfach gefiederten Blättern und ganzrandigen, schmal-lanzettlichen Blattabschnitten. Köpfchenförmige Blütenstände groß, 4−8 cm im Durchmesser. Krone ungleichmäßig fünfzipfelig mit strahlenden Randblüten, diese lilablau bis violett. Blütezeit Juni bis August.
 

Heimat:

Kaukasus-Gebiet.
 

Nutzung:

Zierpflanze, in verschiedenen Sorten wie `Gudrun´, `Stäfa´, `Perfecta Alba´, `Nachtfalter´ oder `Schöne von Eisenach´.
 

Ausbreitung:

Lomelosia caucasica wurde im Sommer 1702 für die Wissenschaft entdeckt bei der von 1700 bis 1702 dauernden Expedition ins Osmanische und Persische Reich von Joseph Pitton de Tournefort (1656–1708), Andreas von Gundelsheimer (1668–1715) und Claude Aubriet (1665–1742). In Anatolien fertigte Aubriet eine Federzeichnung mit schwarzer Kohle, die diese Art dokumentierte und mit "Scabiosa iberica scorzonere folio flore maximo leucophao" benannt wurde.
In gärtnerischer Kultur findet sich die Art erstmals um das Jahr 1803 in der Londoner Gärtnerei Loddiges mit der Herkunftsbezeichnung „aus Samen vom Berg Kaukasus“, die Joachim Conrad Loddiges (1778–1826) wahrscheinlich von Marschall von Bieberstein erhalten hat (Mangel 2018).
DEUTSCHLAND:
1910 unbeständig für den Bahnhof Mannheim-Friedrichsfeld in Baden-Württemberg angegeben (Zimmermann 1921, Hand & Thieme 2023). Die Art wird in den „Farn- und Blütenpflanzen Baden-Württembergs“ (Sebald & al. 1996) nicht geführt.
ÖSTERREICH: ---
SCHWEIZ: ---

 
 
Weitere Arten:

Lomelosia brachiata

Im östlichen Mittelmeergebiet ist die Ästige Grasskabiose, Lomelosia brachiata (Syn.: Scabiosa brachiata), beheimatet.
 
Sie wird für 1909 aus dem Hafen Ludwigshafen in Rheinland-Pfalz (Zimmermann 1913) angegeben. Die Art wird in der deutschen Florenliste (Hand & Thieme 2023) nicht geführt.

Lomelosia divaricata

Im weiten Mittelmeergebiet ist die Spreizende Grasskabiose, Lomelosia divaricata (Syn.: Scabiosa sicula), beheimatet. 
Sie wird im Gebiet ehemals für die Schwedenschanze Erfurt in Thüringen (Reinecke 1914) angegeben. Die Art wird in der deutschen Florenliste (Hand & Thieme 2023) nicht gelistet.
 

Lomelosia olivieri

Von der Halbinsel Sinai, Saudi-Arabien und Anatolien bis Kasachstan und Westchina ist die Olivier-Grasskabiose, Lomelosia olivieri (Syn.: Scabiosa olivieri) beheimatet. Benannt ist die Art zu Ehren des französischen Arztes und Naturforschers Guillaume-Antoine Olivier (1756−1814). Unbeständig 1909 für den Hafen Ludwigshafen in Rheinland-Pfalz angegeben (Zimmermann 1913, Hand & Thieme 2023).
 

Lomelosia palaestina

Die Palästina-Grasskabiose, Lomelosia palaestina (Syn.: Scabiosa palaestina) ist in Südwest-Asien und in Ägypten beheimatet und wird 2016 subspontan für Salzburg (Glaser & al. 2025) angegeben.
 

Lomelosia simplex

Im westlichen Mittelmeergebiet ist die Einfache Grasskabiose, Lomelosia simplex (Syn.: Scabiosa stellata), beheimatet, die unbeständig verschleppt 1909 für den Mannheimer Hafen in Baden-Württemberg angegeben wird (Zimmermann 1913, Hand & Thieme 2023).
 

Quellen

Avino M., Tortoriello G. & Caputo P. (2009): A phylogenetic analysis of Dipsacaceae (Dipsacales) based on four DNA regions. — Pl. Syst. Evol. 279: 69–86.

Caputo P., Cozzolino S. & Moretti A. (2004): Molecular phylogenetics of Dipsacaceae reveals [sic] parallel trends in seed dispersal syndromes. — Pl. Syst. Evol. 246: 163–175.

Glaser M., C. Gilli, N. Griebl, M. Hohla, G. Pflugbeil, O. Stöhr, P. Pilsl, L. Ehrendorfer-Schratt, H. Niklfeld & F. Essl (2025): Checklist of Austrian neophytes (2nd edition) – Preslia 97: 413−539.


Greuter W. & Raus Th. (Hrsg.) (1985): Med-Checklist Notulae, 11 - Willdenowia 15: 61–84.

Hand R. & Thieme M. (2023): Florenliste von Deutschland (Gefäßpflanzen), begründet von Karl Peter Buttler. https://www.kp-buttler.de/florenliste/index.htm

Kew (2023): Kew science – Plants of the World Online - Plants of the World Online | Kew Science

 



Mangel H. W. (2018): Die Entdeckung und Benennung von Lomelosia caucasica (Dipsacaceae) mit Anmerkungen zu seiner Nomenklatur und seinem frühen Anbau (bioone.org)

Reinecke K.L. (1914): Flora von Erfurt – Verzeichnis der im Kreise Erfurt und seiner Umgebung beobachteten Gefäßpflanzen – Jahrbuch der Königlichen Akademie gemeinnütziger Wissenschaften zu Erfurt, Heft 40, 283 S.

Sebald O., Seybold S, Philippi G. & Wörz A. (1996): Die Farn- und Blütenpflanzen Baden-Württembergs, Bd. 6: Valerianaceae bis Asteraceae. Verlag E. Ulmer, Stuttgart.

The Plant List (2013): The Plant List: a working list of all plant species. Version 1.1. London, UK: Royal Botanic Gardens, Kew. http://www.theplantlist.org

Zimmermann F. (1913): 1. Nachtrag zur Adventiv- und Ruderalflora von Mannheim, Ludwigshafen– Pollichia 27-28: 1-44.  

Zimmermann F. (1921): Neues aus der Flora von Mannheim – Mitteilungen des Badischen Landesvereins für Naturkunde und Naturschutz e.V. Freiburg im Breisgau 1: 13-135.