Liriodendron

Tulpenbaum, Magnoliengewächs, Magnoliaceae

Gattung:

Liriodendron umfasst 2 Arten (Kew 2023), neben dem nordamerikanischen L. tulipifera das ostasiatische L. chinense. Hybriden aus beiden Arten zeigen durch den Heterosiseffekt ein starkes Wachstum.
 

Liriodendron tulipifera 

Tulpenbaum,
Liriodendron tulipifera 
Magnoliengewächs, Magnoliaceae

 

Steckbrief:

Bis 30 m hoher, sommergrüner Baum mit durchgehendem Stamm und breit säulenförmiger Krone. Blattspreiten im Umriss fast viereckig, 8–15 cm lang und breit, Basis abgerundet oder gestutzt, oberseits frischgrün, unterseits leicht bläulichgrün. Herbstfärbung leuchtendgelb. Blüten tulpenförmig, Kelchblätter hellgrün, Kronblätter grünlichgelb, an der Basis mit orangefarbenem Band. Blütezeit Mai bis Juni.
 

Nutzung:

Zierbaum, in mehreren Sorten wie `Ardis´ (vor 1998), `Aureomarginatum´ (1903) oder `Integrifolium´ (1864). Die Art ist windbruchgefährdet und blüht das erste Mal mit 15 bis 30 Jahren (Bruns 2009). Wertvolle Frühsommertracht für Honigbienen. Nektar wird reichlich angeboten, er liegt völlig frei in Tropfen auf den großen Kronblättern.
 

Ausbreitung:

Beheimatet im östlichen Nordamerika in den Appalachen und auf den Piedmontflächen von Pennsylvania bis Georgia. In Europa seit 1688 in Parkanlagen und großen Gärten in Kultur (Bärtels & Schmidt 2014). In Deutschland wird der Tulpenbaum mittlerweile versuchsweise angepflanzt, um das Baumartenspektrum in Richtung Klimaerwärmung zu verbreitern. Größere Bestände sind zwischen Rastatt und Karlsruhe zu finden (Waldwissen 2021). Auch als Stadtbaum wird die Art verstärkt in Betracht gezogen und ersetzt dabei u.a. Berg-Ahorn und andere Arten, die mit dem veränderten Klima innerstädtisch weniger gut zurechtkommen. Tulpenbäume entwickeln regelmäßig Früchte, die Samen keimen leicht, trotzdem sind Verwilderungen im Gebiet bisher selten.
 
DEUTSCHLAND:
Laubwald östlich der Siedlung Hirschberg bei Heidelberg in Baden-Württemberg (Ziegler 2010), am Friedhof Dundelfingen in Bayern (Adler & al. 2017), in Berlin (Hand & Thieme 2023), 1988 im Rothschildpark in Frankfurt am Main in Hessen (Gregor & al. 2012), beim Wintermühlenhof im Siebengebirge, im Kottenforst, in Köln, Bochum, im Schönhausen-Park in Krefeld-Bockum und 2024 in Mülheim an der Ruhr-Holthausen in Nordrhein-Westfalen (Gorissen 2015, Sumser & al. 2015, BBV 2016, BBV 2019, BBV 2025), in der Hördter Rheinaue in Rheinland-Pfalz (Mazomeit 2018) und Rochlitz in Sachsen (Gutte 2001). In der „Flora von Bayern“ (Meierott & al. 2024) als lediglich kultiviert für Bayern angegeben.
ÖSTERREICH:
2023 in der Fillstraße in Gurten in Oberösterreich (Hohla 2023, Hohla & Kiràly 2024), mehrfach in der Stadt Salzburg, so in Kleßheim auf einer frischen Ruderalfläche und bei der Lehener Brücke zwischen den Blocklegungen der Uferbefestigung (Pilsl & al. 2008). Am Kapuzinerberg in der Stadt Salzburg in einem Laubmischwald auf Mergel, in der Siebenstätterstraße verwildert am Straßenrand (Pilsl & Pflugbeil 2012). In der Steiermark bei St. Ulrich am Waasen, Lichtenberg bei Gnas und in Graz-Andritz (Leonhartsberger 2015, Eigenfund Griebl 2019) und 2005 in der Meytensgasse, 2005 im Dehnepark und 2016 in einer Pflasterspalte in der Fasangasse in Wien (Vitek & al. 2021). Der Erstnachweis für Österreich erfolgte 2002 (Glaser & al. 2025). Bei der Fundangabe aus Ried im Innkreis in Oberösterreich (Pilsl 1980) handelte es sich um eine kultivierte Pflanze.
SCHWEIZ:
Mit Fundpunkten bei Rheinfelden im Aargau, in den Kantonen Basel-Stadt, Bern, Genf, Jura, Sankt Gallen, Tessin, bei Lausanne in der Waadt und Zürich (Infoflora 2024). Allerdings ist hierbei nicht klar, inwieweit es sich um kultivierte oder subspontane Vorkommen handelt. Bei Indigenat ist angegeben: Kultivierte Pflanze ohne Tendenz zur Verwilderung (Infoflora 2024).

 
ANDERE LÄNDER:
Subspontan u.a. auch in Belgien (Verloove 2021), Großbritannien (Clement & Foster 1994) und seit 1960 in der Slowakei (Medvecká & al. 2012).

 

Quellen

Adler B., Adler J. & Kunzmann G. (2017): Flora von Nordschwaben – Arbeitsgemeinschaft Flora Nordschwaben e. V. – Deiningen, 813 S.

Bärtels A. & Schmidt P. A. (2014): Enzyklopädie der Gartengehölze – Ulmer-Verlag Stuttgart, 883 S.

BBV-Bochumer Botanischer Verein (2016): Beiträge zur Flora Nordrhein-Westfalens aus dem Jahr 2016 - Jahrb. Bochumer Bot. Ver. 8: 174–189.

BBV-Bochumer Botanischer Verein (2019): Beiträge zur Flora Nordrhein-Westfalens aus dem Jahr 2018 - Jahrb. Bochumer Bot. Ver. 10: 138-188.

BBV–Bochumer Botanischer Verein (2025): Beiträge zur Flora Nordrhein-Westfalens aus dem Jahr 2024 - Jahrb. Bochumer Bot. Ver. 16: 213-258.


Bruns J. (2009): Bruns Pflanzen – Sortimentskatalog Gehölze 2009/2010 – Ulmer Verlag, 1123 S.

Clement E. J. & Foster M. C. (1994): Alien plants oft he British Isles – London: Botanical Society of the British Isles. 591 p.

Glaser M., C. Gilli, N. Griebl, M. Hohla, G. Pflugbeil, O. Stöhr, P. Pilsl, L. Ehrendorfer-Schratt, H. Niklfeld & F. Essl (2025): Checklist of Austrian neophytes (2nd edition) – Preslia 97: 413−539.


Gorissen I. (2015): Flora der Region Bonn (Stadt Bonn und Rhein-Sieg-Kreis) – Decheniana-Beiheft 40. Bonn, 605 Seiten.

Gregor T., Hodvina S., Barth U., Bönsel D., Feuring C. & Übeler M. (2012):  Weiterführung der hessischen Florenliste -  Botanik und Naturschutz in Hessen 24, 71–105.

Gutte P. (2001): Virtual Herbaria JACQ – Liriodendron tulipifera – https://herbarium.univie.ac.at

Hand R. & Thieme M. (2023): Florenliste von Deutschland (Gefäßpflanzen), begründet von Karl Peter Buttler. https://www.kp-buttler.de/florenliste/index.htm

Hohla M. (2023): Liriodendron tulipifera - der Tulpenbaum - verwildert in Oberösterreich - http://forum.flora-austria.at/viewtopic.php?f=10&t=3871

Hohla M. & G. Király (2024): Aloë vera, Baptisia australis und Ginkgo biloba neu für Österreich und weitere floristische Beiträge – Stapfia 118: 69-89.


Infoflora (2024): Das nationale Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora – https://www.infoflora.ch/de/



Kew (2023): Kew science – Plants of the World Online - Plants of the World Online | Kew Science

Leonhartsberger S. (2015): Neues zur Adventivflora von Graz – Joannea Botanik 12: 39–68.

Mazomeit J. (2018): Zur Naturverjüngung des Tulpenbaums (Liriodendron tulipifera) im Bereich der Hördter Rheinaue – Pollichia-Kurier 34(2): 9-10.

Medvecká J., Kliment J., Májeková J., Halada Ľ., Zaliberová M., Gojdičová E., Feráková V. & Jarolímek J. (2012): Inventory of the alien flora of Slovakia. – Preslia 84: 257–309.

Meierott L., Fleischmann A., Klotz J., Ruff M. & W. Lippert (2024): Flora von Bayern – Haupt Verlag, Bern, 4 Bände.

Pils P. (1980): Virtual Herbaria JACQ – Liriodendron tulipifera  – https://herbarium.univie.ac.at

Pilsl P., Schröck C., Kaiser R., Gewolf S., Nowotny G. & Stöhr O. (2008): Neophytenflora der Stadt Salzburg (Österreich). – Sauteria 17: 1–596.

Pilsl P. & Pflugbeil G. (2012): Nachträge zur Neophytenflora der Stadt Salzburg, I - Mitt. Haus der Natur 20: 5 – 15.

Sumser H., Falk G., Wieland J., Jagel A. & Bomble W. (2015): Atlas einer zweijährigen Erhebung zur Flora von Köln (2013-2015) - Bund für Umwelt und Naturschutz Köln, 206 S.

Verloove F. (2021): Manual of the Alien Plants of Belgium –  http://alienplantsbelgium.be

Vitek E., W. Adler & A. Mrkvicka (2021): Neues von der Flora Wiens – Neilreichia 12: 219-290.

Waldwissen (2021): Kurzportrait Tulpenbaum - Kurzportrait Tulpenbaum (Liriodendron tulipifera) (waldwissen.net)

Ziegler S. (2010): Neue Fundorte – Bestätigungen – Verluste (668–808) – Ber. d. Botan. Arbeitsgem. Südwestdeutschland 6: 95–116.