Liquidambar

Amberbaum, Amberbaumgewächs, Altingiaceae

Gattung:

Liquidambar umfasst etwa 15 Arten (Kew 2023) in Südostasien, Südwest-Asien und Nordamerika. Mannigfaltigkeitszentrum ist Vietnam und Südchina.
 

Liquidambar styraciflua 

Amerikanischer Amberbaum,
Liquidambar styraciflua 
Amberbaumgewächs, Altingiaceae

 

Steckbrief:

8–20 m hoher, sommergrüner Baum mit durchgehendem Stamm und tief längsrissiger Borke. Zweige oft mit unregelmäßigen Korkleisten. Blattspreiten 8–15 cm lang, 5-lappig mit länglich-dreieckigen Blattlappen, oberseits glänzend dunkelgrün, fein gesägt. Beim Zerreiben der Blätter verströmen diese einen angenehmen süßlichen Duft. Herbstfärbung leuchtendrot bis dunkelpurpurn. Blüten unscheinbar, einhäusig. Fruchtstände aus stacheligen, 3–3,5 cm dicken Kapselfrüchten. Blütezeit April bis Mai.
 

Nutzung:

Ziergehölz, in zahlreichen Sorten wie `Gum Ball´ (1965) oder `Stella´ (2001). Die Art ist wärmeliebend, in der Jugend frostempfindlich und verlangt einen offenen Wurzelraum (Bruns 2009), andererseits auch hitzeertragend, trockenheitstolerant, überschwemmungsfest und robust gegenüber Abgasen und wird daher auch zunehmend im innerstädtischen Bereich gepflanzt.
Bei Verwundung tritt am Baum ein Harz aus, das früher in den USA zur Kaugummiherstellung genutzt wurde – daher stammt die gängige Bezeichnung „American Sweetgum“. Es wird auch zur Parfümierung von Seifen und Kosmetika, Tabak und Parfums und zur Herstellung von Klebstoffen verwendet (Baumkunde 2022).

 

Ausbreitung:

Beheimatet in Nordamerika von New York bis Nicaragua. 1681 durch John Banister (1654−1692), dem von Bischof Compton ausgeschickten Missionssammler, in Europa eingeführt und in den Palastgärten von Fulham in London kultiviert (Bärtels & Schmidt 2014). Fortan aufgrund seiner prächtigen Herbstfärbung und der mit Korkleisten versehenen Äste häufig als Zierbaum genutzt. Bisher subspontan im Gebiet erst äußerst selten auftretend. Eine zukünftig verstärkte Verwilderung ist wahrscheinlich, ähnlich wie in den Niederlanden, wo bis 2018 bereits 39 solcher Fundorte bekannt sind (Floron 2018).
 
DEUTSCHLAND: 
2010 am Tempelhofer Parkfriedhof in Berlin (Katz in: Breitfeld & al. 2021), 2016 in der Achimer Straße in Bremen (Feder in: Breitfeld & al. 2021), in der Katharinastraße und in der Nordstraße in Bochum, seit 2013 bei der Schwimmoper Paderborn und am Rheinufer bei Godesberg in Nordrhein-Westfalen (BBV 2010, Junghans 2014, Junghans 2016, Gorissen 2015). Die Art wird in der deutschen Florenliste (Hand & Thieme 2023) nicht geführt.
SCHWEIZ:
Fundpunktangaben in den Kantonen Basel-Stadt, Bern, Freiburg, Genf, Tessin, Waadt, Zug und Zürich (Infoflora 2024), allerdings mit dem Indigenat-Vermerk: Kultivierte Pflanze ohne Tendenz zur Verwilderung (Infoflora 2024).  

 
ANDERE LÄNDER:
Subspontan u.a. auch in Belgien (Verloove 2021), den Niederlanden (FLORON 2021) und in Italien (Galasso & al. 2024).

 

Quellen

Bärtels A. & Schmidt P. A. (2014): Enzyklopädie der Gartengehölze – Ulmer-Verlag Stuttgart, 883 S.

Baumkunde (2022): Amerikanischer Amberbaum (Liquidambar styraciflua) - Amerikanischer Amberbaum Details - Baumbestimmung, Laubhölzer bestimmen (Liquidambar styraciflua) (baumkunde.de)

BBV-Bochumer Botanischer Verein (2010): Bemerkenswerte Pflanzenvorkommen in Bochum (Nordrhein-Westfalen) und Umgebung im Jahr 2010 - Jahrb. Bochumer Bot. Ver.2: 144–182.

Breitfeld M., Hertel E. & Baumann A. (2021): Flora Adventiva – Eine Zusammenstellung der in Deutschland nachgewiesenen Pflanzen, welche nicht in den Bestimmungswerken erwähnt werden; Markneukirchen, 677 S.

Bruns J. (2009): Bruns Pflanzen – Sortimentskatalog Gehölze 2009/2010 – Ulmer Verlag, 1123 S.

FLORON (2021): Floron Verspreidingsatlas Vaatplanten – www.verspreidingsatlas.nl

Galasso G., F. Conti, L. Peruzzi, A. Alessandrini, N. M. G. Ardenghi, G. Bacchetta, E. Banfi, G. Barberis, L. Bernardo, D. Bouvet, M. Bovio, M. Castello, L. Cecchi, E. Del Guacchio, G. Domina, S. Fascetti, L. Gallo, R. Guarino, L. Gubellini A. Guiggi, N. Hofmann, M. Iberite , P. Jiménez-Mejíase, D. Longo, D. Marchetti, F. Martini, R. R. Masin, P. Medagli, C. M. Musarella , S. Peccenini, L. Podda, F. Prosser, F. Roma-Marzio, L. Rosati, A. Santangelo, A. Scoppola, A. Selvaggi, F. Selvi, A. Soldano, A. Stinca, R. P. Wagensommer, T. Wilhalm & F. Bartolucci (2024): A second update to the checklist of the vascular flora alien to Italy – Plant Biosystems 158: 297-340.



Gorissen I. (2015): Flora der Region Bonn (Stadt Bonn und Rhein-Sieg-Kreis) – Decheniana-Beiheft 40. Bonn, 605 Seiten.

Hand R. & Thieme M. (2023): Florenliste von Deutschland (Gefäßpflanzen), begründet von Karl Peter Buttler. https://www.kp-buttler.de/florenliste/index.htm

Infoflora (2024): Das nationale Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora – https://www.infoflora.ch/de/

Junghans T. (2014): Verwilderungs- und Etablierungstendenzen einiger neophytischer Ziergehölze im Raum Paderborn. – Natur u. Heimat (Münster) 74: 141–148.

Junghans T. (2016): Flora und Vegetation der Bahnanlagen im Raum Paderborn. – Natur u. Heimat (Münster) 76(4): 155 – 168.

Kew (2023): Kew science – Plants of the World Online - Plants of the World Online | Kew Science

Verloove F. (2021): Manual of the Alien Plants of Belgium –  http://alienplantsbelgium.be