Lindernia

Büchsenkraut, Büchsenkrautgewächs, Linderniaceae

Gattung:

Lindernia umfasst etwa 65 Arten (Kew 2023) und ist in den größten Teilen der Erde verbreitet.
 

Lindernia dubia 

Großes Büchsenkraut,
Lindernia dubia 
Büchsenkrautgewächs, Linderniaceae
 

Steckbrief:

Bis 30 cm hohe Einjährige mit meist aufrechten Stängeln. Blätter ei-lanzettlich, 5-nervig, bis 3 cm lang, mindestens die oberen entfernt gezähnt, kahl. Blütenstiel kürzer als das Tragblatt. Blüten meist normal entwickelt, Krone 7–10 mm lang, weißlich, Unterlippe am Rand violett, offen. Nur 2 der 4 Staubblätter mit Staubbeuteln. Griffel 2,5–3,5 mm lang. Blütezeit Juli bis September.
Verwechslungsmöglichkeit: Das heimische Echte Büchsenkraut, Lindernia procumbens, hat meist kleistogame Blüten, Blütenstiele, die länger als die Tragblätter sind und dreinervige Blätter, bei denen auch die oberen ganzrandig sind.
 

Name:

Gattung und Familie sind zu Ehren des deutschen Botanikers und Arztes Franz Balthasar von Lindern (1682–1755) benannt, einem Erforscher der Flora des Elsasses und Direktor des Botanischen Gartens in Straßburg. Lindern bildete Lindernia procumbens, die einzige in Europa heimische Art der Gattung, erstmals ab und beschrieb sie (Lindern 1747).
 

Nutzung:

Selten als Aquarienpflanze.
 

Ausbreitung: 

Mitte des 19. Jahrhunderts aus ihrer nordamerikanischen Heimat nach Frankreich gekommen und hat sich hier allmählich eingebürgert, so etwa in den Flussgebieten der Loire, Maine, Sévre und Mayenne. Lindernia dubia breitet sich auf dem Wasserweg aus und wird durch Boote, Fahrzeuge und Vögel verschleppt. Zumindest der Großteil der Vorkommen im Gebiet, wenn nicht alle, dürften auf Verschleppung zurückgehen, auch deswegen, weil die Art erst in neuerer Zeit als Aquarienpflanze genutzt wird. Breitet sich gegenwärtig im Gebiet aus.
Einen Nachweis von Lindernia dubia in Deutschland veröffentlichte zuerst Jage (1964), der die Art 1963 am Rand eines Elbe-Altwassers bei Wittenberg fand, fast 180 Jahre nach dem Erstnachweis von Lindernia procumbens ebenfalls bei Wittenberg durch Schkuhr. Vor allem entlang der Elbe hat sich das Große Büchsenkraut seitdem stark ausgebreitet (Raabe 2021).
 
DEUTSCHLAND:
In Bayern in den Donauauen von Wörth bis nahe Vilshofen in Ausbreitung begriffen (Meierott & al. 2024), ebenso am unteren Inn mit Etablierungstendenzen. Genauer im Jahr 2000 am Ufer eines alten Baggersees bei Altendorf nahe Bamberg, 2007 bis zumindest 2021 an der Uferlinie eines renaturierten Grabens bei Untertraubenbach, 2020 bei Aholfing, 2020 Donau-Altwasserbucht Sophienhof, 2022 im Pillmoos bei Straubing, 2020 Sommersdorfer Donau-Altarm, 2018 Donau-Altwasserbucht Pleinting, 2006 bei Pittrich an der Donau, 2007 im Regental bei Cham und 2018 am Inn bei Ering nachgewiesen (Hetzel 2006, Scheuerer 2006, Scheurer & Margraf 2007, Lippert & Meierott 2014, Hohla 2018, Meierott & al. 2024). Am Elbufer bei Wittenberge in Brandenburg (Kallen 1993, Fischer 2017), Lohfelden in Hessen (Baumgärtl 2004, Buttler 2009), in Mecklenburg-Vorpommern seit 1963 elbaufwärts bekannt (Fukarek & Henker 2005), Tespe, 2018 zwischen Schnackendorf und Walmsburg, Pevestorf und Tiesmesland in Niedersachsen (Feder 2022, Feder 2012, Kelm 2015), Emmericher Waard im Kreis Kleve, Bad-Honnef, Köln-Porz-Langel, Bonn-Beuel und 2022 am Rheinufer in Meerbusch-Nierst in Nordrhein-Westfalen (BBV 2021, BBV 2023), Rheinland-Pfalz (Kosack 2019, Hand & Thieme 2023), 2013 an beiden Ufern der Schöps bei Kringelsdorf in Sachsen (Otto & al. 2014, Gutte 2015), im Bereich von Torgau bis Wittenberg in Sachsen und bei Magdeburg in Sachsen-Anhalt (Hartl & Wagenitz 1975, Brandes 2007) und in Schleswig-Holstein (Hand & Thieme 2023).
ÖSTERREICH:
Fischteiche bei Güssing im Süd-Burgenland (Raabe 2019), 2018 Schönau an der Donau und 2018 Witzelsdorf in Niederösterreich (Barta & Bauer 2019) und Schacherteiche bei Kremsmünster in Oberösterreich (Lugmair 2021, Hohla 2018). Der Erstnachweis für Österreich erfolgte 2013 (Glaser & al. 2025), wenngleich diese Pflanzen anfänglich als L. procumbens bestimmt wurden (Raabe 2019).
SCHWEIZ: 
Mehrfach in der Magadinoebene des Tessins (Infoflora 2024).

 
ANDERE LÄNDER:
Subspontan u.a. auch seit 1993 in Belgien (Seebens & al. 2017, Verloove 2021), in den Niederlanden (FLORON 2021), seit 1990 in Slowenien (Seebens & al. 2017), seit 1998 in Rumänien (Seebens & al. 2017) und seit 1989 in Tschechien (Pyšek & al. 2012).

 

Quellen

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BBV-Bochumer Botanischer Verein (2021): Beiträge zur Flora Nordrhein-Westfalens aus dem Jahr 2020 - Jahrb. Bochumer Bot. Ver. 12: 199-278.

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