Limonium

Strandflieder, Bleiwurzgewächs, Plumbaginaceae

Gattung:

Limonium umfasst etwa 603 Arten (Kew 2023) und ist fast weltweit verbreitet. Das Mannigfaltigkeitszentrum erstreckt sich vom Mittelmeergebiet bis Zentralasien.
 

Limonium gmelini 

Steppenschleier-Strandflieder,
Limonium gmelini 
Bleiwurzgewächs, Plumbaginaceae

 

Steckbrief:

20–60 cm hohe, krautige, reich verzweigte Mehrjährige mit kahlen Stängeln und Blättern. Blätter grundständig, ganzrandig, 10–25 cm lang, 2–5 cm breit. Teilblütenstände kurz und gedrängt, an kurzen Seitenästen. Krone lila, mit 5 Kronzipfeln und 5 Staubblättern. Kelch zumindest an den inneren Nerven lang behaart, Kelchzipfel stumpf. Blütezeit Juli bis September.
Verwechslungsmöglichkeit: Gerbers Strandflieder, Limonium platyphyllum, hat zerstreut sternhaarige Blattunterseiten und 25–60 cm lange, 7–15 cm breite Blattspreiten.
 

Name:

Benannt zu Ehren des deutschen Botanikers und Sibirienforschers Johann Georg Gmelin (1709−1755). Mit 22 Jahren erhielt Gmelin den Professortitel für Naturgeschichte und Chemie. Er war im Auftrag der Zarin Anna Iwanowna Teilnehmer der 10 Jahre dauernden „Großen Nordischen Expedition“. Mit auf dieser beschwerlichen, aber beeindruckenden Reise in Sibirien waren u.a. zwei Maler, zwei Jäger, zwei Bergsteiger, vier Landvermesser, ein Offizier, zwölf Soldaten, ein Trommler und eine Pallas-Eule in einem Pinienstamm. Die Vernichtung des größten Teils seiner Aufzeichnungen durch einen Brand und Schwierigkeiten mit lokalen Behörden veranlassten Gmelin zum Verzicht auf die ursprünglich vorgesehene Weiterreise nach Kamtschatka, wo er sich der See-Expedition unter Vitus Bering hätte anschließen sollen. Außer einem umfangreichen Herbar legte Gmelin zoologische Sammlungen an, führte Höhenmessungen und Temperaturbeobachtungen durch, untersuchte Bergwerke und Mineralquellen und machte geographische und völkerkundliche Beobachtungen. Gmelin verfasste nach dieser Expedition seine großartige „Flora Sibirica“, wobei Band 3 und 4 posthum sein Neffe herausbrachte. Von Gmelins vielseitigem Wissen zeugen unter anderem Arbeiten über Aschenbestandteile der Pflanzen, Farbstoffgewinnung, Wirkungsweise von Drogen, Abhandlungen über Vulkane, Ammoniten, das Mammut, Wärmeverhältnisse des Wassers, die wissenschaftliche Beschreibung neuer Tierarten und die Erkennung der Pelorie als Blütenmissbildung. Neben mehreren Pflanzenarten tragt auch die Lippenblütler-Gattung Gmelina seinen Namen.  
 

Nutzung:

Selten als Gartenzierstaude und für die Floristik.
 
 

Ausbreitung:

Beheimatet in den Steppengebieten Osteuropas bis Zentralasiens. Seit spätestens dem Jahr 1791 in Gartenkultur befindlich (Jäger & al. 2008). Die salztolerante Art ist zurzeit im Begriff, sich an Autobahnen und Schnellstraßen des Gebiets auszubreiten.
DEUTSCHLAND: 
2017 an der A3 bei Regensburg und südlich von Altdorf bei Nürnberg in Bayern (Hohla & Kiraly 2018, Meierott & al. 2024), an der B9 bei Nackenheim südlich von Mainz und zwischen Mainz und Finthen an der L419 in Rheinland-Pfalz (Hanselmann 2017).
ÖSTERREICH:
2024 an der Autobahnauffahrt zur A3 bei Wulkaprodersdorf im Burgenland (Hohla & Kiràly 2024), in Niederösterreich auf der Westautobahn A1 bei der Ausfahrt St. Valentin und auf der Außenring-Autobahn A21 bei Hinterbrühl auf dem Mittelstreifen (Hohla & al. 2019) und 2022 an der Badner Bahn bei Wienersdorf nahe Traiskirchen in Niederösterreich (Sauberer & al. 2025)
an der oberösterreichischen Innkreis-Autobahn A8 bei Pram, an der Welser Autobahn A25 bei der Abfahrt Wels-Nord (Hohla & al. 2015, Hohla & al. 2019) und an der A9 nördlich von Graz bei Friesach in der Steiermark (Hohla 2018). Der Erstnachweis für Österreich erfolgte 2015 (Glaser & al. 2025).
SCHWEIZ: ---

 
 
Weitere Arten:

Limonium articulatum

Der Gegliederte Strandflieder, Limonium articulatum, ist auf Korsika und Nordsardinien beheimatet und wird im Gebiet 1880 für den Mannheimer Hafen in Baden-Württemberg angegeben (Zimmermann 1910). Die Art ist in der deutschen Florenliste (Hand & Thieme 2023) nicht angeführt.
 

Limonium binervosum

An den Küsten Westeuropas und Marokkos, nördlich bis England reichend, ist der Felsen-Strandflieder, Limonium binervosum, beheimatet. Er hat sich auf Helgoland in Schleswig-Holstein etabliert (Garve & Kuhbier 2016). So waren es 2013 vier Exemplare an der Westklippe, 2017 etwa 400 Pflanzen und 2020 dort bereits aspektbildend (Theisinger & Hebbel 2022). Auch auf Ameland in den Niederlanden subspontan (Dirkse & Krol 2016, FLORON 2021). Möglicherweise handelt es sich um eine natürliche Erweiterung des Verbreitungsgebiets.
 

Limonium bonduellei

In Nordafrika und Spanien ist der gelb blühende Nordafrikanische Strandflieder, Limonium bonduellei, beheimatet. Die Art ist seit spätestens 1859 in gärtnerischer Kultur (Jäger & al. 2008) und nach M. Bonduelle, Chirurg der französischen Armee, benannt, der sie in Algerien entdeckte. Bonduelles Strandflieder wird selten als Zierpflanze genutzt und wird 1963 verwildert für einen aufgelassenen Vorgarten in Eggenburg in Niederösterreich angegeben (Fischer 1963). Die Art wird in der aktuellen Neophytenliste von Niederösterreich (Glaser & al. 2025) nicht geführt. Subspontan u.a. auch in Norwegen (Gederaas & al. 2012) und Großbritannien (Clement & Foster 1994).
 

Limonium companyonis

In Frankreich ist der Companyo-Strandflieder, Limonium companyonis, beheimatet. Er wird 1901 verschleppt für den Mannheimer Hafen in Baden-Württemberg (Zimmermann 1910) angegeben. Die Art ist in der deutschen Florenliste (Hand & Thieme 2023) nicht angeführt.
 

Limonium lobatum

Der Thouin-Strandflieder, Limonium lobatum (Syn.: L. thouinii), ist im Mittelmeergebiet, östlich bis in den Iran reichend, beheimatet. Im Gebiet ehemals verschleppt 1894 im Mannheimer Hafen in Baden-Württemberg (Zimmermann 1910, Hegi 1975, Hand & Thieme 2023 sub L. thouinii) angegeben. Subspontan in Norwegen (Gederaas & al. 2012). Das Synonym ist zu Ehren von André Thouin (1747−1824) benannt. Thouin war französischer Gärtner, Botaniker und Professor für Gartenkultur. Er übernahm schon mit 17 Jahren die Leitung des Jardin du Roi anstelle seines verstorbenen Vaters, nahm dann an der Französischen Revolution teil und inventarisierte die enteigneten Gärten des Adels in der Region (Burkhardt 2018).
 

Limonium platyphyllum

Osteuropäisch-westasiatischer Herkunft ist der als Gartenzierstaude genutzte Gerber-Strandflieder, Limonium platyphyllum (Syn.: L. gerberi, L. latifolium). Die Art findet sich seit spätestens 1791 in gärtnerischer Kultur (Jäger & al. 2008), auch in wenigen Sorten wie `Blauschleier´ oder `Violetta´. Vereinzelt subspontan auftretend, so 2017 im Mühlauhafen Mannheim in Baden-Württemberg (Junghans 2017 sub L. latifolium), 2007 in der Dürrseestraße in Bamberg, 2000 auf einer Straßenböschung bei Cadolzburg und 2005 auf einer Ruderalfläche bei Obertraubling im Landkreis Regensburg in Bayern (Meierott & al. 2024 sub L. gerberi, Schuhwerk & Erben 2005), bei Kassel in Hessen (Kasparek 2009), Braunschweig in Niedersachsen (Brandes 2016), in Nordrhein-Westfalen (Hassler & Muer 2022) und an mehreren Stellen entlang der Autobahn A65 im Gebiet um Landau bereits eingebürgert, vorübergehend auch bei Alzey in Rheinland-Pfalz (Röller & Lang 2004) und in Schleswig-Holstein (Hand & Thieme 2023). Subspontan u.a. auch in Belgien (Verloove 2021), den Niederlanden (FLORON 2021) und in Großbritannien (Clement & Foster 1994).
 
Der deutsche Name und das Synonym sind zu Ehren des deutsch-russischen (Militär-)Arztes und Botanikers Traugott Gerber (1710−1743) benannt. Gerber praktizierte als Arzt in Moskau und leitete dort den Apothekergarten, unternahm Forschungsreisen in Russland und ging 1742 mit der russischen Armee nach Finnland, wo er in jungen Jahren starb (Burkhardt 2018).
 

Limonium sinuatum

Der mediterran-nordwestafrikanische, seit etwa dem Jahr 1600 in Gartenkultur befindliche Geflügelte Strandflieder, Limonium sinuatum, wird im Gebiet für Trockensträuße kultiviert und tritt als Bestandteil von Blumenwiesenansaaten vorübergehend verschleppt auf. 
So angegeben 1894 und 1897 im Mannheimer Hafen in Baden-Württemberg (Zimmermann 1910, Hegi 1975), 1987 und 1991 bei Holzhausen und bei Rothausen in Bayern (Lippert & Meierott 2018, Hohla & Kiraly 2018). Die Art wird in den „Farn- und Blütenpflanzen Baden-Württembergs“ (Sebald & al. 1996) nicht geführt. In Österreich in Neusiedl am See im Burgenland (Gilli & al. 2022) und Graz in der Steiermark (Walter & al. 2002). Der Erstnachweis für Österreich erfolgte 1963 (Glaser & al. 2025)
Subspontan u.a. auch in Belgien (Verloove 2021), Norwegen (Gederaas & al. 2012), den Niederlanden (FLORON 2021) und in Großbritannien (Clement & Foster 1994).
 

Quellen

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Burkhardt L. (2018): Verzeichnis eponymischer Pflanzennamen Teil 1 -https://www.bgbm.org/sites/default/files/
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Clement E. J. & Foster M. C. (1994): Alien plants oft he British Isles – London: Botanical Society of the British Isles. 591 p.

Dirkse G. M. & Krol J. (2016): Kliflamsoor (Limonium binervosum (G. E. Smith) C. E. Salmon op Ameland, een nieuwe kwelderplant in Nederland. – Gorteria 38: 25 – 27.

Fischer F. (1963): Herbarbelege - http://www.zobodat.at/bilder/belege/00022409.jpg

FLORON (2021): Floron Verspreidingsatlas Vaatplanten – www.verspreidingsatlas.nl

Garve E. & Kuhbier H. (2016): Floristische Überraschungen auf Helgoland – Florist. Rundbriefe 50: 72−83.

Gederaas L., Loennechen Moen T., Skjelseth S. & Larsen L.-K. (2012): Alien species in Norway, with the Norwegian Black List - http://www.scales-project.net/NPDOCS/
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