Lilium

Lilie, Liliengewächs, Liliaceae

Gattung:

Lilium umfasst etwa 115 Arten (Kew 2023) der nördlichen Erdhalbkugel mit Mannigfaltigkeitszentrum in China mit etwa 55 Arten.
 

Lilium candidum 

Madonnen-Lilie,
Lilium candidum  
Liliengewächs, Liliaceae

 

Steckbrief:

Bis etwa 120 cm hohe Staude mit unterirdischer Zwiebel als Überdauerungsorgan. Blätter lanzettlich, spiralförmig um den Stängel angeordnet. Blüten verströmen abends und nachts einen intensiven Duft, um Nachtfalter anzulocken. Blütentrauben bis 15-blütig, Perigon reinweiß. Früchte grünlich, rund-zylindrisch. Blütezeit Juni bis Juli.
 
 

Heimat:

Libanon und Nord-Galiläa. Nur wenige Standorte der Madonnen-Lilie gelten als originär wild, die Mehrzahl aller Vorkommen sind durch die lange Kultur im Mittelmeerraum naturalisierter Herkunft.
 

Nutzung:

Zierstaude. Hybriden mit Lilium chalcedonicum werden Isabell-Lilien, Lilium ×testaceum genannt und sind bereits seit 1836 bekannt. Es folgten Hybriden mit L. monadelphum, L. cernuum und mit asiatischen Arten (Jäger & al. 2008).
Lilien haben vor allem als Schnittblumen Bedeutung, wobei bei den heute etwa 13.000 Sorten vor allem Hybriden und Kultivare genutzt werden. Lediglich bei Lilium candidum und L. longiflorum haben auch die reinen Arten gärtnerisch eine gewisse Bedeutung. Aus den Blüten wird ein ätherisches Öl für die Parfümherstellung gewonnen (Mansfeld 1986). Lilien galten bis ins Mittelalter als heidnische Pflanzen, bis sie durch den hebräischen Namen „Shushan“ für Lilie künstlich mit der biblischen Gestalt „Susanna“ in Verbindung gebracht wurden und heute als „Madonnen-Lilie“ gar typische Christenpflanzen sind.
 

 

Ausbreitung:

Bereits in der Mitte des zweiten Jahrtausends v.Chr. wurde die Madonnen-Lilie in Kleinasien in Kultur genommen, was sie zu einer der ältesten kultivierten Zierpflanzen macht. Abbildungen von Madonnen-Lilien finden sich etwa auf Vasen aus Santorin aus der Zeit um 1500 v. Chr. und auf Säulenkapitelle vieler alter Kulturen, so in Ägypten und bei den Minoern. In Frankreich wird sie erstmalig um 1175 erwähnt. Möglichweise wurde sie erst durch die Kreuzfahrer nach Mitteleuropa gebracht (Düll & Kutzelnigg 2022). Früher wurde die Madonnen-Lilie als Zierpflanze in Mitteleuropa häufiger kultiviert als heute. Sie bildet in Mitteleuropa keine Samen (Jelitto & al. 1990) und findet sich hier sehr selten, beispielsweise über Gartenabfälle verschleppt, subspontan.
DEUTSCHLAND:
2004 in einem Gebüsch am Straßenrand bei Ziegelanger, 1995 bei Schwebheim, Schweinfurt, Haßfurt und 1997 Unterspiesheim in Bayern (Meierott 2008, Lippert & Meierott 2021, Meierott & al. 2024), in Mecklenburg-Vorpommern (Hand & Thieme 2023), im Rheintal bei Leutesdorf in Rheinland-Pfalz (Hoffmann 2003), in einer Kiesgrube südlich Hochberg und östlich der Neu-Königsaue bei Aschersleben in Sachsen-Anhalt (Herdam 1994, Herdam 1995) und 1991 auf der Schillerhöhe bei Heldburg in Thüringen (Meierott 2008).
ÖSTERREICH:
2020 in Tribuswinkel in Niederösterreich (Sauberer & al. 2025), ehemals in Oberösterreich (Sailer 1844, Hohla & al. 2009) und im Laaer Wald in Wien (Adler & Mrkvicka 2003). Der Erstnachweis für Österreich erfolgte 1844 (Glaser & al. 2025). In Südtirol ehemals bei Bozen (Naturmuseum Südtirol 2018).
SCHWEIZ: ---
ANDERE LÄNDER:
Subspontan u.a. auch in Norwegen (Gederaas & al. 2012), Tschechien (Pyšek & al. 2012) und 1977 in der Slowakei (Medvecká & al. 2012).

 
 
Weitere Arten:

Lilium ×hollandicum

Bei der Holland-Lilie, Lilium ×hollandicum, handelt es sich um einen Hybridschwarm aus der Lilium ×elegans-Hybridgruppe und der L. bulbiferum-Hybridgruppe. Arten wie L. bulbiferum, L. bulbiferum subsp. croceum, L. dauricum, L. maculatum und L. buchenavii sind an der Entstehung beteiligt. 
Die Holland-Lilie wird gerne in Gärten, Schnittblumenfeldern und Blumenäckern zum Selberpflücken kultiviert und findet sich sehr vereinzelt mit Erdreich oder Gartenausr hub verschleppt, so für Niedersachsen (Hand & Thieme 2023) angegeben.
 

Lilium lancifolium

In China, Korea, Japan und einem Teil des Amurgebiets ist die Tiger-Lilie, Lilium lancifolium (Syn.: L. tigrinum) beheimatet, die in Europa seit spätestens 1804 als Zierpflanze kultiviert wird (Jäger & al. 2008). Die diploide Wildform vermehrt sich über Samen und Achselbulben, die in Kultur befindlichen Tiger-Lilien sind fast ausschließlich polyploid und daher steril, ihre Vermehrung erfolgt über Achselbulben. `Splendens´ ist eine triploide, weit verbreitete Sorte (Jelitto & al. 1990). Hybriden u.a. mit L. leichtlinii, L. bulbiferum und L. maculatum finden sich im Pflanzenhandel (Jäger & al. 2008).
In Ostasien werden ihre Zwiebeln als Gemüse und die getrockneten Blüten als Suppenwürze genutzt (Mansfeld 1986)
Im Gebiet selten verwildert bzw. verschleppt, so am Weißensee in Kärnten (Hartl & al. 1992, Glaser & al. 2025), ehemals im Semmeringgebiet in Niederösterreich (Janchen 1977, Glaser & al. 2025), ehemals im Hochschwabgebiet in der Steiermark (Janchen 1956-1960, Glaser & al. 2025) und über mehrere Jahre bei Mittewald im oberen Drautal in Osttirol (Essl & Rabitsch 2002, Stöhr 2011). Der Erstnachweis für Österreich erfolgte 1960 (Glaser & al. 2025). Subspontan u.a. auch in Norwegen (Gederaas & al. 2012).
 

Quellen

Adler W. & Mrkvicka Ch. (2003): Nachträge zur „Flora Wiens“ (I) – Neilreichia 2-3: 99–106.

Düll R. & H. Kutzelnigg (2022): Die Wild- und Nutzpflanzen Deutschlands. 9. erw. Aufl. – Wiebelsheim. 948 S.

Essl F. & Rabitsch W. (2002): Neobiota in Österreich. – Wien, Umweltbundesamt; 432 S.

Gederaas L., Loennechen Moen T., Skjelseth S. & Larsen L.-K. (2012): Alien species in Norway, with the Norwegian Black List - http://www.scales-project.net/NPDOCS/
AlienSpeciesNorway_2012_scr_9C0ee.pdf

Glaser M., C. Gilli, N. Griebl, M. Hohla, G. Pflugbeil, O. Stöhr, P. Pilsl, L. Ehrendorfer-Schratt, H. Niklfeld & F. Essl (2025): Checklist of Austrian neophytes (2nd edition) – Preslia 97: 413−539.


Hand R. & Thieme M. (2023): Florenliste von Deutschland (Gefäßpflanzen), begründet von Karl Peter Buttler. https://www.kp-buttler.de/florenliste/index.htm

Hartl H., Kniely G., Leute G.H., Niklfeld H. & M. Perko (1992): Verbreitungsatlas der Farn- und Blütenpflanzen Kärntens. — Klagenfurt, 451 S.

Herdam H. (1994): Neufunde und Nachträge zur „Neuen Flora von Halberstadt“ – 2. Mitteilungen. Abhandlungen und Berichte des Museums Heineanum 2: 1-71.

Herdam H. (1995): Neue Flora von Halberstadt. 2. Auflage, Quedlinburg. 385 S.

Hoffmann H. (2003): Archäophyten, Neophyten, unbeständige und häufig kultivierte Pflanzenarten im nördlichen Rheinland-Pfalz. – Decheniana 156: 217–243.

Hohla M., Stöhr O., Brandstätter G., Danner J., Diewald W., Essl F., Fiederer H., Grims F., Höglinger F., Kleesadl G., Kraml A.G., Lenglachner F., Lugmair A., Nadler K., Niklfeld H., Schmalzer A., Schratt-Ehrendorfer L., Schröck C., Strauch M. & Wittmann H. (2009): Katalog und Rote Liste der Gefäßpflanzen Oberösterreichs. – Stapfia 91: 1–324.



Jäger E. J., Ebel F., Hanelt P. & Müller G. K. (2008): In: Rothmaler, Exkursionsflora von Deutschland, Band 5, Krautige Zier- und Nutzpflanzen. Spektrum, 874 S.

Janchen E. (1956–1960): Catalogus Florae Austriae, mit 3 Ergänzungsheften, Springer, Wien.

Janchen E. (1977): Flora von Wien Niederösterreich und Nordburgenland. — Verein für Landeskunde von Niederösterreich und Wien 2. Aufl. 757 S.

Jelitto L., Schacht W. & Feßler A. (1990): Die Freiland-Schmuckstauden – Ulmer Verlag Stuttgart, 4. Aufl. 683 S.

Kew (2023): Kew science – Plants of the World Online - Plants of the World Online | Kew Science

Mansfeld R. (1986): Verzeichnis landwirtschaftlicher und gärtnerischer Kulturpflanzen - Band 3, 569 Seiten, Springer-Verlag.

Medvecká J., Kliment J., Májeková J., Halada Ľ., Zaliberová M., Gojdičová E., Feráková V. & Jarolímek J. (2012): Inventory of the alien flora of Slovakia. – Preslia 84: 257–309.

Meierott L. (2008): Flora der Haßberge und des Grabfeldes – Neue Flora von Schweifurt. 2 Bände, IHW-Verlag, Eching.

Meierott L., Fleischmann A., Klotz J., Ruff M. & W. Lippert (2024): Flora von Bayern – Haupt Verlag, Bern, 4 Bände.

Naturmuseum Südtirol (2018): http://www.florafauna.it/index.jsp?project=florafauna&view=BOT&locale=de

Pyšek P., Danihelka J., Sádlo J., Chrtek J. jr., Chytrý M., Jarošík V., Kaplan Z., Krahulec F., Moravcová L., Pergl J., Štajerová K. & Tichý L. (2012): Catalogue of alien plants of the Czech Re­public (2nd edition): checklist update, taxonomic diversity and invasion patterns. – Preslia 84: 155–255.

Sailer J.F. (1844): Flora der Linzergegend und des oberen und unteren Mühlviertels in Oberösterreich — Linz.

Sauberer N., Prinz M. A. & Till W. (2025): Nachträge und Korrekturen zur Flora von Traiskirchen (V): Iris orientalis, Nicotiana sylvestris und weitere neue Arten für die Neophytenflora von Österreich und Niederösterreich. Biodiversität und Naturschutz in Ostösterreich - BCBEA 8/2: 102–114.


Stöhr O. (2011): Notizen zur Flora von Osttirol IV – nago Osttirol.www.nago-osttirol.at