Ligustrum

Liguster, Ölbaumgewächs, Oleaceae

Gattung:

Ligustrum umfasst etwa 46 Arten (Kew 2023) in Eurasien, Nordwest-Afrika und Australien mit Mannigfaltigkeitszentrum in Südost-Asien.
 

Ligustrum lucidum 

Glänzender Liguster,
Ligustrum lucidum 
Ölbaumgewächs, Oleaceae

 

Steckbrief:

Bis 8 m hoher, immergrüner Strauch oder Baum mit abstehenden, in der Jugend kahlen Zweigen. Blätter gestielt, Spreite 8–12 cm lang, eiförmig-lanzettlich, an der Basis breit keilförmig, oberseits glänzend dunkelgrün, kahl. Blüten weiß oder cremeweiß, bis zu 500 in 12–20 cm langen und gleich breiten Rispen. Staubblätter so lang bis wenig kürzer als der Kronsaum. Früchte kugelig, purpurschwarz. Blütezeit Juni bis Juli.
 

Nutzung:

Ziergehölz, in wenigen Sorten wie `Excelsum Superbum´ oder `Tricolor´ (um 1900).
 

Ausbreitung:

1794 aus seiner ostasiatischen Heimat nach England gekommen und fortan als Zierpflanze kultiviert, seit 1845 auch in Nordamerika in Kultur. Gegenwärtig im Gebiet ganz vereinzelt verwildert, vor allem im südlichen Tessin. Die Art vermehrt sich sowohl generativ über Früchte, die vor allem von Vögeln verbreitet werden, als auch vegetativ über Wurzelschösslinge.
 
DEUTSCHLAND: 
Für den Frankfurter Osthafen in Hessen angegeben (Lotz 1998). Die Art wird in der deutschen Florenliste (Hand & Thieme 2023) nicht geführt.
ÖSTERREICH: ---
In Südtirol vereinzelt verwildert, so bei Bozen entlang der Talfer zwischen Talferspitz und Talferbrücke und in St. Johann am Aufgang zur Oswaldpromenade (Wilhalm & al. 2004).
SCHWEIZ: 
Vor allem im südlichen Tessin, so bei Morcote und Locarno (Voigt 1926, Infoflora 2024), weiters mit Fundpunkten in den Kantonen Genf, Schaffhausen, Waadt, Wallis und Zürich (Infoflora 2024), wobei es sich hier um kultivierte Pflanzen handeln kann. Die Art wird in der „Flora von Zürich“ (Wohlgemuth & al. 2020) nicht genannt.
ANDERE LÄNDER:
Subspontan u.a. seit 1999 auch in Portugal (Seebens & al. 2017). Lokal invasiv in Argentinien, Mozambique, Südafrika, Australien und den USA (CABI 2024). In Argentinien zeigt Pyracantha angustifolia eine Ammenpflanzen-Wirkung, die das Aufkommen und Überleben von Ligustrum lucidum-Bäumchen verbessert (CABI 2024).

 
Weitere Arten:

Ligustrum ibota

Aus Japan und Korea kommt der Bewimperte Liguster, Ligustrum ibota, der seit spätestens 1860 gärtnerisch genutzt (Bärtels & Schmidt 2014) und selten als Zierpflanze kultiviert wird. 
Eine Sämlingsauslese namens `Musli´ mit gelblichweiß berandeten Blättern wurde in der Schweiz gefunden.
Im Gebiet sehr selten subspontan, so am Rumpelhaldenweg am Käferberg in Zürich (Landolt 2001). Die Art wird in der „Flora von Zürich“ (Wohlgemuth & al. 2020) nicht genannt

Ligustrum obtusifolium

Vom östlichen China bis Japan ist der Stumpfblättrige Liguster, Ligustrum obtusifolium, in drei Unterarten beheimatet. Er wird seit etwa 1860 als Zierstrauch genutzt (Bärtels & Schmidt 2014) und findet sich sehr selten subspontan, so verwildert im Botanischen Garten Berlin-Dahlem (Sukopp 2006). Die Art wird in der deutschen Florenliste (Hand & Thieme 2023) nicht geführt. In Österreich am Zentralfriedhof und Breitenlee in Wien (Adler & Mrkvicka 2003). Der Erstnachweis für Österreich erfolgte 1970 (Glaser & al. 2025).
 

Ligustrum ovalifolium

Der in Japan und Korea beheimatete Eiblättrige Liguster, Ligustrum ovalifolium, wird häufig als Heckenpflanze kultiviert. Die Art ähnelt dem heimischen Echten Liguster, L. vulgare, hat aber 2−3 cm breite (bei L. vulgare 1−2 cm breit), meist wintergrüne Blätter und Kronröhren, die 1,5−3 × so lang wie die Kronzipfel sind (bei L. vulgare ± gleich lang wie die Kronzipfel). 
Der Eiblättrige Liguster kam um 1885 nach Europa (Bärtels & Schmidt 2014). Er ist hitzeverträglich, stadtklimafest, frostempfindlich, schnittverträglich und hat ein hohes Ausschlagvermögen (Bruns 2009). Seine großen, wintergrünen Blätter bieten auch im Winter einen Sichtschutz. Gängige Sorten sind `Argenteum´ (1914) mit weiß gerandeten Blättern und `Aureum´ (1860) mit gelb gerandeten Blättern, meist findet sich aber die einheitlich grünblättrige Form im Pflanzenhandel. 
Der Eiblättrige Liguster kann immer wieder verwildert angetroffen werden, so in Stuttgart in Baden-Württemberg (Böcker & al. 2017), 2010 Güterbahnhof Lindau-Reutin, Wiesenfelden und Staffelbach in Bayern (Meierott 2008, Meierott & al. 2024), Frankfurt in Hessen (Buttler 2009, Gregor & Kasperek 2021), Mecklenburg-Vorpommern (Hand & Thieme 2023), mehrfach im deutschen Ruhrgebiet in Nordrhein-Westfalen, so in Kamen, Weitmar, bei Donrath und in Bonn-Godesberg (Loos 1997, Jagel 2021, Fuchs & al. 2006, Sumser & al. 2015, Gorissen 2015), Rheinland-Pfalz (Hand & Thieme 2023), Saarland (Hand & Thieme 2023), am Karl-Heine-Kanal in Leipzig-Plagwitz in Sachsen (Gutte 2005) und auf Helgoland in Schleswig-Holstein (Theisinger & Hebbel 2022). Der Erstnachweis für Bayern erfolgte nach 1980 (Meierott & al. 2024). In Österreich 2005 in einem Auwald bei Puchenau in Oberösterreich (Hohla & al. 2009), 2016 bei Bad Vigaun im Salzburger Tennengau und 2015 bei St. Leonhard im Salzburger Flachgau (Pflugbeil & al. 2017), 2024 in Köflach in der Steiermark (Stöhr 2025), Dölsach und Debantbach in Osttirol (Stöhr 2018) und Schwarzenbergplatz, Floridsdorf und Breitenlee in Wien (Essl & Rabitsch 2002, Adler & Mrkvicka 2003). Der Erstnachweis für Österreich erfolgte 1960 (Glaser & al. 2025). In der Schweiz Fundangaben u.a. in den Kantonen Aargau, Basel-Landschaft, Bern, Neuenburg, Schwyz, Solothurn, Tessin, Waadt, Wallis und Zürich (Infoflora 2024), wobei das Indigenat der einzelnen Fundpunkte unklar ist. In Zürich bei der Sihlbrücke, Sportanlage Lengg, Triemli und Asp (Landolt 2001), im Kanton Zürich seit dem Jahr 2000 in elf Quadranten vor allem am Zürich-, Greifen- und Pfäffikersee verwildert festgestellt (Wohlgemuth & al. 2020). Subspontan u.a. auch in Belgien (Verloove 2021), Norwegen (Gederaas & al. 2012) und seit 1999 in der Slowakei (Medvecká & al. 2012).
 
 

Quellen

Adler W. & Mrkvicka Ch. (2003): Die Flora von Wien - gestern und heute – Verlag des Naturhistorischen Mus. Wien, 831 S.

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Böcker R., Hofbauer R., Maass I., Smettan H. & Stern F. (2017): Flora Stuttgart; 732 S.

Bruns J. (2009): Bruns Pflanzen – Sortimentskatalog Gehölze 2009/2010 – Ulmer Verlag, 1123 S.

Buttler H.P. (2009): Vermischte Notizen zur Benennung hessischer Pflanzen, Achter Nachtrag zum Namensverzeichnis zur Flora der Farn- und Samenpflanzen Hessens – Botanik und Naturschutz in Hessen 22: 143–163.

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