Legousia

Frauenspiegel, Glockenblumengewächst, Campanulaceae

Gattung:

Legousia umfasst etwa 6 Arten (Kew 2023), die von Makaronesien bis Turkmenistan und zur Arabischen Halbinsel beheimatet sind.
 

Legousia pentagonia 

Fünfkantiger Frauenspiegel,
Legousia pentagonia  
Glockenblumengewächst, Campanulaceae

 

Steckbrief:

Bis 30 cm lange bzw. hohe Einjährige mit spatelförmigen bis breit-lanzettlichen Blättern. Untere Blätter mit verschmälertem Grund gestielt, die oberen sitzend. Blüten violett bis lila, 2−3 cm im Durchmesser, breit glockig, in lockeren Rispen, mit hellem, verwaschenem Zentrum. Kelchzipfel schmal-linealisch, kürzer als die Krone. Blütezeit Mai bis Juni.
Verwechslungsmöglichkeit: Der heimische Echte Frauenspiegel, L. speculum-veneris, hat Blütenkronen, die im Durchmesser 1,5−2 cm messen, intensiv violettfarbene Blüten und eine deutlich abgegrenzte weiße Blütenmitte.
 

Name:

Der Gattungsname ehrt den französischen Gelehrten und Mäzen Bénigne Le Gouz de Gerland (1695–1774). Le Gouz hatte Gefallen an den Geistes- und Naturwissenschaften sowie den Schönen Künsten. 1761 ernannte die Akademie von Dijon ihn zum Ehrenmitglied, worauf er dieser ein Gelände für einen Botanischen Garten zur Verfügung stellte. Weiters vermachte er Dijon sein Naturalienkabinett, seine Ölgemälde und stiftete eine Maler- und Bildhauerschule. Le Gouz verfasste vor allem historische Schriften (Burkhardt 2018).
Der deutsche Name Frauenspiegel geht auf L. speculum-veneris zurück, dessen Samen so glänzend sind wie ein Spiegel.

 

Heimat:

Östliches Mittelmeergebiet und Naher Osten von Griechenland bis zum Iran.
 

Nutzung:

Zierpflanze in Einjährigen-Blumenwiesenmischungen.
 

Ausbreitung:

In Europa seit 1658 in gärtnerischer Kultur (Jäger & al. 2008).
DEUTSCHLAND:
1899 für den Hafen von Mannheim und 1941 für die Kaufmannsche Mühle in Mannheim in Baden-Württemberg angegeben (Hegi 2008, Heine 1952).
ÖSTERREICH: ---
SCHWEIZ:
Ehemals für Basel und Solothurn angegeben (Hegi 2008).
ANDERE LÄNDER:
Subspontan u.a. 1924 auch in Norwegen (Gederaas & al. 2012, Seebens & al. 2017), in den Niederlanden (FLORON 2021), 1882 in Portugal (Seebens & al. 2017) und 2005 in Tschechien (Pyšek & al. 2012).

 
Weitere Art:

Legousia falcata

Der Sichel-Frauenspiegel, Legousia falcata, ist im Mittelmeergebiet und in Südwest-Asien beheimatet.
Im Gebiet angegeben 1941 am Hauptgüterbahnhof Stuttgart in Baden-Württemberg (Böcker & al. 2017), 2020 und 2021 in einem Schutzacker am Morgenbühl bei Loffeld in Bayern, dort aber vermutlich angesalbt (Meierott & al. 2024), 1934 mit Südfrüchten im Güterbahnhof Dortmund in Nordrhein-Westfalen (Bonte 1937, Hegi 2008) und 1936 bei der Großmarkthalle Leipzig in Sachsen (Fiedler 1944, Hassler & Muer 2022).
Die Art zeichnet sich durch besonders lange Kelchzipfel aus.
 

Quellen

Bonte L. (1937): Beiträge zur Adventivflora des rheinisch-westfälischen Industriegebietes 1930-1934 – Decheniana 94: 107-142.

Burkhardt L. (2018): Verzeichnis eponymischer Pflanzennamen Teil 1 - https://www.bgbm.org/sites/default/files/
verzeichnis_eponymischer_pflanzennamen
_2018_teil_1.pdf

Fiedler O. (1944): Die Fremdpflanzen an der Mitteldeutschen Großmarkthalle zu Leipzig und ihre Einschleppung durch Südfruchttransporte 1937-1942 – Hercynia 3 (7/8): 608-660.

FLORON (2021): Floron Verspreidingsatlas Vaatplanten – www.verspreidingsatlas.nl

Gederaas L., Loennechen Moen T., Skjelseth S. & Larsen L.-K. (2012): Alien species in Norway, with the Norwegian Black List - http://www.scales-project.net/NPDOCS/
AlienSpeciesNorway_2012_scr_9C0ee.pdf

Hassler M. & Muer T. (2022): Flora Germanica – Bildatlas der Farn- und Gefäßpflanzen Deutschlands. 2 Bände.

Hegi G. (2008): Illustrierte Flora von Mitteleuropa, Band 6 (Teil 2A). 2.Aufl. – Weißdorn-Verlag Jena.



Heine H. (1952): Beiträge zur Kenntnis der Ruderal- und Adventivflora von Mannheim, Ludwigshafen und Umgebung – Jahresbericht des Vereins für Naturkunde Mannheim 117/118: 85-132.

Jäger E. J., Ebel F., Hanelt P. & Müller G. K. (2008): In Rothmaler, Exkursionsflora von Deutschland, Band 5, Krautige Zier- und Nutzpflanzen. Spektrum, 874 S.

Kew (2023): Kew science – Plants of the World Online - Plants of the World Online | Kew Science

Pyšek P., Danihelka J., Sádlo J., Chrtek J. jr., Chytrý M., Jarošík V., Kaplan Z., Krahulec F., Moravcová L., Pergl J., Štajerová K. & Tichý L. (2012): Catalogue of alien plants of the Czech Re­public (2nd edition): checklist update, taxonomic diversity and invasion patterns. – Preslia 84: 155–255.

Meierott L., Fleischmann A., Klotz J., Ruff M. & W. Lippert (2024): Flora von Bayern – Haupt Verlag, Bern, 4 Bände.

Seebens H., Blackburn T. M., Dyer E. E., Genovesi P., Hulme P. E., Jeschke J. M., Pagad S., Pyšek P., Winter M., Arianoutsou M., Bacher S., Blasius B., Brundu G., Capinha C., Celesti-Grapow L., Dawson W., Dullinger S., Fuentes N., Jäger H., Kartesz J., Kenis M., Kreft H., Kühn I., Lenzner B., Liebhold A., Mosena A. (2017): No saturation in the accumulation of alien species worldwide. Nature Communications 8(2).