Lagenaria

Flaschenkürbis, Kürbisgewächs, Cucurbitaceae

Gattung:

Lagenaria umfasst etwa 6 Arten (Kew 2023), die im tropischen Afrika beheimatet sind. Kultiviert wird davon nur der Flaschenkürbis L. siceraria.
 

Lagenaria siceraria 

Flaschenkürbis,
Lagenaria siceraria  
Kürbisgewächs, Cucurbitaceae
 

Steckbrief:

Bis 10 m lange, einjährige Kletterpflanze mit zweiteiligen Ranken und großen, herzförmigen, bei Verletzung unangenehm riechenden, beidseitig locker behaarten Blättern. Blütenkrone weiß, behaart, Kelch im unteren Teil verwachsen, mit 5 Kelchzähnen. Früchte bis 100 cm lang, vielgestaltig, oft keulenförmig. Blütezeit Juli bis September.
 

Nutzung/Ausbreitung:

Der Flaschenkürbis stammt wahrscheinlich aus dem tropischen Afrika. Wildvorkommen sind heute nicht mehr bekannt (Hegi 2008), allerdings konnten 2004 in Simbabwe Pflanzen gefunden werden, bei denen es sich möglicherweise um Urformen handelt (Decker-Walters & al. 2004). Die Art zählt zu den ältesten Kulturpflanzen der Erde und ist heute pantropisch verbreitet. Die Domestizierung dürfte mehrfach unabhängig voneinander von statten gegangen sein, so in Amerika, Ostasien und Afrika. Der Flaschenkürbis wurde in Mittelamerika bereits 7000 v. Chr. genutzt, ebenso in Ostasien.
Ursprünglich nahm man an, dass die Pflanzen am Landweg über die spätglaziale Beringlandbrücke Amerika erreichte. Neuere Untersuchungen kommen zu dem Schluss, dass die Pflanze mittels transatlantischer Drift von Afrika nach Mittel- und Südamerika gelangte. In Ägypten wird der Flaschenkürbis seit spätestens 2500 v. Chr. genutzt. Von dort gelangte er auch ins europäische Mittelmeergebiet und im Mittelalter nach Mitteleuropa, wo er als Gemüse kultiviert wurde. Die unreifen Früchte werden gekocht als Sommergemüse verwendet, die reifen Früchte als Kalebasse zum Aufbewahren von Speisen und Getränken. Der Flaschenkürbis wurde später von den amerikanischen Kürbissen der Gattung Cucurbita mehr und mehr abgelöst. Aufgrund seiner dekorativen Früchte und deren Gebrauch als Gefäß oder Weinheber aber dennoch gelegentlich kultiviert und im Gebiet sehr selten subspontan auftretend. 

 
DEUTSCHLAND:
1903 für Mannheim zwischen Oftersheim und Hockenheim in Baden-Württemberg angegeben (Höck 1910, Hegi 2008), 1903 für Forsthof bei Nürnberg und 2006 Autobahnabfahrt Bamberg-Hafen nahe Hallstadt in Bayern (Vollmann 1914, Lippert & Meierott 2018, Meierott & al. 2024), 2012 auf der Kompostdeponie Schlitz in Hessen (Gergor 2013), 1914 bei der Wollwäscherei Hannover-Döhren in Niedersachsen (Scheuermann 1918, Hassler & Muer 2022) und Sachsen-Anhalt (Hassler & Muer 2022)
ÖSTERREICH: ---
SCHWEIZ:
Ehemals bei Genf (Hegi 2008).
ANDERE LÄNDER:
Subspontan u.a. auch in den Niederlanden (FLORON 2021), seit 1999 in Schweden (Seebens & al. 2017) und in der Slowakei (Medvecká & al. 2012).

 

Quellen

Decker-Walters D.S., Wilkins-Ellert M., Chung S. & J. E. Staub (2004): Discovery and Genetic Assessment of Wild Bottle Gourd [Lagenaria Siceraria (Mol.) Standley; Cucurbitaceae] from Zimbabwe - Economic Botany. 58 (4): 501–508.

FLORON (2021): Floron Verspreidingsatlas Vaatplanten – www.verspreidingsatlas.nl

Gregor T. (2013): Fundmeldungen. Neufunde-Bestätigungen-Verluste – Botanik und Naturschutz Hessen 26: 206-213.

Hassler M. & Muer T. (2022): Flora Germanica – Bildatlas der Farn- und Gefäßpflanzen Deutschlands. 2 Bände.

Hegi G. (2008): Illustrierte Flora von Mitteleuropa, Band 6 (Teil 2A). 2.Aufl. – Weißdorn-Verlag Jena.

Höck F. (1910): Ankömmlinge in der Pflanzenwelt Mitteleuropas während des letzten halben Jahrhunderts, XXVI - Beihefte zum Botanischen Zentralblatt 26: 391-433.

Kew (2023): Kew science – Plants of the World Online - Plants of the World Online | Kew Science



Lippert W. & Meierott L. (2018): Kommentierte Artenliste der Farn- und Blütenpflanzen Bayerns – Vorarbeiten zu einer neuen Flora von Bayern. 251 S.

Medvecká J., Kliment J., Májeková J., Halada Ľ., Zaliberová M., Gojdičová E., Feráková V. & Jarolímek J. (2012): Inventory of the alien flora of Slovakia. – Preslia 84: 257–309.

Meierott L., Fleischmann A., Klotz J., Ruff M. & W. Lippert (2024): Flora von Bayern – Haupt Verlag, Bern, 4 Bände.

Scheuermann R. (1918): Beitrag zur Kenntnis der Adventivflora Hannovers – Jahresbericht der Naturhistorischen Gesellschaft zu Hannover 62-68: 8062-8080.

Seebens H., Blackburn T. M., Dyer E. E., Genovesi P., Hulme P. E., Jeschke J. M., Pagad S., Pyšek P., Winter M., Arianoutsou M., Bacher S., Blasius B., Brundu G., Capinha C., Celesti-Grapow L., Dawson W., Dullinger S., Fuentes N., Jäger H., Kartesz J., Kenis M., Kreft H., Kühn I., Lenzner B., Liebhold A., Mosena A. (2017): No saturation in the accumulation of alien species worldwide. Nature Communications 8(2).

Vollmann F. (1914): Flora von Bayern – Ulmer-Verlag, Stuttgart, 840 S.